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Jüdische Rundschau · 1907-02-08 · Heft 6 (8.2.1907) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 6 (8.2.1907)
Date
1907-02-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 6• Seite 55 aus dem er au der Jewislt Eueyelopaedia nicht mitgearbeitet hat hat er sich auch von dem ..Verein zur Fürdcrung der Wissenschaft des Judentums“ ferngehaltcn. .Fr hat den Bankerott des Vereins und der jüdischen Wissenschaft im voraus geahnt; er hat die Grossen alle sterben und die beredten Epigonen an ihre Stelle treten sehen. Vereine, in denen man für S Mark Mindestbcitrag, Prospekte über Sammelwerke und Kompendien erhält, konnte er nicht durch Geld, nicht durch Mitarbeit, ja nicht einmal durch Rat unterstützen. Er wusste, weil er es erlebt hatte, dass Wissenschaft nicht ״gemacht“ werden kann, dass sie vielmehr das Ergebnis einsamer und .einzelner Forschung ist, er wusste, dass die Sammlung in Encyclopädien und Kompendien erst das Ende einer jahrzehntelangen Spezialtorschung ist und dass ohne diese alles Phrase bleibt, er wusste, dass die Schaffung von Erkenntnissen über das Judentum die erste Stufe und ihre Verbreitung erst die zweite Stufe ist, er wusste endlich, dass eine vorzeitige Popularisicrung in Literatur- und ähnlichen Vereinen nur eine Gefahr und ein dauernder Ruin fiir die Wissenschaft des Judentums ist. Daher hielt er sich von der offiziellen jüdischen Wissenschaft fern, und wenn die Herren vom Förderungsverein ihn bei Beginn der nächsten Sitzung wie jeden Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen ehren sollten, zeigen sie dadurch noch lange nicht, dass sie den Geist des Mannes erfasst und verstanden haben. Steinschneider kämpfte für die Freiheit der jüdischen Wissenschaft, für ihre Unabhängigkeit von Parteien, Gemeinden, Vereinen und vor allem von Rabbinerschulen. Er hat bei der Gründung der Lehranstalt für die Wissen- Schaft des Judentums seine Beteiligung kurzerhand abgeschlagen, weil er ahnte, was eingetroffen ist. weil er voraussah, dass infolge der Stumpfheit der deutschen Judenheit gegenüber ideellen und wissenschaftlich jiidisehen Fragen die Metamorphose zum Rabbinerseminar bald vor sich gehen würde. Sein Ideal war eine unabhängige jüdische Fakultät an einer deutschen oder ausländischen Universität. Mit ihm haben wir de.1 letzten der Grossen des' 19. Jahrhunderts zu Grabe getragen, ein Leben voll selbstloser Arbeit, nur um der Sache willen. Neben den beiden Grösseren, neben Zunz und Geiger, wird sein 'Name für Jahrhunderte in der Geschichte der jüdischen Wissenschaft bestehen. Berlin, Gotthold Weil. Ein Ito-Politiker Gegen meinen Artikel ״Die Entwicklung der Jto“ in. der JÜDISCHEN RUNDSCHAU wendet sich in einem nichtzionistisehen Blatte der ehemalige Zionist Dr. Emil Simonson in bcdatierlich scharfer Weise. Wir wollen ihm diesen Ton nicht zurückgeben, zumal er nicht die Leser der RUNDSCHAU damit behelligt hat. Da ich nicht ״Prokurist“ des Zionismus bin, muss ich wohl den ״Kommis" oder ״Lehrling der zionistischen Organisation" auf mich beziehen. Macht nichts; es sind ehrenwerte Posten, in denen man noch etwas zulernen kann — wenn man dazu imstande ist. Der Vorwurf der Bilanzverschleierung und sinnentstellenden Zitierens ist ja ein bischen fthrabschneidcnd, aber — unter ehemaligen Oesinnungsgenossen, nicht wahr, Herr Dr. Simonson? Wie gut für mich, dass er falsch ist! ־ Sachlich ist nicht viel zu erwidern, denn In dem sehr wortreichen Artikel steht furchtbar wenig ausser^ etlichen Schimpferden auf mich und später auf N. Sokolow, einigen Angriffen auf den Zionismus und billigen Witzen über die Nationalfoodsammlungen. Aber Dr. Simonson tiat nicht ver- Zf. . * . \\\• ״ \־נ־ י־ standen, was ich sagen wollte; darum will ich ihm einige Sätze noch einmal klarzumachen versuchen. Es tut mir selber leid, dass ich die Sätze Zangwilis.’die Dr. S. jetzt mir vorhält, nicht auch schon zitiert habe. Sic bekräftigen sehr gut, was ich gesagt habe. Ich wollte beweisen — und habe bewiesen ־־, dass die Jto die Erriehtung des Nachtasyls, die so stürmisch gefordert wurde, selbst aufgegeben hat. Oder leugnet Dr. S״ dass sie es früher wollte und fetzt aufgiht? Zangwill gibt es zu. — Ich wollte beweisen — und habe bewiesen —, dass die Jto für die Erreichung ihres ״Jtolandes" den primären Charter aufgegeben hat und die Methode der wirtschaftlichen Durchdrmgung wählen will. Oder leugnet Dr. dass die Jto den primären Charter früher wollte und jetzt aufgibt? Zangwill gibt es zu. ־ ־ Es ist nicht angenehm für Zangwill, dass sein Genosse im ״hiternatior.alrat“ der Jto, Dr. S., die von ihm für allein möglich gehaltenen Methoden verhöhnt. Setzen wir statt des Wölkenkuckucksheims ״Jtoland“ einfach Palästina. Worauf wartet Dr. S.? Die ״ökonomische Durchdringung" kann sofort beginnen. Der Territorialismus in seiner früheren Gestalt war ein Streitobjekt, jetzt ist er wirklich überflüssig. Da hilft auch kein Wüten von Herrn Dr. Simonson. Leider — oder glücklicherweise — lassen sich notwendige Entwicklungen auch durch einer! Schmähartikel nicht aufhalten. Zangwill sagt sehr richtig: Hätten wir 1SS1 am langsamen Ausbau einer Heimstätte vernünftig zu arbeiten begonnen, dann hätten wir heute nicht das heimatlose Umherirren der Juden. Beginnen wir heute, dann werden wir es in 25 Jahren nicht haben. Also! Alle Mann an die Arbeit für das ״Jtoland“ Palästina! Verstehen Sie. Herr Dr. Simonson? Es ist doch so einfach! Elias Auerbach. Gustav G. Cohen Gedenkreden gehalten auf der Trauerfeier der zionistischen Ortsgruppe. Hamburg-Altona am 14. Januar 1907. I. Sein Lebensbild Von Dr. Franck-Altona., Werte Damen und Herren! Wir haben «ns heute Abend versammelt, um des ehrwürdigen Mannes zu gedenken, der Ihnen wohlvertraut, dessen hervorragende Anteilnahme an der Begründung und Gestaltung unserer Ortsgruppe, Sie im Laufe der Jahre schätzen zu lernen vollauf Gelegenheit hatten. Und wenn ich die ehrenvolle, aber mich tief betrübende Aufgabe erfülle, diese Verdienste nach Gebühr anzuerkennen, dann möchte ich bewegten Herzens zugleich einen Teil der Dankesschuld abtragen für die freundsehaftliche Gesinnung, die der Verewigte mir die Jahre hindurch entgegengebracht hat. Nicht als ob ich mir einbildete, dass es mir allem vergönnt gewesen wäre, ihm nahezustehen. Es gehörte zu seiner Wesensart, gleichartiges Streben — wie es ihn erfüllte — rückhaltlos anzuerkennen, wo immer er cs gewahrte, und jeder, der sich des Vorzuges seines persönlichen Verkehrs erfreuen durfte, hat vielfältig erfahren, wie wenig er geneigt war, das Gewicht seiner Persönlichkeit, den Wert seines gereiften Urteiles dm Streite der Meinungen in den Vordergrund zu stellen. Es mag als besonders glückliche Fügung gelten, wenn man in der Jugend, beim Werden einer Lebens- und Weltanschauung nicht auf sich allein angewiesen, das abgeklärte Urteil des erfahrenen, viel bewandertest Mannes als Prüfstein für die Er״ 1

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