Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1907)
- Date
- 1907-01-06
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651500-2651502--04296-2661262- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 1 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 13 Ein verhcissungsvoller Anfang! Seine erste Tat. mit der er sich nicht genug beeilen konnte, ist ein Akt des Hasses und parteiischer Feindseligkeit'. Und als die KiiUusgcmeirute-Repräscntaitz über den von Friedensliebe geleiteten Kompromissantrag unserer Vertreter, die dem Vorstand einen ehrenvollen Rückzug ermöglichen, eine off •:ne Niederlage ersparen wollten, mit grosser Majorität den in seiner Tendenz gar nicht misszuverstchendcn Beschluss fasste, das Verbot an den Vorstand zur neuerlichen Beratung zurückzuweisen — zu welchem Zwecke wohl, als zu dem der Aufhebung? — da hat der Vorstand in Missachtung dieses Re* präscntanz-Bescliliisses. in Missachtung unserer friedlichen Absichten das Verbot bestätigt. Das Verbot an und für sieti. die unschön.* Hast, mit der cs erlassen wurde zu einer Zeit, wo wichtigste Gemeindegeschäfte der Etledigutig harren, die Fri .olität. mit welcher ohne anderen Giuud als den kleinlicher Ranküre der Streit vom Zaun gebrochen ״n!| die verbiss.ne Hartnäckigkeit, mit weleher dieser selbst von eigenen Freunden nicht gebilligte Standpunkt i'estgehalten wird: sic sind ein mit demonstrativer Absichtlichkeit angekündigtes Programm. Wir Zionisten glaubten und glauben auch heute noch, dass in der Gemeinde-Stube, wo nicht die Judeiiirage als solche, sondern lokale Gemeindeiutercsscti zur Verhandlung stehen, der Zionismus und sein Programm keine Rolle spielen kann, noch soll. Wir hab.n daher auch seinerzeit anlässlich der Wahlen im Bunde mit allen, welche die Gemeinde nicht von parteipolitischen, sondern 1ur von sachlichen Gesichtspunkten aus verwaltet wissen wollte::, lediglich die Interessen unsere: Kultusgemeinde einer Partei gegeniib-.r verteidigt, die ohne irgend ein positives Programm, durch nichts geeint als durch den Hass gegen alles Zionistische., uns de:! Kampf tmu.r der Parole ״Gegen den Zionismus־‘ aufgezw ungeii hat. Die Mehrheit der Bevölkerung, die Mchrh.it der Wähler hat damals mit dem Stimm/ette! diese unsere Haltung gebil• Hst. Nur eine Minorität der Bevölkerung, nur ein.* Minorität der Wähler hat unseren Gegnern Gefolgschaft geleistet. Aber trotdein ist es diesen mit Hilfe unseres phuokratischen Wahlrechts, dessen Ungerechtigkeit niemals krasser vcranscl.au־ licht worden ist. gelungen, die Majorität in der Vertretung zu erlangen.!,ג Jahre sind seit diesen Wahlen verstrichen. Rekurse, von beiden Seiten eingebracht, halten die Konstituierung so lange aufgehalten. — Matt durfte hoffen, dass diese Zeit dazu beitragen würde, die künstlich anfgcbauschten Gegensätze auszugleichen und die aufgereizten Gemüter zu beruhigen, dass selbst der eifrigste Wühler aus Profession und Leidenschaft sich nunmehr ein anderes Gebiet seiner Tätigkeit gesucht haben würde. Und man durfte erwarten und hoffen, dass auch die zur Macht gelangten Gegner, vor die praktische Arbeit gestellt, die Schlagworte des Kampfes draussen lassen und sich in ausschliesslich sachlicher Weise dieser Arbeit und den Interessen der Gemeinde - nicht denen der Partei — richten. Hiebei hätten sie tr.sere rückhaltlose Unterstützung gefunden. Fs durfte nicht sein! Die Beruhigung ist nicht nach ihrem Geschmack. Kaum zur Macht gelangt, beginnen sie sofort ihre den Frieden gefährdendc provokatorische Tätigkeit. Sie liaben den Streit in der Bevölkerung begonnen; sie haben ihn in die Kultusgemcindewalileti und in die Gemeinde- Vertretung gezerit! und nun scheuen sie auch davor nicht zurück, ihn sogar in das Gotteshaus zu verpflanzen. Die Thoraspcmle ist alter jüdischer Brauch. Die Verbindüng religiösen und sozialen Empfindens. die Verknüpfung religiöser Uebung und sozialer, dem Wohl der Gemeinwirtschaft dienender Handlung, entspricht unseren besten Traditionen. In diesem Sinne haben wir bei dem früheren Vorstand die Aufnahme unseres Vereines in die Reihe derjenigen erwirkt, zu deren Gunsten au der Tliora Spenden gemacht werden dürfen. Soll nicht neben, lediglich lokalen Erfordernissen dienenden Institutionen, und neben GeseUigkeitsvereincn, an dieser Stelle auch die Organisation einen Platz beanspruchen dürfen, welche den Interessen des Gcsanitjudentums dient? Wem die entsetzliche Not der jüdischen Massen, ilir Verlangen und ihre Sehnsucht nach einem Asyl, nach einer Heimstätte ein Gegenstand ernster schmerzlicher Sorge ist; wem das Wort ״Zion״, das er nicht mir im Munde führt, wem» er es im Gebete nachspricht. nicht ein leerer Schall ist. so«- dem als Notschrei des Volkes lebendig stets in den Ohren tönt: dem soll die Möglichkeit gegeben sein, diesem im besten Sinne des Wortes humanitären Ideal hier in einer seinem Empfinden entsprechend würdigen und feierlichen Form genug zu tun. Die Spende für ״Zion“ entspringt einem tief relig'ös empfundenen Bedürfnis, sei cs dass die Spender Zionisten, sei cs dass sic mir abw artende Förderer dieser grosszügigsten aller jüdischen Rettungsaktionen sind. Und dieses Bedürfnis wird immer intensiver, lebendiger und umfassender, je grauenhafter aus dem Osten die Botschaft von Not und Schrecken kommt. Dem neuen Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Teplitz-Schonau aber war es ein tiefempfundenes Bediirf- •1!s. die Erinnerung an die Pogrome in den Herbstmonaten 19! 15. die 1. Jahrzeit für die 'lausend.־ von Opfern dieser Schreckcnstage durch einen Erlass zu begehen, der die Betätigung d'-s Mitleidens mit diesem Elend an dein, religiösem Gefühl, heiligem Ort mit hasserfüllter intoleranter, iiiijüdischer Engherzigkeit verbietet. Der Zionismus wird diesen gegen ihn geführten Schlag leicht verwinden. Kein Bekenner unseres Programms, kein Freund unserer Bestrebungen, kein warmherziger Jude wird unsere grosse Sache für diesen!lässlichen Akt hasserfüllter Parteilichkeit btisseu lassen. Durch verdoppelt; Opferfreudigkeil wir wissen es weiden sie alle die Absichten dieser Feinde jüdischer Idea'e und nf!ichie11 zu schänden werden lassen. Aber gegen die uns zugefügte B.-ieidiguug. gegen de״ mit echt ״liberaler■’ Intoleranz und V\ ilikör ins Merk gesetzten und dabei doch ganz iib*;rilüs<igei1, we׳l wirkungslosen Missbrauch der Gewalt zu Gunsten von Parteänteressen. gegen die brutale X'crg; v altigut g der Mehrheit ״er Bevölkerung und ihrer religiösen Gefühle e.heben wir lauten und lebhaften Protest! Zum drittenmal wird von dieser Seite der Frieden durch provokatorische Ancrii'e gestört. Sollte, von ihnen erzwungen, neuerlich der Kampf beginnen müssen, dann wollen wir Fier noch einmal vor der O.ffenlici.keit festgestellt haben, von weleher Seite wieder der Angriff ausgegangen ist. Wir suchen den Kampi nicht. Wird es uns aufgezwungen, dann soll er uns gerüstet finden. Heute aber rufen wir die Bevölkerung mit zum Proteste aut. zum Proteste d;r Majorität gegen das von einer Minderheit etablierte Wi'.ikurrcguncnt. Zum Proteste mit den! Wort und durch die Tat. Der wirksainste. der lauteste Protest ist die opferfreudige Hingabe für die angegriffene Sache, welche die feindlichen Absichen in ihr Gegenteil ansgehen iässt. Diesen Protest vor allem erwarten wir von Urnen. Gedenket der verelendeten jüdischen Volksmassen! Gedenket des entsetzlichen jüdischen Elends! Gedenket unserer Pflichten und unserer Ideale! Denket an Zion! Spendet für Zion! Mit Zionsgruss Jüdischer Volksverel« ״Zion** Teplitz-Sehönau. Zehn Jahre Zionismus ״Wer sich schnell und doch gründlich über die modernste Bewegung des Judentums orientieren will, dem raten wir, die im Verlage der WELT in Köln. Ubierring 23, erschienene Broschüre ״Z e h n Jahre Z i o n i s m us״ zu lesen. Die Broschüre zeichnet nicht nur in knappen Zügen ein Übersichtliebes Bild der Geschichte der zionistischen Bewegung, sie informiert auch ebenso klar wie zutreffend über die innere Entwicklung der zionistischen Idee, ihre nationale und politische Grundlage und ihre ethische und soziale Bedeutung. Der vornehme, von jeder Tendenzinacherei freie Ton des Büchleins macht seine Lektüre auch dem Gegner angenehm, ein Literatur- Verzeichnis und eine übersichtliche Aufstellung der ziunistisehen Zeitungen und Institutionell gewährt schätzbares Material. Wir ersehen daraus, dass zionistische Landesverbände in allen Teilen der bewohnten Erde bestehen und dass die Bewegung heute filier mehr als .?<1 Zeitungen in allen Weltteilen verfügt. Die Broschüre ist im Vergleich zur hübschen Ausstattung überaus billig (<> Pf.) und jedenfalls sehr lesenswert.** *׳׳?י״יי״״י" יייי•* «r*»r ■ -ä