Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 743 No. 50 JÜDISCHE RUNDSCHAU •weisen. Die Ursachen hierfür dürften darin zu suchen sein, dass die Juden Ranz besonders in solchen Berufen (z. B. freie Berufe. Handel und Industrie) vertreten sind, deren Angehörige duch wirtschaftliches Missgeschick »)der seelische Erregungen am meisten dem Selbstmorde zuncig: n. Hierzu kommt, dass die ’ Juden vorwiegend Stadtbewohner sind und der Selbstmord in der Stadt eine weit häufigere Erscheinung ist wie auf dem Lande. Auf die einzelnen Provinzen entfielen von den jüdischen Selbstmördern: * mann!. weih!. zusammen Ostpreussiu. 2 2 Westpreussen .... 2 •- 2 Landpolizeibezirk Berlin 16 9 25 ־ Brandenburg . . . . 8 2 10 Pommern. 2 — - 2 Posen . 5 2 7 Schlesien. 10 2 12 Sachsen . 10 — 10 Schleswig-Holstein . . . 3 -— 3 Hannover . 2 <׳ 4 Westfalen . 2 1 3 Hessen-Nassau . . . . 16 7 23 Rheinland ...... 9 3 12 Hohen/.ollcrn . . . . -- —. — zusammen 87 28 115 Z. f. D. u. St. d. J. Gustav G. Cohen Einen grossen Verlust hat die Zionistische Partei und insbesondere die Zionistische Vereinigung iiir Deutschland er* litten. Unser alter wackerer Mitkämpfer Gustav G. Co h* ״ in Hamburg ist am Sonntag aus dein Leben geschieden. Gustav G. Cohen hat allezeit zu den bewährten Mitkämpfern Hcrzls gehört und hat von Anfang an bis zum Tode unseres grossen Führers ihm mit rühriger Arbeit zur Seite gestanden. Er hat weit über die Ortsgruppe hinaus seine Wirksamkeit erstreckt, deren Originalität am besten aus der Broschüre hervorgeht. die er der Judenfrage widmete und in der er bereits im Jahre IS9I Ziele und Oedanken entwickelte, wie sie damals in der Juöenheit wenigstens Deutschlands und Westeuropas noch unerhört waren. Mit seinen Angehörigen *•rauem die deutschen Zionisten uni den Verlust des Mannes, der einen schweren und unersetzlichen Verlust in unsern Reihen bedetet. Bund Jüdischer Korporationen (B. J. C.) Berlin. Von Mitgliedern des ״Vereins Jüdischer Studenten*‘ fim B. S. C.) zu Berlin ist an der hiesigen Universität eine neue jüdische Korporation gegründet worden. Die Korporation führt den Namen ״Verein Jüdischer Studenten Maccabäa*־. Das Programm des Vereins ist das Kartcilprogramm des Bundes Jüdischer Korporationen; die Farben sind blau-weiss auf gelbem Grunde. Der Verein, der am 6. ds. Mts. von Rektor und Senat genehmigt worden ist. wird im Januar mit einer Antrittskneipe an die Oeffentlichkeit treten. Chargierte sind: jur. Felix Rosenbitith jur. Julius Rosenicld XXt F\ M.. n: .u Leo Landau v X X, j. \v. Die Kneipe befindet sich bis auf weiteres im Lokal des V. J. St.. Girsstr. 12 a. Zuschriften sind zu richten an die Kneipe oder an: Felix Rosenhliith. August- Strasse 83. Königsberg ». Pr. Am 24 November feierte der ״V e r c i n Jüdischer Studenten־* zugleich mit seiner Semesterantrittskneipe die Einweihung seines neuen Hauses. Der über Erwarf tn glänzende Verlauf dieser Feier legte beredtes Zeugnis davon ab, dass es dem V. .1. St. in der kurzen Zeit seines Bestehens in zielbewusster Tätigkeit gelungen ist. sich zum Mittelpunkt der bewusst jüdischen Kreise Königsbergs zu machen. Die jüdischen Vereine, die zionistische Ortsgruppe, der Verein für jüdische Geschichte und Literatur, deren Vorträge und Versammlungen in Zukunft im Vereinskasino stattfinden sollen, waren durch ihre Vorstände vertreten. Die Zionistisehc Vereinigung pflanzte den! V. .1. St. zehn Oelbäume. Als Vertreter der Repräsentanz sprach Herr Stadtverordneter Max Arendt. Für den V.J.St. gewann der Einweihungskommers seine besondere Bedeutung dadurch, dass zum J. Male die Vcrtreter der Bundesvereine in unserer Mitte weilten und Zeugnis ablcgteh von dem festen Zusammenhalten im B. J. C. Im Namen des Bundes sprach A. H. Assessor Dr. Dobrzynski. den Stammverein Berlin v»?rtrat A. H. Pr. Salingcr. den iieugcgrüiu deten V. J. St. Makkabäa Bbr. Rosenhliith. In der Tendenzrede entwaif A. H. h. c. Rabbiner Dr. Pcrlcs in begeisternden Worten ein Bild von den Leistungen und Aufgaben des Vereins jüdischer Studenten. Chargierte sind in diesen! Semester: cand. jur. Alfred Klewanskv Gtk! X.x X, stud. mcd. Jvar Weissbretn Gtk! xxx. ca..d. jur. Kurt Blumenfeld Gtk! F. M. Durch die tatkräftige Unterstützung der massgebenden jüdisehen Kreise ist es uns gelungen, das jüdische Haus zu scharfen. in dem'das geistige Leben Königs!).rgs sich konzentrieren wird. Mit jüdischem Gruss Alfred Klcwansk ל• Gtk! X Altstadtische Bergstrasse II. Französische Gemeinden Paris. Das französische Judentum hat die ihm durch das Trennungsgesetz vo:1 Staat und Kirche auferlegte Aufgabe glänzend gelöst. In allen jüdischen Gemeinden FTankrcichs haben sich Rcligionsvcreine gebildet, welche alle bis dahin voji den vom Staate subventionierten und mit öfientlicn-recliilichcr Autorität versehenen Gemeinden ausgeiibten Funktionen freiwillig wciterfiihrta werden. Um aber dem Ganzen mehr Einheit und grössere Kraft zu verleihen, sollten alle Vereine zu einem Zentral verband zusammentreten. dessen Aufgabe es sein soll, innerhalb der Religionsvcrcinc ausbrechendc Strcitigkeiten zu schlichten und kleinere Gemeinden, die aus eigenen Mitteln ihre religiösen. Bedürfnisse nicht zu befriedigen vcrmögen, aus gemeinsamen Fonds zu unterstützen. Am II. v. M. fand nun auf Einladung des Zentralkonsistoriums unter dem Vorsitze des Baron Eduard Rothschild zu Paris eine General- Versammlung der neiibegründeten ReligionsgeseHschaften statt, welche von zahlreichen Delegierten aus allen Gemeinden F'tankreichs besucht wurde. Nach kurzer Debatte wurde der einstimmige Beschluss gefasst, eine Zentral-Union der Juden Frankreichs zu bilden, der zweifellos bald sämtliche Religionsvereine beitreten werden. Dieselbe wird aus Delegierten bestehen und ist jede Vereinigung berechtigt, iiir je 200 Mitglieder in die Zentral-Union einen Delegierten zu entsenden Die Wahl derselben wird erst erfolgen, sobald die einzelnen Vereine sich Konsolidiert und einige Monate lang funktioniert haben werden. Ais äussersten Termin iiir den Zusammentritt der Delegierten Versammlung wurde der 12. Dezember 1907. der Tag. an detn das Trennungsgesetz, endgiitig in Kraft zu treten hat. bestimmt. Bis dahin wird noch das alte Consistoire Central in Funktion bleiben. Leider ist bei der Krönung des grossen Werkes ein Fehler gemacht worden, der in der Folge sich noch bitter rächen dürfte. Es wurde nämlich in die Statuten der Zentral-Union eine Bestimmung aufgenommen, wonach Delegierte der Union nur Franzosen sein dürfen. Eine Erklärung Man schreibt aus Petersburg: Um die öffentliche Meinung irre zu führen, wird die völlig grundlose Nachricht verbreitet, dass die Juden, die wahrlich am allerwenigsten Grund haben sich zu beruhigen, die linken Parteien verlassen hätten und sich an die ״Rechte" anschlössen. Demgegenüber veröffenllicht das Zentralkomitee des Verbandes für Erreichung der Gleichberechtigung der russischen Juden folgendes au die Filialen versandtes Teleganmi: ...... ״Die Zeitungen teilten mit. dass die russischen Juden für die bevorstehende',׳ Dmnawahlen massenhaft der ״Partei der friedlichen Erneuerung*•* beiträten. Das Zentralkomitee des ״Verbandes fiii Erreichung der Gleichberechtigung der russischen Juden." Jas die Beteiligung der russischen Juden an der Wahlkampagne am besten überblicken kann, erachtet es für notwendig zu erklären, dass dies? Nachricht völlig uitbegründet ist. Ein Anschluss der Juden au die ״Partei der friedliehen.Erneuerung" hätte, wie den formellen Beschlüssen der Verbandskongresse. so auch den richtig verstandenen Interessen des Judentums widersprochen. Die Schwankungen in bezug auf die Art mul Weise der Verwirklichung der jüdischen Gleichberechtigung, die sich seihst hei den Führern der Partei der friedlichen Erneuerung offenharten, entsprechen weder der Prinzipiellen Wichtigkeit der Frage, noch dem Standpunkte der russischen Juden, di׳' schon längst von dem unersclifitterliehen Bewusstsein durchdrungen sind, dass die wirkliche Gleichberechtigung nicht teilweise auf dem Wege der Kompromisse erreichbar ist. sondern, dass zum Kampf um die Gleichberechtigung eine kraftvolle Opposition gegen alle Regicrungsmassnnliineii, die den Grundsätzen der bürgerlichen Gleichheit und politischen Freiheit widersprechen, erforderlich ist." — Um die Stimmung der russischen Juden regicrungsfrcundlieber zu gestalten, wurden ilmeii bekanntlich grosse Reformen in Aussicht gestellt. Es folgte aber das wuchtige ״Veto" der schwarzen Hunderte, ur.d mit Verbeugungen und Entschuld;- Rungen zog sich das Ministerium eiligst zurück. Nun hat der