Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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4 סא Seite 30 JÜDISCHE RUNDSCHAU T י״י * _. > * um mm -*Am V _ ~ - * . - _______ Organ der Beilegung :ist. an deren Spitze Säe stehen, veranlassen werden, die im Anschluss an Ihren Briet in der letzten Nummer der WELT gegen das .,Studienkomitee‘• und gegen mich persönlich erhobenen ungeheuerlichen Angriffe, zu widerrufen. ' Mit ausgezeichneter Hochachtung gez. Arthur M e y e r o w i t z. Obwohl in dem von uns veröffentlichten Briefe Prot. W׳arburgs ebensowenig wie in der WELT Herr Arthur!Meyerowitz auch nur genannt war, glaubten wir seinen Briet buchstliblich abdrucken zu sollen, erteilen aber auch dem Herrn Dr. Paul Nathan als Vorsitzendem des Hilfsvereins und als Mitglied des Studienkomitees das Wort: 22. Januar 1907. . An die Redaktion DIE WELT, Köln. ‘ Hochgeehrter Herr Redakteur! in Beantwortung Ihres heutigen Telegramms erlaube ich mir das Folgende festzustellen: Es wurde hierselbst eiti* Studienkomitee für jüdische Kolonisation ins Leben gerufen. Der Vorsitzende dieses Komitees ist Herr Direktor Oliven, und dem Vorstande dieses Komitees gehören an: Herr Charles L. Mallgarten in Frankfurt a. M., Herr UcIl Konm erzieurat Goldberger in Berlin. Herr Professor Warburg in Berlin und der Unterzeichnete. Dieser Vorstand hat niemals den Beschluss gefasst, sich jenes Bureau. Unter den Linden?3. anzugliedern, an dessen Spitze Herr Meyerowitz steht. Auf meine Anregung ist vielmehr ausdrücklich festgesetzt worden, dass eine solche Angliederung. die von Herrn Meyeruwitz erstrebt wurde, nicht stattzufir.den habe. Dieser Beschluss fand seine Motivierung darin, dass Herr Meyerowitz. ein von den ^ehiffahrtsgesellschatten hanorlerter Angestellter ist. Dem Komitee hingegen erschien es als durchaus unzulässig. Kräfte für sich i!5 Anspruch zu nehmen! die als Angestellte von Erwerbsunternehmungen der Disziplin und den Unterweisungen dieser unterworfen sind. Eine solche Vertuschung von Geschäftsbetrieb und huntanitären Bestrebungen wurde nach eingehenden Beratungen als unzulässig erklärt. Behauptet also Herr Meyerou itz, dass sein Bureau in irgend welchem organischen Zusammenhang stellt mit dem Komitee, zu dessen Vorstand ich gehöre, so sagt er die Un- Wahrheit. Ich persönlich möchte überdies erklären, um auch allen zukünftigen Verdunkeiungsversuchen vorzubeugen. dass ich es mir versagen nnlsst:, an irgend welchen humanitären Aufgaben nützuwirken, an denen gleichzeitig Herr Arthur Meyerowitz beteiligt ist. Die Erfahrungen, die ich mit Herrn Meyerowitz gcntacht habe, diktieren mir eine derartige Stellungnahme. In vorzüglicher Hochachtung gez. Dr. P. Xa t ha 11. Wir glaubten diesen Aeusstrungen leider Seiten vollen Abdruck gewahren zu müssen, damit in dieser wichtigen Angelegenheit sich unsere Leser ihr Urteil selbst bilden mögen. Die Wichtigkeit erhält daraus, dass nicht bloss samtliehe jüdischen, sondern auch ‘viele allgemeine Blätter die Korrespondenzen des Studienkomitees regelmässig abdrucken. 1m Unterschiede von der JÜDISCHEN RUNDSCHAU aber alle Mitteilungen ausnahmlos übernehmen und dann nicht wie diese deutlich die 011 eile angeben, aus der sie schöpfen. Die Angelegenheit ist w i c 111 i g genug, mit volle Klarheit schaffen zu müssen. Denkschrift des Derbandes der Synagogen-Uereine an den Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Berlin, den 21 Dezember 1905. An den verehr flehen Vorstand der jüdischen Gemeinde ... zu Berlin. Von verschiedensten Seiten wird uns in bestimmter Weise die Mittedtmg gemacht, dass in der Verwaltung der jüdischen Gemeinde der Plan erwogen wird, .die bisherige Methode der Subventionierung der Privat-Synagogeii-Vereine einer wese ntliehen Modifikation zu unterwerfen, ln Anlehnung an unsere frühere Eingabe an den verchrUchen Vorstand de dato 6. Mai 19<C welche wir in ihrem wesentlichen Teile im Abdrucke hier heutigen (Anlage 1), gestatten wir uns. Ihnen im Aufträge ueserer!Mitglieder nachstehende Erörterungen zu unterbreiten, und hoffen, dass die darin geltend gemachten Gesichtspunkte umsomehr eine ernste Berücksichtigung finden werden, als wir inzwischen durch ständige Beschüttigung mit den Angelegenheiten d.eser Privatvereine reichlich Gelegenheit hatten, deren Verhältnisse kennen zu lernui und uns ein Urteil darüber zu bilden, in welcher Weise Abhilfe vorhandener Missstände zu schatten ist. Wir glauben davon Abstand nehmen zu können, den bereits in der erwähnten Eingabe vom 6. Mai 1902 erbrachten Nachweis für die Existenzberechtigung dieser Privatvcrane zu wiederholen; wir weisen •nur darauf hin. dass die Anzahl der im Bezirke der hiesigen jüdischen Gemeinde wohnenden Glaubensgenossen von 04 355 Seelen int Jahre ISbS auf I0SC4I im Jahre 1900 und wohl auf ca. 130 000 bis zur jetzigen Zeit gestiegen ist. Dieser Umstand sowie der noch immer steigend•.־ Zuzug dürfte zu der Feststellung genügen, dass die vorhandelten Gemeinde - Synagogen und Gemeinde - Religionsschulen bei weitem nicht ausreichen können, und dass auch rtiii den! Neubau fernerer Synagogen nicht in den! gleichen Tempo vorangegangen werden kann, als die Seelen/^kl der f)e1rLi1:demitg!icücr wächst. * Zur Erhärtung dieser Behauptung diene folgender Vcrgleich: Die jüdische Bevölkerung Berlins ist um ca. 15 CH 1 י Seelen giosser als die 0 e s a 1111 c i n v ח h 11 e r z a h I der Stadt Posen. Nun hat die Stadt Posen 22. zum Teil recht g:osse. Gotteshäuser für die verschiedenen Glaubenskketmtmsse. lind trotzdem wird in Posen auf das lebhafteste Klage geführt iibei den!Mangel an gottesdienstlich.n Veranstaltungen. mul ein weiterer Hau von Gotteshätisern;.־r d: inget’.u erforderlich angesehen. Wir glauben einerseits die Ucber/ettgimg haben zu dürfe•:!. dass seitens d.s w reinlichen Vorstandes die Fxisten/1»er ec 11t: gnng der S\ ingoftcnycrime nicht angezwcäelt wird, andererseits aber müssen wir immer wieder darauf kinuciswii. dass diese Yereine in viele׳! Fällen nicht imstande sind, den einfachsten Anforderungen zu entsprechen, die nun! an einen Synagogenverein und dess.n gottesdieusOche Veranstaltungen steilen n1t!>s. wenn dadurch die Würde und das Ansehen der Sache selb-t nicht hcrabgedrückt werden soll. Die geringen Mittel, welche den Vereinen zur Verfügung stellen, zwingen dieselben, ihre Ausßtbcn aufs äusserste zu beschränken; hierdurch machen siel; eine Reihe von Uebclstfmden geltend, deren hatiptsächliebste wir nachstehend erwähnen: Zur Ersparung der!Miete werden vielfach Lokale in Stadt-• gegenden und Strassen benutzt, die wohl nicht die richtige Umgebung für eine gottesdienstliche Veranstaltung abgeben. Die Zugänge zu diesen Lokalen, welche vielfach im Hinterhause liegen, sind oft sehr unangenehm; die Lokale selbst entsprechen in hygienischer und in ästhetischer Beziehung keineswegs immer den Zwecken, denen sie dienen. Die innere Ausstattung zeigt Ihnsichtlich Beleuchtung. Heizung, Lüftung etc. gleiche rosse Mängel. Die Notwendigkeit, geringe Gehälter an die Beamten zu zahlen, zwingt oft dazu, den Kreis der aus/uwählendcn Beamten zu beschränken; eine Rühe von Funktionen speziell zu den Feit ז tagen müssen ehrenamtlich von Privatpersonen, die Mitglieder des Vereins sind, un.ntgeltlich geleistet werden. Die Lehrmittel m den Religionssclmleii. die von der armen und ärmsten Bevölkerung besticht werd.n. müssen vielfach unentgeltlich gegeben werden. Infolgedessen werden die .Mitglieder, vor allen Dingen die Besucher der Gotteshäuser, zu Spenden . veranlasst, die niyht im richtigen! Verhältnis zu detn Einkommen di01!er Leute stehen. Diese stellenweise etwas gewaltsame Heranziehung zu Spenden drückt die Würde der Andacht herab und veranlasst viele, von einem Besuch des Gotteshauses abzusehen. Es gibt sogar noch Gotteshäuser, in denen die verschiedenen synagogaleit Würden innerhalb der Synagoge versteigert werden. Auch vorübergehende Besucher des Gotteshauses werden zu solchen Spenden genötigt: eine Tatsache, welche der verehrüche Vorstand der iüd'sehen Gemeinde sehr leicht festzustellen in der Lage ist. Wenn trotzdem diese gottesdienstlichen Veranstaltungen sich eines regen Besuches erfreuen, so ist dadurch der beste Beweis für die Notwendigkeit dieser Synagogen gcliciert. ln unserer Eingabe vom 6. Mai 1902, auf deren hier beiliegenden Auszug wir nochmals ergebenst lünweisen. haben wir diese Verhältnisse bereits skizziert und dargelegt, dass das beste Mittel für die Abhilfe solcher Verhältnisse darin läge, dass die Gemeinde die Verwaltung der Vereine üisgesamt übernähme, soweit das Bedürfnis für deren Existenz.