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Jüdische Rundschau · 1907-01-06 · Heft 1 (6.1.1907) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 1 (6.1.1907)
Date
1907-01-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 1 Der Ausschuss wird Material über die Frage beschaffen, j inwieweit die beabsichtigte strenge Sonntagsruhe in Kontoren und im (]rosshandel für diejenigen jüdischen Kaufleute uncrträgüchc Zustande schaffen würde, welche den Sabbath- und die jüdischen Feiertage streng halten. Kür die Ueberleituiig der preussischen Volksschulen In die neuen Verhältnisse unter dem Schulunterhaltungsgesetz nahm der Ausschuss d:e in dieser Nummer veröffentlichten Leitsätze an Verband der Deutschen Juden, gez.: Pr. Lövinsou. Vom Hilfsverein der Deutschen Juden Der HilfsvcreJn der Deutschen Juden ist, wie er uns schreibt, fortgesetzt bemüht, der von ihm geleiteten resp. sub* ventionierten Schulen tüchtige Lehrkräfte zuzutühren. die in Deutschland ihre Ausbildung erhalten haben. Das Lehrer- Seminar des Hilisvere'ns in Jerusalem und die R.alhandelsschule, die von ihm in Jerusalem im Apr'l nächsten Jahres bcgründet werden wird, ist der geprüfte Lehramtskandidat Herr Siegfried Rothenberg. /. 71. Nürnberg. verpflichtet worden, der insbesond.re den Unterricht in Mathematik und Natur- Wissenschaften, sowie die Hande'skurSe und Buchführung übernehmen vird. Herr Rothenberg hat die Realschule und das Realgymnasium in München besucht und in München und Berlin Mathematik und Physik studiert, hr war am Realgymnasitun zu Augihur« bereits praktisch tätig. Bei dem Preisausschreiben der Technischen Hochschule in München für das Jahr 19**5— יR* hat er den ersten Preis für die Arbeit aus der Gochichte der Mathematik erhalten. Vor Antritt seiner Stellung in Jernsal»—׳ die am I. April 190? erfolgt, wird Herr Rothenberg noch promovieren. lis ist ferner die Entsendung eines zweiten Lehrers iur die deutsche Sprache an die Schule der Israelitischen Gemeindc m Philippnpcl aui deren dringendes Gesuch erfolgt; an der Schule ist bereits seit H׳!M ein vom Hilfsverein der Deutschen. Juden gestellter Lehrer - gleichfalls im deutschen Sprachunterricht — mit bestem Erfolge tätig. Herr Ernst Berger, der an der jüdischen Lehrerbildungsanstalt die Religionsprüfung und am Kgl. Lehrersemirar 7u Gütersloh die erste Lehrerprüfung abgelegt hat. ist für den Posten engagiert worden und tritt bereits am I. Januar 1907 seinen Dienst an. Die Philippopeier Schule hat infolge besonderer Verhältnisse eine aussergewohnlich grosse Schüierzahl - * 9-12 Knaben und Mädchen. Das Schulkomitee tut sein Möglichstes, um d.m Deutschen Sprachunterricht entsprechend der Wichtigkeit, die die deutsche Sprache nir Handel und Verkehr gewonnen hat. aüszugestalten. Als fremde Sprachen stehen deutsch und französisch zur Wahl. Trotz der grossen Schwierigkeit, die den spanio-!«scheu Kindern die Erlernung des Deutschen im Verhältnisse zu dem Französischen besonders im Anfang bereitet, hat das Deutsche die grossere Zahl von Optanten gefunden; ein Beweis, wie stark das Bedürfnis nach deutschem Sprachunternicht empiunden wird. Die Aschkenasim pilegen schon im allgemeinen den deutschen Unterricht zu bevorzugen Russische Zionistenkonferenz' ’ * in Helsingfors (Aus dem Bericht der WELT.) (Schluss.) L e t z t e V e r h a u d I u!1 g s t a g e. 111 der Nachnuttigssitzuug des III. Tages ging man an die Erledigung der zweiten Hauptfrage, nämlich der politischen Arbeit in Russland. Die Diskussion über diese Eragc nahm den III. und IV. Tag wie auch einen Teil des VV. Tages in Anspruch. Auf der Tagesordnung stellt die Frage der allKemelnpolitischen Plattform und des Verhältnisses des Zionismus zur russischen Gegenwart. Als erster Reefrcnt tritt Herr J. Grün bäum auf. d.r folgende Resolution formuliert und zur Annahme empfiehlt: ״Die zionistische Organisation in Russland schliesst sich der von allen territorialen Völkern Russiands erhobenen Forderung der Demokratisierung der Reichsverfassung auf Grund der vollständigen Volksherrschaft: (Gleichberechtigung aller Bürger ohne Unterschied von Abstammung, Bekenntnis und .Geschlecht. Freiheit der Rede, der Presse, der Versammlungen und Verbände, Freiheit der Streiks und gesetzlicher Schutz der Arbeit, Trennung der Kirche vom Staate, Dezentralisation dev Verwaltung, nnational-rcgionale Automic wie auch Autonomie der nationalen Minderheiten) an, da diese Forderungen für die dauernde Organisation der jüdischen Bevölkerung, die freie Ent- Wicklung ihrer nationalen Kräfte und Energien eine notwendig- Bedingung sind.“ Es folgte das Reterat über ״n a t i o ti a 1 e Selb, stverwaltung und unsere nationalen Fordcruugen“. Herr A. Sei den mann sprach in Vertretung des am Vorarbeud der Konferenz verhafteten Redakteurs Dr, Josef L u r y (der inzwischen bereits freigelassen wurde. Die Red.). Herr Scidenmann sagte ungefähr: ״Wir gehen von der Er- Kenntnis aus, dass nur ein territoriales Volk, ein Volk, dis auf irgendeinem Territorium eine kompakte Majorität bildet, eine Autonomie mi vollen Sinne dieses Wortes ausniitzeii kann. Für ein territoriumloses Volk kann es nur eine eiligeschränkte, verringerte Autonomie geben. Ein: derartig* Autonomie its eigentlich keine, sie ist höchstens eine Form der nationalen Selbstbestimmung. Wir müssen nun den Umfang und den Inhalt der Forderungen ieststcHen, die in diese Form cingeselilosscii werden könne:!. Die allgemeinen politischeu, wirtschaftliche!; und sozialen Interessen können es nicht sein. In dieser Hinsicht kann die jüdische nationale Selbst- Verwaltung nur gewisse Korrektive und Palliative mit sich bringen, wie z. B. die Organisation der öffentlichen W o h 1 - tütigkeit. Aber die wesentliche und eigentliche Domäne d־.*r nationalen Selbstverwaltung ist die nationale Kultur in allen ihren Verzweigungen, die für das jüdische Leben in der Diaspora eine ungeheure Bedeutung hat. Dies: Seite der nationalen Selbsttätigkeit ist weniger an das Territoritim gebunden. Dann folgt als sehr wichtig die Frage der Emigration. Die Juden, die aus allen organisierten sozialpolitischen Körperschaften verdrängt werden, suchen instinktiv einen Ausweg in der Emigration. Und cs wäre die Pflicht der jüdischen Selbstverwaltung, deren Aufgabe die Organisation der jüdischen Kräfte ist. diese wichtige Frage in ihren Interessenkreis einzuscliliesscn. Wenn wir nun einige innere An-' gclegenheiten des jüdisch-religiösen und kulturellen Lebns, wie die Hciratsgesetzc. die Sabbatruhe usw. hinzufiigen, so haben wr beiläufig den konkreten Inhalt der jüdischen Selbstverwaltung erschöpft. Aber nun; taucht die FrFagc auf, wer denn der Vertreter des jüdischen Volkes sein werden, wenn die Stunde der Realisierung der Idee der jüdischen Selbstverwaltung schlagen wird? Und wir antworten: Die jüdische Nationalversammlung. Nur diese allein wird imstande sein im Namen der Judenheit zu reden, nur sie allein wird das Recht und die Autorität haben, tun Form und Inhalt der jüdischen Selbstverwaltung zu bestimmen. Die jüdische Nationaler- Sammlung muss einberufen werden, und wir müssen darauf hinarbeiten, dass ihre Antwort auf die Fragen des jüdischen Lehens sich mit der unseren decke.“ Auf das kurze Referat Seidennuuiiis folgten die Debatten über die Frage der Autonomie. Eine Kommission, in die auch die Berichterstatter Seidenmann und Grünbaum gewählt wurden, brachte sodann Im Verlaufe der Sitzung nachstehende Resolutionen betreffend die politische Plattform der russischen Zionisten ein, die von der Konferenz auch angenommen wurden: In der Erwägung, dass die Organisation des jüdischen Volkes zur nationalen Selbstbetätigung nach dem zweiten Punkte des Baseler Programms als eine der wesentlichsten Voraussetzungen für die Verwirklichung des Zionismus erscheint, indem sic die Kräfte des Judentums in der Diaspora vermehrt, ihm neue kulturelle, materielle und politische Mittel

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