Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 Seite 48 _ JÜD ISCHE gUNDSCHAU _______|... _ . ___ II LJ BL - II ~ll. 1!ן — ■-VA - ~|. j* ן 1 —*■ — ■ — ■ ~ *י• Rundschau יי■ ״Bez&lel“ Verein zur Förderune von Ktmstecwerbe und Hausindustrie ♦־'•* in Palästina und den Nachbarländern. * Am 17. Januar fand unter Vorsitz von Prof. Warbure eine Ausschusssitzung des Vereins ״Bezalcl“ statt, auf der der Maler Oottüeb. der bereits einige Monate in der ..Beza!el“־Schule in Jerusalem tätig war. Ober die Fortschritte der Schiller Bericht erstattete. Die Ausschussmitglieder nahmen mit «'rossen! Interesse und mit Genugtuung die Mitteilungen vom ausserordentlich erfreulichen Fifcr. Fleiss und Ernst der Schiller zur Kenntnis, die auch die arbeitsfreie Zeit einer bclehnenden gemeinschaftlichen Lektüre widmen und von ihrer Aufgabe, die palästinische Judenheit ökonomisch und moralisch zu heben, ganz erfüllt sind. Fünf junge Leute, die in den letzten Monaten aus Russland nach Jerusalem ausgewandert sind, habet! in sehr kurzer Zeit in der Bezalel-Schulc die Stcinhaucrci erlernt sodass sic letzt einen auskömmlichen Erwerb haben. Da unter den Jerusalemer Juden gar keine Steinhauer bis letzt vorhanden sind, trotzdem sie viel Beschäftigung finden könnten, wurde der Vorschlag von P r o f. S c h a 17.. in der Bezalel-Schulc eine Abteilung für Steinliauer-Arbeiten cinzu richten, wofür besonders Prof. Philippsott warnt eintrat einstimmig angenommen. Den Plan des Herrn Oottüeb. das lithographische Oewerbe in Jerusalem cinzurführcn. beschloss man noch einer eingehenden Prüfung zu unterwerfen. Herr Gott lieb, der in diesem Gewerbe viel Erfahrung hat und es für sehr etnpfehlenswert für den Bezalcl hält, erklärte sich bereit evtl, auch einen Teil der Kosten (für die Anschaffung der Maschinen. Steine und dergl. zusammen ca.!000 ח Mk.) beizusteuern und bestimmte hierfür zunächst die Einnahmen aus dem Verkauf seiner gegenw.lrtig m Berlin bei Schulte (Unter den Linden) ausgestellten Bilder. . Zugleich wurde die Einleitung einer Propaganda zur Gewinnung von MlteFcdcrn für den Bezalel (Jahresbeitrag von 5 Mk. an) beschlossen. Zahlungen nimmt das Bankhaus Mcyer Coh. Berlin W. 64. Unter den Linden 11. entgegen. Nähere Auskünfte erteilt der Vorstand des «Beza 1 eI“. Berlin W. 15. U h 1 a n d s t r. 175. der auf Wunsch auch־ den Bericht des Komitees kostenlos zukomtnen lässt. Verein Jüdischer Studenten, Marburg Am ‘ 24. Oktober 1006 wurde hier die erste indische studentische Korporation seit dem Bestehen der alma mater Philippina gegründet und am 31. Dezember 1906 von Rektor und Senat' bestätigt. Die Verbindung gehört dem B.J.C. an. auf dessen Programm sie basiert und besitzt eigene, schwere Waffen. Es •braucht wohl nicht besonders betont z!t werden, dass der lange Verein einer glänzenden Zukunft entgegensehen kann, ist er dofch die einzige indische Verbindung, die im Westen Mitteldeutschlands als die Vertreterin des B.J.C. für lebendiges Judentum kämpft. Schon kurz nach der Gründung zählte sie 14 Aktive, "dazu noch eine Anzahl Verkehrsgäste. Bedenkt man gar noch, dass Marburg eine Sommeruniversität ist. also hauntsächlich im Sommer aufgesucht wird, so unterliegt cs wohl kaum einem Zweifel, dass die Korporation sich schnell kräftig entwickeln wird und sich als starkes 01:ed in die Kette der V.J.St’en einreihen kann. Gewiss darf picht unerwähnt bleiben, dass in Marburg, wo |a das Judentum arg bedrängt ist und das ja geradezu den Fokus judenfeindlicher Bewegungen bildet, dem neuen Vereine Hindernisse entgegentreten werden. Gerade dieser Umstand aber bildete für die Gründer einen Hauptsporn, hier einen starken Grundpfeiler indischen Geistes und jüdischen Lehens zu errichten.‘ Welch grosse Svmpathien dein Vereine entgegengebracht Werden, beweist sein Gründungskommers, der am 12. Januar 1907 stattfand. Von allen Seiten wurden dem jungen V.J.St. die herzlichsten Glückwünsche zu teil. Insbesondere sei hervoreehoben. dass Se. F.hrwürdcn Herr Provinzialrahbiner Dr. Munk seiner Hingebung an den Verein in herzliehen Worten Ausdruck gab. An der Feier nahmen u. a. teil die Herren Vertreter der Gemeinde, der jüdischen. Wissenschaft- Hch-gese’llgcn Vereinigung (J.W.G.V) und des Kegelklubs ..Alte Netme44. die alle Ihre eifrigste Anteilnahme kundgaben. Die vielen Telegramme, die von Gönnern des Vereins und seinen K.V;K.V. einllefen. legen beredtes Zeugnis ab von den Innigen iBziehungen. deren er sich erfreuen kann. Ein Mitglied. Herr stuck med. S a 1 ly Loeb. hielt die Tendenzrede, durch die *fern V.J:St viele neue Freunde erworben wurden. Der Kommers wurde von den Herren Chargierten: stud. med. Jul. LeeserX, stud. med. Max SchaumbergXX, stud. med. Leop. Schulz XXX geleitet. Der V.J.St. kann mit Genugtuung auf dieses sein erstes offizielles Auftreten zurfickblicken und nun zuvcrsichtlich seiner Zukunft entgeg'ensehcn." Adr.: Max Schau nt berg, Marburg a. L.. Casselerstr. 14. Hie deutsch — hie undeutsch! Unter dieser Aufschrift schreibt am Tage vor der Wahl die KÖLNISCHE ZEITUNG: Der KÖLNISCHEN VOLKSZEITUNG hat ein Jüdischer Mitbürger“ ein Zirkular übersandt, worin ..mehrere jüdische Wähler" ihre Glaubensgenossen auffordern, dem liberalen Kandidaten fiir Köln-Stadt. Rechtsanwalt Bernhard Falk. Ihre Stimme zu geben. Das uitramontane Blatt hebt hervor, das Flugblatt sei bei Du Mont Schattberg gedruckt, was besagen will, die KÖLNISCHE ZEITUNG und mit ihr die bösen Libcralcn seien fiir seinen Inhalt verantwortlich. Dieser Hinweis ist einfältig. Der Verlag vom J. P. Bachem würde vielleicht auch liberale Drucksachen besorgen, wenn ihm die liberale!» Parteien das Zutrauen schenkten, ohne dass ein Mensch dafür die ganz und gar nicht liberale KÖLNISCHE VOLKSZEITUNG verantwortlich machte. Wenn jüdische Wähler stolz darauf sind, dass der Wnhikandidat einer der Ihrigen ist. so ist das lediglich ihre Sache. Die Liberalen standen und Stehen auf dem Standpunkt, dass das Bekenntnis mit der Politik nichts zu tun hat. Rechtsanwalt Falk ist nicht aufgc-stcllt worden, weil, auch nicht, trotzdem er Jude ist. Seine Kandidatur hat mit seiner Konfession nicht das geringste zu tun. Er ist aufgestellt worden, weil er eilt um die liberale Sache hochverdienter Mann ist. Und dass er sielt um die liberale Sache verdient macht, das Recht wagen ihm nicht einmal die KÖL- NISCHE VOLKSZEITUNG und ihre ״Einsender“ zu bestreiten. Freilich, die israelitische Zeitung DIE GEGENWART fürchtet, das ..provokatorische Auftreten*‘ des Rechtsanwalts Falk könnte der Judenheit schaden. Ja, haben denn die Juden nicht dasselbe Recht wie die Christen, auch im Wahlkampf ihre Meinung rückhaltlos zu sagen? Von welcher Seite soll denn der Schaden fiir die Judenheit kommen? Von den Liberalen doch sicher nicht. Also von den Ultramontanen! Wer das verhindern will, der wähle den antiultramontanen Kandidaten für Köln-Stadt, den Rechtsanwalt Bernhard Falk. Aber Falk ist Ja nach den Einsendern nur ..Zählkandidat". Nun. es liegt nur an den Kölner Wühlern, durch seine Wahl das Märchen von seiner Zählkandidatur zu zerstören. Dass hierbei auch jede einzelne jüdische Stimme mit entscheidet, werden sich unsere jüdischen Mitbürger selbst sagen. Die KÖLNISCHE VOLKSZEITUXG lässt sielt auch die angeblich nicht IudcnfeindÜche Gesinnung der Ultramontanen bescheinigen. Sie verschweigt natürlich ihre eigene Judenfeindschnft. die sie in den -Sieben Thesen zur Juden frage“ nieder gelegt und die das ISRAELITISCHE GEMEINDHBLATT vom IS. Januar für alle jüdischen Reichstagswähler testgenagelt und die danach auch die KÖLNISCHE ZEITUNG ln No. 72 wiedergegeben hat. Wir wollen hier auf die Judenfeindschnft der Ultra montanen nicht eingehen. Wir könnten sot,st auch mit einigen! aufwarten: von der Ghettowirfschaft und den Judenverfolgungen des Mittelalters bis auf Tisza- Es'/lar. Xanten und Könitz und den Verfechter der ritualen Morde Pater Rohling. Indes es handelt sich bei den jetzigen Reichstagswaltleti auch in Köln nicht um eigentlich jüdische Interessen, cs handelt sich um grosse nationale und kulturelle Gegensätze. Die Juden, die morgen zur Wahl schreiten, sie wählen nicht als Juden, sondern als Deutsche, sic wählen den nationalen Kandidaten Rechtsanwalt Bernhard Falk, nicht weil er Jude ist, sondern weil er ein deutsch- und nur deutschdenkender Mann ׳st int Gegensatz zu den undeutschen Ultramontanen und SoziahJetttoknten. Es handelt sich bei der Reichstaeswahl einzig und allein um den Gegensatz: hie deutsch, h i c u tt d c tt t s c h. Auf der deutschen Seite steht alles, was nicht auf die noch nicht 38 Prozent der cleutsehet! Katholiken umfassende Zcntrumsnarfci eingeschworen ist. Ja. von dem bisherigen Durchschnitt der 38 Prozent Kathohken sind noch die Tausende und Abertausende abzuzielten, die das Vorgehen der 895 Vertreter der nationalen Kathohkct; hilligen. die ebenfalls de ZentrumshcrrschaP. unerträelich finden die aber bisher es für eine vermeintliche Fordmng ihrer Religion hielten, für das katholische Zentrum zn sütm.en. Jeder deutsche Mann, dem d׳c Zukunft unseres Vaterlandes nm Herzen liegt einerlei ob Kfthrdik. Protestant oder Jude, kennt bei der Wahl nur ein Ziel: Fort mit dem vaterlai/dsfcindllchcn' Zentrum! Jüdische" Oberlehrer Die KÖLNISCHE ZEITUNG versteht es meisterlmft. zu rechter Zeit die Juden an die ..Judenfreundlichkeit“ der Nationalliberalen zu gemahnen. Getunt vier Tage vor der Reichstagswahl schreibt sie’: