Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1907)
- Date
- 1907-01-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 22 JÜDISCHE RUNDSCHAU ■ ■■■ - ■ ■— * י■■■■■■■■ יו״■ 1 ■ . - Namen der Hunderte von Schülern, die sich bei den Ausschreitungcn aktiv beteiligt haben, nicht feststellen kann, wird I man ihnen nur im allgemeinen Bemerkungen machen (!) und! ihnen raten, in Zukunft sich an derartigen Vorfällen nicht zu beteiligen.‘1 Die Regierungsblätter finden kaum ein bedauerndes Wort über die Vorfälle, während die nationalliberalen Zeitungen in fettgedruckten Artikeln ihre grosse Zufriedenheit äussern und zu weiteren Ausschreitungen auffordern. Was die jüdische Bevölkerung im Lande arfbelangt, so ist leider eine grosse Gedrücktheit zu bemerken, oder besser gesagt, man bemerkt nichts, da sich alles duckt und versteckt. Und trotzdem allgemein die Ansicht herrscht, dass diese schändlichen Vorgänge. — die unter der rumänischen Studentenschaft und der übrigen Jugend mit grosser Beg.isterung begrübst wurden, -- nur den Anfang einer langen Reihe von weiteren Ausschreitungen in allen übrigen Städten Rumäniens bilden, wird nichts getan, um Vorbeugungen zu treffen. Die wenigem Poalc-Zionisten im Lande werden nach tclcgraphischein Übereinkommen am Sonntag in verschiedenen Städten Versammlungen abhalten und für den Selbstschutz agitieren, um für eventuelle balle gewappnet zu sein. Grossangelegte antisemitische Agitation wird seit mehreren Monaten und hauptsächlich mittels der von Schülern gelesenen Zeitschriften betrieben. An der Spitze befindet sich der bereits vorerwähnte Uuiversitütsprofessor Jorga. Man gibt dieser Agitation den Anstrich von Nationalismus, so dass von der Regierung. — die sich ja auch sonst kaum rühren würde. — aboslut nicht cmtgegcngcarbeitct wird. Aus: WELT. Nach Texas Mr. Zangwill teilte dem Bureau Reuter mit. dass die Nachricht, die jüdische Territorialgesellscliaft habe Texas zur Besiedelung ausgesucht, n n z u t r e f f e!1 d sei. in Russland seien allerdings im letzten Jahre 659 Pogroms vorgekomme»! und die Flucht der Juden habe es der erwähnten Gesellschau zur Notwendigkeit gemacht, dem Auswandererstrom, soweit dies möglich sei. eine gewisse!Meinung zu geben. Die grosse Masse gehe nach N'ewyork. In den Städten der Vereinigten Staaten befänden sich 1 *100 000 Juden, von denen mehr als die Halite in Ncwyork und von dieser Hälfte wieder die Mehrzahl auf einem Räume vom Umfange einer englischen Quadratmeile wohne. Irn November allein seien II •ISO russischc Juden nach N’ewyork geflüchtet. Man mache den russischen Juden klar, dass es besser sei. Galvcston als Landungshafen zu wählen, weil von dort sechs Eisenbahnlinien zu den besten Gegenden für Auswanderer führten. Führenden amerikanischen Juden sei die Notwendigkeit eines jüdischen Informationsbureaus in Galvcston nahegelegt worden, damit den Eintreffenden sofort mitgeteilt werden könne, in welchen Städten Arbeit zu finden sei. Die Ueberwachung dieser Arbeit habe Herr Cyrus Sulzberger von N'ewyork übernommen. Die Mitteilung über die pekuniäre Unterstützung des Planes durch Herrn Schiff sei nicht ganz zutreffend. Die Bewegung werde von allen führenden Juden in Europa unterstützt. Herr Paul Nathan werde einen guten Teil der aktiven Arbeit übernehmen. Die Bewegung dione übrigens auch den Interessen der Vereinigten Staaten, denn in vielen Teilen derselben sei die Nachfrage nach Arbeitskräften weit grösser als das Angebot. Da das amerikanische Gesetz verbiete, dass für die Auswanderer im voraus Beschäftigung gefunden werde, müsss man sich auf moralische Lenkung des Auswanderer- Stromes nach Galvcston beseht finken. Wenn der Strom nach N’ewyork gehe, so sei dem Unheil nicht mehr abzuhelfen, denn die grosse Mehrzahl der Juden werde dann dort hängen bleiben. Galveston Die KORRESPONDENZ DES STUDIENKOMITEES FÜR JÜDISCHE ANSIEDLUNGEN in Berlin schreibt in ihrer Ausgäbe vom 7. Januar über Galveston u, a. das Folgende: ״Nachdem auch die J e w i s h T e r r i 10 r i a I - 0 r g a n isation mit Unterstützung von Schiit und Rothschild Galveston als geeigneten Ausgangspunkt für die jüdische Einwanderung proklamiert hat, tritt dieser Hafen in den Vordergrund des Interesses für jiidiischc Ausw. derer. Es dürften unter diesen Umständen einige Daten über Galveston von allgemeinem Interesse sein: Galveston liegt an dem Ostende von Galveston Island. Es ist die Hauptstadt des Galveston-Distriktcs. In den letzten Jahren sind ungeheure Summen für ständige Verbesserungen in der Stadt ausgegeben worden.Der Steuerwert des Stadt-Steuerrates beträgt 26 960 512 Dollar und die Rate der Stadt-Abgaben ist 1.57 Dollar auf 100 Dollar. Es gibt dort 2 Hochschulen. 7 öffent- Uche Schulen, 12 Privatschulen, eine katholische Universität, 2 katholische Akademien,. 31 Kirchen aller Klassen für Weisse No. 2 und 13 für Neger und viele Waisenhäuser und andere Wohltätigkeits-lnstitutioncn. . . . Galveston ist zwar nicht die grösste Stadt!in Texas, aber durch seinen unvergleichlichen Hafen und die 6 grossen Eisenbahnlinien, die von Oalvcston nach dem Süden. Siidwcstcn und Westen ausgehen, die bcdeutendste und wichtigste Stadt von Texas. Der ganze Westen vom Mississippi bis zum Stillen Ozean zahlt ihm seinen Tribut. Es ist der Brennpunkt der halben kaufmännisdicn Tätigkeit des Staates und der Kreuzungspuukt des ExpoGge- Schaftes des ganzen Südwestens. Es verschickt jährlich mehr Baumwolle und Baumwoüsamen als irgend ein anderer Hafen dieses Landes und nimmt den dritten Platz ein unter den grossen Häfen der United States, in der ganzen Anzahl der Tonnenladungen und dem Werte der Schiffsladungen. Seit dem Bau eines Tiefvvasser-Kauals iiir Ozeandampfer, der im Jahre 1&9.י׳ fcrtiggestellt wurde, hat sieh das Exportgeschäft enorm vergrossen . . . u>:1d durch die *DO Schiffe, die jährlich in d11.׳ ausländischen Häfen anlegen. bringt Galveston auf die Weltrnärkte: 2 Millionen Ballett Baumwolle. 260 011(1 Tonnen öl 1n!J Baumu ollsamen. 12 Mill. Gallonen Bammvollsamenöl, 16 Mill. Scheffel Weizen. 150 000 Fässer M •hl. 19 0t«) Wagenladungen anderen Getreides und nahezu 10000(00׳ Dollar Wert an Vielt. Pferden etc. und Fnbrikationsartikcln. Wenn man zu dem Handel und Vetkelir dieser JOU Schiffe noch das gesamte Geschält von 215 Küsteuschiffen hnzurcch״,.( mit Schiffsladungen von nahezu 360 0110 Tonnen, dann bekommt man eine Idee von der Bedeutung und dem Reichtum Gal .estotis. Galvcston hat gegenwärtig etwas mehr als *10 000 Einwohner und auch eine kleine jjidische Gemeinde. Grössere jüdische Gemeinden in Texas sind: San Antonio. Dallas. Houston und Beaumont. Die Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung von Texas wird auf 25 OK* geschätzt. Der 0 א r d t! e u t s c h e Lloyd in Bremen unterhält eitle regelmässige, xvüelientl. Datnpier. erbiiklttng von Bremen!mch Galveston. Die Fahrtdauer beträgt ca. 15 1-1 Tage. Det Fahrpreis von Bremen nach Galveston iiir Zwischendeck- Passagiere beträgt HO Mark. In Galveston selbst bestellt ,ein Arbeitsnachwelsgburcau. das die ankemtnenden Einwanderer in verschiedenen Plätzen des Landes unterbringt. Das von der Jto in Aussicht genommene jüdische Informationsbureau für jüdische Einwanderer in Galveston darf mit Freuden begriisst werden.“ Allerlei Die Juden von Salonik Von Alexander L. Kielland.*) Salonik liegt mit einer breiten, offenen Reede gerade dem Olymp gegenüber - dem Olympos selber, hoch und heilig, mit weissen Schneemassen und einem Bogen von blauen Bergen zu beiden Seiten. Die Stadt steigt zicmFch steil den Berg hinan, und rings um die ganze Stadtgrenze zieht sich eine der guten, alten Mauern mit Zinnen und Türmen und Scharten. Durch unzählige kleine, einsame Strassen, wo man vor den hohen Gartenmauern nichts sieht, erreichte ich eins der Tore in der Vcrteidigimgsrnauer. Da lag ein friedlicher Storch auf einem alten, holten Neste, und durch das offene Tor gingen geputzte Juden und Jüdinnen mit Kindern: es war ein Samstag Morgen Wenn ich ein Jude wäre und in Nordeuropa wohnte, wo sie immer hören müssen, dass sie schwarz und klein und schiefbeinig sind, würde ich jedes Jahr nach Salonik wie in ein Bad reisen. Ich würde meine Stammverxvandtcii aufsuchen, den zob-.lverbrämten Kaftan und die hellen, feinen Unterkleider anlegen; und in der Freude über die Schönheit des auserwählten Volkes, wie sie sieh hier bewahrt und entwickelt hat, würde ich meine Beine strecken und meinen Rücken gerade richten und meine Seele mit Verachtung gegen die Nord- Kinder mit den holten Hüten und den wässerigen Augen erfüllen. Nie habe ich schönere Männer als diese Juden in Salonik gesehen, die am Sabbatmorgen in den Strassen oder ausserhalb der Mauern spazieren gingen, und nie einen feineren Ausdruck auf den Gesichtern. Ein Wohlwollen, das keine Angst *) Diese Schilderung ist der Rcisestudic ״Salonik“ des verstorbenen norwegischen Dichters entnommen, die mit anderen Skizzen in dem Buche ״Menschen und Tiere" (übersetzt von Dr. Friedrich Leskien und Marie Leskien-Lie. Verlag von Geora Merseburger in Leipzig) erschienen ist. "יוי*יי!!״ןך •**p