Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Aleppo 1× ep/1047811
- Baku 1× ep/1000527
- Kars 1× ep/2506332
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Seite 739 No. _&> __ JÜDISCHE RUN D S C H A U besetzte — meist vergebliche Ringen — um die Erhaltung der Unabhängigkeit darstiftt. Allerdings trat bei den Armenrern der definitive Verlust der Unabhängigkeit erst ein Jahrtausend später als bei den Juden ein, und dieser Umstand im Verein damit, dass die Armenier nicht wie die Juden nach Verlust der Selbständigkeit gewaltsam in andere Länder ent* fuhrt wurden, sondern in ihrem ursprünglichen Gebiete ver* blieben, wenn sie auch dieses Gebiet mit den Eroberern zu teilen hatten, erklärt zur Genüge, dass sieb das NationalgeKM bei den Armeniern bis zum heutig׳•» Tage in weit höherem Masse als bei den Juden erhalten hat. Die Hoffnungen auf Wiederherstellung eines selbständigen Armenien sind bei den Armeniern auch durchaus noch lebendig; gelegentlich des Berliner Kongresses von 1878 hatte ihr armenische• Patriarch — allerdings vergeblich — bei den Grossmächten dafür zr wirken gesucht. Heute ist das ehemalige Armenien politisch also teils zu Russland, teils zur Türkei, teils zu Persien gehörig. Genaue Angaben über die Zahl der Armenier auf dem Gebiete des ehemaligen Armenien sind nur für das russische Armenien vor- ׳׳ banden, in welchem bei der russischen Volkszählung von IS97 1 173 000 Armenier (d. h. Armenisch als Muttersprache sprechende Personen) gezählt wurden. Am dichtesten wohnen sie in den -I Gouvernements Elisabethpol, Tiflis, Eriwan und Kars und zwar machten sie in Elisabeth;**!! 292 ISS —33,3 £ d. Gcs.-Bcv. v. 878-115 Seelen. Tiflis 196 1S9 IS,7 051032 1 ״ ״ Eriwan •Hl 000 53,1 829556 ״ ״ Kars 73 •100 25,2 290700 ״ ״ aus. Ausser diesen Gouvernements sind sie noch zahlreich im Gouvernement Baku, wo sie ca. 50 000 Seelen zählen, während die übrigen ca. 125 000 Armenier zerstreut im russiseken Reiche leben und überall nur kleine Minderheiten bilde::. Das türkische Armenien ist in 9 Vilayets (Erzeruin, Van, Bitlis, Kharput, Diarbekr, Sivas, Aleppo, Adana und Trebi* zondl geteilt, in denen sich nach einer Schätzung, die Generalleutrant Selency für die Geographische Gesellschaft des Kau- Zeichnens, unterweist das sogenannte Präparandutn, das j gegenwärtig acht begabte Schüler aus Jerusalem zählt, j Sie sind die künftigen Meister in! Kunsthandwerk; durch j sie und jene Fachlehrer wird in eher absehbaren Reihe von Jahren in Stadt und Land von Palästina und darüber hinaus die Bevölkerung zum Handwerk erzogen und kunstgewerblich geschult sein. Dann wird das demuugende Almosen mit seinen entsittlichenden Folgeerscheinungen mehr und mehr schwinden, und die Leute werden lernen, auf eigenen Füssen zu stellen. In dieser Beziehung verfolgt also die Kunstgewcrbeschufe eine ähnliche kulturfördernde Mission für den Orient wie das Ostern 1904 in Jerusalem gegründete deutsch-jüdische Lehrerseminar. Die Abendschule bringt eine mehr spezlalistische Anleitung für die bereits werktätige Bevölkerung, ohne dass in der Zeitdauer oder in der Wahl der Unterrichtsgegenstände irgend cf! Zwang ausgeübt würde. Zurzeit werden hier 25 einheimische Handwerker im kunstgewerblichen Zeichnen angeleitet. Spezialateliers sind geplant zur Bearbeitung von Marmor, Ton, Metall, Perlmutter, für Holzarbcitcn wie Muschrabijc und Intarsia — lauter Gegenstände, die heute meist aus Damaskus eingeführt werden, wo der' Syrer Nassan mit geschäftskluger Liebenswürdigkeit seine ״Fahrique orientale“ in der Rue Bab Charky zeigt. Für den Anfang ist der Betrieb, aus Mangel an Raum Kasus machte’), unter einer Gesamtbevölkerung von 6000 000 etwa 914 000 15,1 Prozent befinden neben 4 453000 Mohammednnern und 633 000 Andersgläubigen. Am dichtesten wohnen die Armenier in den erstgenannten 5 Vilayets, wo sie mit 633150 Seelen 24 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen; die Mehrheit bilden sic in 7 von den 159 Subdistrikten, in welche jene 9 Vilayets zerfallen; in diesen 7 Subdistrikten wohnen 185 000 Armenier unter cin:r Gesamtbevölkerung vo׳i 282 000 Seelen. ״ Im persischen Armenien beträgt die Zahl der Armenier nach der Encyclopedia Britannica 133 00!י. Ausserdem dürften ausserhalb des eigentlichen Armenien in der Türkei und Persic 11 noch 600 000 und in anderen Ländern 250 000 Armenier leben, so dass sich also die Gesamtzahl aller Armenier stellt auf ’ 1 173000 in Russland 914 000 in Türkisch-Armenien 130 000 in Pcrsisch-Amicnien 600000 in der übrigen Türkei 250 OCX) in sonstigen Ländern 3 067 000 Die Zahlen zeigen verschiedenes: einmal, dass die Arnienier an Zahl nur etwa V» so stark sind als die Juden; sodann, dass sie mit Ausnahme eines ganz kleinen Gebietes überall als Minderheit unter fremden Völker» leben, selbst auf dem Gebiete, auf dem sie früher politisch selbständig waren. Sie gleichen den Juden in Osteuropa sowohl hierin, als auch ganz besonders darin, dass die umwohnenden Völker t nicht nur durch Sprache und Rasse, sondern auch durch die Religion von ihnen verschieden sind. Im Zusammenhänge damit steht c׳ feindselige Verhalten der umwohnenden Völker zu ihnen. In frischer Erinnerung sind noch die furchtbaren Metzeleien, die vor einigen Jahren unter den Armeniern seitens der Mohaniedaner angerichtet wurden, die In den Pogromen gegen die Juden in Russland ihr Gegenstück haben. Das Christentum haben die Armenier bereits im 3. und *) Abgedruckt in deutscher Uebersetzung in Petermann’s Mitteilungen, Bd. 42, S. I. Gotha 1896. | und Mitteln, auf die Gipsgieserei uvid die Teppichweberei | beschränkt. i Die Gipsgiesserei erlernen sechs Schüler als ihr Handwerk, aber auch die übrigen müssen hier ihre in der Bildhauer-Abteilung a.ngefertigten Modelle selbst in Gips umgiessen, und einer der Schüler hat bereits in Jerusalem eine selbständige Giesserei eröffnet, in der er nach den Modellen der Bezalel-Schüler Reliefbilder von Ansichten und Typen des heiligen Landes zum Verkauf anfertigt. Am meisten ausgebildet ist die Mitte Mai cröffnctc Teppichklnipierei. Sie dient ausschliesslich den Frauen und Mädchen zum Erwerb. Wie gross auch in deren Kreisen die Arbcitswilligkeit ist, erhellt daraus, dass sich in den beiden ersten Wochen ohne eine Reklame oder Veröffentlichung seitens der Anstalt rund 400 Personen, Frauen, Witwen, Verlassene, Waisen und andere arme Kinder anmeldetcn. Aber cs hicss hier wie in der englisch-jüdischen Rothschild-Mädchenschule; ״Es ist kein Raum da!" Nur 45 konnten zur Arbeit angenommen werden, und auch die nur unter Hinzunahmc von Baikons und ungedeckten Räumen, die in der kommenden Regenzeit den Aufenthalt verbieten. In dieser Abteilung werden di'e von den Musterzeichnern gemachten Entwürfe palästinischen Charakters kopiert und verwertet, und demnächst werden die ersten jiidisch-palästinischcn Teppiche mit dem Bezalelstempcl in die Welt