Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 35 einer kurz vorher gegründeten, reinwissenschaftilchen und sozialpolitischen Kommission anzue!gn.:n, deren Autorität durch die Brüsseler Konferenz und die Kämen der Mitglieder gewährleistet ist, und so die Öffentlichkeit geradezu herauszufordern zu Verwechslungen, die natürlich nur dem Geschäfts- Studienkomitee zunutze kommen konnten. Auch das ״Zentraibureau für jüdische Auswandcru ngs-Angelegenheiten in Berlin״ lut eine scharfe Damarkationsliste zw.schen sich und dem PscudcK.SttHf.cnkomitee“ gezogen und darauf aufmerksam gemacht, welch grosse Gefahren aus dieser neuartigen, durch den irreführenden Titel vcrschleier- * teu Kombination von Geschäft und Emigrationsregelung sowohl j für die jüdische ÖhenUichkcit als insbesondere fi|r die armen ן Auswanderer erwachsen können. Obwohl wir gerade damals gezwungen waren, grobe Unzukömmlichke.teti bei den Schiffahrtsgesellschaften zu rügen und mehrmals die Sache der Auswanderer gegen Ausbeutung und Quälereien zu führen, ־־ ein Kampf, der, nebenbei bemerkt, nicht erfolglos gcbl.cben ist, — haben wir die Affäre ״Studienkomitec No. 2“ übergangen. Wir stehen auch nicht an, den Grund zu nennen. Wir glaubten Anhaltspunkte dafür zu haben, dass dieses ״Studienkomitee״ in intimer Kühlung mit einer Berliner Gruppe stand, die sich damals das nach ihrer Meinung harmlose Vergnügen lcist:te, die jüdische und allgemeine Presse mit allerhand aufgebauschten Nachrichten über ungeheure Erfolge der ״Jto“ und nebenbei mit orienen oder versteckten Antizionismen zu iüttern. Es gehörte mciit viel Kenntnis der jüdischen Wirklichkeit dazu, um vorauszusehen, dass dieses K'ederoallspicl mit jüdischen Staatsgriindungcn jetzt in Kanada, jetzt in Argentinien, eines .Tages ci:1 jähes End:־ finden müsse. Wir zogen es vor. diesen Ze.tpunkt abzuwarten, statt uns m einen langwierigen Kampf g.gen Bluff und Phantasmen einzulassen, so reiir es uns leid tat. dass die jüdische Presse zu einem Teil kritiklos alle die mit •Geier Ber.itwibgke.t ar.gebotei.en ״Korrespondenzen*' abdruckte. — und nicht nur die antizionistische Presse, für die jide irgendwie gegen den Zionismus gerichtete Notiz (je mehr Humbug, desto besser) ein ״geiuudenes Kressen‘* ist. Nun aber, nachdem die ״Jto** mit anerkennenswerter üiieuhc'.t durch ihren Führer offiziell die Illusionen, von 17 i Monaten zerstört hat, da sie nach ihrem früheren grenzenlosen j Optimismus die Aussichten von .Jtoland" in solche Kerner, gerückt hat. dass manche jüdische Blätter nunmehr vom ״Tode der Jto" sprechen, durfte man honen, dass das ״Korrcspondenzen"-Unw׳tsen ein Ende haben werde, zumal Zangwill selbst mit grosser Schärfe aufgetreten war gegen jene ״g:Jährliche Mischung von Wahrheit und Unwahrheit, die halbinformierte Journalisten der momentan:!! Sensation wegen (über die Jto- Projekte) in die Öffentlichkeit tragen." Man durfte insbesondere hoffe”, dass auf dem neuen Arbeitsfelde. dem sich die ״Jto'* jetzt 7׳.wenden will, dem der Emigranteii-Ablenkung nach Südamerika —* wobei Vorsicht und Genauigkeit erste Vorbedingung, das Gegenteil geradezu ein Verbrechen wäre — jede Sensationsmacherei und gar Geschattsmach.r-Sensatkinen ängstlich ferngehalten werden würden. Wir wissen nun nicht, wie weit In Wirklichkeit ein Zusammenhang der ״JtoM mit dem ״Studlenkoniltee" No. 2 bcsteht, wir wissen nur. dass zumindest dieses Studienkomitee In seinen ״Korrespondenzen“ eine Intimität mit der Jfto*4 prätendiert, und dass seine Mitteilungen von der Presse kommentarlos als objektive und wissenschaftliche Kundgebungen angenommen werden. Die oben von Prof. Warourg zurückgewiesene Meldung (hoffentlich stammen Zangwilis Mitteilung: ..direkte Dampfer nach Galveston werden von Bremen ausgehen“ und andere seiner Informationen nicht ans derselben Queile) ist sicherlich nicht die einzige irrige oder aufgebauschtc des Studienkomitees. Es fehlt uns die Möglichkelt zu untersuchen, inwieweit ein Dithyrarnbos über Galveston, der, von dieser ״Korrespondenz“ verschickt, die Runde durch die Blätter machte, dm ganzen den Tatsachen entspricht. Aber die letzte Angabe der KORRESPONDENZEN bringt wieder eine Texas betreffende Mitteilung, die wir überprüfen können. Sie lautet: Jüdisches Vereinsleben ׳in Texas. Die letzte Kummer der in San Antonio erscheinenden jüdischen Monatsschrift THE JEWISH HOPE bringt einige interessante Mitteilungen über (bis jüdische Vereinsleben im Staate Texas. Danach sind in letzter Zeit eine ganze Anzahl jüdisch-literarischer und musikalischer Vereine in den jüdischen Gemeinden in Texas gegründet worden. So in Dallas. Galveston, Houston und Maco. Diese Tatsache wird als ein gutes Zeichen für das geistige Erwachen der sonst indifferenten Jüdische Gemeinden im Süden bezeichnet. — Aus anderen Mitteilungen der genannten Zeitung ist zu ersehen, dass auch sonst das Jüdische Lebeo im Süden immer stärker zu pulsieren beginnt, und das• allmählich auch im Süden sich wichtige jüdische Zentren bilden. Nun muss man wissen, dass THE JEWISH HOPE, das zionistische Organ für Texas, gerade in seiner letzten Nummer von Anfang bis Ende angefüllt ist mit zionistischen Nacnricnten und Meldungen über das reiche zionistiscne Vcreinsieben. Niemand wird leugnen, dass das Vorhandensein so starxer zionistischer Tendenzen in Texas ein bedeutsames Zeichen für die Beurteilung der jüdischen Situation daselbst ist --־ und wenn das Siudienkonutee ״z ionistisc h“ m diesem rall durch ״jüdisch״ ersetzt, hat man wieder guten Grund, Hintergedanken zu vermuten. Wir haben nichts gegen eine Wahrung der Gtschäftsinteressen der Sch.ffahrtsgesellschaiten, die ja keine Wohltätigkeit*. Institute sind, auch nichts gegen ׳ihre Propaganda von Immigrationsplätzen, — selbst aut publizistischem Wege. Aber wir müssen von ihnen im Interesse der hilflosen Ärmsten fordern, dass sie peinlich gewissenhaft in ihren Auskünften und Aktionen sind, dass sie nicht mit plumpen Spekuiationshänden in das Getriebe jüdischer Politik eingreifen. die hüben und drüben von ehrenwerten, selbstlosen Männern g :führt wird, dass sie nicht den Markenschutz der Uneigennützigkeit und Wissenschattlichkcii für Geschäfts/.wecke ausnutzen. NVenn die ״Jto" einen Einfluss auf das Pseudo-Studienkomite; oder Beziehungen dazu hat. so wird sie sie zweifeilos dazu benutzen, um der Geschäftsführung dieses ״Kom.tces“ beizubringen, wie schädlich und gefährlich die .on ih!n beliebte Methode der Reklame für die Siidstaaten Amerikas ist, — wenn sie aber keinerlei Zusammenhang mit ihm hat. dann wird es gut sein, wenn auch ihr Einigrationsdepartcnient gleich anderen philanthropischen Institutionen für jüdische Auswanderifngsangelegenheiten sich deutlich von dein ״Studlcnkoinitcc iiir jüdische Ansiedelungen“ abscheide. Hierzu schickt uns Herr Arthur Meyerowitz den folgenden, von ihm an Professor Dr. O. Werburg gerichteten Brief mit dein Ersuchen zum Abdruck: Sehr geehrt.r Herr Professor! Jn No. 3 der JÜDISCHEN RUNDSCHAU vom IS. Januar 1907. sowie in No. 3 der in Köln erscheinenden Wochenschrift DIE WELT ist ein von Ihnen herrührender Brief veröffeatlicht, in dem Sie sagrn. dass No. V der von mir herausgegebenen CORRESPONDENZ DES STUDIENKOMITEES FCR JÜDISCHE ANSIEDELUNGEN insofern faktische Unrichtigkeilen enthalten hat, als sie gemeldet hatte, dass der Norddeutsche I.Ioyd eine ״regelmässige wöchentliche Verbindung mit Galveston unterhalte.■• Der Norddeutsche Lloyd habe auf eine Anfrage des Hilfsvereins der Deutschen Juden die Auskunft erteilt, dass er, der Norddeutsche Lloyd, weder eine direkte, ■noch eine wöchentliche Verbindung mit Galveston unterhalte. W't-r immer Ihnen die Unterlagen fiTr Ihre Mitteilungen an die JÜDISCHE RUNDSCHAU gegeben hat, er hat sie falsch berichtet. Aus anliegendem Schreiben der Direktion des Norddeutschen Lloyd wollen Sie ersehen, dass der Norddeutsche Lloyd zur Zeit eine regelmässige I•!tägige direkte Verbindung mit Galveston unterhält. Manchmal laufen die Schiffe Baltimore an; die für Galveston bestimmten Passagiere bleiben jedoch vom Einschiffungshaien bis zum Ausschiffuegshafen ständig an Bord. Es besteht beim Norddeutschen Lloyd die Absicht, diese 1 •!tägige Verbindung in kürzester Zeit durch eine Stägige zu ersetzen. ln Ihrer gleichlautenden Zuschrift an die JÜDISCHE RUNDSCHAU und an di־.* WELT in Köln sagen Sic ferner, dass die von mir Irerausgegebene Korrespondenz dem ״Studienkomitec für jüdische Kolonisation", dem Sie mit den Herren Direktor 0. Oliven, Qeheimrat Goldberger, Charles L. Haigarten usw. angehören, völlig Ern stehe, schon w־eil dieses Komitee, dessen Vot sitzender Herr Direktor O. Oliven ist, seit dem 6. Juni vorigen Jahres nicht wieder einberufen wurde und darnach nicht in der Lage gewesen sei. eine Korrespondenz hercuszugcbun. Gestatten Sie mir hierauf zu bemerken, dass das ״Studienkomitee für jüdische Kolonisation״ mit dem ״Studienkomitee für jüdische Ansiedelungen“, dessen Korrespondenz ich herausgebe, identisch ist. und dass von der einzig zustchenden Seite, nämlich von Herrn Direktor 0. Oliven, den! Vorsitzenden des ״Studienkomitees für jüdische Kolonisation“, der meine Korrespondenz kennt, gegen dieselbe Einwendungen nicht erhoben worden sind. Von Ihrer Loyalitätt darf ich erwarten, dass Sie meine Richtigstellungen unverzügt'ch an eben denselben Stellen veröffentlichen werden, wo Sie die irrigen Angaben gemacht haben. Nicht minder darf ich von Ihrer Loyalität erwarten, dass Sie auch die Redaktion der WELT, die das offizielle ׳׳ »!-•׳.fa»