Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1906)
- Date
- 1906-11-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Jahrgang Jeder der zum Heere auszieht Wo.u1 die Zeit Itcrannalit. in.der wir die Siege 11nserer Makkabäer feiern, wo wir der Heldentaten gedenken, die in alter Zeit von nnsern Väter geschehen, da iiberkonnm uns oft das Geiiihl, dass wir weitab von dem Wege sind, auf dem die ruhmreichen Väter ge- Beitritten. Freilich dürfen wir ob unserer eigenen Schwäche nicht allzusehr verzagen. Den ו wenn wir auch nicht selbst Mann gegen Mann für unser Volk zu streiten gezwungen sind wie jene, denen die schlimmste Unterdrückung das Schwert in die Faust gedrückt hat, so haben doch unsere Brüder nicht minder schwere Leider zu erdulden im Lande, wo der rechte Glaube in ihrem Blute erwiesen wird. U.id sic haben sich imserer Väter wert bewiesen. Freilich ist es keine Frage, dass dje sich in einem entsetzlichen verhängnisvollen Irrtume befinden, die den russischen Juden in russischen Landen die Lösung auch nur der russischen Judenfrage prophezeien. Nicht auf russischer Krde und nicht im Tatarenkvide werden freie Juden wohnen, sondern nur im alten Judenfeinde, In» Lande, das mit dem Makkabäerblute die unveräusserlichen Rechte auf jüdische Freiheit und freie Juden eingesogen hat. Für die Zeit, in der wir der Makkabäerkämpfe feiernd gedenken, hat deshalb die zionistische Organlsation ihre grosse Heerschau angesetzt, die den Namen der Schckeltagc führt. In der ganzen Welt, wo Juden wohnen, also In der ganzen von Menschen bewoluten Welt, kommen an diesen Tagen die Zionisten ztisar.1men. um feierlich der Kopfsteucrpflicht zu genügen, die sie sich selbst auferlegt haben. Das ist keine Steuer, die lästig empfunden wird, keine Steuer, die das Volk drückt oder ihm das Leben verbittert oder verteuert. Das ist eine Steuer, die zugleich als höchste Pflicht und ebenso als hohe Ehre von dem empfunden wird, der sie bezahlen darf. Die Einrichtung des Schekels knüpft an die allerältesten Institutionen der jüdischen Gemeinschaft an. Sie war das Mittel der Volkszählung bei der Wüstenwauderuug, die nichts anderes war, als die nationale Wanderung aus der Knechtschaft zur Freiheit und aus dem fremden Lande in die nationale Heimat. War Aegypten das גלות Galut gewesen, das erste Galüt, so war Palästina das Land, in dem es kein Galüt gab. Und wenn wir uns heute im Galüt befinden, so wird uns Palästina und nur. Palästina die Erlösung aus dem Galüt bringen. Erst der jüngsten Zeit war cs Vorbehalten, dass* die Feinde des Zionismus es sich erlauben durften, vom Zionismus zu behaupten, dass er in Palästina das גלות fortzusetzen bereit sei. Gegenüber dieser Behauptung, die selbst von den Protestrabbinern nicht ausgesprochen worden ist, und die von einer absoluten Unkenntnis des Zionismus und von keinem guten Willen zeugt, können wir nur immer wieder aui die Geschichte des Zionismus verweisen, die freilich oft grade von einer Seite zitiert wird, wo man sie am wenigsten kennt. Der Zionismus stellt das Judenvolk in seiner Wanderung nach dem alten Stammeslande dar. Er hat dasselbe feste Ziel vor Augen, das der Gründer der Nation 7um .Ziele hatte und er greiit auf die Mittel und Institutionen zurück, deren der Gründer des Volkes, In dem sich der jüdische Nationalismus krystallisiert, sich bediente. Und wie der Nationalfond nichts weiter ist, als das Stammes-!and als nationaler Grund und Boden im Gesamtbesitz, wie ihn die mosaische Gesetzgebung kannte, neben dem es eben nur die Erbpacht gab. so erheben wir, wie in der Zeit und seit der Zeit der Wilstenwanderung die nationale Kopfsteuer, die den gleichen Betrag darstellt, von wem sic auch gegeben wird. Sie ist die unumstössliche Pflicht eines Jeden und sie ist die Vor• bedingung Jedes Rechts im Volke.- Sie ist zugleich bei der völligen Gleichheit die wuchtige Grundlage der absolut demokratischen Verfassung jedes jüdischen Gcmcinlcbcns. In ihr prägt sich die Gleichheit vor dem Gesetz aus und die Gleichheit vor dem Gericht, die im Judenvolk niemals eine bloss nominelle w׳ar. Der Schekel war und Ist die nationaldemokratische Volks- Steuer. Aber nicht jeder zahlte diese Steuer. Vielmehr nur der sollte den Schekel zahlen, der als wehrfähig bct’unden w urde und zum Heerbann gehörte. Wer nicht In Reih’ und Glied stehen konnte, dem Volksfeinde gegenüber, der sollte den Schekel n lebt zahlen. Denn er ist die Ehrenpflicht des wehrpflichtigen und wehr* fähigen Juden. Und wenn wir auch alle wehrpflichtig sind, wo es gilt die Ehre des Judentums zu verteidigen und die Fahne hochzuhalten, die zum ersten Male über den Hebräern flatterte בצאת ישראל מבצרים בית "*קי ם;*ם לע* , als das jüdische Volk Aegypten * verliess, das Haus Jakobs das Volk fremder Zunge, so bringt die allgemeine Wehrpflicht noch nicht die allgemeine Wehrfähigkeit mit sich. Die Fahnenflüchtigen scheide,11 von selbst aus. Sie und ihre Nachkommen steilen ia he-