Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1906)
- Date
- 1906-11-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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ז Seile 712 JÜDISCHE RUNDSCHAU No.-IS Rundschau — Ohne öffentlich-rechtliche Sicherung? Der VI. Kongress׳ hat in seiner Hauptresolution die Wichtigkeit der Erwerbung von Konzessionen in Palästina auch vor der cndgiltigcn Erlangung des Charters erkannt und'anerkannt. Die allseitigeu Bemühungen europäischer Nationen um die Erlangung solcher Konzessionen gehen den Kongressheschliissen Recht für den Fall, dass man nicht endgiltig auf Palästina als Zukunftsland der Juden verzichten will, (icradc im Augenblicri. wo die Hetz..- gegen Wurhurg und insbesondere gegen Soskin wieder mit neuer Heiligkeit eingesetzt hat. weil sic die Männer der systematischen Arbeit in Palästina sind, ist es doppele wichtig, auf diese Bemühungen anderer Stämme um K״nz.*ssionen und Grund und Boden in Palästina hinzuweisen. Dem Finanz־ und Handelsblatt der VOSS ISCHEN ZEITUNG vom 19. und 3». er. uitn hmen wir folgende Mitteilung über das vor kurzem deutscherseits gegründete Montau-Syndikat für den Orient mit einem Stammkapital von Mark. ״Mittclmccr- Bergwerks ־Studien -Gesellschaft tu. b. H. Die Internationale Bohrgesellschaft Erkelenz; Beer, Sondheitner u. Co.: die Schlesische Zinkhiitten-Akt.-Gcs. Lipine; die National bank für Deutschland; das Bankhaus Hugo!Mainz u. Co., Hambürg, und die Deutsche Lcvante-Linic gründeten heute die obige Gesellschaft. Als Sitz des Unternehmens ist Berlin bestimmt. Zu den Geschäftsführern wurden bestellt die Herren Dr. für. Friedrich Kehler in Berlin und Bergwerksingenieur Dr Naumann in Frankfurt am Main.'* Uchcr dieses Syndikat berichtet die BRESLAUER ZEITUNG folgendes: ״Deutsches Bergbau-Syndikat für den Orient". Als eine nicht sowohl durch die Höhe des Kapitals als durch die Bedeutung hoher wirtschaftlicher Einsicht und durch die Bezichungen der beteiligten Firmen bedeutsame Gründung stellt sich die soeben in Berlin erfolgte Konstituierung eines deutschen Bergbau-Syndikats iür den Orient dar. Es zeigt die Richtung an. in der sich der Unternehmungsgeist unserer Bankinstitute und Schiffahrtsfirmen zu betätigen beflissen ist. wenn es auch heute nicht mehr überraschen darf, dass der Orient als gcwichtiges Zukunftsland von serieusen. im Verkehr mit dem Auslände erfahrenen Finnen angesehen wird. Auch abgesehen von ihn B; .inbauten der Deutschen Bank in Anatolien, die in der Bagdadbahn ihre Fortsetzung finden, hat unsere grösste und leistungsfähigste Schiffahrtsgesellschaft das Netz ihrer regelmäsigen Dampferlinien bis nach dem persischen Golf ausgespannt, und auf dem ganzen Wege dorthin durch das Mittelmeer. den Suezkanal und das Rote Meer iinden wir die dcutsehen Spuren des deutschen Kauimanns. Vor allem aber hat die Deutsche Bankwelt auf der Balkan-Halbinsel, in der Türkei, in Aegypten und Kleinasie» festen Fuss gefasst, und zahlreiche Erkundigungsreisen haben erwiesen, wie weite Gebiete der Levante wie des gesamten Orients noch der Unternehmungslust unserer Kaufletite und Industriellen ein dankbares Feld eröffnen. Auch für den Bergbau fehlt es in den meisten Ländern des Orients nicht an Vorarbeiten und Versuchen, und gerade die Aussichten, die sich einer plunmässigen. die höchsten Eirungcnschaiten der Technik berücksichtigenden Arbeit unserer Ingenieure dort eröffnen, haben die Idee reifen lassen, einige unserer Uistungsähigstcn Montamirmen zusammen mit palästinierten Banken unj einer, um Levante-Handel und -Verkehr besonders verdienten und in der gesamten Levante über eine bewährte Organisation verfügenden Reedereien iür die Betätigung eines dauernden Int:resscs an der bergbaulichen Er- Schliessung des Orients zu gewinnen. Die Internationale Bohrgesellschaft darf, wie kaum ein anderes Bohrunternehlen, qualifiziert erscheinen, mit Rat und Tat bei der Inauguricrung einer einheitlichen und grosszügigen Bergwerksarbeit' mitzuwirken, die gleichsam Neuland schafftn soll. Das ncugcbildete Syndikat stellt ja zugleich eine Studiengesellschaft dar. die darum nicht allein als Erwerbsuntanehmen gehen dari. wenn auch die An. in der die Zwecke des Syndikats erreich! werden sollen, die Erwartung rechtfertigen, dass schon allein die Prüfung und Begutachtung von Prospekten sich bei den Beteiligung erster Sachverständiger als lucrativ erweisen werde. Dazu gesellt sich aber die vermittelnde Tätigkeit des Syndikats, durch die einem aussichtsvollen Bergwerksbetrieb auch allen finanziellen, tcchnischen und kaufmännischen Möglichkeitei: für volle und u;1gestörte Leistungen erschlossen und offen gehalten werden sollen. Die durch ihre freundschaftlichen Beziehungen u. a. zu der Aktiengesellschaft Iellus und zu dem neuen Montanuntcruclnueit an der Unterweser, einflussreiche Metallgesellsehaft Beer. Sondlieiiticr u. Co. in Frankfurt a. M., sowie die durch ih(en reichen Erz- und Grubenbesitz ausgezeichnete Schlesische Aktiengesellschaft für Borghau und ^inkhüttenbefrieb in Lipine gewährleisten die regelmässige und geeignete Verw ertung der mnntnnmeustricllen Erzeugnisse des Orients. Die Nationalhank für Deutschland und die rührige Bankfirma Hugo Mainz u. Co. in Hamburg, stellen ihre mannigfachen Beziehungen zum Oriejitlumd.l und Erfahrungen im Orientgeschäft, auch abgcsehen \on den ihnen zufallende!:, rein finanziellen Aufgaben, in den Dienst der Sache: ist doch die Nationalbank für Deutschland zusammen mit der Dresdener Bank und dun Schafihausensehen Bankverein auch die Begnii.derin der Deutschen Orientbank. Der Bedeutung der Deutschen Lcvante-Linic. die ihre Dampfer d.m S.uidikat zur Verfügung stellt und die gleichfalls der Orientbank naliesteln. ist schpn gedacht. Es vereinigen sich also Interessen, die sie zweckmässiger von den Freunden eines kräftigen VorwärtsJringeiis der deutsche!׳ Arbeit im Orient gar nicht gewünscht werden können. Wenn nun die vidbew ährte Hamburger Initiative dem Syndikat zustatten kommt, so eröffnen sich ihm und zugl.ch unseren Ingenieuren lind inländischen Hüttenwerken, die nun einmal auf die Zufuhr ausländischer Erze angewiesen sind, überaus weite, erfreuliehe Erwerbsaussiehlen. W ir Juden sind es gewöhnt, als poetische Träumer durch die Welt zu gehen, indem wir uns in einen Himmel hinein-!räumen, indem wir sicher mein weilen dürfen. Der Himmel der Träiimereien mul des Kosmopolitismus sH't uns jedenfalls nicht offen. An seinem Eintrittstore hängt das bekannte Plakat: ,.Juden ist der Eintritt verboten.״ Um so mehr müssen wir danach trachten, dass wir wieder!\sten Grund und Boden unter die Fiisse kriegen. W ir müssen deshalb d e poetischen Träumereien abweisen, die uns aut irgend ein Heim verweisen, so dass wir schliesslich wieder einmal der Poet sein sollen, der da ankommt. wenn die Welt geteilt und weggegebep ist. Ist einmal Grund lind Boden. Luft und Wasser in andern festen Händen, so werden wir in Palästina keinen Platz, finden und das Jud.nvolk wird noch wurzelloser wie es schon ist. Ohne Mühe und eigene Arbeit wird uns kein Land vom Himmel in den Scliooss fallen und was wir ererbt von unsern Väter haben, müssen wir erwerben, wenn wir es besitzen wollen. Dazu bedarf es der eifrigsten Unterstützung unseres Aktionskomitees und unserer PoUistiuakommission. Wir würden eine schwere Schuld auf uns laden, wenn wir verschulden würden, dass unsere Palästinakonimission sich auflösen müsste aus Mangel an Mitteln. Kosmopolitischer Rischus Berlin. Das BERLINER TAGEBLATT schreibt: Die Sozialdemokratie bezeichnet sich selbst bekanntlich stets mit Vorliebe und mit'Nachdruck als diejenige Partei, die von kmifcssionellen Rückständigkeiten und Gegensätzlichkeiten :rei ist. Dass trotzdem der Antisemitismus in der Sozialdemokratie nicht nur Boden findet, sondern zuweilen die üppigsten Blüten ticibt. haben w ir w iederholt nach weisen können. Ein neuer, auch noch in anderer Hinsicht interessanter Beleg dafür wird uns aus Dessau gemeldet. Dort sind die Freisinnigen unter der Führung der Landtagsabgeordneten Arts und Dr. Cohn bei politischen und kommunalen Wahlen der letzten Jahre wiederholt mit den Sozialdemokraten zusammen gegen die rechts stehenden Parteien vorgegangen. Diesmal haben die Sozialdemokraten den Wahlkampf bei einer Stadtverordnetenwähl damit begonnen, dass sie die Hälfte aller Mandate für Parteibeamte oder von der Partei wirtschaftlich abhängige. Leute forderten und den Freisinnigen öffentlich androhten, es würde nicht einer von ihnen gewählt werden, wenn sie nicht blindlings und aufs Wort parierten. Auf diese Briiskierung schloss sich das Bürgerturn gegen die Sozialdemokratie zusammen. Es kam zu einem Wahlkampf, in dem die bürgerliche Partei eine durchweg liberale Liste präsentierte. Diese Liste konnte mit sachlichen Gründen nicht wohl bekämpft werden, umsomehr aber leisteten sich die ..Genossen‘‘ an ebenso gehiissigen wie unbegründeten persönlichen Angriffen gegen die gegnerischen Führer. Kctsl'di ist aber, dass auch hier zuletzt, als alles andere nicht ziehen wollte, die Sozialdemokraten das Liedlein vom Antisemitismus anstimmten. Mit deutlicher Spitze gegen den gegnerischen Führer Dr, Ohn schrieb das Dessauer sozialdemokratisch.- Organ in einem ohne jeden Zusatz im redaktionellen Teile allgedruckten ״Eingesandt‘*: ״Der Antisemitismus wird hier sehr bald festen Fuss fassen, und das ist in Anbetracht der Vorgänge auch nur zu natürlich. Ich war niemals ein Judenfreund, weil ich g:runden habe, dass alle, die ich bisher kennen lernte, ohne jede Ausnähme hinsichtlich des moralischen Wertes auf ein und derselben Stufe stehen. Ich würde es also durchaus nicht für I! •ייויייי