Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1907)
- Date
- 1907-02-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 78 iOfriscHfe RUNDSCHAU No. 8 ״Hotel Quth“. II.. Stifanicstr’ K cinzubcrufeig An alle, welche in Erkenntnis der Wichtigkeit dieser Kandidatur für die fnteresen der jüdischer! Oesamtho t und die Ehre des Jü.lisehen Naroais unser Unternehmen zu unterstützen geneigt sind, ergeht hiermit die Einladung, bei dieser Versammlung sich einzufinden. Der Obmann des Wahlkom’tces: Dr. Jnser Winternitz, Hcf- und Gcrichtsadvokat. II״ Praterstr. 13. Zur Kandidatenfrage Zur Kandidatcufragc schreibt in Bloch *s ÖSTERREICiil- SCHEN WOCHENSCHRIFT unser Gesinnungsgenosse Julius Up rz im ־לח und schliesst seinen Artikel: De Juden werden auf sich allein angewiesen sein, weder die freisinnigen Bürger werden ihnen helfen, deren ganz freier Sinn ihnen Kompromisse mit den Reaktionären ermöglicht, noch die freisinnigen christlichen Arbeiter, deren Anhänglichkeit in der sozialdemokratischen Presse gar zu oft mit auttsemitischen Brocken geködert wird. Die Juden werdet alle n Ktgcniiherstehcn e'nerti Parlament, in welchem drei Sechstel stille Antisemiten sind, einer Regierung, d e drei Parteiantisamten zu Mitgliedern hat und deren Chef von den Christlich- Soz/alen aus Ehrfurcht und Zuneigung :tu Ratbausviertel kein Gegenkandidat gcgeniibergestellt wurde. J •' Da heisst es natürlich das bischen Widerstandskraft־ gegen den drohenden Ansturm sorgfältig vorbereitcti lind hüten. Eine solche Widerstandskraft ist uns in ein paar Wahlkreisen gelassen und es wäre geradezu verbrecherisch, sie u'cht so gut als möglich ausznaiit.an. Das legt vor allem der Wähler- Schaft eine dringende Verpflichtung «־;ui. Sie möge sich nicht von noch so klingenden Schlagworten der Measchheitsverhriideruug betäuben und verführen lassen, die bis jetzt klingendes Blech waren. S:c möge nicht Parteien aut den l.eim gehen, welche zur Zeit der Wahl Gimpelfang betreiben, aber gleich darauf die Lockspeise wieder clnstecken. Sie möge sich nicht bestimmen lassen zu einer gefühlvollen Dankbarkeit für altersschwache Programme und Vertreter, welche den richtigen Moment für ihren cndgült:gen Abgang versäumt haben. Denn das österreichische Judentum hat viel zu wenig, um gtossmütig sein zu können. Es kann andere nicht versorgen, bevor cs nicht selbst versorgt ist. versorgt mit unabhängigen unverzagten, mit Mut und Kenntnissen versehenen parlamentarischen Vorkämpfern. D’cses Bedürfnis müsste der erste Leitsatz der jüdischen Wahlkomitces enthalten, welche an die Lösung der Kandidatenfrage gehen. Von einer Mehrzahl solcher Komitees sprechen zu müssen, tut uns und jedem anderen jüdischen Patrioten leid. Wir haben geglaubt cs werde ein Leichtes sein, eine gemeinsame jüdische Angelegenheit gemeinsam zu betreiben. Vielleicht findet die jüdische Reichskonferenz doch noch statt, wegen welcher wir an die Führer der jüdischen Gemeinden und Parteien appellierten und In welcher dre grossen Mittel *,eschaffen. die besten Erfolge herbeizuführen am besten 2elinccn n־’ür-e• mn 11«ch der Wille oder die Kraft zu o״Lr nicht vorhanden zu sein scheinen, sondern SÄi־ Oraopc« <H« Oesclöit־ der Jodenhcll hMroben. richten wir au diese den Appell, steh nur vom pc!nichsten VerantworlKclAcitssdilhl «ew.ilibcr der Octfcnllichkeit und der näheren und ferneren Zukumt unseres Volkes bestimmen zu lassen. Dazu müsste sie schon der Egoismus bewegen Wenn jüdische Korporationen den Juden Lebensmut und 'jüdisches Interesse cinflösse» wollen, müssen sie ihnen ver allem das Bewusstsein der Kraft geben, jetzt also für die mögVehst beste, möglichst stärkste parlamentarische Vertretung sorgen. Dazu ist vor allem ein Ausgleich, eine Eiulgung in gemeinschaftlichen Interescngcbieten notwendig. Mehr aber noch die sergfältige Auswahl der Kandidaten, damit man nicht gegenüber der Wählerschaft, welche jüd sehe Politik betreiben soll und tnuss. dieselbe Erfahrung macht, wie die PraR'cr Kasmoten mit ihrem Liberalismus. Jetzt ist es nicht zeit für Gefühle, deren Kosten die Allgemeinheit tragen muss. Jetzt hersst .es. mit einem aufrichtigen Herzen und einem klaren Kopf nichts anderes anzustreben, ats das Wohl des Volkes. Die Methode des Prager Kasinos würde sich furchtbar rSclien: wenn auch bei uns persönliche Beziehungen utd Intrigucn bei den Wahlkomitees genügen würden, uni als Kandidat aufgestellt zu werden. Gesetzt selbst den rall, dass durch das Auftreten Ehrgeiziger ohne Wert sich ehe Juden nicht zu allen andere« Parteien verlaufen würden und ohne Jede eigentliche Vertretung blieben, so würde dieser Akt der Politik einmal getingen und nicht wieder, man würde die V er folgten kein zweitcsmal mehr sammeln können, ns wird sich auch jeder um Ansehen und OcKigscliaii׳• bringen, der Prctehtionskinder. nicht berufene Männer ompfiemt. Milnjipr. wie sie für die Zeit von Bedrängnis und Kampf beschaffen sein müssen. Wir brauchen Vertreter, deren Judentum keine K'm- Zession aus Feigheit oder*Vorurteil kennt, die aber auch dem Streit der Argumente gewachsen sind und bei jedem Angriff die Stimme der Wahrheit und Aufklärung erheben können. Wenn es auch an Zahl nur Wenige sein können gegenüber dem grossen Heerbann der Antisemiten, so w־ird doch die Macht der Kenntnisse und der Uebcrzeugmtg immer das Acrgstc verhüten können. Wer uns solche Vertreter schafft, wird des aufrichtigen Dankes der Judenhelt immer sicher sein, die sich unter richtiger Führung zu einer mutigen Kampireihe zusttmmenschUesscn wird. Schicken wir in die jüdischen Wahlkreise nicht die Männer, die nur den Wahlkomitces gefallen; geben svr ihnen die richtigen Kandidaten für die Wählerschaft, damit sie uns* einstimmig die richtigen Vertreter für das Judentum geben, die w׳ir so dringend brauchen für die Zeit der Gefahr. Rabbir.ersiand in Oesterreich Prag. Eine Deputation des Rabbinerverbandes in Böhmen, bestellend aus den. Präsidenten Prof. Dr. Kurheiu (Tepiit/l. dem Vizepräsidenten Prof. Dr. Stern (Saaz) und den: Vorstandsmitgliede Prof. Dr. Buch (Bri;?.) wurde Sonntag den 10. d. M. vom Unterrichtsminister Dr. Marchet empfangen. Der Minister hörte mit Interesse die Ausführungen der Deputation an. gab wiederholt seiner Zustimmung und Billigung Ausdruck, licss sich eingehend über die Einzelheiten!Bericht erstatten und na!,;;: wohlwollend die Petition mit der Bemerkung entgegen, die berechtigten Wünsche der Rabbiner in Böhmen tun־ liehst zu :ordern. Die Audienz wahrte längere Zeit. Die Deputation begab sich auch zum Referenten Herrn Sektioasrat Dr. Pilati. der die Sache eingehend mit den Herren erörterte. Jüdische Gemeinde Olmüiz Olmiltz. Soeben gelangt 0:n Bericht über die Entwicklung der Olmiitzcr israclitisch.cn Kulttisgenicinde in der Verwaltuugsperiodc 19'*5 und 1906. welcher von dem Präsidenten Herrn Dr. J. Eben erstattet wurde, zur Versendung. Aus diesem Berichte ist vor allem eine besonders starke Zunahme der Zahl der Steuerträger zu entnehmen, was wir aus. fotgenden Zeilen, die am Schlüsse des Berichtes stehen, ersehen können: 2000 Seelen zählt heute unsere aus klonen Anfängen hervorgegangene Gemeinde. Sie umfasst 550 kräftige Steuerträger und seit der kurzen Zeit ihres Bestandes - - der kaum anderthalb Jahrzehnte zählt — erzählen uns J2 edle, luimanitäre Stiftungen mir einem Bonde von 62000 K. von dem echt jüdischen Geiste, der alte beseelt. Ebenso lobend wird fm Berichte dre feierliche Würde des Gottesdienstes erwähnt und allen Beamten der Gemeinde die Anerkennung ausgesprochen, wobei noch zu bemerken wäre, dass die Kultusgemeinde daran geht, eine allgemeine Gehaltserhöhung ihrer Beamten in kurzer Zeit durchzufiiliren. Jüdischer Scbulverein Prag. Hoch erfreulich ist das Interesse, welches sich für den jüdischen Schulvcro’n. dessen Gründung in Prag heschlossen worden ist, allenthalben kundgibt. Als Beweis dafür. dass diese Idee «auch weit über die Grenzen Böhmens hinaus vollem Verständnis und den lebhaftesten Sympathien begegnet, registrieren wir die Tatsache, dass Herr Professor Arnold W. Braun aus Meran — ein im *90. Lebensjahre stehender Gelehrter — dem jüdischen Sclmlvcreiu 10 Kr. als Mitgliedsbeitrag zukommeu liess. Das bei der gründenden Ver- Sammlung gewählte Exekutivkomitee arbeitet bereits an Jen Statuen des Schulvereines, welche wohl gegen Ende dieses Monates zur Einrc'chung gelangen durften, so dass der jüdische Scbulverein mit Anfang April seine Tätigkeit wird beginnen können. Deutscher Schulverein Brünn. 111 einer der letzten Sitzungen unseres Kultus- Vorstandes lag ein Gesuch tks'״Ocu1scl1cn Sc hu! vereines wegen Subventionierung dieses ״n a t i on a 1 e n“ S c h u t z v c r c i n c s vor. Der PräsLd?nt Dr. H. Pialla sprach s'clj in entschiedener We:se gegen die Subvcr.tionicrung dieses Vereines aus und begründete die Ah- Weisung dieses Gesuches damit, dass wir Juden von den Deutschen nichts zu erwarten haben. Die Herren sind, ob sie sich deutsch-liberal oder deutsch-fortschrittlich nennen, alles, nur nicht liberal. Dr, Filla wies darauf hin. dass der TAGES- BOTE, das Orgauvder D e u t s e h - E 0 r t s c h r i 111 i c h.e n, sich weigerte, •zugunsten der ru^isc1!e!! Juden einen Aufruf zu bringen. Der Abtrag des Präsidenten Dr. Eialla wurde abge? khnt'.'t