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Jüdische Rundschau · 1907-02-22 · Heft 8 (22.2.1907) · page 18

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 34 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 8 twtisten Fällen nicht zu und wenn die Sache richtig eiligeleftet ist. und wenn sich dann — und das ist allerd'ngs sehr wichtig — ein Mann findet, der am selbe!! Platze oder In der Nähe wohnt und sich der Angelegenheit anmmmt. dann wird der Erfolg auf die Dauer niemals ausblcihcn. Aber selbst, wenn ein greifbarer Erfolg zum ersten und auch Zum zweiten Male nicht zu verzeichnen ist so wollen wir uns doch \or Augen halten, dass wir die Agitation nicht um der Agitation willen betreiben. Wem! wir den guten Leuten auch mir einmal sagen, was Zionismus ist, so ist das schon Eriolg genug und es liegt an uns, wenn wir die Indifferenz der Leute iv'elit weiter beheben. Jedes Wort, das über den Zionismus gcsprocbcu wird, ist ein Gewinn. An solchen Plät/.en. wo agitiert werden soll, und es so!! und muss agitiert werden au allen Platzen, wo eine einigermassen hinreichende* Zahl von Juden wohnt, d. h. in allen Geinclnden von 15 Familien an. ist entweder ein Herr oder sind mehrere ausfindig zu machen, die swlt der Sacltc aunehmen oder aber dieses wird von einem auswärtigen Herrn besorgt, der mit den Verhältussen der betreffenden Ortschaft e iligermassen vertraut ist. Fs genügt ׳>. einem solchen Falle, wenn diese Persönlichkeit die eine oder andere Familie des in Betracht kommenden Platzes kennt. Und da es in der Rhein• Provinz und in Westfalen noch eine Menge Plätze gibt, wo zwar Zionisten wohnen, wo aber r'clusdestowenißer zionistisehe Gruppen nicht existieren, so haben wir wahrhaftig vorderhand Ortschaften genug, wo wir aufangen können, zu arbeten. Die Kölner Ortsgruppe ist bered, alle VorarlKlten in die Hand zu nehmen, die Korrespondenz zu führen usw.. sie erwartete lediglich dass die übrigen Herren sielt gleichermassen auf ihre Pflicht besinnen, sieh endlich von allen Vorurteilen, insbesondere solchen nersönheher Natur, frei machen und kräftig und unverzagt nmhelfen. Dann w'rd man Lrfolge erzielen an Platzen, wo früher hundert gegen, eins gewettet worden wäre, dass nichts dort atifkommcn wird. Die Veranstaltungen. d:e zu treffen sind, sind leicht und bekannt. Ein genüge ld grosser Saal ist zu nehmen, der in den meisten Fällen, da ja!ח den Versammlungen verzehrt wird, frei zu haben ist. Wenn irgend möglich, ist der Vortiag im Rahmen irgend eines bestellenden jüdischen Vereines zu arrangieren. Das lässt siel! viel öfter machen, als man annimmt, und insbsondere an kleinen Plätzen, ist der betreifende Verein gewöhaFch sehr frrli. seinen Mitgliedern etwas bieten zu können und zahlt unter Umständen noch etwas dazu. Die I!!nladungen sind immer an alle Gcmeindcmitglieder zu schocken.. Die dazu erforderliche Liste nass eben beschafft werden und ist. wenn man sich der Mühe unterzieht, immer zu haben. Die Einladungen können evtl, von Köln aus versandt werden. Bei Vorträgen r'mierhalb nichfzion'stisch.-r Vereine ist manchmal ein nicht offen zionistisches Thema -- Die jüdische Volksbev'cgung. Modernes Judentum etc.. — vorzuziehen. Manchmal ist die Verschickung von Flugblättern vor den! Vorträge angebracht, aber durchaus picht immer. Die Versammlung muss immer mit anschliessender Diskussion und möglichst unter Zulassung von Damen veranstaltet werdet;. I tuntcr ist nach dem Vorfrage resn. der Diskussion e;ne Liste zum Finzeiclmeo aufziilegen. Der Schekel resp. der Beitrag soll mir dort nicht sofort eingezogen werden, wo trän sicht, dass man in nächster Zeit wiederkomntc!» und evtl, grössere Erfolge erzielen kamt. Noch der ersten Versammlung •st entweder gleich ein Komitee ztt bilden, das sich der Ncugnii'dung annimmt. oder man leitet die neue Ornnne zunächst von dem gründenden Vereine aus. Alle neuen Mitglieder halten schnellstens Prohemmtmern der WELT und dt*r RUNDSCHAU zu bekommen. Und möglichst schnell, spätestens nach vier Wochen ist ein /water Abend, am besten ein iungiiidtschcr Vortragsabend, zu arrangieren. Damit komme ich zu dem Vereinsbetrieb in bereits bestehenden Vereinen. Zunächst muss ich da auf einen Uebe!־ stand hinwwsen. der ziemlich allgemein herrscht und der auf einem bedauerlichen Missverständnis der Aufgaben des Vcremes beruht. Man klagt immer über Mangel an Stoff und Rednern und kommt auf diese Weise nur selten zu einigen Vcr- Sammlungen in ganz unregelmässige!» Zwischenräumen. Man veranstaltet Vorträge nur. wenn man sicher *st. einen ganz, guten Redner und ©•11 grosses Pubkkum zu haben. Man meint eben, jeder Vortrag müsse ein Agitationsvortrag grossen Stiles sein und vor grossen Mengen gehalten werden. Sonst leide das Ansehen des Vereines usw. Nichts ist falscher als dieses. Wenn der Verein seinen Mitgliedern lieb sein soll und sie und neue anzrehen soll, muss er ihnen etwas bieten. Er muss als Verein ■funktionieren. Und dieses erreicht man mir durch ganz regelmässige Veranstaltungen. Als Regel muss gelten: Der Verein hat seilte Mitglieder alle vierzehn Tage, besser noch jede Woche, zu versammeln. Grosse Agitationsversammlungeu mache man nur. soweit die Kräfte des Vereines cs znlasscn, und wenn alle Umstände günstig sind. Dagegen suche man die internen Vercinsahendu interessant 711 machen indem man den Kreis der in ihnen zu behandelnden Dinge möglichst weit zieht. Falls ein Referat nicht mogbeh ist, unterhalte man sich über die Ereignisse der verflossenen Woche, sow^ip sie mit den! Judentum resp. dem Zionismus in -Verbind.mg •stehen und Vcrtrete dabei den zionistischen Standpunkt. Matt les: aus den zionistischen Zeitungen vor. bespreche die Gepieindeangclcgeiiheitert in zionistischem Sinuc lintfbjasse audt die Jüdischen Pinge von allgemeinen! Interesse Revue passieren. Ohne dass der Verein sich dabei am* irgend* einen Parteistandpunkt fest- Zulagen braucht, wird es immer möglich sein, den positiven zionistischen Standpunkt, der immer auf die Erhaltung des Judentums und des Jüdischen gerichtet ist. Iterauszukehren. So mache man allmählich den zionistischen Verein zum jiidisehen Diskmicrkltib des betreffenden Ortes. Viele Leute,' die in grossen Versammlungen nicht gerne den Mund auftuit. sind in kleinem Kreise zum Sprechen zu bringen, sie tragen und erhalten Antwort. So wird ihnen allmählich der zionistische } erein ein lieber Ort. wo sie sielt über alle jüdischen Dinge informieren können. — Wie cs aber auch sei. der Verein darf niemals stagnieren. Stagnieren heisst sterben und tot sc n. Die Kölner Zentrale, neunen Sie sie meinetwegen Distriktsbureau. müsste zweekmässigerwuse von jedem gelungenen Vortrage eines Vereines informiert werden. Auf diese Weise wäre sie in den Stand gesetzt den anderen Vereinen Mit- Uilung davon ztt machen, damit diese evtl, den bet reff enden \ ertrag bei sich halten lassen können. Das müssen mclit immer erstklassige Redner und Vorträge seit׳. Ein Vortrag, der in Mayen gefallen hat. ist aveh in Duisburg zu gebrauchen usw׳. Und die Kosten sind l ei Reiset intierhaib der Piovinz nicht gross. Vielleicht konnten diese Mitteilungen der Kölner Zentrale mit der Zeit ausgebaut werden, etwa in der Art. dass von hier aus Vo!schlüge zu Vorträge׳!. Diskussionen etc. gcgeben werden. Nehmen wir ein Beispiel: Pas Texaspro-ekt der Jto gebt durch die Zeitungen. Die obengenannten Mittvilungen könnten die Vereine darauf aufmerksam machen und zugleich einige Richtlinien geben, wie die Sache zweckmässig zu behandeln ist: die Jto hat damit ihre Autonomie plätte aufgegeben, sie;st rein philanthropisch geworden etc. Und nun einige Vorschläge zur Praxis. Zunächst ist dafür zu sorgen, dass Duisburg w־ic־der in Ordnung' kommt. Wir können verlangen, dass persönliche Streitigkeiten nirgends die Agitation stören. Die Kölner Herren sind bereit, im Laufe der nächsten sechs Wochen zwei Vorträge in Duisburg zu halten. Auch in Mayen könnten von Köln aus Vorträge gehalten werden. Vielleicht wäre dort einmal ein jungjüdischer Abend am Platze . Dabei kann ruhig Entree erhoben werden, vielleicht 30 Pf. pro Person. Sodann solhe eine Tournee durch die Rhcinorovinz und Westfalen arrangiert werden. An folgenden Plätzen haben wir Vertrauensmänner; Bonn. Düsseldorf Mülheim a. Ruhr. Essen- West. Aachen, Elbcrield. Hagen, Schwein!. Oelsenkirchen. Warbt! rg-W. Dass in Bonn. i:t einer Universitätsstadt, keine Gruppe existiert, ist einfach skandalös! Das ist ein sehr deutlicher Beweis für die hier leider sehr oft gemachte Erfahrung von der Unzuverlässigkeit der zionistischen Akademiker. 111 Bonn muss unter allen Umständen eine Gruppe zu gründen und zu halten sein. . Wenn eine Gruppe derart zusammengestellt wird, dass sich die Ortschaften zuvor gegenseitig verständigen sodass die Reisekosten nicht zu gross werdciC braucht ein Vortrag durchschnittlich nicht mehr als 20 Mark Unkosten zu machen. Und das könnte schhesslich aufgebracht wgjden entweder durch Beiträge der betr. Vertrauensmänner res!5 Vereine, oder durch Erhebung eines kleinen Entrees. Die heutige Versammlung möge sielt nun darüber einigen, wie eine Tournee zu machen ist. Von Köln aus müsste an die Orte, die hier nicht vertreten sind,־ geschrieben werden, damit alles geschieht, um auch dort die1 Arbeit wieder in den Gang zu bringen. Was ich sagen wollte, habe ich gesagt. Ich wollte Ihnen zeigen, dass Mutlosigkeit ebenso scltlütun wie ummgebracht ist. Es ist' durchaus kein Orurd vorhanden, zu verzagen. Machen Sie uns praktische Vorschläge. Nennen Sie uns einige Plätze wir sind bereit, dorthin zu gehen und zu sprechen. Nur müssen Sie uns dabei helfen. Und das könnte zunächst und atu besten dadurch geschahen, dass Sie etwas Geld zu den Kosten beisteuern, und zwar möglichst sofort und möglichst viel. Dann nmsste es mit Wundern zügelten, wenn

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