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Jüdische Rundschau · 1906-12-07 · Heft 49 (7.12.1906) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 49 (7.12.1906)
Date
1906-12-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 49 JÜDISCHE RUNDSCHAU _Seite 731 sehe licsonders zionistisch gesinnte Gesellschaften kamen namentlich in den Küsteuebcncn vlfossc Strecken au und suchen sie mit Reben־. Mandel- und Oratigcitanlagcn fruclitbar zu machen. Eine beträchtliche A u s \v a 11 d e r 1111 g erfolgt dagegen besonders auch von christlichen Eingeborenen, die sich hier das zum Leben Nötige kaum erwerben können, über Genua nach Nord- und SuJameiika. Im iremden Lande treiben sie dann meist Hausierhandel und kommen nach Jahren, wenn sic cs zu etwas gebracht haben, wieder zurück, lim es sich in altgewohnter Einfachheit unter ihrem Weinstock mul Feigenbaum wohl sein zu lassen. — Pas evangelische s y r i ־ sehe Waisenhaus, das .?00 Kinder beherbergt, hat nun noch eine Filiale in ßir Salem Lei Raiuleh gegründet ima schon 3׳J Kinder dort untergchracht. Per Gouverneur von Jerusalem seihst ging dem Direktor Schneller dabei sehr entgegenkoiinnend an die Hand. Seit 46 Jahren besteht dieses Waisenhaus nun im grossen Segen. — Auf dem Oelberg soll von evangelischer Seit..״ aut dem vor einigen Jahren dort etwürbeueti Gebiete ein Hospiz. Erholungsheim und eine Kapeile in Angriff genommen werden. Ein Regierimgsbatmieister ist bereits in Berlin eingetroffen, urd wird bald die Arbeit, die möglichst rasch fertig werden soli. beginnen. — Auch an dein Kirchturm auf der katholischen Pormition wird stetig gearbeitet. Er steigt mit seinem grossen, weithin sichtbaren Gerüste allmählich in die Höhe. Das grossartige katholische Hospiz, neben dem Damaskustor ist schon unter Dach und Fach. Auch die orthodoxen Oriechcli errichteten m der Nähe des Hccc Homo-Bogens ein neues Kloster und sind dabei bei den EuiuJameutgrabtnigeu auf allerlei interessante Altertümer gestossen.“ Kleine Nach richteri aus Palästina Die junge Arbeiterorganisation ״HapocI Hazair" bat beschlossen, ein Parteiblatt in hebräischer Sprache licrauszugeben - den kleinen Mitteln entsprechend insehr bescheidenen! Umfange. % In Recliobotli veranstaltete die Verwaltung der dortigen Gemeinde-Bibliothek einen literarisch-künstlerischen Abend zu Gunsten der Bibliothek, der den Ertrag von IOö Franken abgcwerfen hat. Die Förderung solcher Bibliotheken ist äusserst notwendig für die weitere Ausbildung der Jugend, die der Schule entwachsen ist. In Jerusalem ist ein hebräisches Sammelbuch ..H a o in c r“ in Druck gegeben worden, das .סי Druckbogen .enthält.. Der literarische Teil ist* fast gänzlich v״״ palästinischen Veriassern geliefert worden. Das Buch wird auch illustratives Material über die Arbeiten des B c 7. a I c 1 enthalten. Es ist sehr erfreulich, zu konstatieren, dass nun doch in einzelnen Kolonien, z. B. wie in Rcckobhotli. eine grosse Annäherung zwischen der Jugend der Kolonien und der neu angekommenen Arbeiterjugend erfolgt ist. Am Feiertage Sukkoth machten die Arbeiter und die Jugend von Gcdera und Kecnobhoth einen gemeinsamen Ausflug nach ״Modim“. dem ״Orte der Makkabäer'*, der einen ausserordentlich erhebenden Vcrlauf nahm. Canada (Auszug aus einem Briet.) Toronto, 20. Mai 1906. Mit meiner jüdischen Mission war ich recht zufrieden, die Nachfrage nach Arbeitern tmd Farmern ist so gross, dass mir die Mitglieder des Baron Hirsch-Instituts sagten, dass sie im Laute des Sommers, falls nötig, ca. 5000 Menschen plazieren können. Ich bin indessen zur Ueberzcugung gelangt, und auch D’Avigdor (joldstuith bestätigt mir dies, dass mau dem Hirsch- Institute mehr freie Hand lassen muss, denn weder das Russo Jewish Con1!11ittce noch die Ica können aus einer Entfernung von 3000 Meilen alle Dinge managen, da sie die lokalen Vcrhältnisse nicht genau kennen und in Betracht zu ziehen in der Lage sind. So hat London vorige Woche 30 Russen herübergeschickt, teilweise nach Montreal. Toronto und Winnipeg. Pas ist unpraktisch, denn die Leute in London können gar nicht wissen, wo gerade Beschäftigung für die Arbeiter zu finden Ist. Weit vernünftiger wäre es, alle an das Hirsch- Institut in Montreal zu schicken, von wo aus sie alsdann über das Land verteilt werden können. Auch andere Gründe spreeben für den liier «gegebenen Modus, so z. B., dass die Einwanderer häufig ihre Billets nach dem Westen hier für einen Spottpreis verkaufen und sich dann wegen Weiterbeförderung an das Hirsch-Institut wenden, so dass dem Komitee doppelte Kosten dadurch entstehen. Das kommt allwöchentlich vor. Ferner werden diejenigen, die w irklich direkt nach dem Westen gehen, ohne sich vorher um Rat und Auskunft an das Hirsch- Institut gewandt zu habe!!, beständig von gewissenlosen Agenteil aufs schändlichste ausgeplündert. Alles dieses sind Gründe, um das Hirsch-Institut zum Zentralpünkt der Immigranten zu machen. Das Meeting beim Reiief-Komnüttee lind labotir offiec war ziemlich interesselos. Sie verfahren nach ähnlichen Prinzipien, wie alle gut organisierten jüdischen Wobltätigkeitsanstalten. Was die Leistungen der Juden in Montreal anlangt, so sind fiir die russischen Juden in Montreal WO Dollars gesammelt worden, darunter von Christen 20OU Dollars. In Montreal gibt es ca. 30 000 Juden, in ganz Kanada zusammen nur 45 000. Ich habe tnicli in meinem letzten sowohl w!e In diesem Briefe über die jüdischen Einwaiidcrungsaiigelvgcnhciten z.ic1t1jich ausführlich verbreitet, weil ich aniiehmc, dass es Dich interessiert, möglichst Genaues darüber zu hören, und weil ich iiberdeugt bin. dass Canada das Land ist. in dem russische Juden eine grosse Zukunft haben. Und so lange noch so ausserordentlich viel Platz ist. w'ärc es gut, die Einwanderer kerunzuzichen. Bessere oder auch nur annähernd so gute Bedingungen, wie sie hier geboten werden, können anderswo kaum geboten werden. Um Dir einen Beweis hierfür zu liefern, erinnere ich Dich an meinen letzten Brief, in dem ich die Tatsache registrierte, dass das Hirsch-Institut von hier ansässigen Juden ca. 5000 Dollars erhalten habe, um ihre Farmlien beriiberkommcu zu lassen. Zu diesem Betrage sollen ungeiälir 150 Personen beigesteuert haben, in Summen von 20 bis fiu Dollars. Alle di.se Leute sind erst seit 10—15 Monaten liier und sie verdienen zwischen S und 15 Dollars die Woche, die meisten 12, die w enigsten unter!0 Dollars. Es ist doch sicherlich unbestreitbar, dass dieses Resultat fiir ein gutes und rasches Fortkommen der Einwanderer in diesem Lande spricht. (Obiger Brief wurde dem Zentralbureau fiir jüdische Ausv.anderuugsangclegciih'.iten von cir.cm Freunde in Frankfurt a. M. giitigst zur Verfügung gestellt. Seine Vcröffentlichmig hat sieb verzögert, weil die bisherigen Korrespondenzbiätter mir Tabellen enthielten u1׳J keinen Text. Wir möchten nicht unterlassen, den obigen interessanten Ausführungen hinziizufügen, dass im Winter nur solche Personen nach Canada auswandern sollten, die dort Verwandte oder Freunde haben, die fiir sic sorgen oder ihnen Arbeit verschaffen köniun. Den Vorschlag, das Baron Hirsch-Institut zur Zentrale zu machen, können wir auf seine Zweckmässigkeit von hier aus nicht begutachten; aber die Jca und das R. J. C. werden gewiss diesen \orschlag zu prüfen geneigt sein.) Einwanderungserschwerungen Der amerikanisch.• Kongress beschäftigte sich in der letzten Saison mit einer Reihe von Entwürfen über Eiinvanderungsbeschränkungen. Ein Entwurf, der von den Einwanderern die Kenntnis zu lesen und zu schreiben verlangt und eine Erhöhung der Kopftaxe festgesetzt, wurde vom Senat angenommen, aber das Renräscntaiitcnhaus hat beide Erfordernisse in dem Gesctzesvorschlag gestrichen. Daher musste der Entwurf nach der Verfassung der Vereinigten Staaten in einer gemeinsamen Konferenz beraten werden. Aber noch ehe die Beratungen ein Ergebnis hatten, vertagte sich der Kongress. So wurde der Entwurf noch nicht Gesetz. Weitere Erschwerungen der Ein- Wanderung sind also in neuerer Zeit gesetzlich nicht clngeführt worden. Kleine Mitteilungen Jüdische Kunst. Skulpturen-Ausstcllurig von Alired Nossig. In der neuerr Berliner Ausstellungshalle am Zoologischen (}arten wurde am 5. Dezemler eine Kollektivausstellung der plastischen Werke von Alfred Nossig eröffnet, der in diesem .iaitre auch in der Gross.n Berliner Kunstausstellung und im Krakauer Kunstsalon mit mehreren Skulpturen vertreten war. Die Ausstellung umfasst neben dem ״E u־ i g c n Jude 11,*־ ..K ö n i g S a I o m 0*\ ״J u d a , der M a k k a b ä c r", die neue biblische.Figur ״M ar i a 11 n e“, ferner eine Reihe von Bronze- und Silber-Porträtmcdaillous. Büsten und Masken, insgesamt 30 Werke. Sie bleibt bis zum 24. Dehember geöffnet. Eintritt 50 Pf.. Mittwoch 1 Mark. . Berlin. Die V e r e i 11 i g u 11 g j ii' d i s c 11 c r R e 11 g i o n s - I e h r e r Berlins hörte in ihren beiden letzten Sitzung!:;! (Oktober und November) zwei anregende Vorträge des Her.־n Dozenten Dr. J. Wohlgemut}! an über das Thema: ״Die Ethik im jüdischen Religionsunterricht״ Er versteht unter UidiscUer Ethik dasjenige, was in der Literatur der Siire Mussär enthalten ist, nicht allein das Speziell-Ethische, sondern auch was zur Verinnerlichung der Religion und ihrer Gesetze gehört Dieses sei aber nicht in besonderen Stunden sondern i!1! An- Schluss an den Bibelunterricht zu lehren. Dem Stande der Schule tmd der Schüler entsprechend müsste ein Lehrplan aus-

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