Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Äbonnementsprels «toschUesJlich LITERATUR BLATT *!•rtelilhrlich: L durch die Etpeditieo: *) In Berlin —,90 Mark, bi nach auswlrts t,— Mark, cj (Qr aas Ausland 1,50 Mark. 1 fas Pettabennamtnt: 1,25 Mark. ־ Inserllonsprels dfe »lerjjespaltene Petit-Zelle oder deren Raum 23 Plennij». Allgemeine Jüdische Zeitung. Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Telephon: II, 3387. Expedition und Adresse für Geldsendungen und ,Bestellungen: Vertag Jüdisch« Randjchau, E. Q. m. b. H. Berlin N. 54, Ausuitctr. 49a. G**cblftsataad«a der ErptdltUa tlglich (ausser Sabbat undSonntag) tormittags 10—1, nachmittags 3-7 Uhr. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus de! JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Nummer 4 'L—M«g_ggU■ . «ü;L»״. ..IM1WHI!■■ JJ I ■*י M J "■■■?!"'MM*■ ■Jli ■j L_g"l!Jll"ÜLI ■ ■ ■■■> Berlin, 10. Schebat 5607 — 25. Januar 1907 | xu. Jahrgang ~——- : ~~~~—-־־־־- F^aar^TT-rTVrrrassr-■ ---=r:-1--=rrr———", i-■־r־»■ . ״Lass Dich taufen und verwandeln“ 9 9 4. al Unter dem Ruf der Politik der Sammlung wurde vor einigen Jahren ein politischer Feldzug eröffnet, der die Absicht verfolgte, die Leitung der Staatsgeschäfce in Preussen noch mehr nach rechts zu drängen. Die Wirkung dieser Sammelpolitik hatten auch die Juden zu empfinden, da die Reaktion sie noch mehr zu treffen geeignet war, als alle anderen, und weil die um die DEUTSCHE TAGESZEITUNG ״ sich gruppierenden Autisemiteh, die sich aus Klugheitsrücksichten ״Bund der Landwirte“ nennen, den Hauptvorteil aus dieser Sammlüngspolitik zu ziehen wussten. Es handelte sich dabei keineswegs um eine Sammlung aller Elemente, die dem Staate nützlich, sein wollten, ist ja der Bund der Landwirte ein Element, dem das eigene Wohl unendlich viel Höher steht als das Wohl des Gesamtvolkes, aber der Gedanke einer Politik, die alle um sich vereinigt, die dem Gesamtwohl dienen wollen, hatte etwas für sich iiriä mancher beteiligte sich an dieser Politik, dem es keineswegs daran lag, grade die extreme Reaktion unterstützen zu wollen. Eine Politik der Sammlung im Sinne des Gesamt- Wohles wäre aber dringend notwendig auf dem Gebiete י des Judentums, nicht im Sinne einer Reaktion, nicht zur Füllung der Taschen einer reichen begehrlichen Klasse, nicht* zur Führung der jüdischen Angelegenheiten im Sinne ein׳er Partei, wohl aber zur Förderung des Gesamtjudentums zu einer Sicherung seiner schwer bedrohten Existenz. Denn wenn auch in jüngster Zeit sehr vldl geschehen ist, um dem Judentum neues Leben einzuhauchen, wenn besonders die Jugend sich mit einem Feuereifer dem Zionismus zugewandt hat, der nur denen begreiflich war, die imstande waren, tief in die jüdische Volksseele zu blicken, wenn auch besonders im Osten die nationaljüdische Bewegung trotz der sozialistischen Zersetzung zu einem kulturellen Machtfaktor geworden ist, mit dem' die internationale Sozialdemokratie paktieren muss, weil sie ihn mit allen ihren Mitteln der List und Gewalt nicht mehr aus der Welt schaffen kann, so ist doch der Bestand des Judentums nicht bloss dadurch gefährdet, dass die grösste Masse in der ganzen Wdlt lebenden Juden zurzeit einer Verfolgung ausgcsetzt ist, die. nur noch durch die Verfolgungen durch die katholisch gewordenen Westgoten in Spanien und im christlichen Byzanz ihres Gleichen , in der Oeschichte der Judenverfolgungen hat. Vielmehr ist in einem ganzen v Jahrhundert angeblicher Aufklärung systematisch von unsern ״Liberalen‘', die sich früher Reformjuden nannten, jedes Wissen vom Judentum als veraltet und Unbildung verhöhnt und vernichtet worden. Und dieses neunzehnte Jahrhundert, das der jüdischen ״Aufklärung” im •schlechtesten Sinne des Wortes diente, das die Massentaufen hervorrief, die ein Schandfleck für die Partei sind, von deren Geist sie die Konsequenz sind, folgte jenem achtzehnten Jahrhundert, in dem die Unwissenheit der deutschen Juden in Deutschland eine solche Höhe erreichte, dass ein Mendeissohn auch auf jüdischem Gebiete für einen Gelehrten gelten konnte. Diese Unwissenheit ist es, die das Judentum in seinem Bestände in Deutschland wesentlich bedroht. So lange jeder Jude die Elemente seiner Sprache kennt, so lange er etwas von der glorreichen und tränenreichen Geschichte des Judenvolkes weiss, so lange brauchen wir nicht zu fürchten, dass die unter dem Namen des Liberalismus grassierende Judentumsauflösung dem Judentume gefährlich w׳erden kann. Aber grade auf die Unwissenheit im Hebräischen wurde hingearbeitet von jener liberalen Partei, der ihre Berechtigung wieder einmal von dem Christen Nöldeke ini jüdischen GENERALANZEIGER zugestanden und bezeugt wird, wenn er den Juden, die nicht den Mut finden sollten, sich selbst taufen zu lassen, den wohlgemeinten Rat gibt, doch wenigstens ihre Kinder taufen zu lassen. Das ist derselbe von allen liberalen Juden gefeierte Prof. Nöldeke, der bekanntlich auch sogar das gewiss recht rücksichtsvoll ausgeführte Abschütteln des Geigerschen Fromer durch die Jüdische Gemeinde in nicht gerade von feinem Gerechtigkeitssinne zeugender Weise angriff. Aber es genügt, dass wir ihn als Gelehrten auf dem Gebiete des Orients schätzen, und dass er diese Schätzung dazu benutzt, den Juden das Christentum anzupreisen. Das ist eben ״liberal“. Aber wie hoch muss Nöldeke das Wissen oder vielmehr die Unwissenheit vom Judentume veranschlagen, wenn er es wagt, den Nachkommen jener die Taufe und den Uebertritt zum Christentum anzuempfehlcn, deren Väter im Namen eben dieses Christentums zwei Jahrtausende lang verfolgt wurden und deren Ahnen den Feuertod starben, weil sie lieber'auf den Scheiterhaufen stiegen, als dass sie ihr jüdisches Volkstum iin Christentum ״untertatichen“ Hessen. Wir erachten die Juden-, die . seinem־ Rate folgen oder bereits gefolgt sind, für ebenso erbärmliche Schufte, wie jene Christen, die in der Türkei ihr Christentum an dtm Islüm verkauften, obwohl das