Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1907)
- Date
- 1907-01-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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*.״*, ««1iwr«f An» * Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU 1 Zionisten gibt, hat von neuem der Angriff und der siegreiche Marsch begonnen, der dem Zionismus immer neue Sympathien und immer neue Vorkftmpier zuführt. Erst in den allerletzten Tagen haben wir ein intensives Vorpostengefecht in Obcrschlcsien geführt und im An- Schluss an den Obersehlcsischcn Zionistentag dort in praktischer Agitationsarbeit fcstgcstellt, dass das dort immer sehr geschätzte Feld ein noch viel günstigerer Boden für den Zionismus und den neuen Aufbau unseres Volkes in Palästina ist, als wir bisher geglaubt hatten. Das liegt nicht bloss an dem hervorragenden Verdienst unseres Gesinnungsgenossen, der den Ortsgruppenverbaiid-geschaffen und an seinem Herzen gross getragen hat, sondern an der allgemein Entwicklung, die zum Zionismus hindrängt. Die Wegrichtung des Judentums Hegt gemäss dem Sinne des Zionismus. Und in Gebieten mit grosser wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung kommen unsere Brüder früher zur Erkenntnis der zionistischen Wahrheiten als in Gebieten eines mehr oder minder bemerkbaren Stillstandes. Das weitaus günstigste Feld freilich für unsere zionistische Arbeit — das ist kein Zweifel — ist, wie wir. bereits oft betont haben, die Provinz Posen. Die dortige Judcnsehaft ist niemals dem Zionismus näher ge״ w cscn, als heute, und sie ist für unsere Reden und die 111 ihnen enthaltenen grossen Wahrheiten von der Zukunft des Judentums empfänglicher geworden als man das je geahnt hat. Es wäre der denkbar grösste Fehler, Jetzt dieses Feld weiter unbebaut und u!!beackert zu fassen, wo das Volk selbst immer und initiier wieder da- .־nach verlangt, über den Zionismus von berufener Seite unterrichtet zu werden. Die innige Liebe des jüdischen Volkes zu Palästina, die der idealste aber auch der gewaltigste Antrieb zum Zionismus ist, schlummert im Herzen fast jedes Juden in der Provinz Posen, wie sie ja, wenn auch etwas verschlafener und undeutlicher, auch in den Herzen aller deutschen Juden zu Hause ist. Es ist selbstverständlich, dass es nur der ganze ungeteilte und unteilbare Zionismus sein darf, den wir unsern Posensehen Brüdern zu bringen haben. Es hätte keinen Zweck, mit uns handeln zu lassen, dass wir bei der Verbreitung des Zionismus den einen ein bischen Politisches, den andern ein bischoi Palästina, den dritten •ein bischen Nationales ablassen sollten. Wenn wir nicht den ganzen politischen und nationalen Zionismus, der konsequent als historische, politische if.id nationale Forderung auf Palästina als das einzige Ziel der Zukunft und der hoffnungsvollen Arbeit hinsteuert, als eine Einheit vertreten, müssen wir es immer wieder wie bisher erleben, dass mau uns andere scheinbare Konkurretizbewegungen, wie es seit anderthalb Jahren ja in jeder zionistischen Versammlung geschieht, von gegnerischer Seite als Knüppel zwischen die Beine wirft. Wenn wir auch die Einigkeit und das einmütige Zusammengehen der Zionisten im weitesten Sinne des Wortes befürworten, so müssen wir u.is darüber klar bleiben, dass diese Einigkeit nur in dem absolut klaren und absolut gütigen Baseler Programm gegeben ist. Und da wir deutschen Zionisten, die wir aus reiner idealer Begeisterung für u!ser Volk und für Zion die Waffen ergriffen haben, alle in gleicher Tieue am klaren und nicht w egzudeutenden Sinne und Wortlaute des Basler Programnies hängen, so ist cs uns gar keine Frage, dass wir als geschlossene Heeressäule die Erobenuig der Posenschen Jtidenlieit für den Zionismus m Angriff nehmen werden. \V*as in kurzer Zeit und in langer Arbeit erreicht werden kann, vermögen die zu verstehen, die die Bedeutung kennen, die Lissa für die Entwicklung der Vereine Jüdischer Studenten hat, und -י',י»<וי1ייי״?ך .־• die die Entwicklung kennen, die die so vorzüglichen Ortsgruppen Schönlanke und Filehne bereits genommen haben, denen sich jetzt Samter in gleicher Entwicklung anschlicsst. Dass seit einiger Zeit die Provinz Posen für den Nationalfond so unergiebig wurde, soll uns nicht verdriessen, das lag an äusseren Umständen, die jeden Augenblick in Wegfall kommen können, wenn man diese Sache nur an der richtigen Steife anpackt. Posen und Oberschlcsien werden in nationalidealer wie •n materieller Beziehung die besten und ergiebigsten Gebiete Preussens für uns sein, wenigstens für die nächsten Jahrzehnte. Darum aber gilt es, die ganze rüstige Arbeit intensiv in Angriff zu nehmen und in Obcrschlcsien, wo überall bereits der Samen in das fruchtbare Erdreich gestreut ist, eine reiche Ernte in emsiger und stetiger Arbeit vorzubereiten. Es ist eine schwere Arbeit des Ackerns und es ist. viel Unkraut auszujäten, das hochgeschossen ist. Um so weniger dürfen wir feiern, denn nur in kraftvoller vereinter Arbeit kommen wir ans Ziel. Dazu aber gehört in erster Linie Einheit und einheitüeher Wille in den eigenen Reihe״ . Es gilt, dass wir wie früher unter Ausschaltung aller persönlichen Verstimmungen und einzelner Reibereien, verstehen, dass wir eine einzige geschlossene Familie sind, die nach aussen hin geeinigt ist und die ihre kleinen Piiierenzen freundlich und brüderlich im Schosse der eigenen Familie ausmacht. So gross unsere Zukunftshonaangen sind, so herrliche Aussichten sich uns eröffnen, wir sind zu klein, um uns in Unstimmigkeiten zu verzetteln. Da* rum ans Werk, mit neuer Kraft und dem alten Mut, mit der Siegcsgcwissheit Theodor Fierzls. H. L.;r?8 Cie Ecär.rs-iOrra in Is: Aus: A. Damaschke, Die Bodenreform. (Schluss.) Der Arbeiter hatte ausserdem freie Beköstigung und sollte in Speise und Trank und Wohnung den Herren gleich gehalten werden. Es hat sich also, soweit die wenigen Nachrichten darüber unterrichten, auch im alten Israel das alte Bodenreformgesetz bewahrheitet: Dort, wo die Grundrente nicht den Hauptteil des Ertrags der Volkswirtschaft absorbieren kann, wird der Ertrag des Kapitales und der Arbeit, wird Zins und Lohn verhältnismässig hoch sein können. — Ob die mosaische Gesetzgebung je in ihrer ganzen Grösse durcligeführt worden ist? Eia!*eil der moder* neu theologischen Wissenschaft behauptet, dass diese Gesetzgebung niemals volle Wirksamkeit gewonnen hat. ja dass sie auf Moses nicht einmal zu rückgeführt werden darf, dass sic vielmehr nichts ist als ein grosses Sehnsuchtslied, nichts mehr ais eine Utopie, hinge nach Moses Zeiten in Prophetensclnilefi entstanden, ja. vielleicht erst int Exil. Aber ohne uns erst lange in theologische Erörterungen eiuzulasscn, das dürfen wir doch sagen, dass seihst bei dieser Annahme richtige voikswisscnscliaft*liehe und psychologische Anschauungen vorhanden gewesen sein müssen, die ein Verhältnis bodenreformeriseiier Wahrheiten in weitem Umfange voraussetzten. Aber nehmen wir die Schriften des alten Bundes, so wie sie vor uns liegen. Da linden wir doch bald, wie sieh gewaltige Anklagen gegen die Uebertreter dieser Vorschriften erheben. Schon das Buch der Chrcnika bezeugt, dass das Halljahr nicht gehalten worden ist. Es sei eine verhängnisvolle, furchtbare Sünde und Jehovah wird sie heimsuchen. Wollen die Menschen nicht sein Eigentum, die Erde, rulrcn ן #HT.■,