Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 73$ ) Ü D IS C HE die Geschichte fortgesetzt wurde* h demselben Geiste, den sie von den Vettern und dem Gesetzgeber emnfangen hatten. Sie wandelten das Volk aus ci.ier willenlosen und dem Vorteil nachjagendet! Masse in ein selbstbc* wnsstes nationales Kernvolk, das durch seine Heldentaten die Kämpfer aller Völker und aller Zeiten in den Schotten stellt. \\\v,n wir der Makkabäer gedenken, wissen wir, dass das Volk noeh lebendig ist und dass cs diesem V; Ike beschiede'1 sein wird, v.i.d.r aus seiner Mitte H.lu; 1 zu zeugen und Kä:;’r:vr zu gebären, die dem Vcl!״c von neuen: die W'‘ege weisen werden v.tt der Verbannung zur naticnalcn Hei nat. . G.dt. Juden und Armenier Von Dr. Arthur Rti p p i n, Berlin. Das grösste Hindernis für das Verständnis der Geschicke des jüdischen Volkes seit seiner Zerstreuung und insbesonderc auch in der Gegenwart bildet die Neigung, diese Oeschicke als ganz einzigartige zu betrachten, die in der Gcschiebt.» anderer Völker kein«.1 Analogie haben und mit iht ausser Zusammenhang stehen, hi;ז die somlwissensdiaftüchc Untersuchung ist cs dagegen selbstverständlich, dass auch in der Geschichte des indischen Volkes nur die allgemeinen Regeln, die im Leben der Völker herrschen, wirksam sind, und dass das tiefste Eindringen in das Verständnis dieser Geschichte dadurch erreicht wird, dass wir verwandte Ersehetnungen aus der Geschichte anderer Völker zum Vergleiche heranziehen. Zahlreich sind die Abhandlungen, die sieh mit der Um- .Wandlung des geistigen Habitus der mittel- und Westeuropa!- sehen Juden im 19. Jahrhundert beschäftigen, mit ihrer Abkehr vom orthodoren Glauben, mit der Lockerung des bishörigen festen Gemeinschaftsgefühls und der Annäherung oder t dem völligen Aufgehen in der nichtjüdischen Umgebung. Ebenso zahlreich sind die Erklärungen für die Ursachen jener Erschei-!Hing. Da dürfte cs von Interesse sein, einmal darauf hinzu- RUNDSCHAU ___;.. ....._. No. 50 weisen, dass zu gleicher Z.it ein anderes Volk, die Armenier־, genau derselben ErUwickclungsgang durchdacht. Bekannt ist, d ass Armenier, obwohl sie der Sprache nach zu Jen Ariern gehören, nach der mehr und mehr zur Herr-!Schaft gelangenden Meinung v. Luschan's die nächsten Rass.ti- (Verwandten der Juden sind, so dass sie schon deshalb ein beinnderes Interesse beanspruchen dürfen. Mehrfach ist auch schon auf die Aohnlichkeit der Geschicke des jüdischen und v.1!־;cnisel: .n Volkes hingew iosen worden. ״Die Armenier &0::• hi isst es in der Grande Euoyclopcdie. ,.w ie die Jude■'. [Ci! bemerkenswertes Beispwl eines Volkes, das trotz wieder- 5,o:f-u Verlustes «■einer Unabhüngigk'gt und trotz seiner Zerst!cum:g über -.inen grossen Teil Europas und Asiens seinen Nationalcharakter zu bewahren gewusst hat und zwar dank der gemeinschaftlichen Sprache und der .gemeinschaftlicher. Religion. Gleich den Juden haben die Armenier sich, nachdem sic Beweise von Tapi.rkeit und hoher kriegerischer Gesinmnig au den Ta־g gelegt!iahen, zu einem grossen Teii dem Handel zugewandt und sind im ganzen Orient die unvenncidliehen Vermittler jeder geschäftlichen Transaktion.“ Pie Geschichte Armeni.ns kam! hier nur mit wenigen Worten berührt werden. Seine Existenz als selbständiger Staat iässt sich bis znitt Jahre 30*X> v. Chr. zurückveri'olgcn. im 7. vorchristliche.'. Jahrhundert wurde cs von den Medern, im (>. Jahrhundert von den Persern unterworfen, geriet mit den! ganzen persischen Reiche im Jahre .VW unter die Herrschalt Alexanders des Grossen und unterstand dann mit Unterbrechungen, in denen cs seine politische Selbständigkeit zuriiekgewam•, den verschiedensten fremden Staaten. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde es, nach einer längeren Periode der Unabhängigkeit vom 10. bis 12• Jahrhundert, persische Provinz, um im Anfang des 16. Jahrhunderts — mit Ausnahme eines hei Persien verbleibenden Teils — an die Türkei zu;allen. Das Gebiet, das jetzt das russische Arni'.nien bildet, ist durch die Russen erst im Jahre 1S2S von Persien und im Jahre 1S7S von der Türkei erobert worden. Die armenische Geschichte gleicht also bis ins 12. Jahrfiundert, <L h. bis zum definitiven Verluste der Selbständigkeit, darin der Geschichte des jüdischen Reiches, dass sie das fort- Vom palästinischen Kunstgewerbe Von Rektor Eberhardt־Zarrentin.*) Am 1. März d. J. wurde in Jerusalem die erste Kunstgewerbesclmle eröffnet. Wohl fehlte es auch früher nicht an Ansätzen zu kunstgewerblicher Arbeit; ich denke nicht mir att die mehr oder minder gelungenen Perlmutter-, Oltveaholz- und Stucksteinschnitzcreiea der Basare, auch nicht an die mit der einheimischen Flora künstlerisch geschmückten Blumenkarten unserer deutschen Diakonissen oder die seiten zierlichen Handarbeiten ihrer arabischen Schützlinge, auch nicht an die aus Olivenkernen gearbeiteten Rosenkränze, die wir im Kloster der katholischen Zionsschwestern ausgclegt sahen. Ich denke vor allem an die Industrie-Werk- Stätten der Londoner Judenmission und an die Konkurrenzgründung der jüdischen Alliance, an die mich ein eingeborener Lehrer des Sj'rischen Waisenhauses wies, wenn ich zu festen Preisen gediegene Arbeit kaufen wollte. Die Handwerkerschule der Alliance umfasst eine Reihe von Gewerben, aber künstlerische Leistungen wie die Schlosserarbeiten an der alten kostbaren Jakobuskirche der Armenier bilden auch hier die Ausnähme, die handwerksmässige Industrie ist die Regel. •Dazu kommt, dass die Alliance ein ausgesprochen französisches Propaganda-Instrument ist, und die Begeisterung für La France, seine Tugenden und Untugenden, *) Aus dem REICHSBOTEN. hat in der jüdischen Masse seit dem Erwachen des nationalcn Gedankens ganz erheblich abgeflaut. So bleibt es dabei, dass die von der ״Gesellschaft zur Begründung jüdischer Hausindustrie und Kunstgcwerbe in Palästina“ geschaffene Kuustgcwerbcschtile ״Bczalel“ die erste ihrer Art in dem heutigen, aufstrebcndcii Jerusalem ist. Obwohl sie kaum neun Monde zählt, hat sie schon ihre Lebenskraft gezeigt und beachtenswerte Ergebnisse gezeitigt. Ihr Arbeitsprogramm wird bisher durchgefiihrt in der Kunstgewerbeschule, in der Abendschule und in Spezialatelicrs. Die Kunstschule, der Unterbau der ganzen Organisation, soll nach bewährten europäischen Methoden eine allseitige künstlerische Ausbildung vermitteln und Fachiehrer und Musterzeichner für den Orient heranziehen; gegenwärtig erhalten dort 10 talentvolle junge Leute, die schon in Bulgarien, Galizien oder Russland eine Kunstmittelschule besucht haben, den letzten Schliff, um dann als Lehrer im Kunstgewerbe in die jüdischen Zentreu wie Tiberias, Safed, Damaskus, Aleppo usw. zu gehen. Ein Hauptaugenmerk wird von den Zeichnern, Malern und Bildhauern dieser Abteilung auf die Schafi'ung eines jüdisch-palästinischen Kunststils gerichtet, und bereits hat man durch das Stilisieren der alten hebräischen Quadratschrift eigenartige modele Ornamente erzielt. In den Anfangsgründen der Kunst, namentlich des