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Jüdische Rundschau · 1907-02-22 · Heft 8 (22.2.1907) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 8 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 74 No. * 3ÖDISCHÜ ■ •mm ... I nach der Gesetzgebung mir so weit einschreiten, als es sich um Rabbiner handelt. Die Kultusbcamten, die nicht Rabbiner sind, müssen hinnehmcn, was die Gemeindebehörden ihnen im Alter an Elend als Ehrengabe bescheren. Wir wollen es keineswegs befürworten, dass nun die Regiering in alle Verhältnisse der Synagogengemeinden hereingezogen werden soll, obwohl das noch immerhin ein kleineres Uebel gegenüber der jetzigen Willkür ungebildeter Gemcindehäupter und der Rechtlosigkeit der Kultusbcamten wäre, aber cs ist Zeit, das* die Judengesetzgebung vom Jahre 1817. die so viele und so grundlegende Mängel enthält, einer gründlichen Revision unterzogen wird, durch die das Judentum aus einer nur tolerierten Religion in eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft verwandelt wird. Vor allem aber muss dafür Sorge getragen werden, dass die Rcchtslosigkeit unserer jüdischen Lehrer, unserer Rabbiner und Kultusbcamten jeder Art gegenüber den Gemeindebehörden eingeschränkt wird und möglichst aufhört. Es dari nicht mehr der Fall sein, dass (jemeinibvorstände und Repräsentanten, die sich ihrer Würde um so bewusster zu sein pflegen, je weniger sie ihrer würdig sind, die Rolle des Müllers spielen, der seinen Esel unter Schlägen so lange Säcke zur Mühle schleppen lässt, als er das arme Tier nur zwingen und plagen kann, um es dam; hinauszustossen, wenn es zum Schleppen zu schwach ist. Wir wollen unsere Gemeindcbcanitcn auch in den kleinen Städten nicht als Esel behandeln lassen. Wir müssen einmütig für ihre Rechte eintreten. um zu zeigen, dass s i e die Esel nicht sind. Was wir für unsere Gemeindebeamte.1 in Stadt und Land verlangen, sind keinerlei Rechte, sonder nur das Recht. Wir schädigen das Judentum aufs allerschwerste, wenn weite! jeder ungehobelte Klotz, der zufällig Geld hat und deshalb und aus familiären Gründen Gemeindevorsteher oder ein ״einflussreicher‘* Re- Präsentant ist, die Macht hätte, über die Vertreter der jüdischen Religion zu schalten und zu walten, wie es RUNDSCHAU — - *י.וו, I — - — —» fri ihm seine Unkenntnis oder irgend ein persönliches Interesse cingiht. In diesem Kampfe um das Recht unserer Gcmeindcbcamtcn dürfen wir mit gutem Grunde die volle Unterstützung der Staatsregierung erwarten und deshalb ist es allerhöchste Zeit, an zuständiger Stelle das geeignete Material niederzulegen, damit bei einer Revision der Judengesetzgebung zu allererst einmal dafür Sorge getragen wird, dass unsere Lehrer und GemeinUebeamten zu ihrem Rechte kommen. L. K a n t o r. * Nachbemerkung der Redaktion Wir haben kein fkdenken getragen den vorstehenden Artikel aut/iinehmcn und an leitender Stelle abzudruckcn. da wit uns wohl bewusst sind, dass es sich hier um eine Anregung handelt, die in ihrem warmherzigen Lin treten für unsere Ijememdeheamten und Lehrer den vollen Beiiall jedes jüdisch gesinnten Stamutesgenossen und jedes anständigen .Menschen finden muss. Ls ist 'notwendig, dass auf gesetz,־ liebem Wege ׳Jic ganze Frage geregelt wird tmd dass wie es im Sinn e des Gesetzes ist. anerkannt und im W o r 11 n u t! des Gesetzes testgestcllt wird, dass die Gemeindebcamten den Charakter von Beamten haben. Jedenfalls ist es notwendig, dass das gesamte Material dauernd gesammelt wird, um es an zuständiger Stelle rechtzeitig und in geeigneter Weise verwenden zu können. Wir hohen und wünschen, dass diese krage, die in unsertn Blatte heute z.um ersten Male angeschnitten w ird, zu e'neni gedeihliche:: Ziele geführt w ird. Selbstachtung Rede des cand. jur. Erleb Horzborg beim GrDndungskommers des Vereins Jüdischer Studenten Makkabaea (im B. J. C.j. Meine verehrten Herren! Es ist eine junge Korporation, die Sie heute zu Gaste sieht: der Verein Jüdischer Studenten Makkabaea, den sich, mit! seinem Grimdungskomnicrs zum ersten Male an eine grössere } jüdische Oettentlichkeit wendet, ist erst vor kurzer Zeit gegründet worden. Und er hat es doch gewagt, zu diesem Feste die Vertreter aller jüdischen Organisationen einzuladen und alle diejenigen, die für ,die Sache des Judentums, ein jeder an seinem Platze, tätig sind. Und wir haben, obwohl jung und noch unbekannt, den Mut dazu genommen aus der freudigen Sympathie, der tatkräftigen Unterstützung, mit der überall, wo » schon Vereine Jüdischer Studenten bestellen, deren Pro- Einfälle und Ausfälle Ein seltsamer Hochzeitszug bewerte sich am 5. Febrtiar des Jahres nounzchnhiindcrtundsiebcn einher. An den stolzlächelnden Junker Ansitcmitismus schmiegt sich das nicht mehr ganz jugendirische Bräutchen Freisinn. Auf dem Antlitz des Pagen, der derwenig spröden Schönen rspektvoll und dbmiitig wie immer die Schleppe trägt, zeichnet sich deutlich die Abstammung vorn alten Vater Sem ab. Sie ist alt geworden, raunt man in der Menge. Ja, ja, sie ist über den Mai hinaus. Aber in un־/cr• brüchlicher Treue hat ihr gehorsamer Diener bei ihr ausgehalten, er hat ihr alles geopfert, seine Kraft, sein Geld, seine Ehre. Wer weiss, ob ohne seine allzeit freudige Hilfsbereitschaft es ihr möglich geworden wäre, den Bund zu schlicssen, der heute geieiert wird? Der alte Diener wird von dem Junker Bräutigam mit manchem Fusstritt bedacht werden in dem neuen Heim, ויי das das Paar heute einzieht. Er wird aber wie bisher in Not und Ungemach sanft und ergeben ausUarreu und Trost finden in dem stolzen Bewusstsein: der Gerechte muss viel leiden. * Sie werden es niemals in der Welt zu etwas bringen, sagte mir vor kurzem ein Rechtsgelehrter, Beaniter einer Bnebrithloge und Vorsitzender einer Ortsgruppe des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Sie sperren sich gegen Kotnpro־ misse. Ich bin Realpolitiker, täglich, stündlich scltliesse ich Kompromisse. Das ganze Leben besteht aus Kotnpromissen! Ich gab ihm recht: Er, der das Kompromissein zu -einem Grundsatz erhoben hat. wird es eher ״zu etwas bringen'* als ich. Nützlich und einträglich ist ein solches Prinzip, aber es gibt glücklicherweise noch andere Dinge auf der Welt als den Nutzen. Es kommt für jeden eine Stunde, in der cs kein Kompromisseschlicssen mehr gibt. In dieser Stunde wird es mir wohlcr zu Mute sein als unsertn Staatsbürger. Viel• leicht auch schon vorher das eine oder das andere Mal. Obwohl ״ich es in der Welt nicht zu etwas bringen werde“. ־!ח!׳ * ,K Vor Jahresfrist haben wir hier einen Kinderhort eingerichtet. Ich habe meine helle Freude dran. Jeden Nachmittag erscheinen in einem Schuiratmi, den uns die Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt hat, eine bcträditUdie Anzahl jüdischer Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren, denen zu Hause die nötige Beaufsichtigung nicht gewährt werden kann. Je zwei jüdische Damen führen jeden Nachmittag die Aufsicht. Zuerst erledigen die Kinder ihre Schularbeiten, daun wird gespielt:• Im Winter Flechtarbeiten. Tonformen und allerlei anderes, insbesondere in Anlehnung an die treffliche Fröbelsche Methode, im Sommer Bewegungsspiele im \ י—“יי,י׳יי״«יו*1«יי»»ז*«י ״ c״*‘ ■״1«*׳רד• *«*■^■*י-^מיימזיייי*1•»« t I ן ,*,***«ל׳י^ייי•'***'

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