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Jüdische Rundschau · 1907-01-06 · Heft 1 (6.1.1907) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 1 (6.1.1907)
Date
1907-01-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU - ■ 1 — — . ... ■rnmL^m Seite 9 No I im Kampfe für die Schaffung eines normalen nationalen Lebens J in Palästina zuführt; in Anbetracht ferner des Umstandes, dass in den Ländern der Diaspora die nationalen Organisationen sich nur unter dem Schutze des Staates entwickeln können, was nur bei einer demokratischen Einrichtung des Staatswesens möglich ist, — sanktioniert die III. Konferenz den bereits auf natürlichem Wege erfolgten Eintritt der zionistischen Massen in den Freiheitskampf der territorialen Völkerschaften Russlands und hält es für notwendig, die nationale Vereinigung des Judentrnns auf dem Boden der sich vollziehenden Umwandlung des russische!! Staatswesens zum Zwecke der Anerkennung der jüdischen Nationalität und der gesetzlichen Selbstverwaltung in allen Sichen des jüdischen Nationallebens durchzuführcn. Infolgedessen wird die Zionistische Organisation in Russland folgendes Programm vertreten: 1. Die Demokratisierung des russischen Staatswesens auf auf der Grundlage eines konsequenten Parlamentarismus, einer weitgehenden politischen Freiheit, einer Autonomie der nationalen Gebiete und der entsprechenden Garantien für die nationalen Minderheiten. 2. Line vollständige und absolute Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung. 3. Die Garantie der Rechte der Minderheiten bei allgemeinem, gleichem, direktem und geheimem Wahlrecht ohne Unterschied der Geschlechter, bei allen staatlichen, provinziellen und Ocmeindewahlen. *I. Die Anerkennung der jüdischen Nationalität als eines Ganzen mit dem Selhstvcrwaltungsrechte in allen An• gelegenheiten des nationalen Lebens. 5. Die Einberufung einer allrussischen jüdischen National-. Versammlung zur Ausarbeitung der Grundlagen einer nationalen Organisation. 6. Das Recht der Verwendung der nationalen Sprache bei Gerichte, in der Schule und im öffentlichen Leben. 7. Das Recht für die Juden, statt der Sonntagsdie Sabbathruhe zu halten. Schabotinsky spricht in seinem und Scidenmanns Namen zur Frage der nächsten Tätigkeit. Herr Schabotinsky schlug nachher der Konferenz in den Grundzügcn folgende Resolution vor, die auch nach zahlreichen redaktionellen Korrekturen akzeptiert wurde. Resolution, betreffend unsere unmittelbare Tätigkeit. Zum Zwecke des Kampfes für die nationalen Rechte der Juden verfolgt die zionistische Organisation in Russland folgendc Taktik: A. Im öffentlichen Lebern 1. Die Vorbereitung der öffentlichen Meinung zugunsten unserer Forderungen und deren Propaganda unter den Vorstehern verschiedener nationaler Parteien und Gruppen. 2. Die Aufklärung der Lage und der politischen Bedeutung derjenigen nationalen Gruppen, die bei der Verwirklichung der provinziellen nationalen Selbstverwaltung ausserhalb der entsprechenden Provinzen leben, und ihre Vereinigung zur Verteidigung der Rechte der nationalen Minderheiten. > 3. Der Kampf gegen agressive oder ini Sinne der jüdischen Assimilation wirkende Tendenzen unter anderen National!• täten. B. Innerhalb des Judentums.; J. Die zionistische Organisation in Russland führt eine * selbständige politische Tätigkeit, die sie als eines der , Mittel zur Verwirklichung des Zionismus betrachtet. 2. Die Mitglieder der zionistischen Organisation können '7 nicht Mdglieder anderer jüdischen Parteien sein. f '־■־׳*־ ־ ‘ “ ' * ' ־ '׳ ־ -**״*■•־• ' 4 4 Anmerkung. Den Verband für die Erreichung der Vollhercchtq.ung des Jüdischen Volkes in Russland als eine Organisation ansehend, die die Vereinigung verschiedener Elemente des Judentums zu einem besonderen Zwecke anstrebt, welcher keinen parteipolitischen Charakter trägt, erachtet die Konferenz die Anteilnahme an diesem Verbände, solange er seinen parteilosen Charakter behält, für zulässig. 3. Zum Zwecke der Erreichung bestimmter konkreter Forderungen tritt die zionistische Organisation In Verbinduug mit vcrsch:edeneu Parteien und Verbänden, insofern deren Programm unseren Aufgaben in Russland nicht widerspricht. 4. Zum Zwecke der Zuführung der weiten jüdischen Massen zur politischen Aktivität empfiehlt die Konferenz die Propaganda unserer Prinzipien, speziell der Idee einer Nationalversammlung. 3. Die Konferenz empfiehlt ferner die Schaffung von jiidischeu Gemeinden und nach Möglichkeit deren gesetzliche Legalisierung. Diese Getueinden umfassen die ganze lokale jüdische Bevölkerung, haben gewählte Rcpräsentauten an der Spitze und sollen ntit den Funktionen einer vollständigen nationalen Selbstverwaltung ausgcstattet sein. Dort, wo schon jetzt Gemeindt-organisationa: existieren. soll man deren Pemokratisicrimg und die Erweiterung ihrer Funktionen bis zur vollständigen Selbstverwaltung erstreben. C. Die W a h 11 a k t i k. In Anbetracht der Fehler des jetzigen Wahlgesetzes, d e eine äusserste Vorsicht im Kampfe der Parteien innerhalb des Judentums erfordern, stellt die Konferenz folgende Regeln für die Wahlkampagne auf: 1. An denjenigen Punkten, wo dank der numerischen Ueber- , r zahl der jüdischen Bevölkerung der Erfolg der Juden absolut sicher ist. auch bei einer Zersplitterung der jiidisehen Stimmen, führen die Zionisten nötigenfalls die Wahlkampagne selbständig. 2. An allen andeili Stellen tragen die Zionisten das ihre zur Bildung' eines vereinigten jüdischen Wahlkomitees bei, das von der Bevölkerung gewählt ist, oder eines koalierten Komitees, in welchem die Zionisten als eine besondere Partei auttreten und während der ganzen Wahlkampagne eine selbständige Agitation für ihr eigenes politisches Platform und für die ihnen genehmen Kandidaten entfalten. 3. Nach Abschluss der Wahlagitation stimmen die Zionisten für den von der Mehrheit der jüdischen Wähler bestimmten, ausgenommen den Fall, dass dieser Kandidat ein ausgesprochener Assimilant ist. 4. Von den jüdischer. Kandidaten fordern die Zionisten die Anerkennung der nationalen und demokratischen Priuzipien, die im politischen Programm der zionistische!! Organisation enthalten sind, und ihren Eintritt in die jüdische parlamentarische Gruppe. 5. Von den nichtjüdischen Kandidaten verlangen die Zionisten die Anerkennung der demokratischen und nntionalen Forderungen des zionistischen Programms. * * » Damit waren die schwierigsten Fragen der Konferenz zur Erledigung gelaugt, und es verblieb nur noch die Aufgabe, die praktisch-administrativen Fragen, wie Organisation, Legalisierung der Partei, Zentralbureau etc, zu lösen. Mit begeisternden Schlussreden des Helsingforser Rabbiners, des Vorsitzenden Dr. T s c h 1 c n 0 w und des Delegierten Schabotinsky und unter Absingung der Hatikwali endete nach sieben inhaltreichen Tagen und einigen Nacht- Sitzungen die dritte Allrussische Zionistenkonferenz am Montag, dem 10. Dezember. L r * '•״’־- 'ייי£5*»י*'“:

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