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Jüdische Rundschau · 1907-02-22 · Heft 8 (22.2.1907) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 77 No. 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU .—T r—■**_ —I ■ M. ■II « -- soll der Einzelne das Rüstzeug für eine ernste AuseinandertsetzuDK mit dem jüdischen Problem erhalten. Und wir werden nicht alle in derselben Richtung die Zukunft des Judentumes sehen. Der Schwärmer wird sie anderswo suchen als der kühle 1 Realist, die Vorsichtigen werden andere Mittel, andere Wette für richtig kalten, als die Stürmer und Dränger unter uns. aber immer werden wir darin einig sein, dass die Zukunft der Juden, die Lösung der Judenfrage nicht in der Auflösung des Judentums, sondern in seiner Erhaltung und Entwicklung liegt. Wir glauben der Sache der Menschheit zu dienen, wenn wir fest zu wurzeln suchen in dem Boden, dem wir entstammen. Und unser Ziel ist es wert, dass junge Studenten die besten ־ Tage ihrer Jugend in den Dienst der Korporation stellen. Das : wird ein Ansporn für sie sein denn .wir dienen der Sache des Judentums, wir verschalten dom Namen Jude wieder die Ehre, die ihm gebührt, wenn alle Träger dieses Namens etwas tüclitiges leisten. Wir wollen die Orenzw'iichter des Judentums sein und seine Grenzen gegen alle Feinde verteidigen. Wir; werden den Ansturm der Gegner abwehren und werden dafür sorgen, dass man die Grenzen respektiert. Man soll nicht mehr den stolzen, selbstbew ussten Juden ..mit der verzerrten!,ratze des Assimilutionsjudcn verwechseln,; Alle sollen wissen, dass auch die Juden, wie nur irgend eine Gemeinschaft. St<׳lz j auf ihre Eigenart besitzen. Wir wollen uns selbst erziehen. ־ um so allen Anklagen gegem uns den Boden zu entziehen. s1׳- , weit nicht Uebelwulien und Hass sie erhebt; wir wollen wisse!; was an uns gut ist und schlecht; dann wollen wir an die Arbeit gehen; wir Juden wollen uns seihst unsere Ziikunit schaffen. Es ist eine grosse Zeit. ir. der das Judentum sich befindet. Neues Lehen und alte Irene geben ihr das Gepräge. Lud wir neuen uns. die Jugend dieser Zeit zu sein. Wir werden über werden und diesen Piutz anderen (׳euerjtionc!! überlassen, aber wir glauben, die jüdische Jugend wird!.׳unser gern den Kampf für Judas Ehre führen. - Und wenn dereinst spatere Generationen unter dvt! ersten Kämpfern für die Reinheit und Grosse des jüdischen Namens recht viele Namen von uns nennen, dann haben wir viel er- ' «eicht von dem. was wir wollen. Das erhoffen wir. nicht aus Eiielket oder Ehrgeiz. Wir meinen ja nur unsere P1! i c h t zu tun. unsere!,flicht Kcecndas J u d c n t u m! Rundschau — Gememdebeamie Berlin• Die Bureauassistenteu und Dlätare der jüdischen Gemeinde in Berlin, der grössten und wohlhabendsten Deutsch lands, sind wiederholt, aber vergeblich beim öemeindevorstana um Erhöhung ihrer unzulänglichen Gehälter eingekommen. Es wäre wünschenswert, dass den nur zu sehr berechtigten Wünschen der Petenten, die in ihrer Besoldung sowohl in! Grundgehalt als auch im Tndgchalt ganz bedeutend schlechter gestellt sind als ihre Kollegen heim Berliner Magistrat und bei den Verwaltungen der Vorortgemeindeii, endlich Rechnung getragen würde. Die Forderung der Beamten ist um so mehr berechtigt, als bei der allgemeinen Teuerung und bei dem fortgesetzten Steigen der Preise für die dringendsten Lebensbedürfnisse seitens der Mehrzahl der kommunalen Behörden, Verwaltungsgesellschaften usw. durch besondere Zuschüsse und Gehaltserhöhungen die dringende Notlage anerkannt wurde. Dass die Jüdische Gemeinde nicht i 111 in c r bloss spart, das lässt sich an dem Gehalte des neu eingestellten christlichen Beamten in ihrem Bureau tcststellcn. der unter Zurückw eisung vieler jüdischer Kandidaten als einzig w iirdiger befunden wurde. Wir würden empfehlen, bei weiteren Meldungen das Tauf- Zeugnis bcizulcgen. Russische Passvorschriften Auf eine bezügliche Anfrage erteilte die Oppelner Han• delskammer folgende Antwort: ״Die weitverbreitete Annahme, dass durch den neuen deutsch-russischen Handelsvertrag, ebenso wie die frühere Verschiedenheit rn der Gültigkeit des Viseums. auch alle übrigen Sonderbestimmungen für Reisende jüdfschen Glaubens beseitigt worden seien, ist leider nicht zu* treffend. Durch die Zusatzbestrmung zu Art. 12 des neuen deutsch-türkischen Handelsvertrages wird lediglich bestimmt, dass die Gültigkeitsdauer des Passvisums auch für deutsche Haudlunesreisende mosaischer Religion siet* wie für Reisende chrrstlleber Religion auf 6 Monate erstreckt und, ferner, dass hinsichtlich der Erteilung der Gewerbescheine und des Beträges der Gebühren hierfür ein Unterschied zwischen den Personen der christlichen Religion und denjenigen der mosaisehen Religion nicht gemacht werde. Ene Aenderung der mi inneren Russland geltenden Ausnahmebestimmungen für russische Staatsangehörige mosaischen Glaubens hat durch den 1uue:1 Handelsvertrag nicht stattgefundeu, wie das auch aus Art. I Absatz. 2 des deutsch-russischen Handelsvertrages her- ,׳ergeht. Art. 1 Absatz. 2 des neuen deutsch-russischen Handüsvertrages besagt zwar, ״dass die Angehörigen einer der beiden vertragschliessendeu Teile, welche sreh in .dem Ciebiete des anderen Teiles niedergelassen haben, «gier sich dort vorübergehend auihalteu. dort im Handels- und Gewcrhcbetiiebc die nämliel’en Rechte gemessen und keinen höhere!! oder anderen Abgaben unterworfen werden sollen als die Inläi.der. Sie sollen in dem Gebiete des anderen Teiles äi jeder Hinsicht dieseben Rechte. Privilegien. Freiheiten. Begiinstigütigen und Befreiungen haben, wie die Angehörigen des meistbcgünst'gsten Landes.“ Int Absatz des Art. I wird dagegen ausdrücklich io!- gcades besiin.uu: ..Es herrscht jedoch darüber Einverständ- 1׳is. dass durch de vorstehenden Bestimmtmge׳;! die besonderen Gesetze. Erlasse und Verordnungen auf dem Ucbiete des Handels, der Gewerbe und der Polizei ״!eilt berührt werden, welcb־ in jedem der beiden vertragseliüessendeii Länder gelten oder gelten werden und auf alle Ausländer An- Wendung finden.•“ Die Rechtslage 'st hiernach die. dass in Russiai.ü wellende Au.däi der sich denselben Bestimmungen unterwerfen müsse!!. die ihr Inländer gelter,. Da nun in Russlaud für russische Sta.1t>a!1ge’:orig ג mosaischer Religion Aus- 1!aknie!־e>t:!1״nn::1ge־n bestellen, missen auch Angehörige fremder Staaten, soweit sie der n*osn;>.'!!<.!; ReTgion angeboren, wäl;- lead •hrer Reihen in R11ssia׳!J sich diesen Bestimmungen unterziehe;•, li ier diesen Un st.inj.it glauben wir. dass die Be- Strebung״•!!, eine Aenderung dieser Verhältnisse zu erreichen., gegenwärrg irgend weichen Erfolg kaum haben dürften, da nicht anztmthmeu ist. dass Russland Ausländer günstiger behandeln wird wie eigene Staatsangehörige. Die Behauptung, dass die deutschen Behörden bei der Ausstellung der Passe die Angebot!gen mosaischer Religion als Juden beze'ehncn, ist unseres Wssens n'cht zutreffend. Soweit uns bekannt, enthalten die deutschen Passiormuhre keine Angaben über die ReSigionsangehörigkc:'!. Diese Angahen werden vielmehr, wie aus uns vorliegenden Schriftstücken Uervorgeht. von dem russischen Konsulaten gefordert, da die Erteilung des Passv.sums he' Juden von der Beibringung verschiedener Sonderbesclieinigungen abhängig gemacht wird. Die Behauptung, dass die einschränkenden Bestimmungen. Eenen sich deutsche Handlungsreisende jüdischen Glaubens in Russland unterwerfe;! müssen, tiir Reisende englischer und amerikanischer Nac'on nicht Anwendung imdeu, ist uns schon mehriaeh begegnet, jedoch sind uns tatsächlich Beweise hierfür bis jetzt nicht beigebracht worden. Solange es aber nicht möglich ist. nachzuwe'sen. dass deutsche Handlungsreisendc jüdischer Religion tatsächlich ungünstiger behandelt werden, wie Angehörige anderer Staaten, wird sich die deutsche Staatsregierung kaum bewege! lassen, bei der n1ss;scheu Regierung irgend welche Schritte zu unternehmen.“ Wahlen zum österr. Abgeordnetenhaus ln der ernsten uni sicheren Voraussicht, dass in dem neuen Ahgeordneteithausc־ des allgemeinen, gleichen und d rei - ten Wahlrechtes mehr als je vorher für die österreichische Judenlicit die Notwendigkeit sich heraussteilen wird, wenigstens einen einzigen Abgeordneten im Parlamente zu besitzen, welcher m t den F a e 11 k e 11!11 n i s s e n und dem historischen Wissen auch ein hinreichendes 'Ialent und den energischen Willen verbindet. Angriffe aut das Judentum, am unsere Religion, auf unser Schrifttum, auf unseren Namen und unsere Ehre überzeugend zuriickzuweiseu. hat sich über Aniegluig einer Rehe geachteter, jüdischer Wähler des Gefertigten, ein Komitee gebildet, mit d**r Aufgabe, den ehemaligen Rcicbstagsabgeordneten Dr. Josef Bloch. Schriftsteller ln Wien, tiir die bevorstehende Reiehsratswahl in diesem Wahlkreis zu kandidieren, ß'n Komitee, bestehend aus den Herren: Kais. Rat Dr. S. Krüger. M. U. Dr. Isidor Braun. M. U. Dr. Ad. Herzfeld. Moriz Rosen bl att. Elias Weiss. Jakob W c i s s. Simon B u c 11 w a I d . S. Spinner. Wolf Pappenheim. Max Wagner, Josef Saphir. I. M. Belt und David Kolieb, stellt zu den Reichsratswahlen die Kandidatur Blocks auf und erlässt den folgenden Aufruf: Das Komitee hat beschlossen, zur Förderung dieser Kandidatur eine Versammlung gleichgesinnter Wähler für Montag, den 18. Pcbruarjd. J״ abends 9 Uhr. im grossen Saale des

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