Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1906)
- Date
- 1906-12-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. •19 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 727 fährlicli; psychologisch entschuldbar; politisch unklug. Zum mindesten sollten die sozialistisch gesinnten Juden zurück•• haltende Neutralität beobachten. Es ist ein verzweifeltes Va-banque-SpicI, unsere bürgerliche und gcsellschastlichc Stellung, wie auf einen letzten Trumpf, auf das gute Glück der Sozialdemokratie zu setzen. Wir htben nicht zu gewinnen, aber etwas zu verlieren. Damit* erhebt sich eine neue komplizierte Frage, die eingellender Untersuchung bedarf: wie sollen wir wühlen? Eine verblüffend einfache Antwort gibt darauf die Frankfurter Orthodoxie; sie wählt unentwegt nationalliberal; ich glaube, weil Samson Raphael Hirsch nationalliberal wählte. Wir bewundern an den 500 Unsterblichen um Herrn Leonidas Breuer den spartiatischen Mut, mit dem sie das schwere Matyrium der Lächerlichkeit ertragen, zweifeln aber daran, ob selbstbewusste Juden noch nach derselben, alten Partcischablonc wählen dürfen wie ihre Väter. T u b a 1 s» V wi üi'O'i) «ng ]1 m f® ־'f;, «1 w- J O In •einem Rundschreiben unterbreitet das Unterzeichnete Komitee die Satzungen und das Programm des nciigegründeten ״Vereins zur Forderung jüdischer Kunst“. Der Verein ist aus einer Reihe künstlerischer Vcranstaltungen entstanden, die im letzten Winter dem jüdischen Publikum Berlins mannigfache künstlerische Bestrebungen und Produktionen innerhalb des Judentums vorführten. Diese Veranstaitungen auf eine gesicherte Grundlage zu stellen, Verständnis und Liebe im jüdischen Publikum zu wecken zur jüdischen Kunst, d. h. zu allen Bestrebungen und Werken auf dem Gebiete der Dichtkunst, der Musik und der bildenden Kunst, die von Juden ausgelien und die Merkmale jüdischer Eigenart an sich tragen, kurz, die jüdische Kunst in jeder Weise zu fördern und zu pflegen, dies ist der Zweck unseres Vereins Die grosse Zahl hervorragender Meister auf allen Gebieten der Kunst, wie Israels und Liebcrmami, Mendelssohn und Bizct, Heine und Auerbach., die das Judentum gerade irn •ctzten Jahrhundert wieder der Menschheit geschenkt hat, die eigenartig-jüdischen Charakteristika, die ihre Werke in der Methode des Schaffens, wie In der sie durchdringenden Gefühlswelt aufweisen, sind die besten Fürsprecher für unsere Bestrebungen Sie beweisen, dass das künstlerische Genie des jüdischen Stammes, das sich jahrhundertelang nur in Dichtungen, in der Musik und im Kunstgewerbe Balm gebrochen hatte, da zahlreiche Momente die Entwicklung der bildenden Kunst hemmten, in der Stickluft der Ghetti nicht verdorrt ist, sondern mit dem Hereinbrechcn freierer Zeiten üoerall und gerade auch in Malerei und Bildhauerei die schönsten Blüten treibt. Auch unter den Ostjuden hat sich eine ganz eigenartige Kunst entwickelt, die aus dem noch ungebrochenen jüdischen Volksleben heraus, wertvolle Werke zeitigt. Das Wicdererwachen der jüdischen Kunst als junge, lebenskräftige Individualität schafft, wie jede Individualisierung in der Kunst, neue künstlerische Werte. Da ist es unsere, der Jiiden, Pflicht, unsere eigene, die Kunst unseres Stammes zu hegen und zu pflegen, umsomehr, als sic ja der Anstalten uni Förderungen ermangelt, durch die andere, besser organisierte Gemeinschaften, als die Juden es sind, ihre individuelle Kunst unterstützen. Es ist unsere Pflicht zur Bereicherung unseres eigenen Kulturlebens, wie zur Bereicherung der Wcltkultur. Diese Einsicht bricht sich jetzt überall Bahn• wir verweisen auf die grosse, wertvolle jüdische Kunstausstellung, die eben in London eröffnet wurde, auf die jüdischen Kunstausstellungen, die im Haag und in Frankfurt geplant werden, auf den jüngst in Warschau gegriir!deten*Verein für jüdische Kunst ״Hazomir“ Wir sind überzeugt, dass Ew. flocliwolitgeboren an unseren im besten Sinne des Wortes jüdischen, wie allgemelnkulturellen Bestrebungen regen Anteil'nehmen und unseren Verein, der sich so hohe und edle Ziele gesteckt hat, nach Kräften fördern werden. Mit ausgezeichneter Hochachtung Das vorbereitende Komitee: G. Heymann, Vorsitzender. Eugen Albu. Doz. a. d. Stenfschcn Hochschule. Maler Julius ßodensteln. Stadtbaumeister Bronlatowskl. Dr Martin Buber. Rabbiner Dr. Emil Cohn. Maler M. Coschell. Architekt Ludwlg Engel. Adolf Graupe. Justizrat Dr. Guttsmann. Rechtsanwalt Dr. A. Hantke. Bildhauer Sandor Jaray. Sanitätsrat Dr. M. Jastrowitz. Dr D. Joseph, Prof, der Kunstgeschichte. Dr. Theod. Landau. Hofpianist Saliy Liebling. Bernhard Lilienfeld. Hermann Posen. Regisseur Fritz Richard. Rudolf Schildkraut. Lesscr Ury. Rabbiner Dr. Warschauer. Leo Winz, Hcrausg. von ..Ost und West“. Dr. Bogumll Zepler. Dr. Theodor Zloclstl. 0 ‘ ' ■ * Satzungen. § 1. Der Verein bezweckt die Förderung der jüdischen Kunst, d h. aller Bestrebungen und Werke auf dem Gebiete der Dichtkunst, der Musik und der bildenden Kunst, die von Juden ausgelien und die Merkmale jüdischer Eigenart aufweisen. § 2. Zur Erreichung dieses Zweckes bedient sich der Verein folgender Mittel:. a) Jüdisch-künstlerischer Veranstaltungen aller Art, wie Vortragsabende. Konzerte, Theateraufiührungen, Ausstellungen jüdischer Kunstwerke, JiVdisch-künsl- Icrische Feste• "b) Einmaliger oder periodischer Veröffentlichungen, Editionen und Reproduktionen. ־• ■ c) Förderung jüdischer Künstler. Für die Auswahl der vorgeführten Kunstwerke ist lediglich deren künstlerischer Wert ohne Rücksicht auf politische und religiöse Tendenzen massgebend. §3. a) Mitglied des Vereins kann jede unbescholtene Person werden, die der jüdischen Kunst Interesse entgegenbringt. b) Die Eintriusgebühr . beträgt 2 Mk״ der jährliche Mindestbeitrag 6 Mark. Durch einmalige Zahlung von 100 Mark wird man immerwährendes Mitglied, von 200 Mark Stifter, von 500 Mark Förderer des Vereins. c) Jedes Mitglied ist bei den regelmässigen Vera!»- staltun gen des Vereins zu freiem Eintritt berechtigt. Seinen Familienangehörigen werden ermassigte Preise gewährt. Mitgliedern stehen die Veröffent- Iiclumgcn des Vereins, sowie Eintrittskarten zu den ausscrgewöhnlichen Veranstaltungen desseben zu ermässigteni Preise zur Verfügung. § 4 Die Zentrale des Vereins ist in Berlin. Nach Massgäbe der Bedürfnisse werden Zweigvereinc in anderen Städte!» Deutschlands oder des Auslandes gegründet. § 5. Die Leitung des Vereins setzt sich zusammen aus einem Ehrenpräsidium und einem Vorstand. Das Ehrenpräsidium besteht aus mindestens drei Mitglieder!» und wird von der Generalversammlung ernannt. Der Vorstand besteht aus mindestens fünf Mitgliedern. Ihm steht das Kooptationsrecht zu. Er wird alljährlich von der Generalversammlung mit Stimmenmehrheit gewählt. Er wählt aus seiner Mitte einen ersten und zweiten Vorsitzenden, einen Schatzmeister und einen Schriftführer. § 6. Die Generalversammlung wird einmal jährlich in» ersten Quartal einberufen. Sie erteilt dem Vorstand Decharge, wählt den neuen Vorstand und ernennt d e Mitglieder des Ehrenpräsidiums. §7. Die Einnahmen des Vereins bestehen aus: a) Mitgliedsbeiträgen, b) Spendet!, c) Etwaigen Überschüssen von Veranstaltungen oder Veröffentlichungen. §8. Die Generalversammlung katui mit Dceivicrtelmehrheit die Auflösung des Vereins beschliessen. Das Veceinsvermögen fällt dam! an die Berliner jüdische Gemeinde ziy Ver Wendung für jüdisch-künstlerische Zwecke. Programm für das Jahr 1906/07. 1. Vortragsabend: *Das Jüdische Volkslied“. (Am 10. Dezentber 1906 »!1 der Gesellschaft der Freutide“.) Einleitende