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Jüdische Rundschau · 1907-02-15 · Heft 7 (15.2.1907) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 7 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 66 No. 7 1 1 *, JÜDISCH!! RUNDSCHAU ~ ™י """ *i"”יי -■י־*-״•—״ '״־'־■־־’י־•״־ — —— -־־“““ — ׳—־־•־ *־־־־ «־ו 1! I i 41 י I ,♦*}!;■־ י ו■: 1 I י!< ׳ mehr als bisher der nationalen Seite der Judenfrage näher zu treten, in der auch fiir sife die Lösung der Judenfrage liegt. Diese nationale Seite der Judenfrage, die wir in unseren Leitartikeln zur Reichstagswahl betonten, hat nun eine Seite in Harnisch gesetzt, der wirklich alles näher läge, als gerade die Stellungnahme zu den deutschen Reichstagswahlen• Die.•russischjüdische Gruppe der Auflösungspartei des Judentums, -die Petersburger getauften und noch ungetauften Juden um Herrn Winawer, haben sich neuerdings nach der Auflösung der ersten Gossudarstwennaja Duma wieder ihrer alter• Sünden besonnen und gedenken unter neuen Schlagwortcn die alte Politik der Entjudung fortzusetzen. Ihr russisches Hauptorgan SVOBODA 1 RAVENSTVO, das wöchentlich zweimal erscheint, denn sie sind alle recht,!;echt reiche Leute. d?e sich diesen Luxus gestatten können, hat einen grimmigen.Artikel gegen die JUED1SCHE RUNDSCHAU losgelassen, in dem sie einen Teil der Schimpfwörter an unsere Adresse weitergibt, dfe ihr — wir wollen nicht feststellen, mit welchem Rechte — von der russisch-nationalen Presse zuteil wird. Wenn wir auch keinerlei Anspruch an diesen Anteil erheben können, so ist es doch hochinte«־ essant zu beobachten, wie diese durch und durch bourgeoise Gruppe glaubt, die deutsche Sozialdemokratie gegen uns in Schutz nehmen zu müssen. Wie hätten auch wir das Recht, für die Niederlage der Sozialdemokratie Ursachen bei ihrem Nichtverstehen der nationalen Fragen zu suchen? Mit Eifer und Feuer verteidigt daher SVOBODA I RAVENSTVO uns gegenüber den internationalen Gedanken der Sozialdemokratie, der durch deutschnationale und gar jüdischnationale Neigungen und Anschauungen nicht tangiert werden darf. D.nn die Herren Winawer und Genossen sind zwar nicht international, aber doch, was dem so ausserordentlich nähe kommt, russischnational. Darum gibt SVOBODA I RAVENSTVO an uns den Vorwurf der ״Dummheit’‘ weiter, weil wir eben zu dumm westeuropäisch sind, um nicht die absolute Identität von russischem Nationalismus und internationaler Gesinnung zu verstehen, darum behauptet sie, dass wir ״unaufrichtig“ smd, Weil wir uns getrauen, in ihrem Pseudonationalismus die gleiche Karrikatur zu erblicken, wie in ihrem Pseudorussentum. Aber g׳enug davon: Es ist eine besonders klägliche Erscheinung, dass wir unter uns infolge des Ghettosklaventums so viele haben, die ihre Ketten nicht gewahren und sich deshalb für frei erachten, die sich für frei halten, weil sie nicht ermessen können, wL versklavt sie sind. Wir Nationaljuden können es sehr gut verstehen, trotz unseres gegensätzlichcn Standpunktes, dass gebildete Juden sich dem Kultur Volke über dass natürliche Mass und bis zur Selbstverleugnung gern und restlos anschliessen, an dessen Kultur sie sich gebildet haben und in dessen Kultur und Literatur sie ein nicht unbeträchtliches Stück mitarbeiten. Aber wir haben kein Empfinden für die reichen exklusiven Petersburger Juden, die sich der klassischen Nation der Pogrome und Judenverfolgungen nationalinternational anschliessen wollen, und die damit unsern Nationalstolz beleidigen und unsere Volksehre herabsetzen. Aber man kann mit niemandem über Ehre rechten, der in der Ehre nur äusserlich sichtbare Erfolge sieht. Wir bekämpfen aus gutem Grunde die internationale Sozialdemokratie, die unter den russischen Juden geeignet ist, schweres Unheil anzurichten, wenn sie nicht am gesunden nationalen Sinne unserer Brüder abprallt. Aber wir achten sie in ihrer Konsequenz und wir achten unsere irrenden Brüder, die fiir diese Ideen zu leben und zu sterben wissen. Diese selbe Achtung können wir nicht den Petersburger Bourgeois entgegenbringen, die im trüben Gewässer der Wahlen zur zweiten Duma fischen gehen und dabei als einzige Losung die Parole ausgegeben haben: Gegen den Zionismus und den Bestand des Judentums! Ein Gutes ist doch dabei: die russischen Juden sind viel zu ehrlich, um sich einer Partei anzuschliessen, die so sehr von ihr in allen Anschauungen von Ehre und Freiheit, von Ehrlichkeit und Opfermut abweicht. E 1 j ä q i m. Vom Jüdischen Volksverein Der Jüdische Volksvercin ist unsern Lesern ein werter Bekannter, der keiner weiteren Einführung bedarf. Er hat sich in der verhnttnismässig kurzen Zeit seines Bestandes eine solche Fülle von Achtung vor seinen sozialen Leistungen erworben, dass jedes Wort der Hinzuiügung nur abschwächen kennte. Höchstens müsste hervorgehoben werden, dass der Verein mit so geringen Mitteln so grosses leistet, dass umso- :.״»ehr die ausserordentliche Organisationskraft, die in ihm steckt, in die Erscheinung tritt. Statt jeder weiteren Erörterungen über ihn wollen wir lieber mit ganz geringfügigen Kürzungen den Monatsbericht abdrucken, den der Jüdische Volksverein jetzt zum ersten Male seinen Mitgliedern und Mitarbeitern übergibt. Wenn der Verein dabei weit über das nächste Interesse und den weiten Blick, der in dem Ver* eine leitend ist. Möge dies für viele der Ansporn sein, selbst mitzuarbeiten und wem das unmöglich, sein Scherflein beizusteuern, dass die Vereinsleitung auf materiellem Gebiet ein klein wenig unabhängiger werden möge. Monatsbericht des Jüdischen Volksvereins Bureau: Berlin C. 25, Dircksenstrasse 46. 1. Einleitung: Wir übergeben hiermit unsern Mitgliedern und Mitarbeitern die Monatsberichte über die Tätigkeit der einzelnen Abteilungen unseres Vereins, eine Neueinrichtung, die durch das ständige Anwachsen unserer Vereinstätigkeit notwendig geworden ist. Wir wollen in den Monatsberichten den Interessenten einen Überblick über die Organisation unseres Vereins geben und insbesondere unseren Mitgliedern einen Nachweis über den Umfang unserer Vereinsarbeit bringen. Ausserdem sollen in den Monatsberichten sonstige Veröffentlichungen informatorischen Charakters erscheinen. Gleichzeitig teilen wir mit, dass wir von jetzt ab die Ankündigungen der Sitzungen und sonstige Vereinsveranstaltungen in den Monatsberichten veröffentlichen werden. 2. Texas. Uebcr die Aussichten einer Immigratino grossen Stils in Texas, wie sic die von der ITO vor einigen Wochen gegründete neue Abteilung in Angritt nimmt, können wir noch kein bestimmtes Urteil abgebcn. Nach unseren Infonnationen werden in Texas hauptsächlich Ackerbauer und Leute für schwere Eidarbeiten gebraucht, wozu Deutsehe und Italiener ihrer physischen Überlegenheit wegen bevorzugt werden. Unseren Informationen nach ist für teilweise ausgebildete und völlig ungelernte Arbeiter eine Niederlassung in den mittelgrossen Industriestädten Amerikas vorzuziehen. Die Zahl der. im letzten Fiskaljahr 1906 zuriiekgewiesenen Emigranten beträgt: /

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