Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Kein einziger cles Heldcngcj schlecbts, das seinen Namen zur Bezeichnung ganz be-; soliderer Tapferkeit den Späteren hi.iterlicss, und dass den Ruhm eruaib. wie keines sonst für Volk und Vaterj!and gekämpft 711 haben, starb eines natürlichen Todes.; Aber alle starben den Tod für das Vaterland und für j die Freiheit! 1 Um so merkwürdiger wäre es, dass ein späteres Judentum ihrer so weit vergessen konnte, dass es für dfc Einsetzung des Ckamkaliiestcs eines Wunders au einem Oclkrüglein bedürfte, als oh nicht die Wunder in Waffen, welche die Makkabäer geleistet hatten, das Wunderbarste waren, wenn wir nicht wüssten, dass das spätere Judentum sich leider lange Zeit in ganz anderem, der Kraft und dem kriegerischen Heldenmut fernen und fremden Sinne entwickelt hat. So nur konnte es kommen, dass das Volk nicht immer sich seiner ruhmvollen Ahnen erinnerte, die. es zum Nacheifern der Vätcrtugend anfeuertc. So nur konnte es geschehen, das man eine andere Erklärung für das Wort Chanukah finden kon:te, als dass ina.1 nach vollbrachter Reinigung am 25. Kislew ״ruhte*• (1־ג* ב׳י־י So geschah es auch, dass man auch den Namen Makkabi j erklären wellte, als sei das Makkabäergeschlecht nichts j anderes als eine fromme Priesterfamilic, die nur viel-; leicht irrtümlicherweise das Weihrauchsfass mit den j Waffen vertauscht hatte. Ueberhaupt wäre cs sonst j nicht erst nötig, eine Erklärung des Wertes 'ר:ב zu j suchen.*) Es wäre aber falsch, wollte man die Makkabäer als etwas betrachten, was nicht in ihrer Zeit und nicht in ihrem Volke zu begreifen wäre. So wie Bismarck nur als der deutsche Staatsmann des 19. Jahrhunderts zu begreifen und zu verstehen ist, so können wir uns in keinem Mattijahu und keinen Makkabi vertiefen, wenn w׳ir auch nur einen Augenblick vergessen, welches Volkes sie sind, und in w׳clcher Zeit sie lebten. Seit den Zeiten des Kyros und Serubabels waren unausgesetzt die Versuche fortgeführt worden, durch eine allmähliche Kolonisation das Heilige Land wieder mit Juden zu bevölkern. Zwar hatte durch die Er- *) Die Erklärung dieses Wortes, dass es aus den Anfangsbuchstaben des Verses Exodus XV. 11 entstanden sei, gehört dahin. oberungsziige Alexanders des Grossen die Entwicklung einen gewaltsamen Riss erhalten, aber immer uid immer wieder flammte nationale Gesinnung auf, und in engen Kreisen erinnerte man sich, dass die Rückkehr nicht so sehr religiöse Bestrebungen zum Zwecke habe, als d.r nationalen Wiedergeburt des vertriebenen Volkes im eigenen Lande gälte. Es scheint beinahe, dass sich eine solche Ueberlivferung in der Familie des C h a s c 11 in a n aus dem Hause Jojarib iortpilanzte, weil man gerade mit seinem Namen die Erinnerung der glorreichen Geschichte seiner Familie begann. Aber jedenfalls handelte bs sich um vereinzelte Bestrebungen weniger Idealisten, die auch dann mit unlösbarer Liebe an ihrem Volkstumc hingen, als es vornehm und zugleich vorteilhaft wurde, sich seines Volkstums zu entäussern. I Wnn nicht eine Epoche nationalen Ringekis und Kämpfcns war den makkabäischen Grosstaten vorausgegangen, sondern eine Zeit, in der man die nationalen Uebcrlieferungcn schnöde vergessen und um das Linsengericht eines Aristokratseinwollens verkauft hatte. Die Zeit vor den Makkabäern ist gekennzeichnet durch die Nam'cn der Tobiaden und durch die tiefe Selbsterniedrigung und schmachvolle Anlehnung an durch politische Macht einflussreicher Kultur. In den Tagen, die den Makkabäerkämpten vorausgingen, und noch weit in die Kampfzeit hinein, hatte das Jüdische Volk, das doch gewiss von Gegnern ringsum hedräut und umringt war. keinen ärgeren Feind als jene exklusiven Kreise, denen reichere Mittel an Geld des Gelüste eingaben. sich etwas besseres zu dünken, als ih!\? weniger bemittelten Volksgenossen. Eine reiche Kaste, die sich infolge ihrer nicht immer mit reinen Mitteln erworbenen Geldmacht vielfach auch eine höhere formale Bildung aneignen konnte, hatte innerhalb der jüdischen Natio-1 kein Genüge gefunden und strebte danach, im engsten Anschluss an die umgebende herrschende Natio.1 ihr eigenes ״Ich“ zu heben. In diesen Zuständen schien eine Makkabäergeiteration beinahe unbegreiflich. Aber gerade aus diesen /Zuständen heraus ist das Hasmonäergeschlecht zur Makkabäerfauiilie geworden. Anstelle der reichen Aristokraten traten die Volksführer, die der ersten Familie des Landes entstammten und ihren Adel bcwiesen, indem sie die Vorkämpfer der ׳nationalen Id’eate xvuTden. Indem sie den alten Faden der Geschichte wieder aufnahmen, spannen sie ihn w׳eiter und bewirkten durch ihre treue und sich selbst getreue Arbeit, dass 4