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Jüdische Rundschau · 1907-01-11 · Heft 2 (11.1.1907) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 2 (11.1.1907)
Date
1907-01-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 20 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 2 Eine Itokonferenz ־— Rundschau — Antisemitische Wahlkreise Wir geben im Folgenden die Ergebnisse der Wah־ len von 1903 und der Nachwahlen in den zuletzt a n t i ־ antisemitisch vertreten gewesenen Wahlkreisen: Schlochau-Ftatow: Antis. 6956. Pole 5194. Zentrum 2875. Nationatlih, 2550 Stimmen. Stichwahl: Antis. 13298 Pole 7617 Stimmen. Arnswaldc: Antis. 6137. Soz. 3170. Bund d: L. 2537, Preis. Ver. 593 Stimmen. St ich wähl: Antis. 10530. Soz. 3080 Stimmen. Ost- und West-Sternberg: Kons. 5920, Antis. 4820. Soz. 1582 Summen. Stichwahl: Antis. 7256, Kons. 5950 Stimmen. Hersfeld-Rotenburg-Hiinfeld: Antis. 5577. Zentrum 3299. Kons. 2938. Soz. 1300 Stimme״. S t i c h w a h l: Antis. 8829. Zentrum 44334 Stimmen. Bautzen-Kamcnz: Antis. 10637. Soz. 9191. Preis .1967. Zentrum 1742 Stimmen. Stichwähl: Antis. 15477, Soz. 11333 Stimmen. Zschopau-Marienberg: Soz. 10!56. Antis. 5986. Kons. 4316 Stimmen. Stichwähl: Antis. 11 956. Soz. 10 986 Stimme״. Fritzlar-Homberg- Ziegenhain: Antis. 6767. Kons. 2190. Soz. 644. Zentrum 352 Stimmen. Kassel-Melsungen: Soz. 14 54S, Amis. 7778. Natiouallib. 7629. Zentrum 784. Natioualsoz. 163 Stimmen. Siichwah 1: Antis. 16 703. Soz. 15 813 Stimmen. Eschwcge-Sclimalkafdert: Soz. 58.32. Antis. 4559. Preis. Volksp. 4089. Reichs״. 3519 Stimmen. Stichwahl: Antis. 9805. S״z. 7516 Stintmen. Rlnteln-lloigeisinar: Deutschs״/. Antis. 6048. So/. 3907, Ref. Antis. JS35. Natinnallib. 1367. Zentrum KM3 Stimmen. Stichwahl: Deutschs״/. ■\ntis. 9098. So/. 4498 Stimmen. Eisenach-Dermbach: Soz. 6886. Antis. 4045. Nationallib. 2798, Preis. Volksp. 2(•98. Zentrum 1014 Stimmen. Stichwahl: Antis. 8493. Soz. 7409 Stimmen. Pyritz-Saatzlg-Stargard: Kons. 77S5. Antis. 4501, Preis. Ver. 3469. Soz. 2277 Stimmen. Stichwahl: Antis. S571, Kons. 7968 Stimmen. Siegen- Wittgenstein-Biedenkopf: Amis. 14 191. Nationallib. 9430. Zentrum 2976, Soz. 1258 Stimmen. Dillenburg-Herborn: National- Üb. 4733. Amis. 4326, Zentrum 4097. Bund d. L. 1526. Soz. 1312. Preis. 809 Stimmen. Stichwahl: Amis. 9.337, Nationallib. 7233 Stimmen. Ausser diesen nur-antisemitische» Wahlkreisen vertreten die Konservativen mit ihrem Tivoli-prograrnimn. der Bund der Landwirte, die nationalliberalen Alldeutschen, die rechte Seite des Zentrums und manche andere neben sonstigen Bestrebungen einen nicht minder deutlichen Antisemitismus. Dazu kommt, dass ״Rischus“ in den weitesten Kreisen der linken Parteien vorhanden ist, wo der freisinnige Mugdan und der Sozialdemokrat Gradnauc r ihre jneugebackenc Christliehe Ucberzeugung zu vertreten haben. Antisemitische Reichstagskandidaturen Die Deutschsozialen haben bis jetzt wieder aufgestellt: Liebermann von Sonnenberg in Homburg-Fritzlar-Ziegenhain, Lattmann in Kassel-Melsungen, Schack in Eisenach-Dermbach, Raab in Eschwege-Schmalkalden. Herzog in Hofgeismar-Rinteln. Ferner haben die Deutschsozialen in folgenden bisher nicht antisemitisch vertretenen Wahlkreisen Ernstkandidateil nominiert: Dr. Böhme in Marburg. Oberlandesgerichtsrat Freiherr y. Richthöfen in Waldeck-Pyrmont. Obcramtsricbter Graefc in Weimar-Apolda. Köhler in Giessen. Zahnarzt Strumpf in Oels-Wartenberg. Generalkonsul a. D. Graf Pfeil in Mühlhausen i. Thür.. Graf Rcvcntlow in Wanziehen. Amtsrichter Mahr in Darmstadt, v. Flotow in Wolfenbüttel und Oekonom Möller in Laucnburg. Die Reformpartei hat wieder aufgestellt: Werner in Hersfcld-Hiinfeld-Rotenbiirg. Grat‘•.• in Bautzen-Bischofswerda, Zimmerntann in Zschopau־MarienlH.־rg, Buckler in Sehlochau-Platow. Bruhn in Priedberg-Arnswalde und Kroelich in Ost- und West-Sternberg. Sie stellt ferner in Gemeinschaft mit dem deutschen Volksbunde in Borua-Frohburg, Meissen-Riesa, Deutsch - Krone. Alsfeld-Lauterbach-Schotten und Marburg . Emstkandidaten auf. Der Deutsche Volksbund stellte bisher in folgenden Wahlkreisen Kandidaturen auf: Kaufmann Scpke in Stettin ׳.md Prof. Dr. Paul Förster in Randow-GreUeuUageu. Der bisherige Abg. KrüselJ, der selbst nicht weiss, zu welcher antisemitischen Gruppe er gehört, hat sich wieder in Pyritz-Saatzig aufstellen .lassen. Die Christlichsozialen haben die bisherigen Abgg. Stöcker (Siegen) und Dr. Burckhardt (Dilleuburg) wieder aufgestellt und planen die Noonjerung weiterer Kandidaten. Berlin. Am 24. Dezember fand in Berlin eine Konferenz in Angelegenheiten der ״Jto“ statt. Als Vertreter des Londoner Konscils fungierte Dr. Jocliclmann (London), für die d c u t s c h e ״J t o“ waren die Herren Dr. Wunderlieh (Oppeln). Dr. Jeremias (Posen) und Dr. Alfred Klee, wie auch Dr. Simon solin (Berlin) erschienen. An den Beratungen beteiligte sich auch Duktor Paul Nathan. Die Konferenz beschäftigte sich hauptsächlich mit der Frage der Regulierung der Emigration. NATIONALZF.ITUNG. Politische Organisation der österr. Juden Der in Lemberg abgchalteuc jüdische Vertrauensmännertag. zu welchem Vertreter von mehr als tausend gaiizischen Städten sowie Reichstags- und Landtagsabgcordiu.te erschienen waren, beschloss einstimmig folgende Resolution: Der jüdische Vertraiieiismännertag besc.hlicsst eine das ganze Reich um* lassende jüdische politische Organisation behufs Wahrung der politischen, sozialen und ökonomischen Int. ressen der .luden־ schaft Österreichs und wählt der Vertrauensmäimertag zu diesem Zwecke ein Exekutivkomitee, welches mit der Ausarbeituiig eines Programms, das die Forderungen der Judenschait umfasst, betraut wird und die zur Schaffung dieser Organisatiou notwendigen Vorarbeiten zu besorgen hat. Tschechischer Boykott gegen die Juden Den Budweiser tschechischen .luden wurde für ihre hei den Wahlen geleistete Hilfe schlechter Dank zuteil. Der von den Tschechen eroffnete wirtschaftliche Kam!)! wird v-m diesen in erster Linie gegen die Kau fl eilte israelitischer Konfession ohne Unterschied de: Nation geführt. 8.» w urde in den Boykott- Versammlungen, welche die Tschechen nach der Wall! abh.clteil. den Tseliedie״ in erster Linie verboten, hei .luden zu kaufe: . Die ..Narodni .iednota Po.-un'.ovskä" versendet auch ein Verzeichnis von christlichen tschechischen Finne־• an die tschechischen Gemeinden. An die deutschen Gemeinden der Budweiser Sprachinsel w urden Plakate mit dem Inhalte ..Kauft nicht bei Juden!‘‘ gesendet mit Begleitschreiben Gnie Unterschritt, worin diesjhen gebeten werden, d׳V Plakate zu affichicreu. Auch das erw ies sich nur als tschechisches Manöver. Jüdisches Proletariat Ueber die traurige Lage der Lemhcrger jüdischen Handelsangestellten lesen wir im JUEl). ARB.: In der Spczereibranche sind 150 jüdische Angestellte beschäftigt. Die Arbeit beginnt gewöhnlich zwischen 5 -6 Uhr morgens und endigt um I Uhr nachts. Der Angestellte bedient die Kunden, trägt die Waren weg and besorgt ausserdem Hausarbeiten. Das höchste Gehalt ist 50 Kronen pro Monat und dabei sind etliche verheiratet. Ende ihrer Karriere ist in d.r Regel, dass sie Makler und Händler mit Altwaren werden. — Etwas besser sind die Verhältnisse in der Manuiakturwareu-Branche. die 250 jüdische Angestellte beschäftigt, darunter ein Viertel verheiratete Leute. Die Arbeitszeit beginnt um 6’e ,Uhr und endigt zwischen 10—11 Uhr. Das höchste Gehalt, das hier gezahlt wird, ist 80 bis 100 Kronen im Monat. Von einem Selbständigmachen ist keine Rede; die cs wagen, bankrotticren bei der grossen Konkurrenz meistens. So sind von 75 Eiigrosgcschäften in der Schnittwarenbrauche die vor 2 Juli reu existierten, ungefähr 10 gebli.beit. Die gleichen Zustände lassei! sicli bei zahlreichen anderen Branchen konstatieren. Der ״Allg. Jiid. Arbeiter-Verband*• ist gegenwärtig damit beschäl‘- tigt, die jüdischen Angestellten zu organisieren, um ihre Lage zu heben. Zionisten und Sabbatruhe Die antizionistische NATIONALZF.ITUNG in Wien schreibt unter dieser Überschrift: ״Der BERUNFR GENERALANZEIGER, dem wir auch die Verantwortung für die Richtigkeit dieser Behauptung überlassen müssen, schreibt in seiner jüngsten Nummer: ״Ein strenges Gesetz über die gewerbliche Sonnt a gs ru 11 c wird in England geplant. Alsbald fiat seitens der führenden Kreise der englischen Jiidcnheit eine lebhafte Agitation eingesetzt, dahingehend, dass den Juden das gesetzliehe Recht zugestamieii werde, für den Sabbat 11 als Ruhetag zu ootiereu und dann am Sonntag 7.u arbeiten und auch jüdische Gehilfen zu beschäftigen. Nun sind den Gegnern des Sabbathprivilegs. die es ja in England auch gibt, von einer Seite Waffen in die Hand gegeben worden, von der man sichs am wenigsten versehen hätte. Kein anderer als Herr M. L. Greenberg. Mitglied des zionistischen engeren Aktionskomitees fühlte sich beniiissigt. in einem Vortrag in Birmingham vor einigen Wochen dafür cinzutreten,

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