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Jüdische Rundschau · 1906-11-23 · Heft 47 (23.11.1906) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 47 (23.11.1906)
Date
1906-11-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 47 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 699 | k sind inzwischen zum allcrgrösstcn Teile aus Prcussen ausßcwiesen. In Berlin selbst ist die prozentuale Zunahme der Juden mit 7,25% schwächer gewesen als bei der Gcsamtbevölkerung. wo sie 8,01 betrug. In der Provinz Hessen-Nassau ist die Zunahme um 1911 Juden grösstenteils der Stadt Frankfurt a. m. zu gute gekommen, wo die Zahl der Juden von 21 97*1 auf 23 476 stieg. In der Rheinprovinz haben die Städte Köln, Essen, D üsscldorf. Duisburg fast die ganze Zunahme der Rheinprovinz (3157) an sich gezogen. Im Jahre 1871 wohnten noch 50,00 *<0 aller Juden in den östlichen Provinzen Ost- und Westprcusscn, Pommern, Posen und Schlesien. 1905 dagegen nur noch 28,43 9c; bei Posen allein beträgt der Rückgang 11,61 9c. Daiiir wohnen jetzt 3-1,02 90 aller Juden in Berlin und Brandenburg (d. h. Berliner Vororten) gegenüber nur 14,59 90 im Jahre 1S71. Schulunterhaltungsgesetz Das neue Schuluntcrhaltungsgesetz tritt erst am 1. April 190S in Kraft. Audi die Schulverwaltung Altonas wird erhebliehen Aendcrungen unterworfen werden. Von den hier am Ort vorhandenen Sozictatsscliulcn muss die Stadt die beiden katholischen 0 c m c i n d c s c h u I c n mit sämtlichen Lehrkräften, den Gebäuden und den Aktiven und Passiven!übernehmen. Die katholische Schulgemeinde erhielt für das laufende Jahr 25 500 Mk. aus städtischen Mitteln. In Zukunft wird die Stadt etwa 10000 Mk. mehr aufzuwenden haben. Sehr erfreut über die Acnderung werden unsere katholisehen Mitbürger sein, die für Kirchen- und Schulzwecke 50 9£ Zuschlag zur Staatseinkommenstcucr zahlen müssen. Den grössten Teil dieser Steuern beansprucht nämlich die Schule. Die andere in Altona befindliche Sozictätsschule. die j fl d isehe Gcmcindcschulc. bleibt bestehen, falls die jüdisehen Einwohner es wünschen. Die zur Unterhaltung dieser Schule Verpflichteten, die hiesigen Juden, bilden dann einen eigenen Schulvcrband. Nach § 67 des Gesetzes vom 23. Juli 1847 können die Juden im Fall der Errichtung einer eigenen öffentlichen Schule eine Beihilfe aus Genieindcmitteln fordern. Die Höhe dieser Beihilfe richtet sich nach dem Betrage der Komnmnalnbgabcn de־ jüdischen Einwohner, den aus Gemeindcmittcln für das Ortjschulwescn gemachten Atu wen dungen und der Erleichterung, die dem Kommunalschulwescn aus der Vereinigung der jüdischen Kinder in einer besonderen jüdisehen Schule erwachst. Die Stadt ist also verpflichtet, einen Beitrag zur Unterhaltung der hiesigen jüdischen Gemeindeschule zu zahlen. Der städtische Schulverband erhielt ferner aus den zur Unterstützung leistungsfähiger, öffentlicher Volksschulen der Staatsregicrung zur freien Verfügung stehenden Mitteln eine Beihilfe von 3540 Mk. und wird sic sicherlich weiter beziehen. Jüdischer Volksverein in Berlin Wie bisher hat der ״Jüdische Volkssverein*' auch in diesem Winter Sprachkurse für Ausländer eingerichtet. Es werden Kurse für Anfänger und Vorgeschrittene in! Deutschen ahgehalten. Hervorheben möchten wir noch, dass diesmal auch Anfangs-Unterricht im Englischen erteilt wird, eine Einrichtung, die den Auswanderern besonders zu statten kommt. Der Unterricht findet Dirckscnstr. 46 im Lokal des ״Jüdischen Volksvcrcin“. tatt. Wir bitten Herren und Damen, die, an den Kursen Anteil nehmen wollen, sich im Büro des Vereins zu melden. Eine grosse Anzahl von Damen hat sich bereit erklärt, regelmässig in den Besuchstunden diejenigen Kranken zu bcsuchen, die ohne Angehörige und Freunde in hiesigen Krankenhäusern. Kliniken oder Privatpflege liegen. Durch diese Krankcnbcstichc soll der Verkehr der Kranken mit ihren Angehöri■ gen aufrecht erhalten werden: es soll ihnen das Gefühl des Verlassenscins genommen, es sollen ihnen auch Erfrischungen zugeführt werden, soweit es ärztlicherseits erlaubt ist. Ferner sammeln wir Zeitungen und Bücher in jüdischer und russischer Schrift und Sprache, um sic den Kranken zuzustelicn. — Unser Wirkungskreis beschränkt sich nicht auf Berlin, sondern auch Buch. Dalldorf usw. werden von uns aus besucht Eine Anzahl Karten, wie sie nach unten wiedergegebenem Schema *gedruckt sind, liegt in den in Betracht konimenden Herbergen. Krankenhäusern. Vereinen usw. aus. um zum Zwecke von Bestellungen uns zugeschickt zu werden. Für ärztliche Hilfeleistungen und Untersuchungen stehen wir auch fernerhin gern zur Verfügung. Auskunftsbüro Jüdischer Volksvereln Berlin. Isidor Wolff. Unser Büro befindet sich jetzt: DIrcksenstr. 46, Sprechstunden: 12—%2; 5—7 Uhr. Die Karte hat folgendes Schema: Krankenhaus Abteilung Besuchstag und Stunde Krankenbesucher .סא Datum Zimmer Bett-So. Same des Kranken Same u. Adresse d Ansehßr Aus welche׳ Stadt Sei: wann irr. Krankhs | ן ן | | Befind. Bemerk. Er sagte: ״In und die Regierung dieses Volkes auf indem in Galizien schaffen wurden. Oesterreichlsche Wahlreform In der Spezialberatung der Wahlreform ergriff Abgcordnetcr Dr. St raue her die Gelegenheit, über die ungerechte Behandlung der Juden durch das Reformwerk Beschwerde zu führen. Österreich*) existieren lVt Millionen Juden hat teilweise den berechtigten Anspruch eine entsprechende Vertretung anerkannt, Wahlbezirke mit jüdischer Majorität ge- Es ist nicht richtig zu sagen, die Juden seien lediglich eine Konfession; sie assimilieren sich wohl hier und dort, allein dort, wo sic zu Hunderttausenden wohnen, müssen sic gewiss eine selbständige Vertretung erhalten. Die neun Millionen Deutschen in österreich erhalten 233 Abgeordnete. Abg. Dr. Götz: Da sind aber viele Juden dabei! Abg. Dr. Strauch er: Gewiss, 450 000 Juden, die sich nach ihrer Umgangssprache zur deutschen Nation bekennen. Abg. Dr. Götz: Die Juden können Ja auch gewählt werden! Abg. Dr• Straucher: Sie können, aber sie werden nicht! Zeigen Sie mir, ausgenommen den Abg. Dr. Oiner, einen einzigen jüdischen Abgeordneten aus Westösterrcich. Abg. Dr. Götz: Mein Vorgänger war der Abg. Auspitz. Abg. Dr. Straucher: Das war vor Jahrzehnten, und was die deutschlibcrale Partei damals getan hat, ist mit dem nicht zu vergleichen, was jetzt geschieht. Wenn auf zirka 39 000 Deutsche je ein Mandat entfällt, dann müssten den Juden mindestens 11 bis 12 Mandate zugewiesen werden. Allein sie erhalten nicht nur kein Mandat, sondern sie werden noch beschimpft, und ich erachte mich infolgedessen als der einzige, der sich in diesem Hause zu seinem Volke bekennt, für verpflichtet, für die Vertretung der Juden im Parlament einzutreten. Hätte der Abg. Dr. Gross nicht im Wahireformsausschusse das Gerichtigkeitsgeiühl besessen und verlangt dass zum ersten Wahlkreis Czernowitz der Vorort Sadagora zugeschiagcn werde, wodurch'die dor• tigen Juden einigermassen Aussicht haben, ihrem Kandidaten zum Siege zu verhelfen, dann stünde man heute vor der Tattache. dass die Bukowina mit 96000 Juden von insgesamt 736000 Einwohnern überhaupt keinen jüdischen Vertreter Im Reichsrate erhalte. Jeder ohne Unterschied der Parteistellung wird zugeben müssen, dass eine derartige Situation ein schweres Unrecht gegenüber der Judenschaft bedeuten würde, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Juden in allen Lagen für das deutsche Volk eingetreten sind und die verpönte Judenpresse den Grundpfeiler der Verteidigung und Wahrnehmung deutscher Interessen bildet. Wenn irgend jemand Ursache hätte, gegen die Judenpresse aufzutreten, so wäre es In erster Linie das Judentum selbst. In Galizien, wo sich über 900 000 Juden befinden, hat man diesem Volke sechs bis sieben Mandate konzediert, das heisst: es kommt auf fast je 200000 Juden ein Abgeordneter. Trotzdem muss anerkennend hervorgehoben werden, dass die Polen das einzige Volk sind, welches sich im Wahlreformausschussc für eine Vertretug der Juden eingesetzt hatte. Abg. Dr. L e m i s c h: Die Herren werden schon wissen, warum sie es getan haben! Abg. Dr. Strauchen־: Weil sie sich vom Gefühl der Gerechtigkeit haben leiten lassen! Abg. Dr. L e m i s c h: Aus Gerechtigkeit macht man nichts! Abg. Dr. Straucher: Es würde den Juden in Ga• lizien entsprechend ihrer Bevölkerungsziffer eine grössere Anzahl von Mandaten gebühren, und es ist zu erwarten, dass der Poienkiub dies bei den Wahlen auch cinschcn werde. Man kann den Juden nicht vorwerfen, dass sic kultur- oder bildungsfeindlich wären, dass sie sich nicht freien Berufen zuwenden oder doch nur träge die Hände in den Schoss legen. Sie sind ein eifriges arbeitsames Volk und haben sich auf federn Gebiete menschlicher Kultur hervorragend betätigt. *) D. h. in der cishcithanischen Reichshälfte. יד

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