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Jüdische Rundschau · 1906-12-14 · Heft 50 (14.12.1906) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 50 (14.12.1906)
Date
1906-12-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 744 JÜDISCHE RUNDSCHAU Verband der Pogrommacher einen neuen Sieg über die Regierungsbeschlüsse zu verzeichnen: wir lesen nämlich in den Zeitungen folgende vielsagende Mitteilung: ״Das Ministerium für Volksauiklärung hat für nötig gefundon. itn künftigen Semester nicht in einem einzigen Falle zu gestatten, dass Juden in die mittleren und Hochschulen über die festgestzte Norm (von 3 bis 10 *£) aufgenommen werden.“ Erst in diesem Herbst haben sämtliche Hochschulen, so wie auch die mittleren Schulen beschlossen, die Beschränkungen zu beseitigen; das Ministerium seinerseits stimmte diesen Be- Schlüssen zu. Als aber ckr ״Verband der russischen Leute” zu einer über alle!! Ministerien stehende Regierungsinstanz wurde, durften natürlich diese Bestimmungen nicht weiter gelten. Auswanderung von Juden aus Bulgarien Das statistische Amt des Fürstentums Bulgarien veröffentlicht eine Uebcrsicht über die Auswanderung aus Bulgarien während der Jahre 1S93 bis 1902. (Statistique 4C 1 ,Emigration de la principautE dans les pays Etrangcrs de 1S9‘3 ä 1902. Sofia 1905). Danach sind aus Bulgarien ausgewandert: Personen überhaupt 1 1 männliche darunter j JZ £ u i * a h r 0 c £ .c S o 5 e־ גג c «**! E e £ ■ g 1 1 * i 1893 5081 5758 | 11019 1 1 - 1891 8952 ־ 4445 4487 13 1 17 1895 2586 2G5S : 5244 9 1 15 189G 344־2 1025 1019 15 1 18 1897 1438 1470 290S 4 | 4 1'98 3790; 3505 6955 30 * 20 1899 403 1 3641 7072 70 41 1900 3936 3354 7790 25 18 1901 4055; 4S40 9495 7 11 1902 4SI 7 : 5048 9805 11 10 Vpn den Juden hatten als Ziel 0 % *5 e «e e ר ״ t> E © ft. fahr >3 X> *x3 H fe E ft. © «ft-׳ m © *T3 o 1893 ״ 1 1894 22 I - 8 — 1895 18 5 1 — 1890 27 2 . 4 1897 3 . - 5 —- 189S 43 3 1 3 1899 84 3 9 19:30 31 4 3 5 1901 4 3 11 1902 12 4 3 C o E E m wi פ N 1 30 24 33 S סר; m 43 1s 27 fc. V •a c ud »J <9 ft. © בי c m 1.» 8 Z. F. D. u. St. d. J. Die abessynischen Juden _ Unsere Nachrichten über die abcssynisclien Juden waren sehr dürftiger Natur. Zwar suchten schon längst die eure• päisohen Juden mit ihren abessynischen Glaubensgenossen in Verbindung zu treten, dieses Unternehmen gelang aber erst Jaques Fattlovitsch. welcher beinahe zwei Jahre. 1901 uitJ 1905, unter den Falaschas zugebracht und seine Erfahrungen in einem vorläufigen Reisebericht (Notes d'un voyage chez les Falaschas. 27 S. Paris. Erncst Leroux. 1905) an E. v. Roth* schild. welcher die Reisekosten trug, erstattet, veröffentlicht hat. Ihr Name Falascha bedeutet ״Verbannte. Fa.-müe“, sie werden aber auch Kailäs genannt, was ״nicht überschreiten• bedeuten soll, wohl mit Beziehung aui das Verbot einen Fiuss am Sabbat zu überschreiten. Man begegnet den Falaschas überall in Abessynieu. Am zahlreichsten wohnen sie im Amjiara. weniger zahlreich sind sie in Tigrc und Schoa. aber auch in den GallaUindcm sind einige anzutreffen. Während der letzten Jahre ging ihre Zahl hauptsächlich infolge der zwangsweisen Bekehrung 2um Christentum bedeutend herunter. Fattlovitsch konnte fcststellen, dass viele von dics.-n Convertitcn gerne zum Judentum zu* rfickkehren würden, wenn die Verfolgungen der habsüchtigen Befehlshaber, welche dazu von einem fanatischen Clerus an* No. 50 * ■ ... - gestachelt werden, sie davon nicht abschrccktcn. Die bekehrten Falaschas der Provinz Dembea bilden eine Vereinigung für sich, sie verkehren weder mit den Abcssynicrn noch mit den Juden, welche sic aus religiösen Rücksichten verstossen haben. Ein altes, leider zu gut bekanntes Bild! Die Falaschas rühmen sich jüdischer Abstammung zu sein, wogegen aber ihre schwarze Haut etwas spricht. Von den Feiertagen kennen sie Chanukka und Purim nicht. Die Feier* tage setzen aber gewöhnlich bei ihnen um etwa zwei Tage früher ein, da bei ihnen die Monatg mit dem wirklichen Neu* mondc amangen und nicht etwa zwei oder drei Tage später, wie cs bei uns nicht selten der Fall ist. Die biblischen Rcinhcits- und Nidda-Gesetze werden streng befolgt. Beschneiduttg wird an beiden G:schicchtern geübt. Poligamic ist verpönt, die Frau führt ein freies und würdiges Leben. Die Falaschas sind die einzigen Handwerker im Lande und deshalb geachtet, aber auch zu verschiedenen Frondiensten gezwungen. Mau könnte ihre Lage im allgemeinen gut neuneu. wenn nur die einheimischen Missionäre, von ihren europöischcn Meistern geleitet, sie in Ruhe lassen wollten. Z. F. D. u. St. d. J. Die Juden und die Wahlen Aus Smolensk depeschiert man. 300 Juden, die ihre Eintragung in die Wahllisten verlangten, bekamen von der lokalen Behörde den Bescheid, dass sie. falls sie auf die Teilnahme an den Wahlen nicht verzichten, aus der Stadt ausgewiesen wer* den würden, ln den Wahllisten tu ach! die Behörde bei den. Namen der jüdischen Wähler folgende Anmerkungen: ״NerVcn* krank". ״Geisteskrank'*. ״Verrückt“ «sw. Die Zeitungen bringen die Nachricht, dass der Rittmeister Pjetuch, der einen für die Regierungskreise unbequemen Bericht über den Sicdieecr Pogrom erstattete, der jetzt im Auslände veröffentlicht worden ist. seines Amtes enthoben und nach einer anderen Stadt versetzt wurde. Ein Mordprozess Rzeszow. Nach fünftägiger Dauer wurde nunmehr unter dem Vorsitze des Landesgerichtsrates Dr. Werner die neuerliehe Verhandlung gegen den 85jährigen Schankwirt Jakob Stern wegen Mordes zu Ende geführt. Stern war beschuldigt, am 30. April d. J. den Bauer Valentin Grigar ermordet zu haben. Zwischen Stern und Grigar bestand eine erbitterte Feindschaft, und am Abend, bevor Grigar ermordet auf gefunden.wurde, hatte ein Streit zwischen beiden stattgefunden. Stern bestritt die Tat. Als Hauptbelastungszeuge trat gegen ihn ein gewisser ßalwandel auf. der behauptete, in der finsteren Nacht auf 100 Schritte Entfernung ganz genau den Angeklagten an der Stelle gesehen zu haben, w/> am nächsten Tage der Leichnam gefunden wurde. Drei Alibizeugen des Stern wurdw wegen falscher Zeugenaussage angeklagt, jedoch von den Gcschworencn freigesprochen. Stern wurde mit acht gegen vier Stimmen des Mordes schuldig gesprochen und zum Tode durch den Strang verurteilt. Der Kassationshof. vor welchem Pro• fcssor Roscnblatt die Nichtigkeitsbeschwerde vertrat, hob das Urteil im Wege der ausserordentlichen Revision wegen gewichtiger Bedenken in der Tattrage auf. Bei der neuerlich durehgeführten Verhandljüjg verneinten die Geschworenen (Ohmarm Notar Machowski) einstimmig die Hauptfrage aui Meuchelmord und mit acht gegen vier Stimmen die Eventual* frage auf Totschlag, so dass Jakob Stern freigesprochen wurde. Der Staatsanwalt meldete die Nichtigkeitsbeschwerde an. Das Hypothekenwesen in der Türkei Nach der Gründung der Deutschen Orientbank, die, wie erinnerlich, die Errichtung von Filialen seitens einiger anderer Banken zur Folge hatte, tauchte auch der Plan auf, in Konstantinopel eine Hypothekenbank nach europäischem Muster zu gründen, wie eben auch erst in Sofia ein solches Unternehmen ins Leben gerufen worden war. Da jetzt wieder davon die Rede ist. sei nachdrücklich darauf hingewiesen, dass die Gründung einer Hvpothckenbank in Konstantinopel sehr schwer, wenn nicht unmöglich sein dürfte, da das türkische Boden* recht von dem europäischen wesentlich abweicht. Wer sich mit diesem Projekt trägt, der hole zunächst, bevor er einen Pfennig nusgibt, ein fachmännisches Gutachten ein, was durch die deutsche Botschaft, die unter ihren höheren Beamten einen genauen Kenner der türkischen Bodeiigesctzgcbung hat, leicht geschehen kann. Die Hypothek im europäischen Sinne ist dem älteren türkischen Recht ganz unbekannt. Nach Artikel 116 des Gesetzes vom Jahre 1S58 kann Grundbesitz nicht verpfändet oder mit einer Hypothek belastet, wohl aber unter der Bedingung verkauft werden, dass er dem Schuldner nach

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