Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1907)
- Date
- 1907-01-06
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 1 massen ein.Zufiuchtsland schaiien wollen; alle, die sich dem Zionismus noch nicht anschliesscr. könnten, sollten wenigstens diesen territoridlistischcn Bestrebungen zu Hilie kommen. Ein zweiter Diskussionsredner erklärte vom Standpunkt eines Christen, dass man dem Zionismus nur Glück und Erfolg wünschen könne; jeder. ö־.r das Judentum und jüdische Be- Strebungen apfeinde, schände das Christentum. Der Referent hob erwidernd hervor, dass man solche Worte erst, seitdem der Zionismus den Juden wieder Selbstachtung gegeben und die Achtung der Welt errungen habe, zu hörea bekommen. Der Vorsitzende erinnerte daran, dass Baseler Bürger einen zionistischen Umzug mit dem Ruf: ..Hoch die Zionisten!“ bcgrösst hätten, während bisher die Juden nur das ״Nieder!“ kannten, und schloss mit dem Ruf der Baseler die Vcrsammlung. Als ihr unmittelbarer Erfolg konnte wiederum eine Anzahl Beitrittserklärungen verzeichnet werden. j. Posen. Die Ortsgruppe beging ihr diesjähriges Makkahüerfcst am 15. Dezember. Eingcleitet wurde cs durch einen Ncssig'schen Prolog, den der Obertertianer Eco Schcrek ein- Urucksvoil vortrug. Die Festrede hielt Herr Dr. Jcrcmias. Dann folgte em hochinteressanter Vortrag von Herrn Dr. J. Moses-Berlin über ״Jüdische Kunst“ mit Vorführung zahlreicher l.ichtbiläcr r.aeli Israels. Lilien. Hirszenberg, Kaufmanir. Pilichnwski, Struck, Ihrowitz. l'ry. Antokolsky u. a. Den Schluss bildete ein geselliges Beisammensein bei Kaffee und Kuchen und beim Klange stimmungsvoller nationaler Lieder. Hannover. Am 8. Dezember 19x• fand die Generalver- Sammlung der zionistischen Ortsgruppe statt, nachdem ein Rechenschaftsbericht erstattet wurde und ging man zur Neuwähl des Vorstandes. Es wurden gewühlt: J. Schnelling, M.. Rcingenhcim, B. Neumann. J. Bennenson, L. Autor. B. Bachrach. Zum Geschärsiübrer der Ortsgrupp; wurde J. Schneiling bestimmt und müssen alle Briefe usw. Angelegenheiten J. Schnelling, Hcrschclstr. 2 zugehen. Ratfbcr. Atu Sonnabend, dem 29. Dezember 06 sprach im Saale des Hote! Deutsches Haus Herr Dr. Auerbach aus Berlin über das Thema ״Palästina als jüdisches Zukunftsland". Trotz des grossen Unwetters war die Ver- Sammlung gut besucht, es waren ungefähr 150 Personen anwesend. Die Leitung dir Versammlung lag, in Vertretung des Herrn Dr. Kassel, in den Händen des H:rm Benjamin. Referent verstand es vor 2 Jahren, sich hier in Ratbor einen solch guten Namen zu erwerben, dass er von allen, die Ihn kannten, mit offenen Armen empfangen wurde. Auch dieses Mal zeigte er. dass er rächt nur ein guter Redner, sondern Zionist ur.d ein Vertreter der guten Sache durch und durch ist. Seine Ausführungen ernteten lebhaften Beifall, der nicht enden wollte. Den Gesinnungsgenossinnen Frl. Edith Bochm. Else Kaina. Lucie Piaczower sei an dieser Stelle für gütige Mitwirkung an der Organisation der Versammlung bestens gedankt. ha. Glciwltz. Die Ortsgruppe feierte am 15. d. Mts. ihr Makkabäerfest. Nach dem Vortrag des Prologes ״die Makkabäer“ von Alfred Kossig durch Fräulein Adler folgte die Festrede, in der Herr Morgenstern einen Rückblick auf die Geschichte der Makkabäer warf und die nationale Bedeutung des Festes betonte. Herr Dr. Pinczowcr-Antonienhütte trug eine Ballade von Loewe und zwei jüdisch-deutsche Lieder vor und den Schluss des Programms bildete die Aufführung der ״Familie Hirschwald‘‘ von Dr. Martin Friedländer, bei der sowohl die zionistische Tendenz des Stückes wie di? gute Darstellung allgemein gefielen. Den sich daran anschlicssenden Tanz unterbrach eine Kaffeepause. in der nach cin»?r Rede des Hern! Morgenstern auf den bisherigen Vorsitzenden der Ortsgruppe, Herrn Rechtsanwalt Stcinitz-Berlin, und einem Hoch auf derselben noch einige heitere Vortrüge von Mitgliedern des Herzl-Klubs geboten wurden. Das durchaus gelungene Fest, an dem etwa 200 Personen teilnahmen, endeic ,er.st früh um ü^r. Rybnlk. Am 56. Dezember veranstaltete die hiesige Ortsgruppe eine Makkabäerfeicr. die sich einer zahlreichen Beteiligung erfreute. Deklamation jüdischer Gedichte und gesangliche Darbietungen füllten den Abend angenehm aus. Eine zum Schluss der Feier veranstaltete Verlosung ergab eine ansehnliche Summe für den Nationalfond. Schekelsammlung. S. Regensburg, .10. Dezember 1906 (13. Tebeth 5667). Aus Gründen lokaler Natur konnten wir erst am 12. Tebeth unsere Makkabätrfeier abhalten, die gelungen verlief. Hervorragende musikalische und gesangliche Vorträge, so die beiden Klavierpiec«a des Herrn Otto Königsberger und die Lieder des Stadttheatermitgliedes Herrn Fritz Robert, wechselten mit oratorischen — Festrede unseres ersten Vorstandes Herrn. Rudolf Weiner ־־ und deklamatorischen, -- Nosslgs Prolog ״Die Makkabäer" (gesprochen vom Schriftführerl, ״Das grosse Wecken‘‘ und ״Der jüdische Mai", vorgetragen von Herrn . Alexander Schniirmann, in bunter Reihenfolge mit einander ab. wobei den Vortragenden reicher Applaus gespendet wurde. Herr cand. jur. Siegfried Weiner sprach über: ״Pinskcrs Autoemanzipation‘* in fesselnder Weise und forderte die Jugend auf. für den Zionismus rege zu arbeiten. Ein nachfolgender Tanz hielt die Anwesenden bis 2 Uhr Morgens zusammen. Können wir auch mit dem Verlauf des Abends soweit zufrieden sein, denn es meldeten sich zwei neue Mitglieder und die Sammlung für den Nationalfond ergab 22,7ü Mk., so müssen wir es doch bedauernd erwähnen, dass es in unserer Vcreinigung noch immer Mitglieder gibt, denen die einfache Zahlung ihres Beitrages genügt, ohne dass sic es für nötig erachten, an unseren Veranstaltungen teil zu nehme״. Köln. Im Saale der Rheinlandloge sprach am verflossenen Donnerstag vor mehr als 31h) Person«! Herr Redakteur N. Sokolow über das Thema: Was hat der Zionismus bisher ge- •eistet? Um die Erfolge des Zionismus richtig abmessen zu können, führte ungefähr der Redner aus, sei es erforderlich, die Gcgeuwait zu vergleichen mit der Zeit, die dem Zionismus vorausging. Damals sei das Judentum in Gefahr gewesen, als Beute einer missverstände: 1en ״Au!'klür1!;.׳gs“־sucht. von seinem Platze zu verschwinden. Das Judentum sei uneinig und o!1 ne Beu usstsein seines Inhaltes gewese.-. der höchste Stolz des Juden bestand darin, nicht als Jude erkannt zu werden. Zugleich aber reckte immer drohender und stärker die Judciu'eindsciiait ihre Arme aus. In interessanter und tiefdtirchdachteu Vorträge kennzeichncte nun der Redner die Errungenschaften des Zionismus in ethischer und politischer Bediutung. Unter dem Einflüsse des Zionismus habe das Judentum sich wieder auf sich selbst besonnen und sei sich seines Wertes e:;d seiner grossen Aufgaben wieder bewusst worden. Der Zionismus habe das Judentum sich wieder auf sich selbst besonnen und sei sich seines Wertes und seiner grossen Aufgaben wieder bewusst geworden. Der Zionismus habe endgiitig den Wahn;:erstreut, dass cs cire l’nchre sei. ein Jede zu sein und habe so vielen und Abervielen die Rückkehr zum Judentum ermöglicht, die bisher zerrissen und wurz-.Hos abseits Ständen. Der Zionismus habe die Juden national geeinigt, habe die Klüfte überbriiekt, die die Unterschiede des Rituals und der Kultur zwischen ..Reformjudentum‘■ und orthodoxem Juden־ tum. zwischen den Juden des Westens und denen des Ostens hervorgerufen habe. Der Zionismus habe dem Judentum auch für t|cn Juden Inhalt gegeben, der sich vorn überlieferten Glauben abgewendet habe und habe das Judentum national verklärt. So sei der Zionismus wie ein befruchtender Quell wirkbar gewesen, das Judentum habt• sich wieder auf rieh selbst besonnen und überall sehe man heute unter dem cürekten oder indirekten Einfluss des. Zionismus ein frisches, neues Leben im Judentum. So sei dem Judentum auch die Kraft wieder verliehen, all. 1; Anfeindungen zu widerstehen, in politischer Beziehung habe der Zionismus nicht minder Grosses erreicht. Er habe eine bedeutende Organisation geschaffen, die grösste der Juderhcit, er habe den Kongress geschaffen, die Stätte, wo das indische Volk als Volk seine Beschwerden. Wünsche und Ansichten der Welt in würdiger Form vorbringen könne, er habe seine grossen finanziellen Institute geschaffen, die Jüdische Kolonialhunk und den Jüdischen Nationalfonds, er habe die Jndcntrage vor der Welt, vor den Regierungen und den Mächtigen der Erde aufgestellt und sie zum Gegenstände der Weltdiskussion gemacht. Und die Aussichten d.s Zionismus seien nicht weniger erfreulich und wiirden von Tag zu Tag besser. Die Versammlung folgte d;:n hochinteressanten .Ausführungen des Vortragenden mit grösster Aufmerksamkeit. Der Vortrag dar! als eines der besten Mittel bezeichnet werden, die die Kölner zionistische Vereinigung bisher in ihrem Werbckampie gebraucht hat und seine Wirkling wird sicher nicht verloren gehen. TcpUtz-SehÖnau. Der jüdische Volksverein ״Zion“ sieht sieh gezwungen, das folgende Rundschreiben zu erlassen: Teplltz,' im Dezember 1906. . Euer Wohlgeboren! Der neue Vorstand unserer Kultusgemeindc hat in de« letzten Wochen sein Amt angetreten. Einer seiner ersten Beschlüsse, gefasst in einer der allerersten Sitzungen, ist das Verbot der Thoraspendea im Tempel für den jüdischen Volks verein ״Zion“. י^׳ייויי ■ •׳_ *־י**' v.