Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1906)
- Date
- 1906-11-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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» Seite 703 *• JÜDISCHE RUNDSCHAU kanntiich den Grundstock nllcr Feindschaft gegen Juden und Judentum. Aber auch die I renen sind nicht alle in die Wehrfähigen cingeschlosscn. In dem alten Wehrgesetz ist bereits vorgesehen, dass nicht alle mitziehen sollen und können, wenn es gilt, den Feind zu bestehen: ״Wenn du ausziehest zum Kriege w ider deinen Feind, und du sichest Ross und Wagen. Volk zahlreicher denn du, fürchte dich nicht ver ihnen* denn der Ewige, dein . Gott, ist mit dir, der dich heratugeiiihrt hat ans dem Lande Aegypten. So aber soll cs sein, wenn ihr hintretet zum Streite, so trete der Priester vor und rede zum Volke. Und so soll er zu ihm sprechen: ״Höre Israel, ihr tretet Jetzt hin zum Kampfe wider eure Feinde: nicht werde zage euer Herz, fürchtet auch nicht •und seid nicht bestürzt und zittert nicht vor ihnen. Denn der Ewige, euer Gott, ist es, der mit euch geht, für euch zu streiten mit eurdt Feinden, euch zu helfen.“ Und die Beamten sollen also zum Volke reden: ״Wer ist, der ein neues Haus gebaut, und hat es nicht , eingeweiht, er gehe und kehre in sein Haus zurück, dass er nicht im Kriege nmkomme und ein anderer :‘..Mann es an seiner Statt einweihe. — Und wer ist es, der einen Weinberg gepflanzt und hat ihn nicht gelöst, er gehe und kehre in sein Haus zurück, dass er nicht im Kriege umkomme u,:d ein anderer Mann ihn löse. - Und wer ist, der sich eine Frau verlobt und hat sic ■ nicht heimgeführt, er gehe und kehre in sein Haus zurück, dass er nicht im Kriege unikominc und ein anderer Mann sie hcimffilirc.“ Unsere Priester und, die ihre Stelle heute ver- treten, haben die Pflicht, dem Volke Mut zuzusprechen, haben es hinzuweisen auf seine grossen Aufgaben und seinen Optimismus zu stärken. Sie sollen den Mut entflammen und würden ihre Pflicht schnöde verkennen lud verlassen, wenn sie das Volk entmutigen wurden -in seinem Streben nach dem nationalen Ziele. Erst wenn das geschehen, sollen die Beamten, die politischen Beamten des Volkes ausrufen, dass freiwillig aus den? Heere scheiden kann, wer ein neues Haus gebaut, wer einen neuen Weinberg gepflanzt und wer sich eine Jungfrau verlobt habe. Dm mögen ruhig jetzt aus dem Heere scheiden, wo sie ‘vielleicht dazu beitragen würden, eine flaue.'Stimmig zu erzeugen. Und welche Humanität liegt in diesem uralten Gesetzesbrauch, dass der Bräutigam sich ,seiner Braut treuen und vom blutigen Waffenhandwerk tortbleiben soll. Und auch heute liegt kein Abfall vom Zionismus und vom Judentum darin, wenn in solchen Zeltet die intensive Arbeit für den Zionismus etwas in den Hintergrund tritt. Dann aber sollen die Beamten weiter zum Volke reden und also sprechen: ״Wer ist, der furchtsam und zagen Herzens ist, er gehe und kehre in sein Haus zurück, dass nicht feig werde das Herz seiner Brüder wie sein Herz.“ Und hier liegt die ganze Stärke des iüdischen Wahlgesetzes, das allein die Kämpfe und Siege und die Heldentaten der Makkabäer möglich gemacht hat. Wer feige und zagen Herzens ist, trete von der Fahne zurück. Wer nicht au den Sieg des Volkes auf dem Marsche glaubt, wer wie die falschen Kundschaftcr falsche Kunde und irrcinach'cnde Nachrichten über das Land der nationalen Heimat macht, der mache nicht feige das Herz seiner Brüder wie sein Herz, und . er trete zurück von der Fahne, der er nicht dient. Nur \ver des Sieges gewiss ist, wer da welss. dass der Heercszug nach der alten nationalen Heimat gerichtet ist, wer nicht feige und furchtsam glaubt, dass das Volk aut dem Marsche auf Irrwegen geht, hat das Recht, im Heerbann mitzuzichcn, damit nicht teige werde das Herz seiner Rriider wie sein Herz. Demi eine kleine Schar kann mir sieghaft sein, wenn sie von vornherein mit vollem Siegesbcwnsstsein in den Kampf zieht. Und darum erheben wir den Schekel nicht von iedem Juden, sondern יוצא צבא "r von Jedem, der mit uns in־ Reih und Glied stellt. Wer nicht Zionist ist, wer also •nicht mit uns für das nach Zion wandernde Volk kämpft, hat kein Recht, den Schekel zu zahlen. Er ist das Handgeld, das der Kriegsmann nicht zahlt, sondern gibt, zum Beweise dessen, dass er zur Fahne des ludeuvolkes steht, und dass er nicht zweifelt, dass w ir auf dem richtigen Wege wandeln, das Ziel des Jüdischst Volkes *zu erreichen, das heute und bis zu seiner Erreichung mit dem des Zionismus identisch ist, eine öffentlichrechtlich gesicherte Heimstätte für das Jüdische Volk in Palästina zu schaffen. Gewiss, es ist unsere hohe Pflicht, zu den bevorstehenden Schckeltagen möglichst viel Schekel zusammeuzubringen. Aber wir nehmen die Schekel tmr von Zionisten, d. h. von solchen Juden, die das Ziel des Zionismus, wie cs im Baseler Programm zum Ausdruck kommt.' für richtig erachten und fiir •seine Ausführung tätig sein wollen. Die zionistisch׳; Partei ist das Jüdische Volk auf dem Marsche. Unsere Pflicht ist es, dafür zu sorgen, dass sich möglichst viele der Partei mit voller Ueberzcugung anschliessen. Unsere Führer bedürfen der Schekel als Kriegsfonds in dem friedlichen und unblutigen Kampfe. Der Kampf ist ein friedlichkultureller und wird mit Ucbercinstimmung aller Nationen mit allen Mitteln des Friedens geführt. Aber auch dazu gehört Geld, und wir würden unsere Pflicht schlecht verstehen, wenn wir zuerst die Zagen auffordern würden, zttrückzukchren in ihr Haus. Zuerst gilt es das Herz des Volkes zu stärken, gilt es dem Volke das priestcrliche Wort zuzurufen: ״Höre Israel, ihr tretet jetzt hin zum Kampfe fiir eure Brüder: Nicht werde zage euer Herz, fürchtet euch nicht und seid nicht bestürzt und zittert nicht vor euren Feinden.“ Wer bereit ist, sich dem zionistischen Heerbann anzti&hlicssQ), wer nicht da%*or zittert, was die Feinde des Jüdischen Volkes dazu sagen werden, wer nicht furchtsam und zagen Herzens ist, der nehme die hohe Ehrenpflicht auf sich, den Schekel zu zahlen; der alten Münze hebräischen Gepräges Sinnbild. Auf den hebräischen Münzen, die uns aus den wilden Kriegszeiten erhalten sind, sind Palmen und Paradiesäpfel, Myrten und Weidenzweige als Symbole des holden Friedens ahgcbildet. Aber sie tragen auch die stolze Aufschrift :^הרות י־טי־אי Freiheit Israels. E11 aq i tu. Soziale Hilfsarbeit der modernen Jüdin Ein Vortrag von Noemi Bandth. Wir stehen jetzt bereits mitten in der beginnenden ‘Wintersaison, mit neuen guten Vorsätzen ausgerüstet, zu helfen, wo es not tut lind zu arbeiten, wo wir helfen können, fst ia die Wintersaison besonders fiir d‘.u ürossstiidter d:e Saison der Atbeit, die Jahreszeit des Schaffens. Und das ist's, wovon wir heute »,eden wollen: von der Arbeit. Und zwar von der Arbeit, die nicht aus der eigenen Not, sondern aus der Kot anderer geboren w ird, von der Arbeit des einzelnen Individuums für die Gesellschaft, die seiner bedarf. Und wer ist mehr dazu geeignet. Not zu lindern. Elenden zu helfen, fiir die Hilfsbedürftigen zu arbeiten, als die Fran? Es ist das Wesen des Weibes, mitfühlend zu sein und weich, es liegt ip seine»־ Natur. Linderung zu bringen, wo es leiden sieht, helfend einzugreifen, wo jemand sich in Not befindet. Auch ist die l'rau im allgemeinen nicht so sehr von ihrem Beruf in Anspruch genommen wie der Mann - - sie hat mehr Zeit, sich an sozialer יי^ייי 0