Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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I Seite 746 JÜDISCHE RUNDSCHAU__ _ _ No. 50 Her Bilden des Deltas kann jährlich eine Weizen- und zwei Maisernten, letztere von Jnnfnchcm Erträge, erzeugen, oder aber zwei Baumwollen- und eine Zitckererme. Ebenso eignet er sich zum Obstbau trn grössten A'assstabe. Die Arbeite! frage wäre wohl am besten zu lösen, wenn mau 1'. Halis ans Ägypten oder indische Kulis einführte. * Sprechsaal Ö Für die Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt d«e Redaktfon nur die prcssge^etzUch* Verantwortlichkeit. M e r a n (Tirol). 9. Dez. 1906. Sehr geehrter Herr Dr. Nachfolgenden Zeilen bitte ich Aufnahme im Spreclisaal der JUED1SCI1EN RUNDSCHAU gewähren zu wolle!!: Am 29. No.emher fand zu Berlin in Dräscls Eestsälen eine von der neubegründ;ten M i s r a c h i ־ Gruppe veranstaltete Versammlung statt, auf der Herr Dr. L. E ranck aus Altona ein formvollendetes Referat über das Thema: ״Gesetzestreues Judentum und Zionismus” hielt. Voran ging ein - wie ich als Vorsitzender und Einbcrnfer in meinen einleitenden Worten ausdrücklich betonte - - innif i z i e 11 e r Vortrag des Herrn Prof. Dr. Berliner Dieser Vortrag brachte zunächst eine scharfe — für alle Zionisten schmerzliehe — Kritik. Herzls und des sogenannten ״krassen, nationalen“ Zionismus, um im zweiten Teile alle gesetzestreuen Juden zum Anschluss an den M i s r a c h i und durch diesen an die zionistische B e \v e ־ g 11 n g aufzufordern! Im Verlaufe der sehr lebhaften Diskussion wurde mir mehrfach vorgewonen, dass ich eine solche Kritik Herzls auf einer zionistischen Versammlung überhatipt zugelassen hätte. Demgegenüber erkläre ich. dass ich die Bresche, die der gefeierte Gelehrte mit seinem hegeister* teil Aufrufe zum Anschluss au den Misrach: schlug, iiir weit wichtiger hielt, als die Kritik von Herzls religiösen Auschauungen. die jedenfalls von anderer Seite mit Leichtigkeit zurückzuweisen ist. Zu meiner Rechtfertigung gebe icb dem greisen Vorkämpfer der Berliner gesetzestreuen JuJenhcit, der iibrigens die volle Verantwortung für seinen Vortrag übernehmen zu wollen erklärte, selbst das Wort, indem ich einige Stellen aus der!1 Vortrage wörtlich anführe: ״Ja. die mit Timmen säen, werden mit Jubel ernten! Aber säen müssen wir, nicht die Hände in den Schoss legen! Das ü.bet bewirkt nur die Hälfte, sagen unsre Weisen, aber es kräftigt uns für die •Tat. die wir im Vertrauen auf Gott unternehmen wollen, nämlich für die zionistische Bewegung, in die so viele eingetreten sind, sie in die richtigen Wege zur Ent- Wickelung einer religiös-nationalen Bewegung zu leiten. Mögen wir in der gemeinsamen Liebe uns zusan!menfinden und uns nicht zurückschrecken lassen von der Wahrnehmung, wie vielen wir hierbei begegnen werden, die als Atheisten, als Leugner der Thora und ihrer Vorschriften unter dem dunklen Schatten ״nationaler Jude“ sich bergen. Sehen wiruns lieber die Junglinge an. besonders aus studentischen Kr eisen. die anfangs unter der nationalen Firma dem i ü d i s c 11 e n Bekenntnis sich wieder zugewendet haben, dann aber für das indische Leben und die religiöse Praxis gerettet wurden. Wir wisscn's selbst aus verschiedenen Vorkommnissen, haben es auch von anderen gehört, wie Eltern durch ihre zionistischen. Kinder zum jüdischen Leben zurückgcführt wurde n.“ , . . . ״Allerdings werden die Gesetzestreuen darüber wachen, dass alles nach dem obersten Grundsätze, der weiter unten näher auszuführen sein wird, ins Werk gesetzt werde; den Nationalen, so lange sie auf ihrem spezifischen Standpunkte verharren, werden sie hierin trotzdem vertrauen, da sie von ihnen folgendes erwarten dürfen: Kein Zionist wird, wie es so oft in andcren Kreisen verkommt, sein Kind nach der Geburt in die Kirche zpr Taufe schicken! Kein Zionist wird d a i ü r stimmen, dass in an den jüdischen Gottesdienst verchristliehe, durch die Einführung der Orgel oder durch deutsche Gebete! Kein Zionist wird dafür stimmen, dass die hebräische Sprache aus dem jüdischen Gotteshause verbannt werde! Kein Zionist wird dafür stimmen, dass der Sonntag als Ruhe- und Feiertag anstatt des Sabbath eingesetzt werde! Somit haben die gesetzestreuen Juden von den Zionisten schon als Gegner der Assimilation Mithilfe im Kampfe gegen die sogenannte Reform• zu erwarten!“ Ich betone, ״eine gemeinsame Tätigkeit*', denn die Misrachigruppc wird sieh der gesamten O r ־ Konisation a n g 1 j e d e r 11 und zwar aui Grund folgender Erwägung;n: ״Als obersten, leitenden Grundsatz hat der Kongress erklärt: Der Zionismus unternimmt nichts, was dem R eligio 11 sge setze des J 111! e 11111 m s widerspricht.“ (Siehe Schachtel: ״Beschlüsse....“ S. 13). Ferner: ״Fiir den Eintritt in die zionistische Organisation wird ein zweifaches gefordert, w e I c ii 0 s jeder ges t z e s t r e u e J 11 d e o 11 n <■ B e d e n kci! a 0 c e p ־ tieiei׳ kann. Zuerst die Zahlung eines Schekels au die gemeinsame Kasse.Die zweite BeJir.gimg ist. dass der in die Organisation des Zionismus Eir*rettnJe auf dem B< den des Baseler Programms stehe. A u c!1 h i cr7.11 k a n n sich der gesetzestreue Jude bereit erklären. Mit dem Streben für die Schäftung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina kollidieren durchaus nicht unsere täglichen Gebete, zu Gott dem Allmächtigen, dem Hüter Israels, der nicht schläft und nicht schlummert. Wird Gott seinen Beistand 1 ii r eine solche Heimstätte geliehen haben, dann brau c 11 e n wir nicht zu sorgen, welcher Art die Verfassung derselben zur Z c i t s c i n wird! Dann werden alle die weiteren Vcrheissungen sich erfüllen, i ii r die uns Gott s e 1 b s t Gewahr leistet, und ״Gott ist kein Mensch, dass er lüge, kein Erdensohn, dass es ihn gereuc,‘־ ruft schon der heidnische Lehrer aus.“ ״Aber inzwischen gilt es zu arbeiten, teüzunehmen an dem grossen, grossen Arbeitsgebiete, dessen Umrisse zu zeiclu neu vorzüglich die jetzige Aufgabe der Misrachisten s.in wird, für die sie aber alle gesetzestreuen Elcmente auf- und waclmifen m ü s s c n. Nur d u r c!1 den Al assen ein tritt aller gesetzes treuen Jehudim kann einerseits der Gefahr der Religionslosigkeit, wie sie ursprünglich geplant war. gesteuert werden, andererseits die religiös-nationale Richtung im Zionismus immer mehr zur Geltung gelangen. Der Aufruf ergehe von Land zu Land, von Ort z u O r t. von Haus zu Haus, dass sich alle Gcsstzcstreucn konzentric• ren. organisieren, ordnen, um dem Zionismus die religiös-nationale Richtung autzuprägeu, die allein ihm gebührt und von ihm erwartet werden muss aui Grund unserer Thora und unserer Geschichte durch die Jahrtausende!“ Wenn ich selbst auch nicht mit alhm. was in obigen Worten gesagt ist. übereinstimme, so glaube ich doch durch diese von flammender Begeisterung fürs Judentum zeugenden Sätze dafür gerechtfertigt zu sein, dass ich diesen Vortrag auf einer Versammlung, die die gesetzestreuen Juden dem Zionis- 11111s naher bringen sollte, durchaus am Platze fand! Meines Erachtens haben wir allen Grund, uns zu treuen, dass schon so viele Missverständnisse beseitigt sind und. dürfen freudig in die uns dargebotene Hand einschlagen. Mit besten» Zionsgruss Ihr sehr ergebener Hermann Struck. Zum ״Jerusalemer Schuldirektor“ In der JÜDISCHEN PRESSE und im GENERALANZEIGER FÜR DIE GESAMTINTERESSEN DES JUDENTUMS schreibt Herr Seminarlehrer Josef Ca rlebach in Jerusalem auf einen von zwei uns wohlbekannten.Seite» an ihn gerichteten dringenden Wunsch ein Eingesandt gegen die JÜDISCHE RUNDSCHAU und den in ihr veröffentlichten Sprechsaalartikel. Herr Seminarlehrer Josef Carlebach hat im Eiter, die ihm' gewordenen Weisungen auszuführen. übersehen, dass die Artikel erstlich Im Sprechsaal erschienen unter der ansdrückliehen Bemerkung der Redaktion, dass sie für den Inhalt nur die prcssgesetzlichc Verantwortung übernehmen könnte. Sodann hat er die Nachbemerkung der Redaktion ebenfalls mit der gleichen Absicht übersehen. Wir sehen uns daher veranlasst, dem Herrn Josef Carlebach gegenüber ausdrücklich noch einmal festzustellen, dass wir die Form der Kieferndonsehen Mitteilungen durchaus zurückwiesen, müssen aber nunmehr nach unserer eigenen Kenntnis und nach uns zugegangenen zuverlässigen Mitteilungen feststellen, dass tatsächlich das Seminar sehr schwer darunter leidet, dass der Lehrkörper nicht imstande ist in wissenschaftlichen Leistungen den An-