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Jüdische Rundschau · 1907-03-01 · Heft 9 (1.3.1907) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 9 (1.3.1907)
Date
1907-03-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 86 JÜDISCHE RUNDSCHAU - - - — <*"*■ -r - — ■*■»**■*■ _ _ _ — sollte lernen, dass sie wieder im Volke Wurzel fassen . muss, und dass sie das am besten kann, wenn sie die! Ideale der nationaljüdischen Jugend nicht antastet. Sie \ sollte begreifen, dass die hebräische Sprache anstelle ‘ der französischen im Orient zu setzen ist. und ihren j grossen Einfluss auf das Jüdische Volk in nationalem; Sinne nutzen. Vor allem aber sollte sie ehe Allianz nicht nach dem ersten Schritte stehen bleiben, den sie soeben; gemacht hat, sondern forttahrai, für s'ch selbst tätig zu sein. Denn sie hat die Pflicht, dahi/t zu wirken, das> jeder Jude, der dazu imstande ist, ihr Mitglied wird, i Fflicht der Zionisten ist es. durch ihre! Eintritt i/1 die! Allianz das nationale Moment in ilizu stärken und j ihr das frische Blut zu geben, dessen sc dringend be- J darf. Jedenfalls freuen wir uns, dass ehe Allianz nicht mehr schläft, sondern dass sie sich doch wfeder regt und bewegt. Hein rieh Sac h!> e. * Unsere Studenten ' (Eine kritische Betrachtung.*) j Der Anlass zu den iolguidcn Ausführungen, die sich aul j die österreichischen Verhältnisse beziehen, entspringt vor allem : der Notwendigkeit. Rückschau zu halten über die Tätigkeit : jener jungen Leute, die -- wie man sagt — zur Avantgarde der zionistischen Bewegung gehören, andererseits soll aber in demselben Zusammenhänge auch der Kritik das Wort erteilt werden, deren Aufgabe cs ist. in vollster Objektivität ein entsprechendes Urteil über unsere Studenten in ihrer heutigen nationalen Denkungsart offen ausztisprechcit. Es soll ohne irgendwelche gefällige Gewogenheit das Verdienstliche hervorgehoben und Lobenswertes betont werden; die bcabsiehtigte Klärung könnte aber nicht erreicht w'crden. wenn trau von Anfang an darauf abzielte, über anstössige Eigenheiten schmiegsam hinwcgzulenketi oder z.uruckzuhaltcn. wenn es! Kilt, auch trübe Seiten durch die scharfe Lupe zu betrachten. Allein das Bestreben, dem Leser ein vollkommen klares Bild zu zeigen, bürgt für die Berücksichtigung aller einschlägigen j Umstände und deutet zugleich aut die vorurteilsfreie Tendenz j dieser Zeilen hin; sie sollen weder den einen ad gratias dienen noch als böswillige Pointe gegen andere aufgefasst werden. Dies den Studenten. Das lesende Publikum möge jedoch in *) Wir geben diese Meinungsäusserung, die österreichische Verhältnisse zum Ausgangspunkte hat. wieder, weil auch unsern deutschen Studenten, auf die die Ausführungen keineswegs u:t- : bedingt zutreffen, diese Erörterung jedenfalls von Vorteil ist. j (Die Red.) : Thora-Lehren findet, den soll man grausam seinenן .־ Lebenselement entrissen?! Nie und nimmer gebe ich es zu, viel weniger noch biete ich meine Hand dazu.4 ״Sie meinen es ja gewiss gut. Es ist wohl wahr, dass Ihr Bruder auf seinen Beruf als ״Mclamed” nicht wenig stolz ist. Indessen wird ihm sein Beruf nicht nur von Feinden durch alle erdenklichen Mittel verleidet. Was nützt es, \v2nn man mit dem Brustton der Ueber- Zeugung die ״Mission4’ in allen Tonarten bcsi'.igt, wälirettd sogar diejenigen, denen sic in erster Reihe z! g»ae kommen soll, nichts ven ihr wissen wollen. Die heutige Generation kehrt vielfach der jüdischen Lehre, als veraltct und unmodern, geringselüitzend, ja sogar verachtlieh den Rücken. Viele sehen ihren Stolz darin, ihre Kinder ״christlich44 zu erziehen. Allenfalls sind cs nach die Kinder der Armen, die er für einen kärglichen Hungerlohn zu unterrichten hätte, was er auch in gc* dttkiiger Bescheidenheit, mit Liebe und Beharrlichkeit, ohne Unterlass •tun w ürde, wenn eben die tückische Kränklich ihm dieses nicht unmöglich machte. Wts sollte aus der ״gepriesenen” Mission w erden, wenn ih:1 der sichere Tod, falls er in den drückenden, jänmicrliehen Verhältnissen verbleibt, jäh dahin rafft?!44 — ״Wo bleiben doch die Jungen? Verzeiht :'men Augenblick, bin gleich wieder liier,״ - \ No. 9 diesem Falle aus den engumzirkehen Grenzen der informativen Kenntnisnahme heraustreten und sein Interesse diesem Gebiete mit williger Aufmerksamkeit zuwenden. Es ist allgemein anerkannt, dass der jüdische Student für die nationale Wiedergeburt von nicht zu unterschätzender Bedciitung gewesen ist. Diese Erkenntnis hatte zu Anfang der zionistischen Bewegung in den führciHlen jüdischen Kreisen feste Wurzel gefasst und fand in den agitatorischen und organotorischen Erfolgen, an denen die jüdischen Studenten einen ziemlich bedeutenden Anteil hatten, ihre volle Rechtfertigung. Trotz dieser vielseits gezollten Anerkennung sind in letzte! Zeit Stimmen laut geworden, die den Jüdischen Studentenkreisen den Vorwurf der Verflachung und der Hohlheit machen, ia es hat bei manchen die Meinung Platz gegriffen, dass die jüdischen Verbindungen und Vereine mit ihren auf nationalem Boden geschaffenen Programmgehäiisen den Krebsgang in jene Welt wieder antreten, aus der sie Herzl gerettet hat. Ein derartiges Urteil, das vernichtend wirkt, entbehrt aber des allgemeinen Gesicjitspunktes und ist zu stark auf die Spitze gctrieben; nichts destoweniger birgt es unzweifelhaft einen wahrer. Kern in sich. Penn cs ist Tatsache, dass jetzt ein Rückschlag in der Betätigung des jüdischen Studenten wahrzuiiebmen ist. Diese Zwiespältigkeit der Akimmgeu lässt sich' nicht auf die diversen Auffassungen über die Aufgaben des jüdischen Studenten zurOekn.hren -- denn die einen stellen borucru gen, die die anderen verurteilen sondern geht auf ein Moment zurück, das oft ausseracht gelassen wurde, das aber uie einzige Richtschnur in dieser Frage ist: Es ist dies nämlich die nicht wcgzulcugnende Piüereiizicrtheit der jiidisehen Massen. Mag auch zugegeben werden, dass die nationalen Forderungen, die an die jüdische Jugend gestellt ueruei! müssen, nicht nach dem indivkluel! Zuständiiehen taxiert werden können, so lässt sich heim besten Willen die Tatsache einer materiellen Sonderung des ost- und westindischen Elementes nicht aus der Welt schaffen. Geradeso vie ungleichartige Schicksalsschläge es waren, unter deren Banne Ost- und Westjuden im Zionismus sich vereinigten, ebenso verschieden in ihrem Wesen sind die Studententruppen, die sici! tun die jüdische Fahne gesammelt!iahen. Eine richtige Beurteilung des jüdischen Studenten kann, daher nur ans der Erkenntnis dieses Gegensatzes geschöpft werdet!. Diese Scheidung finden wir zti jeder Zeit und überall, auf den Kongrossen nicht minder wie im jetzigen politischen Leben, auf sprachlichem Gebiete ebenso wie auf sozialen! und in vielen anderen Niianccn stark hervortreten und es wird allgemein zugegeben, dass der edelste Kern jüdischen Volkslebens in reiner und von äusseren Einflüssen unversehrter Wesenheit nur in den ostjiidischcn Massen sich erhalten hat. Wenn dieses Faktum hier besonders unterstrichen wird, so geschieht es sicherlich nicht in stolzer Überhebung oder etwa, um den! Wesijudcn in seinem Werte für unsere Sache Abbruch zu tut. -- derlei Motive seien mir ganz fern - sondern vielmehr deshalb, um der Generalisierung ungünstiger Äusserungen ent- ״Katarinka! — Bitte den Herrn Pfarrer, die Stund.* heute abzukürzen. Die Kinder müssen fort. Der Herr Pfarrer möchte aber entschuldigen und cs nicht fiir tmgut rihnien. Dann noch eins; Ich höre eben, dass mei.i Bruder krank ist; wir wolkn also atn Sonnabend auf unserer Ausfahrt bei ihm anhaltcn ,.Was?! Bei dem altert'polnischen Juden?! Na, das fehlte .!och! -- Lächerlich!“ ״Aber Frau! Wie kannst Du nur so sprechen? Was waren dem! Peine und meine Ehern anders als polnische Juden? Uebrigens kannst Du beruhigt sein, ich meine mir, dass wir tu der Ecke anhalien lassen und durch Johann einige Erfrischungen und etwa י (leid luudnschickeü. Dann haben w ir ja unsere Schuldigkeit getan.4’ - . ,.Nun, mein Lieber, Ihr entschuldigt doch die kleine Unterbrechung? Ich habe mich auch beeilt.” ״Al so Ihr meint, dass es für in.iuen Bruder kein anderes Mittel zur Gesundung gäbe, a)s dass er an einen Ort übersiedle. wo er unbedingte Ruhe und gesunde; Luft findet? Jur wollt meine Bedenken einfach 1111 wv.gdisputierc.1? Nun gut, gesetzt dtn Fall. Ihr hättet recht, wer bürgt aber dafür, dass nicht alsdann che ״andere” Krankheit bei ihm sich cinstclit. bei der Etv.r Allheit- Mitte! sich nicht bewährt und er docli sterben muss?! m mm•

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