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Jüdische Rundschau · 1907-02-08 · Heft 6 (8.2.1907) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 6 (8.2.1907)
Date
1907-02-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 6 JÜDISCHE R Jüdischer Religionsunterricht ,Berlin. Die städtische Schuldepntation bescliättigtc sich mit der Reorganisation des jüdischen Religionsunterrichts an der* Gemcir.deschulcn. Die Dcputat-ou hatte bereits vor einiger Zeit eine solche Reform in die Wege geleitet. Es sollte an die Stelle des bisherigen zweistufigen Unterrichts ein dreistufiger Unterricht treten, 1i. 11. ein unterer, mittlerer und höherer Kursus. Das Pr07inzial-Schulko!lcgi11m erklärt sich hiermit einverstanden, jedoch mit der Mnssgabe. dass keine weiteren Hilfskräfte hciattgezogen werden dürften. Als nun das nämliche Lehrpcrsonal diesen erweiterten Unterricht erteilte. Stellte sich Jedoch eine Überlastung heraus. Die Lehrer beschwerten sich hierüber, und die Schulverwaltung konnte nicht umhin, die Beschwerden als gerechtfertigt anzuerkennen. Aber sie konnte nach der Verordnung des Prov׳jnzial-Schulkellcgiunts keine Abhilfe schaffen. Die Deputation beschloss, die Angelegenheit dem Magistrat zu unterbreiten, damit dieser, falls er cs für erforderlich halten sollte, beim Kultusminister die nötigen Schritte tue. Von den Wahlen Wie bei allen Reiehstagswahlcn. so hat auch diesmal Herr ״Dagobert 11 i I d e s 11 e i rn e r" die Wähler des 1. Berliner Wahlkreises mit einem jüdischen Elugblatt zu gunsten der Sozialdemokraten beschuht. Wie für Damaschke in Berlin I %so wurden in Köln zu gmisten der Na׳ »*tuilliberalen Flugblätter speziell an die Juden gerichtet. Wie 11״m im Eisass die jüdischen Wähler für die verschiedenen Parteien cinzufangen sich bemühte, sieht man aus der EREIEN PRESSE, die in ihrer Nummer 2!• vom 20. Januar schreibt: Achtung Ihr israelitischen Wähler! ״Auch den geborenen Elsässer kehrt mau mit Herrn Buiger wiener heraus. Woher stammen aller die Herren Brcsslau. Fritz Mayer. Frank. Jvrschkc usw.. die Vorkämpfer des Liberalismus, die sind doch auch von drüben, nicht einmal aus dem badischen Nachbarläiide. sondern von viel weiter her. Die Ahnen gar mancher dieser Herren stammen nicht einmal aus Europa, sondern sind von Asien her, vom fernen Palästina hergewandert.־־ Unsere israelitische־! Mitbürger mögen aus diesen kurzen Sätzen schon erkennen, welcher Achtung sie sich bei dem Badener Bohle erfreuen und wessen sie sich zu versehen h ben. wenn im Verlauf der nächsten Jahrzehnte einmal Herr Behle in den Reichstag käme. Ganz anders machen sieh die Wahlbctracliungten, wenn man sie einmal daraufhin ansieht, wie man a 11! Kosten der Juden die \V a h I g e s c h ü f t e gemacht hat. In Eisenach haben die Nationalliberalcn den Antisemiten in den Sattel gesetzt, im Herzogtum Magdeburg haben sie ihnen einen neuen Wahlkreis aiisgehefert. den bisher die Nationalliberalcn selbst bcsassen. In Esch w e g e haben sich sämtliche liberalen Parteien einschliesslich beider freisinniger Gruppen zusatnmengesclt'ossen. um dem Antisemiten Raab das Mandat zu verschaffen. Der Demokrat (Juidde wurde nur mit Hilfe des ganzen sozialdemokratischen Aufgebots durch den antisemitischen Kandidaten des Bundes der Landwirte zu Fall gebracht. Das grosse Wachstum der rein antisemitischen Parteien das noch grössere Wachstum der nicht minder antisemitischen äusserstcti Rechten haben die Juden den Liberalen und zum Teil den Sozialdemokraten mitztiverdanken. Der Sabbath Nürnberg. Ein Jude hatte, als zur Verhandlung einer von ih־n gestellten Privatbeleidiguugsklagc Tagfahrt auf einen Samstag anberaumt worden war. das Gesuch gestellt, einen andern Zeitpunkt anzusetzen, da er au ehiem Samstag nicht bei Gericht erscheinen könne. Das Verlegungsgesuch wurde abgelehnt; als bei der Tagfahrt der Kläger nicht erschien, wurde vom Schöffengericht auf grund der Bestimmungen der Straf־ Prozessordnung die Klage als zurückgenommen erachtet und die Einstellung beschlossen. Gegen dieses Urteil legte der Klüger Berufung ein, welche von der 2. Instanz verworfen wurde. Glessen. Die israelitische Religiousgemeinde zu Bad Nauheim hatte die Inhaber der Firma W. Fuhrlüudcr Nachfolger. J. Tauber und F. Odernheimer zu Frankfurt a. M״ die sämtlich zu Bad Nauheim während der Saison offene Ladenge schäfte betreiben, mit einem Umzugsgeld von je IW Mark hcrangezogen und zwar auf Grund des $ I ihrer Statuten, wonach ״Jeder auswärtige oder vorübergehend in Bad Nauheim ansässige israelitische Geschäftsinhaber, der in Bad Nauheim während der Saison ein Geschält betreibt, oder durch angestelltes Personal betreiben lässt, einerlei, ob der Wohnsitz des Geschäftsinhabers in Bad Nauheim oder auswärts sich be- UNDSCHAU ’ Seite 61 findet" mit einem solchen Umzugsgeld herangezogen werden kann. Die Firnieninhnber bezahlten zwar die Beträge, uin der Zwangsvollstreckung aus dem Wege zu gehen. Hessen aber gleichzeitig bei dem Kreisausschuss Friedberg Klage auf Rück- Zahlung und Befreiung von derartigen Beträgen einreichen. Der Kreisuusschiiss wies die Klage mangels Zuständigkeit ab. Gegen diese Entscheidung rekurierte der Vertreter der Kläger au den Provitizial-Aiisschüss: Dieser entschied, dass der Rekurs als unbegründet kostcnfällig abzuweisen sei. ־ Aus der Magyarei! Budapest. Das goldene Zeitalter ist tiir die Juden in Uugarn vorüber, beit der Herrschaft der gegenwärtigen ״ttatiotialen" Regierung, die aus der Koalition der verschiedensten politischen Parteien, unter denen die Reaktionäre, Klerikalen und AnEsemitcn äusserst stark vertreten sind, hervofgangen ist. ist die feindliche Haltung gegen die Juden auf allen Gebieten zu verspüren. Itn Kabinet selbst sitzen .Männer, deren antisemitische Gesinnung allgemein bekannt ist. D.e bprache der führenden Männer in der Politik wird in bezug auf die Juden nachgerade der des berüchtigten Wiener Bürgermeisters ähnhch. Man kennt von Wien aus den Ausdruck Juda-Pest und dessen Bedeutung. Vor kurzem hat nun uer Justizministcr Polönyi diesen Begrifi in einem politischen Klub acopticrt. Der Minister ausserte sich da auf einer Konferenz dass die Eingcmtindung der benachbarten Gemeinden in die Hauptstadt notwendig ist. damit man mit den christlichen Einwohnern der neuen Gemeinden die Juden bei den Wählern majorisicrcn könne. Er gab das Lgstmgswort aus: Kampf gegen die Vcrjudnng Budapests. Die Gehässigkeit, die gegen die Juden nun allgemein geworden ist. hat ihren Ausdruck in dem neuen Begriff des .Stamtnesinagvares'itum gefunden. Um die Jeden, ob getaufte oder 1! 11 getaufte, von den Kernmagyaren zu unterscheiden, hat man die schönen Worte erfunden: >:a;mnes!nagyar (Fajmagyar) und Fremder. Den jüdischen Assimüunten. die die grössten materielle» und m׳»raüsehen Opfer gebrach: naben. um nur, trotz ihres jüdischen ״Bekenntnisses", als Magyaren anerkannt zu werden, wird nun sehr ursam't bedeutet, dass der echte Magyar nur der Stamniesmagyar, der reinb: stige Magyar ist. Diese Verhältnisse sind bedauernswert ־ aber die eine gute beite werden sie haben: sie werden hoffentlich die Augen der blinden Assirnilationsschwärnier öffnen. Bei dem sogenannten .nationalen Kampf־• hibeu sich gerade die jüdischen Magyaren am meisten angestrengt, um es im Eifer für das Vaterland und speziell für das. was man nationale Ansprüche nennt, den extremsten von den Extremen gleich?.»- tun. ohne dass sie mehr als einen gnädigen Toleranzzettel erhalten hätten, das Vaterland niitüebcn zu dünen. Heute, wo sich die Rassenmagyaren starken genug iiihlen. empfinden sie. dass diese Eindringlinge recht überflüssig sind. Ein Redner spricht im Abgeordnetenhause von einem puracius clausus, 3:1 den das heiligste Recht, das Recht zu lernen, gebunden werden soll: die Universitäten sollen nämlich nach russischem Müster das Prozentualverhältnis!Tir die Zulassung jüdischer Hörer Rstsetzen. Der Minister Polönyi hat eine Ehrcnalfäre, durch weiche er stark kompromittiert ist. und als Racne werden die Juden angegriffen und gegen sie gehetzt. Die Hetze geht las auf allen Ecken und Enden — wohin das führt, ist noch nicht abzusehen. Bulgarische Juden Plilllppopel. Wirren unter den bulgarischen Juden. Es ist eine merkwürdige Tatsache, dass, je kleiner die Bevölkerung eines Landes, die Mitgliederzahl einer Gemeinde, desto heftiger die Zwistigkeiten. Das sehen wir vorzugsweise in Bulgarien und namentlich in Philippopel, wo Friede und Eintracht ganz unbekannte Begriffe sind. Kaum glaubte inan, sich von dem heissen und siegesgekrönten Kampfe gegen die Alliance Israelite atiszuruhen. da ist schon wieder ein neuer Kampf ausgcbrochcn; diesmal gilts dem Grossrabbiner Dr. Ehrenpreis! Die StellungdesGrossrabbiners wird in der Tat von Tag zu lag kritischer, und er wird voraussichtlich doch das Feld räumet: müssen. Die Zionisten, seine grössten Widersacher, spielen jetzt zwar nicht mehr die grosse wie damals, aber einige Einflussreiche aus der Aristokratie haben nun auch ihre Lanze gegen ihn gerichtet. Der Gemcinde-Prüsidnt von Sofia, HcHrr Esra Tadscher, auf den sich Herr Dr. Ehrenpreis bei den früheren Streitigkeiten mit den Gemeinden hauptsächlich stützte, ist jetzt sein heftigster Gegner und hat das in den spauiolischen Zeitungen, die seit einigen Monaten gegen den Rabbiner in beleidigenden, seine Persönlichkeit verletzenden und seine Autorität herabwürdigenden Artikeln zu Felde ziehen. Öffntlich ausgesprochen. In Sophia, Philippopcl und In anderen Städten 1nel\c^wurdcn Meetings abgehaltc». aut welchen be-

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