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Jüdische Rundschau · 1907-02-08 · Heft 6 (8.2.1907) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 6 (8.2.1907)
Date
1907-02-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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No. 6 Seite 60 JÜDISCHE RUNDSCHAU ,...—-—---- ־ ■ ■ -.-. fremden Völkern anzupassen;. für ihn, den deutschen Mann, Kebc es nur e I n Ideal, e in Streben: das Erbe seiner deutschen Ahnen,.,.das kostbare Juwel des Germanentums rein und strahlend zu erhalten." — Als er diese Worte niederschreibt, tritt ein bescheidener Jüdischer Junger Mann ins Zimmer, ein Sohn seiner Kusine; er überreicht ein Schreiben, in dem die Verwandte den cinfluss* reichen Vetter bittet, sich ihres Sohnes, beim Eintritt in das akademische Leben, wohlwollend anzunehmen. Se. Exzelenz aber antwortet kurz, dass er bedauere, da die Fanülie für ihn nicht mehr existiere. So schliesst die lebenswahre Erzählung. * * Die dritte seiner Arbeiten endlich über den englischen Philosophen Carlylc, die wir an dieser Stelle nur kurz berühren wollen, zeigt uns, wie umfassend und vielseitig die geistigen Interessen des Verdorbenen waren, der ein ebenso guter Kenner der Antike wie d.r englischen und deutschen Klassiker war. Shakespeare und Goethe zitierte er gern und oft, im Plauderton der Unterhaltung. Die moderne Romanliteratur, besonders die englische, verfolgte er bis in seine höchstes Alter mit Aufmerksamkeit. Dass er sich für D'lsraelis Werke begeisterte, ist verständlich. Was fesselte ihn aber an Carlylc? Nicht der Inhalt seiner Philosophie: im Gegenteil, er setzt sich über• die Grundanscliauurgen des Lebens scharf mit :hm auseinander. Er bekämpft die Carlyl.sche Macht- und Heldenverehrung, seinen Mangel an sozialen! Sinn, verwirft seine religiösen Anschauungen u:d manches andere. Trotz seiner Tentomanie — ja trotz seines ausgesprochenen Judenhasscs schätzt und liebt er ihn. Seine Abneigung gegen uns Juden, sagt Cohen in seiner milden und gerechten Art, darf uns weh tun, aber sic darf unseren Blick für die Grösse des Mannes nicht trüben. Was ihn an Carlylc 1 c s s c 11 c, war bezeichnenderweise-uni seine eigenen Worte zu brauchen: ״P c r Kern seines Charakters, seine unerschütterliche Rechtlichkeit, s e i n c W a 11 rh a f t i g k e i t, das felsenfeste Beharren d u f d e ni, w a s e r a I s das Rechte erkannt ha t.“ ״Carole bet Recht: wird cs erst einmal hell in uns, dann wird auch das ganze innere Lebe.1 ein anderes, die Aufgabe eine andere, die Krait an ihrer Lösung zu arbeiten, eine andere. Eine Art Neugeburt, Einkehr in uns selbst, daun Umkehr, ist das Dringende. *— Die Welt Ist itn Irrwahn des Egoismus verstinken, sie kann nicht gedeihen, so lange der Alp bleierner Gleichgiltigkeit auf ihr lastet, und die Keime des Edlen erdrückt. Den Ansturu gegen diese Gleichgiltigkeit zu wagen, den Versuch zu machen, diesen Alp abzuwälzen, das ist's, wozu Carlylc anfeuern will, und er., zuerst verkannt und geschmäht, hat bewiesen, was Talent und das Feuer der Überzeugung vermögen. Auch Cr bcsass lenen Mut, der früher oder später den Widerstand der stumpfen Welt besiegt." (S. (.12־ ׳ Das fesselte ihn an Carlylc. Das waren die Lebensgrundsätze Gustav Cohens. Das .hat den zionistischen Gedanken schöpferisch in ihm erstehen und das hat ihn während der letzten 25 Jahre seines Lebens mit dem Einsatz seiner Persönlichkeit für den Zionismus kämpfen lassen. Wahrlich, der Mann war würdig, ein Freund Theodor Herzig zu sein. Und darum sollen wir seine ehrwürdige Gestalt in treuem Gedächtnis bewahren! Wir, seine Jünger und nächsten Arbeitsgenossen. wollen in seinem Geiste an dem begonnenen Werke der Volksbcfrciung mit unserer ganzen Kraft fortarbeiten. Als sinnfälliges Zeichen unserer Liebe und Dankbarkeit soll ein blühender Olbuumgarten im alten Judenlande zur ewigen Erinnerung den Namen Gustav Cohen tragen! *׳ Rundschau Verein zur Förderung jüdischer Kunst 111 der a!11 30. Januar d. J. stuttgehabten konstitulerouden Generalversammlung des Vereins z F. j. K. wurden die von dem vorbereitenden Komitee ausgearbeiteten Satzungen mit geringen Actiderungen angenommen. Ferner wurde ein? zwölfgliedriger Vorstand gewählt, der sich nach Schluss der Generalversammlung konstituierte. Den Vorsitz des Vereins hat Herr Rudolf Schildkraut übernommen; das Amt eines Schriftführers wurde Herrn Adolf Graupe, die Kassen ver waltuug Fräulein Berta M a j e r o w i t s c 11 übertragen. Jüdische Märchen und Legenden Sonntag. de 11 10. F c b r u a r findet tun S Uhr abends in! B e e 11 s t e i 11 sa a I (Linkstrasse) der Dritte Vortragsabend des \ercins zur Förderung jüdischer Kunst statt. Das Programm setzt sich aus Märchen und Legenden zusammen, die ir!1 IS. Jahrhundert in den Kreisen der jüdischen Mystiker des Ostens entstanden sind. Vortragende: Gertrud E> sold und Dr. Emil Milan!Deutsches Theater). Den Rezitationen geht ein einleitender Vortrag von Dr. Mart i n B 111: e r voraus. Karten ü 2 '.3 ,1־ und 1 Mk. von Mit'«.- voch. den! 6. Februar, ab zu haben bei Bote N Bock. Leipzigerstrasse, A. Wertheim. Leipzigerstrasse. Louis Lamm, Neue Friedrichstrasse (>|/b3. und M. Lilicnthal. Friedrich- Strasse ln|. Die Mitglieder des Vereins erhalten Plätze ä 2 Mk. unentKeklicii. teurere Plätze gegen entsprechende 7m- Zahlung, sowie höchstens 3 Karten zu ermässigte:! Preisen fiir ihr Augehörigeil bei M. Lilicnthal. Daselbst werden auch Mitgliedcr-Aiimeldungen entgcgengenoinmen. (Einschreibegebühr 2 Mk־.. jährlicher Mindestbeitrag 0 Alk.) Vom jüdischen Studentenleben Am Montag, dem 28. Januar, fand im Festsaale des Schillertheaters Charlottenburg der (i r ii n d 11 n g s k o in - 111 c r s des ״Vereins Jüdischer Studenten Maccabaea“ statt. Die Feier gestaltete sich zu einer grossartigen Kundgebung der freudigen, idealen Begeisterung, welche die;iidischakademischc Jugend in ihrem Kampfe für das Judentum beseelt, und legte zugleich beredtes Zeugnis davor, ab. wie t;oi die Sympathie» für die Bestrebungen der ״Vereine Jüdischer Studenten“ in weitesten Kreisen der Herliner Judcuheit Wurzel gefasst haben. Denn diese erste Veraiistaltung der jüngsten Neugriindung des ״Bundes Jüdischer Korporationen" hatte all’ die alten und auch manche neugewonnenen Freunde der Tendenzen des B. J. C. bei dem Kommers vereinigt. Mehr als 300 Personen füllten den, in den Farben des Vereines mit Fahnen und Blumenschmuck geschmackvoll dekorierten Saal, und die fiir die Damen reservierten Galerie- und Tribiineiiplät/e waren bis auf den letzten mit zahlreichen Zuschauerinnen besetzt. Die Bcgrüsstmgsrcde hielt Herr stnd. iur. Ro s e 11 b 1 ii 111. der den offiziellen Teil ds Kommerses leitete. Herr cand. jnr. Herzberg entwickelte in längeren, mit lebhaftem Beifall aiifgenommenen Ausführungen das Programm des jungen Vereines. Die Glückwünsche ihrer Vereinigungen iiberbrachten die Ver־ trete!־ der Grossloge fiir Deutschland, der Montefioreloge, der Berthold Auerbachloge, der Berliner Zionistischen Vereinigung, der Alliance Israelitc Universelle, des Jüdischen Volksvereins, des Vereins zur Förderung Jüdischer Kunst, des Montcfiore- Vereins, der Vereinigung Jüdischer Akademiker, des VcreTnes ״Dibbuk Chawerim" und des Jüdischen Turnvereines ״Bar Kochba". Herr Universitätsprofessor Dr. Ros in und Herr Willibald Löwen tltal, Repräsentant der Jüdischen Gemeinde, gaben in herzlichen Worten ihren Sympathien fiir die junge Korporation Ausdruck. Die Vertreter der Verbindung im K. Z. V. ״Hasitionaea" und der Freien Vereinigung ״Dahlcnr.a" tranken auf ein freundschaftliches Verhältnis zwischen dem V. .1. St. Maccabaca und ihren Korporationen. Itu Aufträge des Präsidiums des ״Bundes Jüdischer Korpoiationen“ sprach A.H. Dr. Rosenkranz, in! Namen des Alten Hcrrcu-Bundes A.H. Dr. Emil Colin, als Mitbegründer des Vereines A.H. Dr. Arthur B i r a in. Die Vertreter des Stammvereins Berlin und der Kartellvereine Königsberg und Charlottenburg gaben dem neuen Vereine ihre bundesbriiderliehen Wünsche mit auf den Lebensweg. — Nach Schluss des offiziellen Teiles hielt noch eine kurze, durch humoristische Darbietungen und Aufführungen gewürzte Fidulitüt die Teilnclimcr des Kommerses in bester Stimmung beieinander.

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