Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1906)
- Date
- 1906-12-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 774 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 52 י | Jede Gemetndo. |cde Korporation, welch© es mit dem Judcntume ehrlich meint, wird sicherlich diesen Schritt freudlgst begrüssen und an diesem Werke gerne mitnrbcltcn. Zur Beratung und Beschlussfassung hierüber findet eine Versammlung am 6. Jänner I9Ü7. um 2 Uhr nachmittags, im Saale der Jüdischen Toynbeehalle (Jüdisches Vereinshelm, Prag. Elisabcthstr. 6) statt, zu welcher Sie Ihre Delegierten zu entsenden dringend eingeladen werden. Das Komitee zur Gründung eines Jüdischen Schulvereines für Böhmen“. Richard Brandeis. MUDr. Moritz Kohn. Adv. JUDr. Ousta v Ku b. Filipp Lebenhart. S. Li s sau. Moritz Löwy. Friedrich Mautner. J. M. Redisch. Friedrich Stein. Moritz Weitsch. Jacob Wert 11 ein!er. Josef Winteruitz. Prag im Dezember 1906. Anmeldungen, Telegramme. Zuschriften etc. sind zu richten an Herrn JUDr. Gustav Kuh. Advokat ln Prag'. Wenzelsplatz 50. düd sches Gymnasium In Budapest Die Repräsentanz der Israelitischen Gemeinde hielt vorigen Sonntag eine ausserordentliche Generalversammlung ab. auf deren Tagesordnung das zu errichtende indische Gymnasium und die Wahl eines Ausschussmitgliedes standen. Präsident Holrat Dr. Philipp Wein mann unterbreitete die Angelegenheit des zu errichtenden Gymnasiums. Für diese Anstalt stehen die Anton F reystädtl ersehe Stiitung im Betrage von 1323 000 Kronen, die Alexander Wahrmann sehe Stiitung. die samt Zinsen 824000 Kronen beträgt und die Salomon Taub sehe Stiftung im Betrage von 163 C00 Kronen, insgesamt daher 2310600 Kronen zur Verfügung. Das Oymnasium soll den Titel ״Anton v. F r e y s t ft d 11 e r - sches israelitisches O bergy mnasium“ führen find von einem Kuratorium geleitet werden, welches aus dem Freystädtier-Kuratorium und Vertretern der Pester israelitischen Repräsentanz bestehen soll. (Lebhafter Beifall.) Dr. Adolf Fenyvessy reicht ein Separatvotum ein. da er die Errichtung eines konfessionellen Qymnasiums perhorreszlere. Demgegenüber treten Dr. Wilhelm Grauer. Dr. Franz Szökely und Abgeordneter Dr. Adolf Leitner sehr warm für das zu errichtende Gymnasium ein. , Präsident Dr. Weinmann reassumiert den Verlauf der Debatte und erwähnt unter anderem, dass von den 165 Gymnasien Ungarns 63 römisch-katholisch. 44 staatlich. 28 reformlert 22 evangelisch A. K«. 2 griechisch-orientalisch. 2 unitarisch sind und 3 den Nationalitäten gehören, während es nur ein jüdisches Gymnasium gibt, das jedoch auch keine selbständige Anstalt ist. sondern nur ein Annex des Rabbinersemtnars bildet Er empfiehlt nochma’s die Errichtung des Gymnasiums. Die Repräsentanz fasste hierauf einhellig folgenden Be- Schluss: «Die Generalversammlung der Repräsentanz der Pester Israelitischen Kultusgemeinde acceptiert hinsichtlich der Modalität der Errichtung des Jüdischen Obe!- gymnasiums die vom Gemeindeausschuss unterbreitete Organisation und ermächtigt den Präsidenten der Gemeinde, namens derselben auf Grund dieser Organisation den endgiitigen Vertrag mit dem Freystädtier-Kuratorlum abzuschliessen und die Bestätigung desselben beim Kultus- und Unterrichts minister zu erbitten.“ Es geschehen eben auch in der Magyarei Zeichen und Wunder. Heiliger Stefan! Graf Pückler als — Reichsiagskandldat Damit bei dem ernsten Kampf der Parteien in der politisehen Arena auch der ,.Clown“ nicht fehle, erscheint jetzt auch der Herr von Klein-Tschirne auf dem Plan, um mit seinen Gctreuen aktiv In den Wahlkampf einzugreifen. In Massen wurde am Montag früh eine Art ״Wahlaufruf“ verbreitet, dessen konfuser Inhalt ergibt, dass die Pücklersche Schutzgarde ihren trüberen Namen ״Pückler-Vcrcinigung“ in ״AnUsemiteu-Liga” umgeändert hat und nun m ernster ״politischer Arbeit” unsere verrotteten Zustände reformieren will usw. Die offizielle Proklamierung des Dreschgrafen zum Reichskandidaten soll am Montag abend m einer Versammlung erfolgen. In der Vcrsammlungs-Etnladung heisst cs u. a.: ..Jüdinnen. Juden und Hunden ist der Eintritt verboten!“ Wie kommt da der Herr Graf herein? Er muss also mit den Juden draussen bleiben. Wir befinden uns lieber in sauber«־ Gesellschaft. Verband für Statistik der Juden Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde In Berlin hat dem Verband für Statistik der Juden für das Jahr 1906 eine Subvention von 1000 Mk. bewilligt, die Baronin Cohn-Opocnheimersebe Stiftung für das Jahr 1907 einen Beitrag von 200 Mk.. die Frankfurter jüdische Gemeinde für das Jahr 1906 eine Subventien von 200 M. Der Hilfsverein deutscher Juden, welcher den statistischen Verband ebenfalls subventioniert, hat beschlossen, in das Kuratorium des Verbandes einen Vertreter zu entsenden und als solchen sein Vorstandsmitglied Herrn Oscar Berlin designiert Donnerstag, den 17. Januar 1907 findet im Bcrliner Architektenliausc, Wilhelmstrasse, eine öffentliche, vom Vorstande des Verbandes veranstaltete Versammlung statt, in der Herr Dr. ßerhard Kahn. Sekretär des־Hilfs- Vereins deutscher Juden und Mitglied des Vorstandes des Vcibandes für Statistik der Juden, einen Vortrag halten wird. Nähere, die Versammlung betreffende Angaben werden demnächst veröffentlicht. Für das Bureau für Statistik werden qualifizierte Kräfte gesucht, die in der Lage wären, zunächst gewisse Arbeiten (gegen Honorar) zu übernehmen. Die Leitung des Bureaus erteilt Mitarbeitern mit genügender theoretischer Vorbildung alle nötigen Informationen hinsichtlich der Metliode und der Quellen, die bei der Bearbeitung der Statistik der Juden in Betracht kommen. Herren, die ihre akademischen Studien beenden, seien darauf aufmerksam gemacht, dass'sie. wie das in den letzten Jahren mehrfach bereits erfolgt ist. aie Themen ihrer Doktor-Dissertationen aus dem Bereiche der Su;- t stik der Juden wählen können. Kleinere Arbeite;! finden in der ZEITSCHRIFT i־'CR DEMOGR. UND STATISTIK DER JUDEX jederzeit gegen Honorar Aufnahme. Auch eröffnet sich jüdischen Statistikern, die mit der Beherrschung des Gegen- Standes Liebe für denselben verbinden, mit der Zeit Aussicht auf eine feste Stellung im Bureau für Statistik der Juden. Geeignete Kandidaten werden ersucht, sich beim Vorsitzenden des Verbandes für Statistik der Juden. Dr. Alfred Nossig. Berlin-Halensec. Ringbalmstr. 125. zunächst schriftlich zu melden. Vom Jüdischen Volksverein Wir entnehmen der BERLINER MORGHNPOST den folgenden Bericht: ״Die arme Russin und die reiche Cousine. Die Schicksale russischer Auswanderer gehören im allgemeinen nicht zu den beneidenswerten. So wurde auch eine arme Jüdin aus Russland, die zu ihren Kindern nach Amerika reisen wollte, aber von einem gewissenlosen Warschauer Auswanderungagent״n auf dem Bahnhof Alcxandcrpb.tz zurückgelassen worden war. dort von der B a h n h'o f s wa ch e des hiesigen Jüdischen Volks Vereins mittellos und ohne Fahrkarte aufgefunden und durch den Verein, der sich die Fürsorge für derartige Durchwanderer zur Aufgabe gemacht hat, vorläufig mit Nahrung und Obdach versehen. Die Frau erzählte auf dem Bureau des. Vereins, sic habe In Berlin eine Cousine, die verheiratet sei. wusste aber weder deren Wohnung noch deren Namen oder Stand des Mannes. Diesem Anhaltspunkt ging der Verein eifrig nach. Jedoch trotz Inanspruchnahme des Adressbuches, des Einwohnermeldeamtes und aller möglicher sonstiger Register und Behörden konnte die ebenfalls aus Russland stammende Cousine nicht ermittelt werden. Schliesslich wurde eine besonders tüchtige Kraft des Vereins direkt auf die Suche gesandt, und cs gelang diesem ״Sherlock Holmes" auch tatsächlich, unter den Hunderten der in Betracht kommenden Familien die richtige zu e r tn i t - teln. Die gesuchte Cousine war die Gattin eines Grosskaufmanncs. eines bekannten Berliner Millionärs, der in einer der elegantesten Strassen des Westens sein Helm hat. Mit lebhaften Zweifeln darüber, ob man dort wohl die arme Frau aufnehmen würde, wurde die Russin zu ihren Verwandten gesandt. Nach etwa acht Tagen erschien aber im Vereinsburcau eine vornehm gekleidete Dame, die vor Rührung zunächst kein Wort herausbringen konnte. Der Vcrcinsleiter erkannte seinen Schützling — denn cs war niemand anders als die vordem fast in Lumpen gekleidete Aus wandernde — kaum wieder, als die Russin erzählte, dass man sic im Hause der Verwandten mit aller Liebe aufgenommen und so reich ausgestattet habe, dass sie demnächst ohne materielle Sorgen die Reise zu ihren Kindern nach Amerika antreten könne.“ Aus Russland Petersburg. Die Auswanderungs-Sektion des hiesigen Zentralkomitccs der ..!ca" hielt am 11. d. M. eine Sitzung ab. Herr L. Eliasbere. der Vorsitzende des Auswanderungs-Komitees