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Jüdische Rundschau · 1907-01-25 · Heft 4 (25.1.1907) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 4 (25.1.1907)
Date
1907-01-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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V״*®־׳ ' " Seite 34 JÜDISCH!! RUNDSCHAU Christentum niemals auch nur annähernd solche Unterdrückung in den Ländern des Isläm erfahren hat, wie das Judentum unter der Herrschaft des Kreuzes. Für wie unwissend muss Nöldeke die Juden in ihrem Menschenrechte ansehen, wenn er in echt iiberalgeigerscher Art andeutet, dass man dem Juden in der Form der ״wirklich noch glaubt, dass der Messias kommen we rde‘\noch weiterer Entrechtung weitere Antriebe zur besseren Einsicht des Christentums gewähren solle. Und er hat rfecht. Das jüdische Blatt, in dem er seine Weisheit an den Mann, an den Juden bringt, druckt das sogar ohne jede Bemerkung ab. Man sieht, wie dem Juden die Schätzung und das Augenmass in seinen eigenen Angelegenheiten abgeht. Diese selbe Unwissenheit im Judentume hat ja auch die Unsicherheit geschaffen, die bis in die Kreise der nationaljüdischen Partei sich breit gemacht und dort die Unklarheit hervorgerufen hat über das nationale Ziel des Juden׳Volkes. Mit dieser Unwissenheit, die allein die Nährmutter des ״jüdischen Liberalismus“ und deshalb der Entjudung und Judentaufen ist, muss endlich einmal aufgeräumt werden. Freilich wird dieser krasse Mangel an jüdischein Wsscn nicht durch das Veranstalten und Anhören einiger populärer Vorträge in den Literaturvereinen aus der Welt geschafft. Und w enn wir sogar die ganzen Vorträge mit angehört haben, die ein Literaturverein in einem Winter seinen Mitgliedern bietet, haben wir ja doch nur erst gelernt ״Goethe und die Juden“, ״Voltaire und die Juden“, ״Herder und die Juden“, Schiller und die Juden“ und was wir gar nicht unterschätzen ״Heinrich Heine und die Juden“. Aber von den Juden und dem Judentume hören wir und lernen wir recht herzlich wenig. Nun ist ja unter dem Einflüsse des werdenden Zionismus und gehoben von derselben psychischen Wellenbewegung eine ganze jüdische Knlturbewegung ontstanden, die der hebräischen Sprache, der jüdischen Dichtung und jüdischen Wissenschaft neue Wege wies, die eine jüdische Kunst emporwachsen lässt und sogar an die Schaffung einer jüdischen Statistik geht, die allenthalben ein gehobenes jüdisches Selbstbewusstsein geschaffen hat. Aber ausser den Kreisen der zionistischen Jugend hat diese Bewegung noch recht geringe Tiefe und recht geringe Breite gewonnen. Es ist daher notwendig, dass sich alle Juden, die nicht wollen, dass ihr Volk in einem Sumpf erstickt, wie es ihm Nöldeke und Fromer wünschen und wie ihn die Reform vorbereitet, sich vereinigen, um jüdisches Wissen zu verbreiten und zu vertiefen. Wer die Geschichte des Judentums, wer die Bibel oder das sonstige jüdische Schrifttum kennt, der muss schon ein ganz erbärinlicher Lump sein, an dessen Verlust wir nichts verlieren, wenn er sich doch das ״Entreebillet zur europäischen Kultur“ löst. Die Feinde des Judentums drinnen und draussen bemühen sich mit gutem Erfolge, das Wissen vom Judentume den Juden vorzuenthalten, damit das Judentum an innerer Entkräftung sterben möge. Dagegen müssen war eine Politik der Sammlung verfolgen, die alle Elemente bei sich vereinigt, die keine Schwächung, sondern eine Kräftigung des Judentums wünschen. Unter dieser Fahne werden sich alle die zusammenfmden, die es für eine Schmach ansehen, die wir unsern Eltern antun, wenn wir ihre Ideale verleugnen, für eine unauslöschliche Schande von den Verfolgten, deren Ahnen im Flammentode ihre Treue besiegelten, zu den Verfolgern überzugehen, die den Holzstoss angefacht haben, um unserm Judentume den Garaus zu No. 4 י-“ I | machen. Hier werden sich alle die zusammenfinden,? die im feigen Uebcrlaufen das Eingeständnis der Schwäche und zugleich der unwahren Berechtigung des Antisemitismus sehen. Wir wollen dabei über die Einzelerseheinung himvegsehen, dass auch der christliche Theologe, der längst der offiziellen Theologie den Rücken gekehrt hat und unter die Scmitisten gegangen ist. die ja samt und sonders glauben, Philologen zu sein, nicht den Bekehrungseifer verlernt hat, der unsere Väter eben so oft aui den Scheiterhaufen und ins Exil getrieben hat. So lange Juden im Staate zurückgesetzt werden, nur weil sie Juden sind, so lange Juden zu Millionen verfolgt werden, nur Weil sie Juden sind, so lange die Kulturstaaten ihrer Kultur dadurch Ausdruck verleihen, dass sie die Gehetzten weiter hetzen oder zurückjagen in das Land, in dem heule die Verfolgungen fortgesetzt werden, die die Vorfahren derselben Juden vor kaum fünfhundert Jahren in Deutschland trafen, so lange ist es für jeden anständigen Juden, sei er so liberal oder so konservativ wie er wolle, eine selbstverständliche Pflicht, bei den Verfolgten auszuhalten und nicht zu den Verfolgern überzugehen. Der Rat, den Herr Nöldeke den Juden gibt, ist derselbe, den der Fuchs den Fischen gab: Der Fuchs hatte seinen rotv-o Schwanz lange, um nach Fischen zu angeln, im Wasser hängen lassen, so dass er ihm sogar einmal etwas eingefroren war, ohne dass er auch nur ein winziges Fischlein betrogen und gefangen hätte. Da kam er eines Tages wieder hungrig an den Strand und erzählte den Fischen, dass jetzt unter allen 'Fieren Friede herrsche und dass sie sich am ewigen und allgemeinen Frieden versündigten, wenn sie ferner so fremd im Wasser blieben. Wenn sie, die alten Fische, Scheu hätten auf das Trockene zu kommen, so sollten sie es einmal mit den jungen Fischen, die doch an das Wasser noch nicht so sehr gewöhnt wären, versuchen und sie ans Land setzen. Doch die Fische hatten kein rechtes Vertrauen zu dem Roten und arrworteten ihm: ״Herr Fuchs, Euer Element ist das Land, wie unsers das Meer. Wollt Ihr dem ewigen Frieden dienen, woran wir keinen• Augenblick zweifeln,׳so wäre es an Euch, zu uns zu kommen und uns dadurch zu beweisen, dass man sein Lebenselement verlassen und doch exi- י stieren kann. Unsere Kinder sind uns zu solchem Experiment zu lieb und sollten sie erst auf dem Lande wie die Füchse trotz des Friedens Eure Sitten annehmen, so fürchten wir, dass sie bald, an der Fischjagd sich beteiligen, wenn sie am Leben bleiben sollten. Adieu, Herr Fuchs!“ Dag. Bammajim. Ein Briefwechsel über das ״Studienkomitee“ Zu dem Schreiben des Herrn Proessor Warburg an die JÜDISCHE RUNDSCHAU schreibt unser Zentralorgan DIE WELT: ״Wir haben im Gegensatz zu Professor Warburg von der Existenz dieses zweiten ״Studienkomitees“ bereits früher Kenntnis gehabt, allerdings keine erfreuliche. Unser russisches Bruderblatt, das jetzige JEWRE.ISKIJ NAROD, früher JEWREJSKAJA SCHISN, hat es sich nicht nehmen lassen, h\ einer ernsten Auseinandersetzung vor dem ״Studienkomitec für Ansiedlungen'* zu warnen, als einer Institution, die, von einem Einzelnen geleitet, private Zwecke der Schinahrtsgesellschäften verfolgt. Schon Jamals wurde dem ״Studienkotniteü für Ansiedlungen“ derb una unzweideutig auseLnandergesetzt. welche moralische Qualifikation der Kunstgriff verdient, für Geschäftszwecke sich fast aufs Wort getreu den Namen 6*״,ff ■ *,*RH ־vh* *‘ייי־ן,' 4

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