Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-02-22 · Heft 8 (22.2.1907) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2651500-2651509--04428-2661401
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 80 No. 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU ferner in den letzten Jahren gestiegen, denn 1S98—l«x»l betrug sic nur 10,99 (Bericht über die niederöstcrreichiscli. Irrenanstalten fiir 190’). (Z. f. D. 11. St. d. J.). Hoppe. Alliance Isra^lite Universelle Wir geben den Wasch ettcl wieder, der den deutschen Tageszeitungen fihersandt wurde über die Frankfurter Tagung der Alliance: Alliance lsraälite Universelle• Die Deutsche Konferenzgemeinschaf t der Alliance Israel ite Universelle ha: unter dein Vorsitz der Herren Oehcimrat üol.dberger- Berlin und Charles L. Hai!garten- Frankfurt a. M. im Saale der Frankfurt-Loge ihre vierte Tagung abgehalten. Den Rechenschafts- und Arbeitsbericht fiir 1906 erstattete Geheimrat Goldberger. Der Berich! konstatiert das Aufblühen der Alliance in allen Teilen Deutsch- Jands. die Erweiterung ihres gesamten Arbeitsfeldes und die Ausgestaltung ihrer Tätigkeit im Geiste ihrer Stifter. Nach Verlesung mehrerer Begriissungsschreihen wurde der dahin* gegangenen Freunde gedacht, namentlich des jüngst!!einigegangenen Ehrenmitgliedes des Zentralkomitees Direktor Dr. Baei'wa! d. Der Arbeitsplan fiir das Jahr i(7' ׳׳ iand'allgemeine Zticimmung. ,Ferner winde als einhcJigcr Ausdruck der Wünsche und des Willens der D e utsc I! e n Komeren/gemeinschuft testgestellt, dass die Organisation der Deutsche 11 Konferenzgenieinschaft im Deutschen Bureau. Berlin, endgültig zu zentralisieren ist, damit die einheitliche Tätigkeit überall desto kräitiger einsetzen könne. Die von der D entsc h cn Konferenzgemeinschait nach J*a r is zu richtenden Anträge hatten ü:e A 11 i n 11 c e s c 11 u I e n und die Ausbildung der künftigen Alliancesclmllehrf r zum Gegenstand. Das Zentralkoniitee hatte bereits Ende vorigen Jahres beschlossen, in Zukunft eine Anzahl von dem Lehrerseminar in Paris ausgebildeten künftigen Lehrern der Allianceschuien zur Erlernung der deutschen Sprache fiir einige Zeit nach Deutsch- ]and zu senden. Die neuen Wünsche gehen dahin, dass der deutsche Sprachunterricht weiterhin ausgedehnt und da. wo Cr noch nicht erteilt wird, aber ein Bedürfnis hierfür vorliegt, eingeführt werde. Das gilt besonders für die Alliance schulen in Marokko. Eine andere Forderung geht dahin, dass namentlich für den deutschen Sprachunterricht geeignete Lehrkräfte nach dem Vorschlag des Präsidiums der Deutschen Kouferenzgemeinschaft der A. I. U. angestellt werden sollen. Endlich wurde vorgeschiagen, das Zentralkoniitee der Alliance Jsradlite Universelle möchte darauf Bedacht nehmen, allmählich die Ausbildung einiger Alliancescluillehrer in Deutschland zu bewirken. Schekelsammliing in Oesterreich Das Inneröstcrrelchlschc Distrlktkomltec des Verbandes Zion hat die Schekelsammltmg pro 1907 für die Zeit vom 15. bis 2$. Februar festgesetzt und nachstehenden Aufruf erlassen: Gesinnungsgenossen! Die Schekelzahlung als Bekenntnis zum ־/j'onistisohcn Programm wird dieses Jahr gewiss mit erhöhtem Stolz, geleistet werden. Denn nicht nur die Zahl der Anhänger, auch das Gewicht und Ansehen der zionistischen Bewegung ist gerade in letzter Zeit mächtig gewachsen. Neuerlich hat es sich gezeigt, dass der Zionismus, indem er unausgesetzt daran arbeitet, dem jüdischen Volk eine bessere Zukunft za schaffen, zugleich die einzige jüdische Bewegung ist. welche den au das Judentum herantretenden Problemen des Tages gewachsen ist und eine wirklich fruchtbare Gegenwartsarbeit z!1 leisten vermag, und so wird der zionistischen Bewegung fast utibcstritte« die Führung in allen das Judentum bewegenden Fragen überlassen. Dies ist niemals so deutlich hervorgetreten. wie anUisslieh der fiir die Zukunft der Juden so wichtigen politischen Umwälzungen, welche sich jetzt in ()esterroch vollziehen._ Die zionistische Organisation in Oesterreich beschäftigt sich als solche nicht mit Fragen der inneren Politik, ist keine politische Österreichische Partei. Als aber die Wahlreform fiir die Juden ln' Oesterreich zu einer Existenzfrage wurde, als es sich zeigte, dass das neue Wahlsystem je nach seiner Gestaltung entweder die Juden gänzlich aus dem Parlamente verdrängen oder umgekehrt gerade ein Mittel sein konnte, ihnen dauernd eine wirksame und unabhängige und achtunggebietende parlamentarische Vertretung zu s'chern. da waren es die Zionisten, und nur diese allein, welche die Situation erfassten und beherrschten. In hunderten zionistischen Ver- Sammlungen, in zionistischen Massenpetiibucn und Masse«־ tclcgrammen kam das Verlangen nach ehier entsprechenden jüdischen Minoritätsvertretung stürmisch zum Ausdruck, und als wenigstens die Schaitung einiger überwiegend jüdischer Wahlkreise durchgesetzt worden war. wurde durch die Zionisten eine jüdisch-politische Partei. d;c ..Jüdische National- Partei m Oesterreich“, geschaffen, ein Jüdisch-österreichisches Progiamm entworfen, die Vorbereitung für die nächste Wahl- Kampagne getroffen, und aber Voraussicht nach, wie es •n Russland geschalt, werden einige unserer Führer als unerschrockenc und einzig berufene Vertreter jüdischer Volksinte ressen in das nächste Parlament gelangen. Der Kampf imicrhalh des Judentums, das heisst, um eine aufrechte nationalbewusste und soz.ialtortsclirittllche Kulmsripräsetuanz ist von uns überall mit Nachdruck und Würde geführt worden: dieser Kampf hat sich insbesondere in W'ten zu ober imponierenden lleebscliau über die unaufhaltsam wadisende Zahl unserer Anhänger gestaltet und weiten Kreisen des Judemnms neues Interesse für jüdische Fragen eingeflösst. Indem der Zionismus sich so den Kämpfen und Sorgen des täglichen Lebens nicht entzieht, wc׳I ihm nichts Jüdisches fremd ist. lässt er die Förderung seiner Hauptaufgabe, der Bildüng eines jüdischen Volkszentrums in Palästina keinen Augenbück ausser acht, .sondern die Arbeit hierfür wird immer ausgedehnter und erfolgreicher. Auel! dem Skeptischesten wird nun klar, dass durch eine mit modernen Mitteln und Methoden arbeitende, j!!;<״mäsige, grosszügige, auf dem Volkswfllen sich aufbauende und dem \ olksemut ,;de!! Rechnung tragende W irtseiiaits- und Sozialpolitik, wie sie du reit die zionistische ü:ganisr.tba jetzt in Palästina kmieben wird. in Verhältnismassig kurzer Zeit ganz andere Erfolge erzieh werden als durch das bisherige, viele Millionen fruchtlos verschwendende * liimaun um.w. hmnmiss'on sind planmässig;5 in Palästina, solange er Die Aktionen unserer Palästin. darauf gerichtet, Grund und B׳>J .. __ _״. noch zu!!lässigen!,reisen erhältlich ist. in jüdische Hände zu bringe:; (Paläst!narfla:!7.!!:׳.gsvep.־in). neben der Förderung der bestehenden jüdischen Kolonien (Bildung vor. Kredctgenossenschafum. Lehrfarm. landwirtschaftliche. Versuchsstation) grosse leistungsfähige Piumageminbcrnehnuingen ins Leben zu rufen (Agrikult!1 rgcsellschaft >, Kunstgewerbe und Hausindustrie zu entwickeln (,Bezaiel), das Land industriell zu erschlossen (Industriesyndikat). wobei unsere Pahist'nabank mit dem immer weiter sich ansdehnenden Netz ihrer ,Filialen alle diese Aktior.en auf das nachhaltigste stützt und fördert. Mit der Entwicklung der genannten Unternehmungen werden einer beständig steigenden Zahl von in Palästina ansässigen und dah'n zuströmenden Juden Erwerbsniöglichkciten geschaffen, wobei das neugegründete Informationsbureau in Jaffa durch seine beratende Tätigkeit bemüht ist. die Art und Stärke der Einwanderung nach Möglichkeit mit den im Lande herrschenden Verhältnissen in Einklang zu bringen. Diese kraftvolle Betätigung auf allen Gebieten jüdischen Lebens hat siel! als die w irksamste Propaganda für die ziom'sttsehe Idee erwiesen. Der Vorwurf der Utopie ist fast ganzlieh verstummt und täglich strömen der zionistischen Organ!- satioa neue Anhänger zu. Alk!.! it unserem Distrikt haben s'*ch von 195»"׳ bis 191)6 die Schckeleingängc lim 50 Prozent gehoben. In immer weitere jüdische Kreise dringt die Er- Kenntnis, dass cs ausserhalb des Zionismus kein Judentum gibt, Es gibt zwar viel ...Hübsches“: ..jüdische Philanthropie, jüdische Religiosität, jüdische Wissenschaft usw.“. aber es gibt nur eine grosse Synthese des Judentums: den Zionismus. Der Zionismus ist die polnische, soziale und kulturelle Renaissance des jüdischen Volkes. Er ist die Liebe zur jiidisehen Freiheit. Fr ist das Ilcinigefühl fiir den jüdischen Boden. Er ist der Stolz auf unsere Geschichte. Der Ziontsinus ist d:e ideale Forderung an jeden Stammesgenossen, die sittliche Pflicht cüies jeden Juden. Wer Jude sein will, hat sich zum Baseler Programm 7.n bekennen und dfe neue jüdische Volkssteuer, den Schekel, zu entrichten! Mit Zionsgruss: Das Innerösttrreicliisehc Distrikskomitee. IX. Türkei!str. 9: Dr. Is'dcr MarguUcs. Obmann. Emil Stein, Schriftführer. Adoli Bohm. Dr. Paul Weisengrün. Heinrich Lederer. Max Markus. Leo van Yo׳mg. Dr. Leopold Meise!.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.