Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1906)
- Date
- 1906-12-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 728 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 49 Conference von Dr. Th. Zlocisti. —‘Ernste und heitere jfldisch-deutsche Lieder. — Liturgische Hausgesängc (hebräisch). — Jüdische Volksmelodien (Violin und Fisharmonium.) — Jüdische Kunstmusik unter Benutzung von Volksmotiven (Rubinstein, Goldmark, Rothstcin, Zepler). — Künstlerische Leitung:: Bogumil Zcpler. Mitwirkende: Vera Goldberg, Bella Zlotnicka, Max Magidsohn, James Rothstein, Max Modern. Karten ä 4, 3, 2 und I Mark zu haben bei Bote & Bock, A. Wertheim und Louis Lamm, Neue Friedrichsstr. 61/6?, wo auch Mitglicdsbeiträge angenommen werden. 2. Vortragsabend: Jüdische Dichtung“ Vortragender: Rudolf Schildkraut (Deutsches Theater). 3. Theateraufführung: (Moderne ost jüdische Dramen.) 4. Vortragsabend: ״Jüdische Märchen und Legenden“. 5. Ausstellung von Werken jüdischer Künstler in der Ausstellunghalle am Zoologischen Garten. 6. Vortragsabend: ״Jüdischer Witz und Humor“. 7. Jüdisch-künstlerisches Fest. Beltrittsbedingungen. Die Eintrittsgebühr beträgt 2 Mark, der jährliche Mindestbeitrag 6 Mark. Durch einmalige Zahlung von 100 Mark wird man immerwährendes Mitglied, von 200 Mark Stifter, von 500 Mark Förderer des Vereins. Jedes Mitglied ist bei den regelmässigen Veranstaltungen des Vereins zu freiem Fintritt berechtigt. Seinen Familienangehörigen werden ermässigte Preise gewährt. Mitgliedern stehen die Veröffentlichungen des Vereins sowie Eintrittskarten zu den aussergewöhnlichen Veranstaltungen desselben zu ernjässigtem Preise zur Verfügung Mitglieder und ihre Familie besuchen also die Veranstaltungen des Vereins unter viel günstigeren Bedingungen als das übrige Publikum. Beitrittserklärungen und Geldsendungen sind zu richten an die Geschäftsstelle des Vereins NW. 7, Unter den Linden 59, A. H. Heymann & Co., füi den Verein zur Förderung jüdischer Kunst ^_ . /. Ein Berliner Brief In einer ihrer letzten Nummern bringt die JEWEJSKIJ NAROD (DAS JUEDISCHE VOLK zu deutsch) einen in einigen Punkten!echt interessanten Berliner. Brief. Der Artikelschreibsr, der bereits vor 12 Jahren hier Aufenthalt genommen hatte und Gelegenheit hiatte das jüdische Leben recht eingehend zu beobachten, stellt Vergleiche an zwischen den auf das Judentum bezüglichen Anschauungen von damals und jetzt, nachdem er wieder einige Zeit Stunden gemacht hat. Aehnlieh wie der bisherige Dumaabgeordnete Dr. S c h e m a r j a h L e w i n findet er zu seiner Freude eine wesentliche zu unseren Gunsten veränderte Sitation vor. Damals noch empfand die grosse Masse es mehr wie unangenehm wenn man es wagte, sich irgendwie als Jude bemerkbar zu machen. Das Wort ״Jude" überhaupt galt nur als Schimpfwort und wur le meistens nur von Antisemiten gebraucht. Die ״Israeliten" selbst vermieden das Wort in gleicher Weise wie di: liberal denkenden Nichtjuden, die gleichfalls das Gefühl hatten, als beleidigten sie schon mit der Nennung des Wortes ihre deutsehen Mitbürger Als recht typisch für den Geist der Zeit Ist dem Verfasser der Episode erinnerlich, der er persönlich beizuwohnen Gelegenheit gehabt hat. Gelegentlich eines Vorträges in der Gesellschaft für ethische Kultur, führte s. Zt. der bereits verstorbene Prof. Foerster aus. dass, um den allgemeinen Fortschritt der Kultur bis zur höchsten Stufe zu erreichen, die Förderung in den einzelnen bestehenden Nationen aufs kräftigste unterstützt werden musste, die Nationen müssten i.m. Wettbewerbe stehen, um die Erreichung des Fort Schrittes, dagegen führe der nicht reine Nationalismus, der Chauvinismus sei. zum Kosmopolitisnius. Nach diesen Ausführungen musste man damals annehmen, dass das, was Foerster für alle Nationen für richtig findet, (nämlich weiter zu leben, um als solche für den Fortschritt zu arbeiten), auch für die jüdische Nation billig sei und zweiiellos war F. auch dieser Überzeugung. Um indes echt liberal im Sinne der deutschen Juden zu sprechen, gleich als ob ihm diese Worte von den Juden suggeriert worden wü/en. erwähnte er beiläu• fig. dass das ״Jüdische Volk“ (es bestellt also noch) unter den anderen Nationen verschwinden möge. Und was musste dam: nicht F-. nur weil er es gewagt hat, den Ausdruck das jüdische Volk zu gebrauchen, sich gcfallen lassen? Eine recht gehörige Zurechtweisung eines jiidisehen Professors, namens Lcvy, so dass F. nichts weiter übrig blieb, als wegen des lapsus llnguac höfi. um Entschuldigung zu bitten. Wie ganz anders hingegen wären hier die Anschauungen und Begriffe jetzt. Die deutschen Juden haben sich allmählich daran gewöhnt, den Namen Jude als Ehrennamen zu tragen, und die damalige Umschreibung ״Israelit“ wird heute nur noch von den Antisemiten und einigen liberalen Rabbinern gcbraucht. Ucberhaupt pulsierte hier wieder jüdisches Leben, man befasst sich schon wesentlich mehr und ohne Scheu mit jüdischen Dingen, mit seinen Stammesbrüdern, ja noch mehr, man beachtet nicht nur heute schon die Nationaljuden, man rechnet sogar mit den so bösen Zionisten, als einem nicht unerheblichen Faktor. Man bemüht sich, einander zu verstehen, die Kämpfe, wie sie damals ausgefochten wurden, hätten heute ein ganz anderes Aussehen und es ist wirklich erfreulich, dass die deutschen Zionisten dank ihrer unermüdlichen Arbeit, cs verstanden hätten, ihren Slammesgenossen schon so viel von ihrem Geiste einzuflösscn. Man merkt heute erfreulicherweise ein Entgegenkommen der nichtzionistischen Institute (des Hiifs- Vereins, der Alliance ctc.). den jüdlschiiationalen Gründungen, man veranstaltet, wenn es gilt, unseren Stammesgcuossen in Russland beizustehen. gemeinsam Proicstvcr$amn1Iungen, und so .wären noch viele Annäherungen aufzuzahlßri. In zipnistischen Versammlngcn sieht mm jetzt, wie damals, nicht meist Juden aus Russland und GaHzien. nein deutsche Juden hören die Redner an und applaudieren ihnen. 12!ai1 r» r יו»יז " y i *י* $ 11 y ןיךיי x* ■ s '.«# J IT ץ־ן < . ' י ן!י •י י׳־ , 4 J *־/.’ , ...4Ü Ein Vortrag von Noemi B a n ö t h. Das Anskunftsburcau des J'üüisclien Voiftsvcreins zu Berlin besteht seit ei was mehr als einem Jahre, ungefähr der Zeit, nachdem die rolgen des entsetzlichen ersten Pogroms Russlands sich auch in Deutschland bemerkbar machten. Das Auskunfisbureau des Jäcl. Vclksverelns ist also aus der Not entstanden, aus der heutigen Not der Juden In Russland. Seine Aufgabe ist. für die jüdisch-russische Befreiungsarbeit zu wirken. Ich glaube, in diesen Tagen, V. o der Jude ln Russland gegen dies Menschenrecht imd gegen alle Menschenwürde behandelt wird. Ist dieses nicht nur das edelste Werk, an dem man sich beteiligen kann, sondern sollte jedem Juden und jeder Jüdin auch die heiligste Piticht sein. Ich will es noch einmal sagen und muss es Immer wieder betonen: Das Auskunftsbureau des Jüd. Volksvereins arbeitet mft jüdisch-nationalen Prinzipien, das heisst: es hilft seinen jüdisehen Brüdern und Schwestern, nicht, als ob sie Fremde wären, welche in ihrer Not das Mitgefühl und die Hilfe Ihrer Nebenmenschen anrufen. sondern so, wie man seinem eigenen Fleisch und Blute hilft. seiner eigenen Familie, wie der Jude dem Juden. Das A. d. J. V. hilft also keinen Schnorrern, sondern Brüdern und Schwestern. F.s hilft weniger mit matcrieilen Mitteln, sondern hauptsächlich mit Rat und Auskunft. Ich werde später erklären, wie dies zu verstehen ist. Alle Damen und Herren, welche für den Jüd. Volksverein arbeiten — und ihre Zahl ist nicht klein — tun dies mit den Prinzipien, über die ich vorhin sprach, einem inneren Antriebe folgend und natürlich unentgeltlich. Jeder gibt, soviel er kann, weniger Geld, doch dafür mehr Herz und Gemüt, Tatkraft, Fleiss — Arbeit. Im Laufe seiner Tätigkeit hat sich der Verein solche Aufgaben gestellt, uie sie sich durch die augenblickliehe Not. durch das Elend des Tages einem unwillkürlich von selbst aufdrängen,.. Da ist zuerst die Bahnhofswachc. Ihnen allen wird zu Ohren gekommen sein, dass die armen jüdischen Emigranten, welche in ihrer Angst ihr Land verlieren, nur das mit sich nehmend, was sie in der Eile fortschaffen konnten, oft unterwegs von nichtswürdigen, gewissenlosen Agenten abgefangen wurden, um noch ihrer letzten paar Pfennige und ihrer letzten Habseligkcitcn beraubt zu werden. Als der jüdische Volksverein sein Auskunfisbureau e»־öfinete. beschloss er, vor allem erst diesem Elende 7\1 steuern, er beschloss, mit dem Anfänge anzufangen. Daher schickte er einige seiner mitarbeitenden Leute zu allen für Auswanderer in Betracht kominenden Zügen an vier Bahnhöfe Berlin. Heute arbeiten schon ungefähr 50 Personen (Herren und Damen) für die Bahnhofswache. Nach längeren Unterhandlungen mit der Kgl. Eisenbahndirektion ist es den Mitgliedern der Bahnhofswachc gestattet worden, den Perron unentgeltlich zu betreten. Zu diesem Zweck müssen sie von russen sichtbare Abzeichen tra-