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Jüdische Rundschau · 1907-02-15 · Heft 7 (15.2.1907) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 7 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 7 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 69 Doch schon nach vier Jahrzehnten Hessen das schnelle Anwachsen der jüdischen Gemeinde und die steigenden An- Sprüche an die Krankenbehandltmg einen abermaligen Neubau notwendig erscheinen, und es entstand das jetzige, am 3. September 1861 icröifnete Krankenhaus in der Auguststr. 14/15. Mit 100 Betten ausgestattet (die inzwischen auf 180 erweitert worden sind), wurde das Institut nach damaligen AnschauunKen einmütig als eine Mustcranstalt bezeichnet. Und heut nach kaum mehr als 45 Jahren genügt dieses Krankenhaus in keiner Weise den gesteigerten Ansprüchen der inzwischen aui mehr als 120 000 Seelen angewachsenen Oemeinde, sowie den bedeutenden wissenschaftlichen Errungen- , schäften der Neuzeit. ׳ Die Gemeindebehörden haben bereits von der Stadt Berlin ein 11 Morgen grosses Grundstück mit einem Kostenaufwand von nahezu 1 Million Mark erworben und das Bau- Programm fisr eh! neu zu errichtendes Krankenhaus fcstgestellt. Wohl ist Raunt genug vorhanden, uni au! dem angekauften Terrain weitgehenden Ansprüchen Rechnung zu tragen, aber die Rücksicht auf die Finanzkrait der Gemeinde gebietet Be- Schränkung. Deshalb waren die Gemeindebehörden gezwungen, sich zunächst auf die bisherigen Abteilungen und auf den Bau einer Anstalt für 120• - 200 Betten zu beschränken, da die Kosten hierfür schon 2x't Millionen Mark betragen werden. Dem dringenden Bedürfnis nach Sonderabteiiuugen. i sondere einer grösseren Abteilung für Frauenkrunkl. nvn (gynäkologische Station) nebst einer Entbindungsanstalt, deren Fehlen die Gesundheit vieler unbemittelter Glaubensgcnossiimen erheblich beeinträchtigt und ganze Familien in ihrer wirtscltaftlichen Existenz schädigt, kann nicht genügt werden. Deshalb wollen auch wir. wie vor lt1״ Jahren unsere Vorfahren zusaimnentratcn um die Hundertjahrfeier durch die Gründung eines verbesserten Krankenhauses zu begeben, die Festfreude der Zweihundertj a h r i c 1 e r in Verbindung mit der Grundsteinlegung des neuen Krankenhauses dadurch erhöhen, dass wir mit Hilfe unserer Glaubensgenossen zunächst eine Frauenabteilung nebst Entbindungsanstalt in's Leben rufen. Zu diesem schönen Zweck bitten wir unsere wohlhabenden Glaubens-Brüder und -Schwestern, uns reichliche Spenden zufliessen zu lassen, da die Mittel für Errichtung und Erhaltung dieser Abteilungen etwa J׳/» Millionen Mark erfordern dürften. Wohl ist ein beträchtlicher Teil des erforderlichen Beträges 1ms bereits von wohltätigen Glaubensgenossen überwiesen worden, aber mehr als 500 (Wt Mark sind noch aufzubringen, um das schöne Werk zu sichern. Unsere Zweihundertjahrfeier Ist durch einen Dank- und Festgottesdienst in der Neuen Synagoge. Oranienburgcrsir. 30. am t. A ח r i 1 v. J. als eine allgemeine Jnbeh'eier für unsere gesamte Gemeinde begangen worden. Es handelt sich um ein bedeutungsvolles Werk zu gunsten unserer minder bemittelten Kranken. Noch niemals hat in solchen ■Fällen der Wohltätigkeitssinn unserer Glaubensgcnossen und Mitbürger versagt, und wir hegen die Zuversichtliehe Hoffnung, mit Hilfe edel gesinnter Männer und Frauen ein Denkmal der Menschenliebe errichten zu können, leidenden Menschen zur Wohlfahrt, kommenden Geschlechtern zur Freude, unserer Gemeinde zum dauernden Segen. Der gescliäftsführende Ausschuss für die Zweihundertjahrfeier der Krankenpflege In der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Die Aussichten des Judentums In einem Artikel der WELT AM MONTAG spricht sich D r. Georg Lomcr über die Wege zur Lösung des Juden- Problems in wohlwollender Weise aus. Allerdings ist sein Rat weder neu noch gut. Er gesteht die Schwierigkeiten und das vorläufige Mittgltickeu der ..Assimilation" zu. Die zionistische Lösung verwirft er ohne Angabe von Gründen als utopisch. Da er die Qualitäten der jüdischen Rasse sehr hoch einschützt, schlägt er als Losung die zielbewusste Rassenmischung von ״Ariern“ und Juden vor. Hierdurch, meint er. würden die guten Anlagen beider Rassen ,potenziert, die schlechten ausgemer2t werden. Die Gegner der Juden sind der umgekehrten Actsicht und wehren sich gegen das jüdische Blut. Wir selbst halten es für bedauerlich, eine so prominente Rasseneigenart wie die unsere einfach verschwinden zu lassen, und hinter uns stehen hierin 8—9 Zehntel der Judenheit. Es gibt einen Rasscngegensatz zwischen Ariern und Juden, der auch die Vermischung hindert. Und wir wollen die vielbcwunderte Durchsetzung und ־Wahrung unserer Eigenart in den letzten zwei Jahrtausenden nicht desavouieren. — Ausserdem setzt ein völliges Gleichwerden der Juden die Taufe voraus ,und zu der wird uns doch Dr. Lomer nicht raten? Gegen die ״Börse“ Dass die Freisinnigen mit einem rührenden Eifer den Antisemiten zu Sitzen in den Reichstag verhoben haben, lässt die Sozialdemokraten nicht ruhen. Sie sind offenbar auf diese Ehre der Freisinnigen eifersüchtig, obwohl sie ja in Fürtlj sich ebenfalls zu ihrer Agitation der bekanntesten und gebräuchlichsten antisemitischen Redensarten erfolgreich bedient haben. Jetzt schreibt der VORWÄRTS gegen ein hiesiges jüdisches Blatt: ״Auch Herrn Miiller-Mciningen wird für seine amnassende Einmischung in die Stichwahl in Jena der Kopf gewaschen. Das Blatt fragt: ob sich Herr Müller etwa schon jetzt als zukünftiger Parteipapst lüble, der sich über die Stichwahlparole einer befreundeten Partei leichten Herzens hinwegsetzen dürfe, wodurch der nationallibcral-antiscmitische Herr Lehmann gewählt worden sei. Wir begreifen den Schmerz des jüdischen Organs. Die Börse hat den Freisinnigen ihre Geldbeutel zur Verfügung gestellt und zum Dank dafür wählen die Freisinnigen Antisemiten. Das ist eine bittere Fnttäuschung." Es ist bezeichnend für den angeblich Judeninteressen vertretenden VORWÄRTS, dass er in echt antisemitischer Weise hier Börse und Juden identifiziert. Verein zur Förderung jüdischer Kunst Berlin. Verein zur Förderung jüdischer Kunst. Am Sonntag wurden im Bechsteinsaa! jüdische Märchen und Legenden vorgetragen, nachdem Herr Dr. Martin Buber einen durchdachten und von grosser Sachkenntnis zeugenden einleitenden Vortrag gehalten hatte. Weniger gut war die Auswahl der zum Vortrag aufgewühlte» Stucke getroffen. So lange Stücke eignen sich sehr wohl zur häusliclien Lektüre, aber keineswegs zu;n öffentlichen Vortrag. Auch hätte man die Auswahl nicht auf einen einzigen chassidisehei: Ton stimmen sollen. Doch wir hoffen, dass nach Vermeidung solcher kleiner Fehler der Verein in bisheriger Weise die jüdische Kunst dem grossen Publikum näher bringt. In diesem Sinne sehen wir den weiteren Veranstaltungen des Vereins entgegen. Auch in Breslau hat sich unter günstigen Auspizien ein Verein f ü r i ii d i s c h c K u ח s t konstituiert und versendet das folgendes Rundschreiben: * Jüdische Kunst gibt es die überhaupt? Haben nicht die Juden unter dem Drucke wirtschaftlicher und sozialer Not den Sinn für die Kunst verkümmern lassen? . Gewiss, und doch haben auch sie ihre Kunst. Wie das Volk Israel dereinst die Bibel schuf, das grösste Kunstwerk aller /eiten, so haben selbst die Juden des Ghetto die Liebe zum Schönen nie ganz verloren. Wir kennen nur ihre Schätze zu wenig: die Sagen und Märdien, zu denen sich die Sehnsucht des geknechteten Judentums verdichtete: die melancholischen Volkslieder, die unaufgcschrieben von Herz zu Herzen gingen und erst heute gesammelt werden: die Erzeugnisse des Kunstgewerbes, die vergessen im väterlichen Hausrat schlummern. Kaum aber ist der Jude aus den dunklen Gltettoniauern ans Tageslicht getreten, da ist von neuem die lange unterdrückte und doch nie ausgerottete Schönheitsfrcude wieder erwacht: wir alle kennen und lieben sie: die Heine. Auerbach und Schnitzler, die Mendelssohn, Offerbach und Bizet. die Oppenheim, Israels und Liebermaitn, und ein junger Nachwuchs steht sclion bereit und wartet darauf, dass wir ihm die Wege ebenen. Das will der ״Verein für jüdische Kunst*, nicht durch Hineintragen irgendwelcher Tendenzen den reichen Bezirk der Kunst verengen, sondern die Schätze jüdischer Kunst einem grösseren Publikum zu lebendigstem Genüsse darbieten, und ihre Schöpfer, die jü'disehen Künstler, ideell und materiell zu fördern suchen. Durch Vorträge. Rezitationen, musikalische Veranstaltungen, Ausstel- Hmgcn von Werken bildender Kunst und Unterstützung jüdischer Künstler und Kunstanstalten wollen wir unserem Ziele näher kommen und eine Aufgabe erfüllen, die unerfüllt bleibt, wenn wir Juden sie nicht in die Hand nehmen. Wir hoffen, darum, im Hinblick auf unsere guten Zwecke, auf die regeste Unterstützung Ihrerseits, denn nur dann können unsere Be- Strebungen von Er fr שי gekrönt sein. Ende Februar wird der erste Abend: ״Moderne lüdlsche Dichter“ stattfiuden. Weitere Abende sind 1 Anbetracht genommen und werden folgende Themen tragen: ״Die Sagen und Märchen der Juden";; ־ : ,.Das jüdische Volkslied". ״Palästina in der Kunst". ״Die spanisch - jüdische Lyrik“. .:; . ״Biblische Geschichten". ״Walter Cal6*\ *1

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