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Jüdische Rundschau · 1907-01-18 · Heft 3 (18.1.1907) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 3 (18.1.1907)
Date
1907-01-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHfc RUNDSCHAU , ■ —־־ — -׳—v — ■----■ ■־«■. -* ■ -• —־■—»*«* -■*#:■■HW Jb 4» . ■ ״ ,* , V >. »;* \ :יד **• No. 3 i » I ö n ״Die Aufgabe des Zionismus ist nicht unmittelbar die Beseitigung der augenblicklichen Judennot’obwohl diese Arbeiten notwendig sind, denn diese Aufgabe ist nicht augenblicklich: lösbar, ־ ■ Die Aufgabe des Zionismus ist vielmehr die Erhaltung des jüdischen Volkstums durch Schaffung eines jüdischen Zentrums mit weitgehenden politischen Freiheiten. Dieses Zentrum kann aus ideellen und praktischen Gründen nur Palästina sein. Die Kraft des Zionismus und seine stärkste Aussicht auf ׳ Erfolg liegt in der Konzentrierung aller seiner Kräfte auf dieses eine Ziel. Aus diesem Grunde muss der Zionismus die Besiedelung anderer Landstriche und die Beteiligung an N'otstandsarbeiten mit seinen finanziellen Mitteln ablchnen. Er kann höchstens als Vermittler solcher Arbeiten durch seine politischen Verbir.dungen tätig sein. Die Besiedelung 'eines unbesetzten Territoriums kann die akute Judennot in den nächsten Jahrzehnten ebenfalls nicht merkbar mindern. Auch die Heimstätte in Palästina könnte da* erst..allmählich tun. Bis zur Erlangung eines Charters i!1 Palästina dürfen wir וווו Lande nicht untätig sein. Aussicht auf Erreichung unseres Zieles haben wir nur, wenn wir ein ausschlaggebendes Element im Lande sind. Die nächste grosse und aussichtsreiche Arbeit in Palästina ist die Umw.indcluag der jetzigen jüdischen Bevölkerung in ein produktives Element. Alle Arbeiten in Palästina müssen auf dem Boden des Rechts vor sich gehen und Hand in Hand mit der politischen Arbeit.“ In der sich anschliessenden Diskussion hebt Zahnarzt S c hac h t e I ־ Breslau die Bedeutung der praktischen Arbeit in Palästina hervor. Insbesondere weist er auf das neuerdings von der Palästinakonmiissioi» ins Leben gerufene Palästina-Industrie-Syndikat hin. Für geschäftliche Untemchmungen in Palästina reichten die zionistischen Fonds nicht aus. Hier , muss das private Kapital eingreifen, für welches sich im Orient grosse Chancen böten Lesser-Beuthcn erklärt, dass der Zionismus seit dem 6. Kongress nichts von Bedeutung geleistet habe. Unklarheit habe die Bewegung zur Untätigkeit verdammt. Die Diplomatie hätte weiter betrieben werden müssen. Die Zentralleitung habe die jungen Kräfte brach liegen lassen; diese Kräfte seien in die Klein-Kolonisation eingedrungen. die zionistische Arbeit sei hierdurch unterbrochen worden. Den Wohltätigkeitsbestrcbungcn und dem Tcrrrtorialismus hätte eine kleine Konzession gemacht werden müssen. Der Zionismus habe die wohltätige Arbeit nie verschmäht, wie auch die Einberufung der Brüsseler Konferenz beweise. Die Meinung der deutschen Schekelzahler sei nicht die der österreichischen und russischen Juden, ln Oesterreich und Russland bildeten die Juden eine bestimmt abgegrenzte Nation. In Deutschland bestehe eine Hinneigung zum Wohltätigkeitszionismus. Der Redner richtet alsdann an das anwesende Mitglied des Zentralkonütees die Frage, woher es komme, dass die Kolonial- Bank keine Resultate zeitige, ln den letzten Jahren sei überhatipt keine Dividende mehr verteilt worden. Redner fragt auch, ob das Zentral-Koinitee offiziell vertreten sei. Schachtel -Breslau: Er habe privatim und iw Auftrage der Palästina-Kommission, nicht als offizieller Vertreter des Zentral-Komitees gesprochen da letzteres nicht erngeladen worden sei. Ob für 1906 Dividende verteilt werden wird, dürfte der nächste Bericht ergeben. Für 1905 ist deshalb keine Dividende verteilt worden, weil der Gewinn für die Juden in Russland verwendet worden ist. 111 den Jahren 1903 und 19CH ist Dividende verteilt worden. Die Fragen des Herrn Lesser sind hier nicht an» Platze. Die Beschwerden sollten an zuständiger Stelle vorgebracht werden. rg u li es-Teplitz-Schönau: Vielfach begegnet man Unrichtigen •Vorstellungen von •den Verhältnissen in Oesterreich Man muss -unterscheiden zwischen denjenigen österreichischen. Ländern, in. denen cs wie z. B. in Galizien, kompakte jüdische Massen gibt und zwischen denjenigen, in denen es nicht der Fall ist. ln den’Ländern der letzteren Art liegen die Verhältnisse ähnlich wie in Deutschland. ' Der' am* dem letzten "deutschen Delegiertentage gestellte Antrag Miih-' , sam Ist gefährlich. Die Frage der Politik darf in den Zfonis-’^ mus nicht hincingctragen werden. Oie Gegenwartsarbeit muss sich in erster Linie auf Palästina erstrecken. Der ideelle Um- Schwung hat zehn Jahre lang in Anspruch genommen. Diese « Zeit ist kurz, wenn man bedenkt, dass der Zionismus auf einen ..... grossen Teil der Gemüter geradezu revolutionierend gewirkt / hat, Die praktische Arbeit in Palästina ist politische Arbeit,’ , in! eminenten Sinne des Wortes. Die Arbeit in Palästina' leiste!» wir untc« politischen Gesichtspunkten. Es genügt nicht,; dass wir zeigen, was wir geleistet haben, sondern auch aus welchem Gedankengange heraus. Wir haben Brücken nach innen geschlagen. Die anderen müssen zu uns kommen. Die Palästiia-Kommissioii hat statt der •ISOOö Mark, die sie erhalten sollte, bisher nur 15 000 Mark erhalten. Wir müssen das Defizit decken. Ich möchte Vorschlägen, die Sclbstbesteucrung in weitestem Umfange zu propagieren und deren Ergebnis, bis ־ Ende 1907 •zur Deckung ־des Defizits zu verwenden. Der v Palästina-Schekel kann nur das lautende Budget decken. Die reichen Leute sind zu bequem, ihnen geht es zu wohl. Sie sind nicht demokratisch genug. Das niedere Volk hat sich den Idealismus bewahrt. Eine Dividende wird den Idealismus . beleben. Rechtsanwalt Roinaiin -Königsliiitte: Die jüdische Jugend ist noch nicht ganz am unserer Seite. Mit d.?r Hoff-, . nung auf die Jugend können wir uns nicht begnügen. Zuviel Theorie, zu wenig praktische Ergebnisse. Redner bringen nur Augenblickserfolge. Wenn wir die Alten und Reichen nicht gewinnen, trauriges Prognostiko״ iür den Zionismus. Die Territorialisten hätten dem Zionismus erhalten bleiben können. Klarheit ist nicht allein erstrebenswert. Der Tcrrrtorialismus kann gefördert werden, weil wir den Auswandererstrom zurzeit nicht nach Palästina leiten können. Es ist empfehtens- . wert, mit Kompromissen zu arbeiten. Nach einem Schlusswort Dr. Aucrbach's erstattet D r. Sta hl-Tamowitz das Referat über ״Zionistische Arbeit in Oberschlesien. Referent ־ betont, dass die innenarbeit in den oberschlesischen Gruppen gefördert werden müsse, ln erster . Linie sei Belehrung der Mitglieder über das Wesen, die Ziele, und die Geschichte des Zionismus notwendig. Ferner müsse man Einfluss auf die jüdische Jugend und die Lehrer‘der Jugend gewinnen. Erfolg verspreche auch die Arbeit in den Literaturvereinen, die zu einer allmählichen Durchdringung dieser Vereine mit zionistischen Ideen führen werde, ln Beutlien sei z. B. die Errichtung einer jüdischen Lesehalle durch die zionistische Ortsgruppe in Gemeinschaft mit der Loge und dem Literaturverein angeregt. Eine intensivere Heranziehung der kapitalkräftigen Kreise für die praktische Arbeit in Palästina müsse erstrebt werden Zun» Schluss hebt Redner die Bedeutung der Agitation von Mund zu Mund hervor und mahnt zu gewissenhafter Pflichterfüllung. In der Diskussion weist Dr, Elias Auerbach auf die Wichtigkeit zweier Institutionen hin, die der Vertrauensmflnner und die der Selbstbesteuerung. Die Vertrauens- ‘' mänuer seien das Rückgrat der Organisation. Die erste Bedingung fiir die Gründung einer Ortsgruppe sei das Vorhandeusein eines Vertrauensmannes, der für die Gruppe %׳erantwortlich sei. Die SclbstbeSteuerung sei die würdigste Art der Geldbeschaffung. Die Einziehung solle durch Sammler erfolgen, über deren Sendungen öffentliche Quittung erteilt werde. ‘ Schachtel, Breslau, •verwirft die Veranstaltung ־ von Sammlungen in öffentlichen Versammlungen und empfiehlt statt dessen die Erhebung von Eintrittsgeldern und Aufstellung “ von Büchsen. Dem Teller sei der Sammelbogen vorzuziehen. ’

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