Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1907)
- Date
- 1907-01-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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I JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 29 reichhaltigen Monatsschrift ALTNEULAND (Geschäftstolle: Berlin W. 15, Pfalzburgerstr. 8.?) Februar 1905 S. 33—41); um so lieber verweise ich auf die Tatsache, dass dem christlichen Element ein bedeutsamer Raun! in der Entwicklung des Ziorismus zukonimt. wenn Herzl auch sein System jedenfalls unbecinflusst vor diesem Gutachten gestaltet hat. Gerade diese Übereinstimmung in den Grundzügen bei aller Selbständigkeit der Konzeption fällt fiir die Richtigkeit der Gedanken gewichtig in die Wagcschale. Die Interessengemeinschaft christlicher und jüdischer Zionsfreunde hat sich auch nach der durch Herzl erfolgten Organisation fortgesetzt. Professor He man in Basel, der bekannte Leiter der Schweizer Mission unter Israel schreibt ein Jahr nach Herzls ״ludenstaat" eine flammende Werbeschritt für den Zionismus: ..Das Erwachen der jüdischen Nation.” Und an den beiden letzten der Ferialhochsehulkurse, welche die Palästinakommission iiir die zionistische Studentcnscliaft veranstaltet, um der politischen Behandlung der einschlägigen Fragen die wissenschaftliche und praktische hinzuzuffigen. haben christliche Theologen in! Verein mit jüdis eben Fachmänner״ zur Forderung der Palästiuakunde teilgenotnnicn. In Basel, wo die Universität ihre Räume zur Ver- *iigmig gestellt hatte, lasen nach Schluss des letzten Kongresses Professor Furrer über ״die Geographie Palästinas mit besonderer Berücksichtigung der Kulturverlülltnisse,” Professor Marti-Hern ii’oer ״Ausgrabungen und Funde in Palästina'* und Professor B e r 111 o I e t - Basel über ״die Siedelnugsvcrhältnisse Palästinas in alttestamentliclier Zeit.” In Kothen, wo das Polytechnikum im April v. J. die (iäste beherbergte, trug der Unterzeichnete über ״die Schulverliültnisse in Pa!ästina” vor. Von den!,alästinakurseii in Basel berichtete die JÜDISCHE RUNDSCHAU 119• •5 No. M): ..Die Schlussrede des greisen Konrad F 11 rre r bot Gelegenheit zu einer glänzen Jen Ovation für den begeisterten christlichen Veriechter des zionistisclteu Ideals, übrigens vertreten auch die beiden andern iiichtiiidischet! Dozenten Bertbolet und Marti sehr warm den zionistischen Standpunkt.•• So mag das Schlusswort Fu r re rs in seinem ״Gutachten” auch den Schluss dieser Ausführungen bilden, und um so lieber, als es wie für die heutigen ZustänJ. geschlichen scheint und dem Zionismus iiir alle Zeiten seine hohe Aufgabe stellt: ״Immer gehört zur Ausführung eines grossen Gedankens ein reiches Muss opferfreudiger Begeisterung. Möge Israel aufs neue sein starkes <i e tu e i!1 s c h a t t s g e f ü h l bewähren, möge vereinte Kraft etwas G r o s s e s I e i s t e 11 zu bleibender:« Segen, mögen tapfere Herzen im Vertrauen a u i Hot: a I U• Schwierigkeiten siegreich ß b e r w i n d c 11. Die Zeit ist g c k o m - men. wo Israel vor den Augen der Welt aufs neue zeigen soll, dass es Willenskraft und Idealismus genug besitzt, um im Schweisse seines Angesichts nach der Väter Weise das volle Glück der Heimat sich zu erarbeiten. Zahllose Tausende von Juden hat die herbe Not aus den bisherigen Wohnsitzen verdrängt, und bange Sorge lastet auf den Verfolgten. Möge bald der lag kommen, wo sie auf den Fluren des a lt e n Vaterlandes dankerfüllt den Gesang anslim men können: .Siehe, er schlummert nicht und schläft nicht, der Israel behütet*!*' Rundschau BcrWn. Dcutsch-IsracUtlschcr Gemcludcbund. Die uns soeben zugcgangene No. 67 der MITTEILUNGEN VOM DEUTSCH-ISRAELITISCHEN UEMEINDEBUM) berichtet an erster Stelle über den Stand der Vorarbeiten zur Schaffung eines Organisationsgesetzes für die Synagogeiigcniein.ien Preussens. Der Rosin’schc Entw urf hat. hei aller Anerkennung seiner geistvollen und technisch hervorragenden Gestaltung lind der glücklichen Behandlung zahlreicher Einzvlfrageu. die Zu• Stimmung der prcussischeii Gemeinden und ihrer Verbände nicht gefunden. Die aus den Sachverständigen des D. 1.(1. B. und des Verbandes der deutschen Juden zusammengesetzte, durch Vertreter ans Hannover. Cassel und Wiesbaden, also solcher preussischen Landesteile, die dem Gesetze vom 23. Vuli 1847 nicht unterworfen sind, verstärkte ״Gemischte Kommisston“ kgt ihren Arbeiten den aur dem Boden der altpreussischen Gemchideautonomie stehenden Entwurf eines ihrer. Mitglieder zu Grunde. Sobald die zweimal im Monat stattfindcndcn Bcratungen abgeschlossen sein werden, wird das Ergebnis den grösseren Gemeinden und den Verbänden zur Prüfung rorge- Je*t Ein Artikel ״Zur Abwehr” beschäftigt sich mit den Machenschaften gewisser Gegner, die sich bemühen, den Ü. LG. B. bei seinen eigenen Mitgliedern als gefährlich für die Unabhängigkeit seiner Klienten hcrzustellcn. Das GesamtarchivderdcutschenJudcnhat mit der organisierten Sammelarbeit begonnen, es ist zu hoffen, dass schon in zwei Jahren neben die archivaltsche Bearbeitung der jetzt noch vtclfach in jüdischen, staatlichen und städtischen Besitz befindliehen Archivalien, eine wissenschaftliche Erschliessung des Materials durch Editionen treten w ird. Um den Übeln abzuhelfen, die sich fiir den einzelnen aus dem Mangel an zureichenden arclirvalischcu und bibliothekarischer, Hüismitteln ergehen, hat sich das Gesamtarchiv zugleich als allgemeine Auskunitsstelle für das Gebiet der Geschichte der Juden in Deutsch, land konstituiert. Die Beantwortung erfolgt kostenfrei. Das UesamtarcHv der deutschen Juden befindet sich Berlin W., L ü t z o w s t r. 15 p a rund ist täglich, ausser Sonnabends, von 8 -1 Uhr geöfinet. Der Fonds für die in Beelitz zu begründete H r z i e h u 11 g s a 11 s t a 11 f ii r s c h w a c h s i 11 n i g e Minderjährige ist infolge einer Sammlung und der Bewilliguug von 3(«K) Mark aus der Jacob Plaut-Stiftung auf 63 6!•0 Mark angestiegen. Es ist im Interesse der zahlreichen, die Eröjtmmg der Anstalt lierbeiscluieitdeu Eltern schwachsinniger Kinder dringend zu wünschen und zu hoffen, dass der Restbetrag der auf 100 t» Mark veranschlagten Bausumme baldigst ziisaitmicnkommc. Ein ausführlicher Artikel, der sich mit d.־r auf die Erfahrungen eines Lustrums zurückblickenden Arbeiten ani dem Gebiete der Fiirsorge-Erz i e 11 u n g beschäftigt, entwirft Bilder des inneren Anstaltsleben.s und gibt teils erfreuliche, teils bedenklich stimmende• Ausblicke auf das Schicksal der entlassenen Zöglinge. In den Artikeln ״Kleine Mitteilungen” und ״Personalien•‘ werden Aus. kf!inte über den Verband der Vereine zur Förder u 11 g des Handwerks und der Bodenkultur unter den Juden Deutschland s״. über die ״S c 11 \v a r z e List e“, das ״H a 11 d b u c h der j Ü d Ts c!1 e n (1 e in e i n d e v c r w a 1 tu!1 g׳ (Statistisches Jahrbuch für 19Ü?> und über eine ״N o r »n a l - F r i e ü h o i s o r d n u n g”. sowie über Pcrsonatvcrüuderungen in der Verw altung des D. I. G. B. gemacht. Ein neues Auswanderungsbureau Der Hilisvertin der Deutschen Juden hat gemeinschaftlich mit der Grossloge ihr Deutschland nt Hamburg eine besondere Abteilung seines ״Zentralbureaus iiir Jüdische Auswanderungsangelcgenhcitcn” errichtet. Mit der Erweiterung der Fiirsorgetätigkeit für die jüdischen Emigranten, die infolge der traurigen Verhältnisse in Russland erforderlich geworden war, und mit den neuen Aufgaben, die der Plan einer zweck- »!lässigen Verteilung der Auswanderer in den Vereinigten Staaten, an den Hilfsverein stellt, war die Etablierung eines solchen Bureaus im Haupthafen der jüdischen Auswanderung notwendig geworden. Die Adresse des neuen Bureaus ist: ״Centralbureau für Jüdische Auswanderungsangelegcnheiten (Milfsvcrcin der Deutsehen Juden״ Grossloge für Deutschland). Abteilung Hamburg. Kleine Bäckcrstr. 21. Das Bureau untersteht dem Hamburger Lokalkoir.itee des Hiifsvcreins. das sich aus folgenden Herren zusammensetzt:: A. Lewandowski 1״ Moritz Warburg 2. Vorsitzender. D. Frischmann. Dr. R. Hinrichsen. Oberrabbiner M. Hirsch. Dr E. Kalmus. Paul Laskar. Dr. H. C. Plaut. Dr. Hermann Samson. Mit der ehrenamtlichen Geschäftsführutig wurde Herr Paul Laskar betraut, der in segensreicher Weise auch bisher die Arbeiten in Hamburg geleitet hat. tv Die Tätigkeit des Bureaus hat bereits ■am l. Januar bcgönnen. Gelegentlich der Versammlung des Hilfsvereins in Hamburg haben die Herren Generalkonsul Lcodau״ur.d Dr. Nathan zusammen mit den Hamburger Herren das Bureau besichtigt und die Zweckmässigkeit seiner Entrichtungen anerkannt. In Verbindung mit dem Hanptburcau in Berlin und mit den zahlreichen Schutzkomitees des Hiifsvcreins an der Grenze• und im Innern Deutschlands wird das Hamburger Bureau es als seine Aufgabe betrachten, die mit der Auswanderung verbim-lenen Härten und Beschwerlichkeiten für die Kmigraoten zu mildern und allen Auswanderern helfend und ratend zur Seite zu stehen. Jüdischer Schulverein in Böhmen Prag. Einer Einladung des Komitees zur Gründung eines jüdischen Schulvereins für Böhmen folgend, fanden sich Somi-. tag. dem 6. Januar, um 2 Uhr nachmittags, an 90 Delegierte von Kulhisgeineindeti in Böhmen und verschiedene Korporationen in Prag in den Räumen der Tomhey-Halle ein. um die Gründung eines jüdischen Sdiulvercins zu beschUesseu. Nachdem der Obmann des genannten Komitees, Herr Dr. Gustav Kuli. Advokat in Prag, die Versammlung in beiden Landessprachen aufs herzlichste begrüsste und aus der Mitte der RQ9fR 5fPE"sp «irat, SWyfkV1#',,