Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1906)
- Date
- 1906-12-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 756 JODISCHE RUNDSCHAU inT־*"‘- **■^Tiiir- nW! — ,»fr Xl"., No. 51 . m.י ׳ * nlschcn Sittlichkeitsprinzips gelten. So wird er uns einfach gestohlen. 1‘ Chanakah ist da. das Makkabäerfest. Am Fcstleuchter Hammen die Lichter auf. sollen uns froh stimmen und an hingst verklungene Tage mahnen, da unser Volk In brausendem Trotz sich erhob und sein Land reinigte. Was seit Jenen Tagen über unser Volk gekommen ist, soll zurücktreten, und festliche Stirn* mung den blutigen Nebel scheuchen, der in erstickenden Schwaden vom Osten her wallt. Den Sturmen des Tages ׳־wehren, die lauter denn je hereindringen. Was ist doch aus dem Makkabäervolk geworden! Unstet und flüchtig.!rLdlos, ver* flucht! Und da ist Herr Dernburg. Der mahnt mich an so viele ändere, der kraftvolle Mann, der die Volksvertretung türmhoch überragt. Und er legt uns dann doch die Frage nahe, ob der Pessimismus, der unser Denken und Tun beherrscht und leitet, auch innere Berechtigung besitze. Pessimismus tritt ein, wenn man nichts mehr zu wünschen hat, wenn die Anregungen und Ziele fehlen, die leidenschaftlicHes Streben wert machen. Wir aber sind nicht müde, haben noch zu hoffen und zu streben, zu kämpfen und — zu siegen. Nur dtnken wir nicht immer daran. Der Feind steht draussen. Und wir suchen ihn daheim bei uns. Wir sind -isten und -caner, bekämpfen einander, stellen Prinzipien auf und verwerfen sh wieder. Und da kommt Herr Dernburg. ״Und ob unserer Sünden hast du uns vertrieben!“ Wir müssen das Oolus sühnen. Herr Dernburg ist eines von den Opfern, die da fallen. Es sind ihrer so viele in der Schar der Bizat und der Hertz und Riesser und Lombroso und Luzzattl and Simon und Milncr und Marx und Beaconsüeld und Reinach und Mahler, zu denen Lederer gehört, der Znairr.er Jude, der das Bismarck-Monument, die steinerne Troika in Hamburg ge• meisselt hat, und Max Klinger. Das ist die Schar der Jüdischen Männer mit dem brütenden Augen und den breiten Schultern, die ihr bestes Können, ihr reifstes Wissen und ihr ernstestes Streben im Frondienst des Exils unseren Hausherren weihen müssen, der indischen Männer, die voraussetzungslose Wissenschaff, Freiheit des Wortes, des Menschen, der Arbeit, der Kunst, in feste Formen geprägt haben, deren Leben der Kampf, deren Freude die ewige, heilige Arbeit ist. Die in denselben Händen, in denen sie die Feder führen, den Hammer schwingen könnten. ..... Oder auch die Keile und das Schwert, um das Haus zu bauen und cs zu schirmen, das Juda bewohnen soll. Die Mauern zu fügen für den Tempel, in dem das ewige Licht brennen soll. Aber sie sind auserwählt, ihr Herzblut 2u verspritzen dem Oötzen des Oolus, der christlichen Kultur. Am Chanukahleuchter aber flackern die Lichter auf und singen. Von einem, der nicht als Opfer auserwählt sein wollte für die anderen, und der als Opfer starb für uns. dessen helsses Herz der Rasen deckt. Singen .von Theodor Herzl, der ein anderer Simson, in das Oebälk griff und es trug mit Riesenkraft, bis er niederbrach. . . . Atho bechartonu. Prag. JallasLöwy. Soziale Hilfsarbeit einer modernen Jüdin Ein Vortrag von N o 6 m i B a n € t h. (Schluss.) Denn die Preise für alles und Jedes sind vom Verein mit dem Wirt im vornherein ausgemacht und aufs billigste berechnet worden. Die Emigranten können auch — um ganz sicher zu gehen — an den Verein zahlen, und dieser zahlt ihre Rechnung dann dem Wirt. Auch für billiges Essen für die Em.grantcn hat der Verein gesorgt: es gelang ihm, mlt’der Isr. Kochschule ein Uebcreinkommen zu treffen, nach welchem der Verein bei den ohnedies schon so sehr kfeir.cn Preisen der Kcchschule noch Ermässigung erhält. Denjenigen Emigranten, welche sich nur so lange in Berlin aufhalten wo!* len, bis sie genügende Mittel zur Weiterfahrt erhalten haben, weist der Verein Wohlfahrtseinrichtungcn nach, welche zu diesem Zwecke bestehen. Auch hier wird ein zweckloses längeres Hcrumstreifen in Berlin verhindert. Der Verein weist den Emigranten sofort an den Verein weiter, der ihm in seinem speziellen Falle nützen kann. ' Hat der Emigrant das erreicht, was er durch seinen Aufenthalt in Berlin erreichen wollte (Geld oder etwas anderes!, so dass seiner Weiterfahrt nun nichts mehr im Wege steht, so erhält er vom Bureau Auskunft über die Abfahrtszeit, die Reisekosten, die billigste Route und auch wieder über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der andern Länder. Der Vorsteher des Bureaus und die Mitarbeiter sind stets über die neuesten Acndcrungen der Fahrpläne und der Fahrpreise der Züge sow׳ohl als auch der Schinaiirtsgcsellschaften orientiert. Ferner erhalten die Weiterreisenden Adressen und Empfehlungen an auswärtige Komitees in Durchfahrts- und Ankunftsländcrn, mit denen der Verein in engster Verbindung steht. Diejenigen Emigranten, welche Leschlossen haben, in Berlin zu bleiben, erhalten durch das Bureau Arbeitsnachweis. Viele Fabriken und viele Arbeitgeber haben sich bereit erklärt, selbst ungelernte Arbeiter Jederzeit aufzunehmen, wenn sie der Verein empfiehlt. Die- Jenigcn Emigranten, welche einen besonderen Beruf oder ein besonderes Handwerk gelernt haben, erhalten nach Möglichkeit solche Arbeit nachgewiesen, wo sie ihren Beruf oder ihr Handwerk ausüben können. Durch die Güte einiger jüdischnational empfindender Aerzte un׳J Rechtsanwälte ist auch das Auskmibsburcau des Jßd. Volksvereins in der Lage, den armen Emigranten ä r z 11 i c 11 e Hilfe und> Juristischen Rat 1!nentgeltlich zu teil werden zu lassen. Dieses ist ein grosses Glück für die Emigranten, denn sie bringen eft Kranke mit sich und haben kein Geld, ihnen ärztliche fblfe angedeihen zu lassen, und die Juristische Abteilung des Bureaus wird gleichfalls sehr viel in Anspruch genommen. Es sind täglich eine grosse Anzahl von Bittgesuchen wegen Verlängerung oder Aufhebung eines Ausweises zu schreiben, cs sind Pässe zu übersetzen und vieles mehr. — Das ist ungefähr das. was bis Jetzt vom Auskunftsbureaii des Jüdischen Volksvereins geleistet worden ist. Der Verein hat aber beschlösse!’, seine Tätigkeit Jetzt noch zu erweitern, und zwar weil er hobt, dass er auf die Mithilfe der jüdischen Frau rechnen kann. Der Verein hat beschlossen, alle Arbeiten, welche bis jetzt von Damen für das Bureau geleistet worden sind, zu konzentrieren, und zwar durch Bildung eines besonderen Damenkomitees. Der Verein setzt grosse Hoffnungen auf dieses Dam.cnkoniitce; er wünscht dass die Mitglieder desselben z. B. Krankenbesuche machen. Denn so unglaublich es auch klingen mag. so ist es doch statistisch bewiesen: In den Berliner Krankenhäusern befinden sich durchschnittlich 80—90 arme Jüdische Emigranten, welche einsam und verlassen und krank darniederliegen, und was noch das Schlimmste ist. vollkommen abgeschnitten sind von ihren Angehörigen, von ihrer Familie. Die Familie war gezwungen, sie ihrer Krankheit wegen mitten auf der Reise nach einem entfernten Ort zurückzulasseu. und sie haben keinen, der Ihre Angehörigen von Zeit zu Zeit über Ihr Be- Finden unterrichtet Das sollen jetzt die Damen besorgen, welche sich zu den Krankenbesuchen gemeldet haben. Ferner soll die Tätigkeit des Bureaus auch noch dadurch erweitert werden, dass man Teehallen auf den Bahnhöfen errichtet um den Rückwanderern — diesen Acrmsten der Armen — eine kleine Erfrischung (Tee und Gebäck) zukommen zu lassen. Die Rückwanderer sind diejenigen Emigranten, welche aus irgend einem Grunde von dem Lande zurückgeschickt wurden, nach welchem sie voller Hofinung zogen — zurück nach Russland, zurück ins Elend. Auch darin hofft der Verein auf die Hilfe des sich in den nächsten Tagen bildenden Damen* komitees. Jüdische Frauen und Mädchen! Wir haben ein grosses Arbeitsfeld vor Euren Augen eröffnet! Wir haben Euch nicht nur gesagt, wem Ihr nur helfen sollt und wie Ihr nur helfen sollt. Wir haben Euch auch gezeigt, wie Ihr helfen könnt. Ihr könnt — um es einmal kurz zusammenzufassen — Euren armen Brüdern und Schwestern an den Berliner Bahnhöfen einen angenehmen und nützlichen Empfang bereiten, Ihr könnt sie expedieren, sie in die Logis führen, die Logis kontrollieren, die Bahnhofswache kontrollieren, im Bureau arbeiten, dort Auskunit geben, die unzähligen schriftlichen Arbeiten dort erledigen, in die Krankenhäuser gehen, den Teehallen vorstehen und Unzähliges mehr. Wenn Ihr nur einmal in der Woche und nur eine Stunde für eure Jüdischen Brüder und Schwestern