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Jüdische Rundschau · 1907-02-15 · Heft 7 (15.2.1907) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 7 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 70 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 7 Anfragen und Beitrittserklärungen sind freundlichst an Herrn Franz Landsberger, Breslau. Tauentzien- Strasse 7. zu richten.' Wir wünschen dem Verein von Herzen eine friedliche und eriolgreiche Entwicklung. Nürnberg. Die Rabbiner Bayerns hatten im Vorjahr an das bayerische Ministerium des Aeussern eine Eingabe gcrichtet, worin sic das Ansuchen stellten, dass gestattet werde, dass jüdische Geschäftsleute, welche am Samstag ihre Geschäfte geschlossen halten, in den Städten, wo durch Orts- Statut die Beschäftigung von Handelsangestellten an Sonntagen beschränkt oder ganz untersagt ist. ihr Personal wenigstens einige Stunden des Sonntags beschäftigen. Das Ministerium des Ausscrn hat nunmehr unterm 2-1. Januar die Eingäbe dahin beschicdcn. dass es im Hinblick auf S l5״b Abs. 2 der Reichsgewerbeerdnung nicht in der Lage sei. eine allgemeine Anordnung in diesem Sinne zu treuen. Nach der Gewerbeordnung liege cs in der- Hatid der Gemeindebehörden, die Einschränkung oder Untersagung der Beschäftigung an Sonntagen den Ortsbezw. konfessionellen Verhältnissen anzu passen. Das Ministerium erklärte sich bereit, den betreffenden. Gemeindebehörden zu empfehlen. auf die von den Rahbinern geschilderten Verhältnisse Rücksicht zu nehmen. Aus dem Böhmerland Prag. Die Verhandlungen der löblichen Repräsentanz unserer Kultusgemeinde erfreuen sich einer allgemeinen Nichtbeachtung seitens der Herren ..Angehoirgen“. Das ist freilich nicht sehr zu verwunden’.. Bietet es doch schon eine gewisse Schwierigkeit, sich die Kenntnis davon zu schaffen, dass überhaiipt eine Sitzung der Repräsentanz stattfindet. Nach dem Statut besteht für das Präsidium der Repräsentanz keine Y’erpflichtung. öffentlich bekanntzugebtn. wann sie ihre Sitzungen abhäit. Trotzdem wird jede Sitzung durch Anschlag einer Kundmachung an das Tor des Rathauses verlautbart. Es mag dies wohl auf Grund irgend einer althergebrachten Hebung oder eines automatisch sich wiederholenden Beschlusses der Repräsentanz geschehen. Von den ca. 34W Steuerträgern der israelitischen Kultusgemeinde Prag werden wohl nur wenige von dieser Einrichtung Kenntnis haben, ebenso wie die wenigsteil wissen dürUen, dass die Sitzungen der Repräsentanz «in der Regel”, öffentlich sind und dass der Zutritt zu denselben' ..nach Massgabe des vorhandenen Raumes” den ״männlichen erwachsenen Angehörigen” gestattet ist. Der Anschlag an den Toren des Rathauses ist eben nicht mehr zeitgemäss und für den Zweck einer Verlautbarung nicht mehr geeignet, denn es dürfte wohl heutzutage nur sehr wenige ..Angehörige" geben, welche regelmässig in die Gegend des jüdischen Rathauses kommen. Es würde uns sehr freuen, wenn dieser Hinweis Veranlassung, geben würde, dass die löbl. Repräsentanz einen geeigneteren Modus für die Verlautbarung ihrer Sitzungen und der Vcrhaiidlungsgegenstätide wählen würde. Dann würde gewiss das Interesse der Steuerzahler ein regeres werden, w׳as wiederum für die Herren Mitglieder der Repräsentanz sicher nur von Vorteil wäre. Denn der aufmerksame Zuhörer gewinnt bei den Verhandlungen der Repräscntanz den Eindruck, dass die Juden in Prag mit ihrer Repräsentanz nicht gerade schlecht gestellt sind, wenn auch die Wahl dieser Körpei Schaft auf grund eines arg riiekständigen Statuts erfolgt Es wird gewissenhaft beraten und grtindlieh gearbeitet. Vielfach bewegt man sich zwar gar zu sehr in den tief nusgefahrenen Gleisen ziemlich veralteter Ansichten. Das ist jedoch nicht zu .verwundern, wenn man bedenkt, dass die meisten der Herren schon Jahrzehnte hindurch ihren Platz einnelmieii und die Majorität sich aus ziem-!ich alten Herren rekrutiert. Die wenigen jüngeren Herren befinden sich auch tatsächlich hie und da in der Opposition, richten aber in den meisten Fallen gegen die feste Phalanx der Alten nichts aus. Von besonderem Interesse waren heuer die Budgetverhandiungiit. Das Resultat wird jeder Steuerträger aus seinem Steuerzettel erfahren. Es tritt nämlich im Jahre 1907 eine 15 prozetitige Steuererhöhung in Kraft. Der Grund hierfür liegt darin, dass die* Gemeinde eine Anleihe von K. *100000 aufiiehmeu und verzinsen muss. Dieser Bo trag wird benötigt, für den Umbau und die Erweiterung des Rathauses und für einen Bau. we'chen die Gemeinde in der Joachimsgasse aufzuführen hat. Diese beiden Bauten werden an K. 250000 kosten; Nebstdem wird die Gemeinde den neuen Tempel in der Jcrusalemgas.se für K. 1501)00 übernehmen, nachdem der Vorstand dieses Tempels so trefilica zu wirtschaften verstand, dass er mit etwa dem gleich hohen Betrage passiv geworden ist. Wie diesgs kleine Beispiel zeigt, ist die allgemein verbreitete Ansicht nient richtigt. dass die Repräsentanz der Prager Kultusgemeinde nichts anderes zu tun hat, als Stiftungen zti verwalten. Ihre Verhandlungen (welche zumeist am Sonntag von II—1 Uhr stattfinden) bieten vielmehr gar manches interessante Moment tmd sind wohi wert, das volle Interesse der Steuerträger in Anspruch zu :ifhmen, was unsere weiteren Berichte wohl beweisen werden. Prag. Eine Deputation des böhmischen Rabbiner-Ver- Landes bestehend aus dem Präsidenten Dr. Kurrein (Teplitz) und dem Vizepräsidenten Dr. Stern (Saaz) hat sich nach Wien begeben, um dem Kultuministcr Dr. Marchet in einer Audienz die Wünsche des Y'erbandes bezüglich der Besserung der Lage des Rabbinerstandes vorznbringen. Ein jüdisches Theater in Paris Das jüdische Theater von New York, das unter llcit 751' 000 jüdischen Bewohnern der amerikanischen Metropole so grossen Zuspruch findet, hat in Paris ein Gastspiel gegeben. Das Repertoire bestand aus jüdischen Stücken, die in dem aus hebräischen, polnischen und deutschen Elementen bestehenden Jargon von amerikanisch-jüdischen Schriftstellern geschrieben sind. Darunter befanden sicli auch Bearbeitungen klassischer Stücke, w ie des ..König Lear” und ״Hamlet“. Diese Umdichtungen zeigen natürlich die Helden der Shakcspcareschen Stücke in einem jüdischen Milieu, den alten Lear als einen jüdischen König und Hamlet als den Sohn eines jüdischen Königs. Als interessantes Experiment wurde auch ein mrdertics französisches Stück, ״Medea” von Catulle Mcndes, in einer wortgetreuen Übersetzung ins ״Jiddisch" vorgeführt. I ־ Die konfiszierten Papiere der Pariser Nuntiatur Durch den Mailänder SECOLO erfährt man nun einige Details über den Inhalt der bei Monsignore M o 111 a g ־ nin i beschlagnahmten Papiere. . Aus denselben ergibt sich, dass die Korrespondenz des Vatikans mit dem Pariser Nuntius nicht immer religiösen Fragen gegolten, sondern dass sich darin die Spuren der päpstlichen Einflussnahme auf die internationale Politik und au! den Kampf der monarchistischen Opposition gegen die Republik finden. Auch für die Einflussnähme der Nuntiatur auf die Affaire Dreyfus finden sich in den offiziellen Papieren der Nuntiatur unwiderlegliche Beweise. Ais ein sehr charakteristisches Dokument erscheint die Ein- Wirkung des Nuntius während jener Epoche, in der jüdische Offiziere zum Duell gezwungen worden sind und in der eine systematische Verfolgung der jüdischen Offiziere eintrat, die in der Affaire Dreyfus ihre höchste Ausbildung gefunden hatte. Ein klerikaler Offizier hatte einen jüdischen Kameraden tödlich verwundet. Der sehr reiche aristokratische Offizier wendete sich an den Papst un: Absoltnion gegen die Kirchenstrafen, die auf Duell geseftt sind, der Nuntius überschickte ihm die Absolution mit der beigefügten Bemeikuiig. er freue sich, dass ein christliches Schwert den Sieg über ein jüdisches Schwert d a v 0 n g e ־1 ז a g c 11. Wirkungen des asemitlschen Gesetzes London. I. Februar. Vorige Woche ist der offizielle Berieht über die Einwanderung im vergangenen Jahr erschienen. Danach sind 1906 23-1000 Zwischeideckpassagiere in England tingetroffen. Von diesen waren 177781 nur Durchreisende, sodass. wenn man "die Seeleute und die mit Retourbillct eintreffenden Passagiere abzieht. noch 3S0U0 Personen übrig bleiben, die sich im Lande niedergelassen haben. Die Zahl der um der Einwanderungsbehörde in erster Instanz Zurückgewiesenen betrug ,Ul. Durch die Berufungen, die eingelegt wurden, verminderte sich diese Zahl auf 489. ln 360 Fällen wurde Mittellosigkeit, in 129 Fällen Krankheit oder Gebrechen als Grund der Abweisung angegeben. Die letztere Ziffer Ist eine treffliche Illustration zu den Tirudcn. mit welchen die Alien-Bill s Z. im Interesse der Volksgesundheit gefordert w urde. Was die 360 Mittellosen anlangt, so ist sicher, dass trotz ihrer Mittellosigkeit doch nur sehr wenig der öffentlieben Wohltätigkeit zur Last gefallen wären. Man kann sagen, dass das Fremdengesetz durch diese Ziffern in schmählieber Weise ud absurdum geführt wurde. Das Land hat Tausenue von Pfund ausgegehen, um noch nicht 500 Persoucn an der Ansiedlimg zu hindern. Das Ergebnis lohnt die Kosten nicht. In den Grafschaften Durhain und Nordluimberlaiul wurde bisher bei der Eidesleistung vor Gericht der volle Gottesr.amc erw ähnt. Ein Jude bat den Richter O'Connor ihn nach einer• anderen Formel zu vereidigen, wozu diesr sofort bereit war. Man hat sich dann, wie in der letzten Sitzung des Board of Deputics!nilgeteilt wurde, jüdischerseits an diesen Richter mit der Bitte gewandt, die generelle Abschaffung!

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