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Jüdische Rundschau · 1907-01-25 · Heft 4 (25.1.1907) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 4 (25.1.1907)
Date
1907-01-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 38 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 4 die Auszahlung der Gehälter und der Miete für Rechnung der vereine direkt aus der Qemeindekasse vornehmen, als Ersatz der bisherigen, den Vereinen gezahlten Subventionen. Wir konnten im Vorstehenden nur in ganz genereller Weise auf allgemeine Zustände bmweisen, sind aber bereif auch in federn einzelnen Falle in ganz objektiver Weise die Verhältnisse festzustellen und zur Abhilfe etwaiger Missstande zur Verfügung zu stehen. Wohl zu beachten ist der Umstand, dass durch den engen Verkehr innerhalb der Vereine sich in weherem Masse als wie cs innerhalb der grossen Gemeinde möglich ist. ein Liebesdienst von Mensch zu Mensch entwickelt, der die schönsten Früchte trägt. Auch wird durch die Betätigung für jüdische Dinge, die sonst für viele ganz in Foitfalt kommen würde, in vielen Familien und Kreisen ein Interesse wachgehalteu, w clches sonst gar zu leicht nachlässt. Wir glauben, dass auch diese Gesichtspunkte nicht zuletzt niitbcsälmmend sein sollten, um den Vereinen ihre Existenz zu ermöglichen. Indem wir der Hoffnung Ausdruck geben, dass unsere Denkschrift zur Aufklärung über die tatsächlichen Verhältnisse beitragen wird, zweifeln wir nicht, dass der verehrL Vorstand sowie alle anderen Verwaltungsorgane der jüdischen Gemeinde unseren Ausführungen be.pflichtcn und den Vereinen gegenüber entsprechend Stellung nehmen werden. Dann werden die Rcligionsvereine dank der Unterstützung der jüdischen Gemeinde fürderhin noch mehr wie bisher kämpfen gegen das Alltägliche, gegen die Verflachung, gegen den Materialismus, für Idealität und für unsere heilige Religion! ״Die Religion ist aber.** wie ein jüdischer Philosoph sagte, ״das Herz des öffentlichen Geistes, und unaufhörlich muss auch dies Herz schlagen, wenn nicht der Stillstand des Lebens herbeigeüihrt weiden soll.“ Den Stillstand des jüdisch-religiösen Lebens in Berlin zu verhindern und für frisches, kräftig pulsierendes Leben zu sorgen, das betrachten die R.Hgiunsvereine als ihre hauptsächlichste Aufgabe; sie glauben sich in dieser Hinsicht in völliger Uebereinstimmung zu befinden mit den Verwaltungsorganen der jüdischen Gemeinde und auf deren nachhaltigste Unterstützung zur Erreichung dieses gemeinsamen Zieles rechnen zu dürfen. In grösster Hochachtung Der Vorstand % des Verbandes der' Prlvat-Synagogeo-Verelne von Berlin und den Vororten. Zur Reichstagswahl Die Zionisten nehmen als eine Partei, derer! Ziele in jeder Richtung ausserhalb des deutschen Reichinteresses liegen, keine Stellung zu den Rcichstagswahlen als Partei. Um so ruhiger können wir die Parteiäusserungen erwähnen, in denen an die Juden als Wähler von verschiedenen Seiten appelliert wird; « I. Berlin. Die Zionistische Vereinigung lässt uns folgende Mitteilung zugehen: ״ln No. 34 des BERLINER LO- KAL-ANZEIGERS vom Sonnabend, den 19. Januar 1907 findet sich in dem Artikel ״Zur Wahlbcwegung“ — die Bemerkung, dass im dritte« Berliner Wahlkreise von zionistischer Seite gegen den Abgeordneten Rosenow Stimmung gemacht wird, weil derselbe, obwohl selbst Jude, niemals für jüdische Interessen eingetreten sei. Diese Mitteilung beruht auf einem Irrtum. Die zionistische Organisation hat also solche keinerlei Stellung zur Wahlbcwegung genommen, sie überlässt es jedem Mitgiicde sich im politischen Leben Deutschlands entsprechend seiner allgemeinen politischen Ansicht zu betätigen. Übrigens ist auch der Vorwurf, den Ihr Herr Berichterstatter dem Abgcordneten Rosenow macht, dass er. obwohl selbst Jude, niemals für jüdische Interessen eingetreten sei. nicht richtig. II. Vereinigung Badischer Israeliten. Karlsruhe, im Januar 1907. An unsere Jüdischen Mitbürger! Die Reichstagswahlen stehen vor der Tür; nur wenige Wochen trennen uns vom Wahltag. Das erste und vornehmste Recht des deutschen Bürgers ist sein Wahlrecht; die Aus- Übung dieses Rechtes ist aber auch eine ernste und bedeutungsvolle Pflicht. Nur wer gleichgültig ist gegen seines Volkes Geschicke wird am Wahltag teilnahmslos bei Seite stehen. Angefeindet von vielen Seiten, haben wir Juden trotzdem .jede-Bürgerpflicht stets treu erfüllt. Auch der kommende Wahltag zeige, dass wir uns der Bedeutung des Wahlrechts .bewusst sind, dass wir alle, Jeder nach seiner Überzeugung, mitarbeiten wollen an des deutschen Reiches Entwicklung und Zukunft Wir geben keine Ratschlägo und Weisungen für die Wahl. Jeder folge seiner freien Überzeugung, dem eigenen Qcwissen! Wir fordern Euch nur auf, als gute Bürger von Eurem besten Rechte Gebrauch zu machen. Dass wir jeden Antisemiten bekämpfen, ist ein Gebot der Selbsterhaltung und der Selbstachtung. Im übrigen treten wir als vollberechtigte Deutsche und nur als Deutsche in dm Wahlkampf ein und dienen, jeder nach seiner Überzeugung, der Partei die nach den Anschauungen des Einzelnen am besten de!: Interessen des deutsch.•n Volkes dient. Stellen wir aber auch — denn auch dies ist unsere Pflicht — alle persönlichen Erwägungen zurück und scheu wir auf die Sache. Es gibt nur eine Frage, die aber lautet: Wie dienen wir am besten des Vaterlandes Grösse und des Volkes Wohl! So bitten wir Euch, am Wahltage Mann für Mann als deutsche Bürger Eure Pflicht zu erfüllen! Der Vorstand der Vereinigung Badischer Israeliten; Dr. M. Appel. Stadt- und Konferenzrabbiner, I. Vorsitzender. Dr. M. Straus. Rechtsanwalt. If. Vorsitzender. Simon Bernheim er. Fabrikant. Dr. Ludwig Haas. Rechtsanwalt. Fritz Hotnburgcr. Stadtrat. Albert Kusel, Rechtsanwalt. Sigmund Levis. Dr. Max R o s e 11 b e r g. Arzt. Dr. N. Stein. Oberlandesgerichtsrat. III. Im ersten Beiliner Wahlkreise, wo sechs Kandidaten von den verschiedenen Parteien aufgestcllt weiden sind.• wer Je von einer Reihe jüdischer Freunde der Bodenreform soeben das folgende Flugblatt veröffentlicht: An unsere Hidlschen Mitbürger! Das BERLINER TAGEBLATT macht einige Bemerkungn, dass Herr Adolf Damaschke von einigen ..im Gerüche des Antisemitismus stehenden Organisationen“ unterstützt würde. im Hannoverschen Courier begann eine Notiz mit den Worten־ Adolf D amaschke, der von den Antisemiten unterstützt wird usw. Und die FREISINNIGE GÜTUNG benutzt einen Artikel der reaktionären DEUTSCHEM VOLKSWIRTSCHAFTLICHEN KORRESPONDENZ, wonach Damaschke verhindern wolle, dass im 1. Rciehstagswahlkrc'se ein n i c h t g e r m a n ischer Sozialdemokrat gewählt werde! Kurzsichtige Menschen sollen aus solchen Bemerkungen offenbar den Schluss ziehen. Damaschke wäre ebenfalls Antisemit. In der Tat haben wir in jüdischer. Kreisen, die mit den Tatsachen nicht vertraut sind, diese Meinung •verbreitet gefunden. Die Unterzeichneten, welche mit Damaschke seit vielen Jahren zusammen arbeiten und ihn als einen freiges'nntcn Mann kennen ,!cPint haben, erklänn hiermit, jede derartige Ausstreuung oder Unterstellung für ein zur Wahl, und Stimmungsmache frei erfundenes .Märchen. Adolf Damaschke, der Kandidat des I. Berliner Wahlkreises, tritt mit seiner ganzen Person ein für die Durchführung jeder Gleichberechtigung ohne Ansehen der religiösen Zugehörigkeit. Da die Gelegenheit aber einmal gegeben ist. so sei hier auf die Bedeutung hingewiesen, welche die Bocknreiormbewegung, deren Führer Adolf Damaschke, ist. auch für unsere jüdischen Mitbürger hat. Wir alle, die wir zu den Erwerbsklassen gehören, — ob Akademiker oder Kaufleutc. Industrielle oder Handwerker. Prinzipale oder Angestellte ~ haben ein grosses Interesse daran, dass, wie es die Bodenreform bezweckt, endlich einmal der masslosen Verteuerung des Bodens durch die Spekulation energisch entgegengetreteti wird. Denn Bodenspekulation hedingt teure Häuser, also teure Mieten für Läden. Geschäftsräume und Wohnungen, und weiter teure Rohstoffe und teure Warenpreise Was bei günstiger Konjunktur mehr erarbeitet oder durch Gehaltszulagen mehr verdient wird, das geht unter allen Umständen alsbald duich hölnre Mietsausgaben wieder verloren. Oegen diese missbräuchliche Ausnutzung des Bodens, worunter wir alle leiden, wendet sich seit Jahren mit grosser Energie Adolf Damaschke. und ihm wird sich im Reichstage ein grosses Arbeitsfeld für eine gesunde Bodenpolitik eröffnen. Aber es gibt einen Gesichtspunkt, der unsere jüdisehen Wähler noch ganz besonders interessiert Die Bodenreformlehre hat grundsätzlich einen scharfen Trennungsstrich gezogen zwischen dem werbenden und nützlichen Kapital einerseits, welches im HandeL Qcwerbe und Industrie tätig. Arbeitsgelegenheiten schafft und so Kulturaufgaben erfüllt und jenem boden wucherischen, schädlichen Kapital andererseits, welches als ein

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