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Jüdische Rundschau · 1906-12-29 · Heft 52 (29.12.1906) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 52 (29.12.1906)
Date
1906-12-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 52 Seite 775 in Libsa, sieüie• nach einem eingehenden Vortrag© folgende .Forderungen auf: . Es möge nach Libau eine Versammlung des jüdischen Auswanderungskomitees einberufen werden. . Es möge in Libau zur Heilung der Augenkrankheiten *bei Auswanderern ein besonderes Snftal gegründet werden. In der nächsten Sitzung der Sektion werden beide Forderungen zur Verhandlung gelangen. Auf der gleichen Sitzung wird Herr Janowski, der eine Informationsreise in Russland gemacht hat Bericht erstatten. Wieder einmal ein Pogromcheii. Odessa. Am 9. Dezember erschienen plötzlich auf dem Markt eine Anzahl Mitglieder von dem Odessacr .AVeissen Verbände“ und zerstörten eine ganze Reihe jüdischer Lüden und Verkaufsstünde. Verkäufer und Vcrküuierinnen wurden mit Nagaikas geschlagen, die ausliegcnden Esswaren mit Petroleum begossen. — Die Polizei sah dem Spiele in Ruhe zu! Ein Judemnördcr begnadigt, Odessa. Für geringfügige Vergehen sind von den Feldgerichten hunderte blühender Menschenleben durch die Todesstrafe vernichtet worden; — doch die Mörder frlcdlxhor Familieri werden zu geringfügigen Strafen verurteilt — und dann noch begnadigt So wird ־aus Sasan gemeldet dass auf allerhöchsten Befehl der Kaufmann Schwalew. der wegen Mordes zu 8 Monaten Turm bestraft worden war. begnadigt worden ist. Borisow. Bauern aus dem Dorfe WclMjitschew. die Rekruten nach ihrem Stcllinigsorte begleiteten, plünderten in dem Dorfe Seliiwe die jüdischen Häuser und Läden. Misshandlungen oder dergleichen fanden jedoch n-'clit statt Kiew, Zur Errichtung eines jüdischen Gvmnasiums erhielt der Ingenieur M. M. Sluzki die bcliördliehe Erlaubnis. Smolensk. Die Polizei hat eine Anzahl Juden vorgeladen und ihnen eröffnet, dass die Juden sich nicht an den Dumawählen beteiligen möchfea so sie in Smolensk in Frieden wonnen wollen. Auf diese Eröffnung h:n smd zahlreiche Schreiben von Juden bei der Wahlkommission eingelaufcn. in denen sie ihren Verzicht auf das Wahlrecht erklären. Neue Jüdische Ein Jüdisch-deutsches Blatt in Lodz wird in Kürze zu er- Schemen beginnen. Dieses Blatt soll besonders auf die Intersssenfen des Handels und der Industrie Gewicht legen. Da es unter der i'u־! *seien Bevölkerung niemand gibt, der nicht ltid:sch lesen könnte, dürfte das neue Prcs'mntcrnehm.en Erfolg haben. Ein Vere’n jüdischer Kantoren Polens zwecks Verbesserung Ihrer geistigen und materiellen Lage ist in der Bildung begriffen. Die persische Verfassung und die Juden Aus Teheran wird beruhtet: Das unmöglich Geglaubte tvard Ereignis: Persien erhälr eine Verfassung und den soeben noch als Parias in des Wortes traurigster Bedeutung behandelten Juden w?rd voUe Gleichberechtigung mit den übrigen Untertauen des Schah-Muzaffer ed-Din zuteil. Das klingt wie ein ..Märchen aus 1001 Nacht“, klingt fast zu schön, afs dass man an d׳e Wahrheit glauben könnte, und dennoch ist es hocherfreuliche Wahrhe't. Das Amtsblatt Habl-Matt׳n teilt den Volten Wortlaut der Verfassungs-Urkunde mit. deren von den liberalsten Ideen erfüllte Bestimmungen Jeden Zweifel bcs^'t5gen. dass sie für alle ..persischen Untertanen“ olme Unterschied des Bekenntn:ss׳*s und der Nationalität Geltung haben sollen. 6יס entscheidenden Artikel, welche sich auf die Nichtmusllmcn beziehen, lauten wie folgt: ״Art. 8: Alle die Ljmdessprachg redenden persischen Untertanen, sie mögen welcher Religion oder Abstam׳'«•.’•1״ immer sein, smd vor dem Gesetze efexh. — Art. 9: Je׳’on׳ persischen Untertan ist volle Freiheit der Person gewährleist“t. — Art. 11: Die offizielle Staatsreücinn ist der Islam schiitischen Ritus: die übrigen Religionen sollen aber in der freten Ausübung Ihrer Vorschriften und in der Verwaltung ihrer Angelegenheiten in keiner Weise bee:nträcht!gt werden. — Art. 13: Jeder persische Untertan hat d*s Recht das ihm zusagende Oewerhe oder Handwerk auszuuben. — Art. 15: Der Unterricht ist frei, fofoch darf dadurch den Rechten des Islam kein Abbruch geschehen. — Art. 19: Jeder persische Untertan der da711 bcfäh'ct ist kann öffentliche Achter bekleiden. — Art.?0: Die Wohnstätte iodos nersbehen Untertans ist unverletzlich. — Art. 64: A)k die spräche beherrschende.n rvrs'schert Untertanen sind zu Mitgliedern des Parlaments wählbar.“ Drastischer könnte allerdings der grundstürzende Wandel der Dinge nicht in die Erscheinung treten, als wenn ein oersischer Jude, e;n Angehöriger der bisher rechtlosen, geächteten Inbezug’ auf Lehen und Ei״e״tum vocelfreien Glaubcns.cemeinschaft, seinen Einzug ins Parlament halten und damit zur Ausübung des höchsten Rechtes eines Vollbürgers zugelassen würde. . - Judenansiedlung In Palästina Der In Artorn (Prov. Sachsen) erscheinenden. LANDWIRT- SCHAFTLICHEN ZEITUNO vom 1. Dezember 1906 entnehmen wir folgenden Artikel: Palästina. Unser im Orient reisender Berichterstatter schreibt: Wir haben schon auf den Bedarf Palästinas an landwirtschaftlichen Maschinen htngewiesen; Palästina ist ein Land, das sich so schnell entwickelt und europäisiert wie kaum ein anderes im Osten. Einerseits tragen hierzu die vielen christlichen religiösen Niederlassungen bei. andererseits aber auch das Vorgehen der jüdischen Zionisten. d:c den Juden hier die alte Heimat wiedergeben wollen. Abgesehen von den deutschen Templern, deren Zuzug zur Zeit aber ganz still steht und die sich nur aus den hier ansässigen Kolonisten rekrutieren, sind es gerade die Juden, die in Palästina die rationellste und vorgeschrittenste Landwirtschaft betreiben. Es gibt eine recht stattliche Anzahl über Palästina zerstreuter jüdischer Kolonien, dis wahre Musterstätten der modernen Landwirtschaft ergeben und in denen man ste$ die neuesten landwirtschaftlichen Maschinen in Titkrke!t finden kann. Wir nennen hier nur Sammarin, Rokoboth. Godcra. Ekron usw.. denen sxh noch ein Dutzend andere anschüessen wird. Zur Zeit werden im Ostjordanland noch mehrere bedeutende iüd'schc Kolonien gegründet und sie alle sind landwirtschaftüchrm Betriebe gewidmet. Da es sich hksr s*cts um philanthropische Gründungen handelt ist man auch mit dem allcrneuestcn Maschinenmaterial versehen bezw. suent man sich dasselbe kommen zu lassen. Neuerungen jeglicher Art und für jeden Zweig der Landwirtschaft passend, finden in Palästina Annahme, die Juden wirkten in dieser Beziehung bahnbrechend. Durch das Beispiel der Juden veranlasst, haben auch reiche Türken und andere hier Ansässige sehr vieles in Ackergeräten und Masclrnen angenonimen; es wird jedenfalls der Verbrauch in den vcrschsedentlicnsten landwirtschaftlichen Geräten ständig steigen. So ist durchaus nicht immer angebracht sxh in dieser Be- Ziehung lediglich an die deutschen Kommissionärs Palästinas zu halten, da diese durchaus nicht immer die tüchtigsten und für deu*sche Fabrikate nicht immer zu haben sind. Jedenfalls erwähnen wir als s״hr gut und sehr absatzfällig die jüdische Firma Wilhelm Gross in Jaffa und Jerumsalem und in Jerusalem die württembereisch-deutscbe Firma A. Eiländ er*). Da gerade jetzt noch mehrere neue landwirtschaftliche jüdische Kolonien in Palästina in der Gründung sind, ist es besonders wichtig', das Augenmerkt auf dieses Land zu richten.“ Der neue Chacham-Baschl Der ISRAELIT kämpft noch immer gegen dx Wahl des Cacham-Baschi, Rabbi Jakob Meir. Er schreibt: ״Die Jerusalemer Wirren. An anderer Stelle finden unsere Leser die Nachricht.• dass dx .Bestätigung des Rabbi J a k 0 b M e I r als Chacham-Bacchi von Seiten des Konstantinopeler Oberrabblnats bevor«tehe. Die Kurde kommt aus Jerusalem. und dass eine Bekräftigung aus Ko״sfantünooel selbst b'shcr fehlt lässt einigen Zweifel תה der Richtigkeit der M'tteilune offen. Trotz den beunruhigendrn Nebenumständen. die u״s gleichzeitig berichtet werden und die s'xh der öfrMlxhen Erörterung entziehen hoffen vir noch immer auf die Festigkeit und Unparteilichkeit des Kamaikam •־n KorH־tnnt:nop״l und möchten vor all»m — seihst wenn Pabbi י a k o h M e I r bestätigt werden sollte — die Notwendigkeit 4״er Abhendun0׳ des Anfdhi’schen Oemeindcvorstar.des bVonen. Was die Situation so verhängnisvoll macht, ist gerade die Konzentrierung aller Macht und allen Einflusses in den Händen «*,״.er Person, Anföbis. der vermöge seiner reJMÖ«0*! Ge- «?nrune nicht würdig ist. eine in ihrer Majorität echt jüdische O.rmein^e zu regieren. Die Alliance isradlite soll Rerichte eingefordert haben und mit deren Prüfung beschäftigt sein — was der neue Gewalthaber alles ins Werk setzen kann. b׳s d'ese offenbar sehr gründliche Prüfung beendet Ist das mag die Herren in Paris kalt lassen: In Jerusalem selbst ist die Erbitterung über d:e schmachvollen Vorgänge offenbar m bedrohüchem Wachsen. Jn einem Augenblicke aber, in'dem die AU5nr.ee israölite überall in Deutschland neue Freunde zu werben sucht, scheint uns der Wunsch nach ra s c h e r "Klar- Stellung d״r Dinge und nach einer gründlichen Korrektur des Antöbl ganz besonders berechtigt! Herr Antöbi wäre in Jerusalem eine Null, stände nicht die mächtige Alliance hinter *) E M ä n d e r ist vielmehr ein deutscher Katholik vom Rhein. (Red. d. J. R.)

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