Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seit 46 JOD ISCHL! £>UNDSCHAU No. & äunäf‘,*״diese~ Jesuitische— Partelmorai,— durch diese Heuchelei sich den Boden in der russischen Judenheit uttter^räbt,־ wird ihr ד auch erst später einmal klar werden. Dann wird es ebenfalls zu spät sein, einzusehen, dass*vieles. )Richtige und Berechtigte, was von ihr vertreten \V1rd, durch die dogmatische Einseitigkeit und durch die opportunistische Parteiheüchelei mit hintangehalten wurde.ל : '; *; ״ 2 *? Es? war' ein ungeheurer Fehler des bürgerlichen tiberalisnius, dass er in der Judenfrage die Oleichberechfigung gewissennassen von der politischen Gesinnting abhängig machte, also dem Grundsatz huldigte, denv er sonst sejnen eigenen Anschauungen gemäss verwirft.. ^Diesen Fehler des Liberalismus hat die Sozialdemokratic nicht etwa erkannt und verworfen, sondern nur• in die Sprache des marxistischen Dogmas übersetzt. Sie. hat es erreicht, dass heute der tätige Eintritt eines Juden in. die sozialdemokratische Organisation mit dem faktischen Verlassen des Judentums gleichbedeutend ist, auch wenn es sich nicht, wie bei D r. Arons, in einem Austritt aus der Jüdischen Gemeinde äussert. Der völlige Anschluss an die Sozialdemokratie bedeutet für den einzelnen Juden, nichts anderes als eine Lossagung von seinen! Stamme und Stammestume. .Pie Sozialdemokratie hat es an sich erfahren, dass man nicht ungestraft sich über die Tatsache hinwegsetzen kann, dass schliesslich jede Nation im innersten Herzen־ national ist.־ Wir Juden können aus ihrer Niederlage lernen, dass wir den denkbar schwersten Fehler begehen, wenn wir allen historischen Tatsachen zum Hohn das nationale Element in unserer Geschichte tmd in unsrem Leben verkennen wollten.• Gerade das Nationale' ist ja־ das Wertvollste an jeder gesunden Nation." Darum hat es für uns viel weniger Bedeutung, dass die Antisemiten im Reichstag sich nicht vermindert I1aben,־dass die ja offiziell antisemitischen Konservativen gestärkt zurückkehren und dass eine neue antisemitische Gruppe, die als wirtschaftliche Vereinigung :!h.V'on Juden fast' unbewohnten Wahlkreisen Erfolg erzielt hatrmit mindestens vier Mann im neuen Reichstag -vertreten sein wird. Auch der neue Reichstag wird die 'Judenfrage nicht zu lösen haben. Denn diese Lösung biüss f ür die J tiden eine nationale, für die andern. Völker eine internationale, jedenfalls aber eine k Ölk e r r e c h'tl i c h e.. sein. Wir wollen von der *Deutschen Nation, in der wir leben und mit der wir ge- .melnsam zum Wohle des Vaterlandes arbeiten, lernen. Jdass'wir, wenn wir ein Plätzchen an der Sonne haben wollen» national' sein müssen. - ־••־׳־• ... * EiJ&qlm. ־ . * * * , י * «•«•׳־ ‘ , * * 4■י '.־ י *- ״ * ►י »־ * * י י י .״ ־ * * * * ״ , Die׳ Bewegung der jüdischen Bevölkerung in Rumänien '7 .״יי'. V Von Dr. Arthur'Ruppln - Berlin. 7 ״ Erst Jetzt werden durch eine Veröffentlichung des rumäni- :sehen statistischen Amts (Mouvement de la popuiation de *Roumanio 1898 u. 1899. Bukarest 1906.) Einzelheiten über die Bevölkerungsbewegung in den Jahren 1893 und 1899 le- Jtannt; (Ober die Jahre 1S96 und 1897 sowie 1900—1902 vergl. ^Zeitschrift für Demogr. u. Stat. d. Juden I. Jahrg. 4. Heft) Eheschliessungen fanden statt im Jahre 1898 :43761 und im Jahre 6S99 50 140. Davon waren: 899! 893! ... * ־ ••־ Eheschi. 2wisch. Jüdisch. Mann u. jüdischer Frau 1593 1446 > "*■ ״ ־* ••״••- » ־- orthodox. 8 5 ״ י $9* •־־׳ •*..<- ־,•;. •־'•.'• .. kathoL - 5 2 rr* ־i ־ y.* •' "*״ •■.־*• •׳•ר• Protest. - 1 2 ־ ״ ׳׳<י'ז. •w * orthod. jüdisch. * 6 10? * r* . katbJ. i, * * m 1 6. ♦* ״ ״••*!. ו־יז*.* '•protwt 2 1 «•. ׳• *״ Da bei der Volkszählung Ende 1899 die Zahl der Juden 269 015 und die Zahl der Nichtjuden 5 643 505 Betrug, so entfallen im Durchschnitt der Jahre 1S9S und 1899 auf je 1000 Juden• 5,70 Eheschliessungen . ״'• .־• Nichtjuden 8,05 ־ /.־ ״ ' Mischehen zwischen Christen und Juden sind selten. Von den 25 Mischehen des Jahres 1898 wurden10 ־. van den 24 Mischehen des Jahres 1S99 17 in der Hauptstadt Bukarest ab■ geschlossen. Hier machten die Mischehen also immerhin bereits einen nennenswerten Anteil der rein jüdischen Ehe- Schliessungen aus. deren Zahl im Jahre 189S 306 und im Jahre 1899 299 betrug. Die Ehescheidungen sind in der folgenden Tabelle zusanunengestcllt. Konfession ..der. Geschiedenen Stadt u. Land zusam. tut dem Lande in den Städten 1899 j 1899 1898 | 1899 1898 [ 1899 Männer ן Frauen! Männer 1 1 Frauen j 1 Männer Frauen Männer ״rauen .Männer Frauen Männer j Frauen: j orthodox ־ katholisch Protestant. Jüdisch sonstige 10401038 1115*1103 lf 20 23 30 2' 1' - 5 61 6. 59 59 113 3 : i 6U5j603775't>73 -| 2 5 fc 8 8 7 6 -! -• 1 2 1 Wo 435 440 430 17 IS 18 24 21 — 4 53 53 52 53 1111 Danach betrugen die jüdischen Ehescheidungen im Durchschnitt der Jahre 1898/99 5,59 Prozent aller Ehescheidungen, waren also grösser als der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung (4,55 %), was wohl damit zusammenhängt. dass die Juden hauptsächlich in den Städten wohnen und in den Städten die Ehescheidungen ungleich häuiiger sind als aut dem Lande. Geboren wurden ( bei den ohne Totg 1898 eborene): 1899 Stadt und Land zu- *snfimen in den ' Uni־ Städten e 2 rr.מ־ c n 1 Orthodoxen Juden Katholiken sonst. Konfessionen 1V6610 10273 4758 3388 230726 10711 5246 3767 202765 j *7961 8489 ' 2־222 3549 i 1697 2483! 1284 Zusammen | 215029 250450 I 211019 . 39431 Nimmt man mit der amtlichen rtnnänischen Statistik an, dass zu Beginn des Jahres 1899 die Zahl der Orthodoxen 5 372917 (davo.n 202 765 in den Städten) Juden 261 208 ( 20 ״S 463 ״ ״ ״ ) * Katholiken 148121 ( ״ " ״ 62476 ״ ) betrug, so erhalten wir, auf diese Zahlen bezogen, als Geburts- Ziffer für das Jahr 1899: Stadt u. Land zus. auf d. Lande in d. Städten bei den Orthodoxen 43,0 44,4 34,6 ״ ״ Juden 41,0 42,1 407 ־, ״, Katholiken 35,4 41,4 27.2 Die Oeburtcnzificr der Juden ist hiernach grösser als die der Katholiken und als die der städtischen Orthodoxen, bleibt dagegen hinter der Geburtenziffer der auf dem Lande wohnenden Orthodoxen zurück. Bemerkenswert ist. dass, während bei Orthodoxen und Katholiken die Oeburtenziner in der Stadt ganz bedeutend niedriger ist als auf dem Lande, bei den Juden zwischen Stadt und Land kein erheblicher Unterschied besteht. Das deutet darauf hin. dass inbezug auf Lebensführung und Kultur sich die christlichen Städter von den ländlichen Städtern sehr stark unterscheiden, während dies bei den Juden nicht der Fall zu' sein scheint. Setze man die absoluten Zahlen der jüdischen und nichtjüdischen Geborenen zur Zahl der bei der Volkszählung von 1899 für Bukarest ermittelten Zahl der jüdischen und niiehtjüdischen Einwohner (43 274 bezw. 23S797) in Beziehung, so entfallen im Durchschnitt der zwei Jahre 190*1 und 1905 Lcbendgeborfcnc auf je 1000 Juden 29,51 To, 1000 ״ ״ Nichtiud&n 24,19%. Unehelich waren in gleichem Zeitraum bei den Nichtjuden 22,99 % aller Geborenen ״ ,. Juden 3,82% ״ Die Zahl der Totgeborenen betrug im Jahre 1904 371, darunter 35 jüdische, Im Jahre 1905 351, darunter 38 Jüdische: