Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1906)
- Date
- 1906-11-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 47 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seit(? 695 sonen in das Land eingewandert, 959 Männer und 798Frauen; das ist ungefähr das Dreifache des vorjährigen Zuflusses, und der Zuzug geht fort. Von dieser Masse waren 598 Kinder unter J5 Jahren, 797 Personen standen im Alter von i6—45 Jahren, 46—60 zählten 199 und Ober 50 Jahre 109 Personen. 44 Prozent der Einwanderer waren Handwerker, 33 Kauflcute; der Rest gehörte anderen Bcrufsklassen an. Von ihnen wollten 1637, d. h. fast 94 Proz., sich fest im Lande ansicdcln, 67 wollten sich auf heiligem Boden zum letzten Schlatc betten, die übrigen verweilen nur auf kurze Zeit dort, zur Kur, zur Wallfahrt oder zum Studium. Nach Jerusalem s׳r>d 242, in andere Städte 12 und in die Jüdischen Kolonien 8C abgew andert, der Rest, 1372 P01 sonen, hat sich vorläufig in Jaffa niedergelassen. Dieser neuen Einwanderung nicht minder als der Stauung der Ansiedler in Jaffa kommt es ungemein zu statten, dass dort jüngst ein ״Allgemeines Infonnationsbureau für Palüstina“ geschaffen worden ist. das in einer zuverlässigen Zusammenstellung, die unter den Emigranten verbreitet wird, übersichtlich über die liauptsächiichsten Landcsverhältnisse, über die Aussichten der Einwanderer und über die Kosten der Selbständigmaclnrng unterrichtet. Darnach gibt cs unter den 700 000 Einwohnern Pa’ästiv.as über 80000 Juden, von denen 700 in den 25 jüdischen Kolonien wohnen, während Jerusalem 45 000, d. i. V» seiner gesamten Bevölkerung, das obergaliläischc Safed 15 000 und Jaffa 6500 Seelen in seinen Mauern birgt Die Juden sind im allgemeinen keinerlei Verfolgungen oder Ausnahmebestimmung gen unterworfen; das türkische Steuersystem, nach dem I2r׳'* Proz. der Ernte als ״Zehnt‘* erhoben werden, lastet auf ihnen nicht, mehr und nicht weniger als auf den eingeborenen Fellachen und auf den anderen Kolonisten wie den Deutschen oder den Tscherkessen. Unerwünschte Elemente für die Einwanderung sind solche, die an landwirtschaftliche Selbständigkeit denken, ohne hin - reichende Mitte! zu besitzen — die sogenannte Kleinkolonisation der früheren Jahre hat die Wohltätigkeitsform genügend ad absurdum geführt; ferner Kleinhändler, Handlungsgehilfen und gewisse Klassen von Handwerkern, wie Uhrmacher, Klempner, Schuhmacher und Schneider, deren Berufe überfüllt sind; um so bessere Aussichten bietet das Maurerhand־ werk, da viel gebaut wird und die Bauzeit fast das ganze Jahr währt. In allen anderen Gewerben sind neben Energie und Geduld tffchtigc Fachkenntnisse und Kapital erforderlich, das neben Installierung und Miete — die für ein Jahr im voraus gezahlt wird — den Unterhalt der Familie wenigstens für ein halbes Jahr gewährleistet. Die Wohnungsmietc ist im allgemeinen billig, die hauptsächlichsten Lebensmittel stellen sich nach den Jaffaer Marktpreisen für das Kilo folgendermassen: Brot und Mehl von 25 Pf. an, Rindfleisch —' je nach Qualität und Jahreszeit — 1,30—2,50 Mark, Hammelfleisch 1,30—2.09 Mk., Fische 0,95—3,00 Mk., Reis 25—50 Pf., grünes Gemüse von 3 Pf. an. Kaffee 1.60 bis 2,40 Mk., Tee 3—11 Mk., Petroleum von 22—38 Pf., Möbel werden in Palastina sehr billig und gut angefertigt. Für unverheiratete, gesunde, junge Leute bietet svh Gclegenheit zu landwirtschaftlicher Arbeit bei einem Tagcsverdienst von 1,25 M., währenJ weibliche Dienstboten, w e Köchinnen und Kindermädchen, für den Monat bei freier Station 12—16 M. verdienen und sehr begehrt sind.. Eine günstige Gelegenheit bietet sich auch ־— entgegen der landläufigen Meinung — für Kapita*sanlagc. da das Land gegenwärtig im Zeichen der Entwickelung steht. Kapitalisten können ihr Geld Je nach Neigung oder Chancen in der Land- 1 Wirtschaft wie in der Industrie gewinnbringend anlegei:. Die osteuropäischen Juden können freilich, weil ihnen die Einwanderimg verboten ist, auf eigenen Namen nur dann Land erwerben, wenn sie türkische Untertanen werden, wohl aber können sie als Untertanen anderer Staaten indirekt Land kaufen — gegen bar — sowohl städtischen Baugrund als auch bebautes oder unbebautes Land in oder bei den Kolonien. Der Häuserbau zwecks Vermietung oder Verkauf gilt als rentabel zumal in Jaffa, wo infolge des Zuflusses der letzten * . Jahre die Miete erheblich gestiegen ist und heute fast eine I Wohnungsnot herrscht. Auch Haifa bietet bei dem stetigen Wachstum der Küstenplötze günstige Aussichten für d־'e Bautätigkeif. Zum Kauf von Weinbergen kann bei der äugenhiicklichcn Krise — der Wein lagert zu vielen Tausenden von Hektolitern in den grossen Kellereien von Rischon-lc-Zion und Sichron-Jakob und kann, da ein ausreichender Markt fehlt, nur mühsam und mit Unkosten ahgestossen werden — nicht geraten werden; dagegen haben sich die sogenannten ßujaren, d. h. Orangegärten, nach der Erfahrung der letzten Jahre als ziemlich einträglich erwiesen.*! Eine Bujara muss. •) Die Kolonie Pelach-Tikwah bei Jana widmet sich in erster Linie der Orangenkultur; das Anlagekapital für dieselbe verzinst sich bereits mit 16 Prozent. Berühmt sind die arabischen Orangenhaine um Jana, die trotz ihrer zum Teil miserablen Verfassung Jährlich über 6 Millionen Francs Orangen produzieren und exportieren. wie glücklich bin ich, Schwan von Handigai, dass cs meinen Augen vergönnt ist, dich zu sehen! Erlaube, dass ich dir die wunden Füsse bade, dich mit einem neuen Gewand bekleide und dich als teuren Gast umarme! Deine wunderbaren Lieder sind zu mir gepflogen, wie seltene Vögel aus weiten Ländern!“ — Sie traten zum Fluss und Hakim Bai-Sugdi trank gierig das kristallhelle, kühle Wasser. - Ergudzl schaute ihm lächelnd zu. Als Bai-Sugdi endlich seinen Durst ge- ( löscht hatte und sich wieder erhob, fragte Ergudzl erstaunt: — ״Wie kommt cs, Schwan von Handigai, dass du bei dem grossen Durste, der dich quälte, nicht einmal diesen Fluss ausgetrunken hast?“ — ' Bai Sugdi glaubte, der Hakim mache Spass und antwortctc: — ״So geht cs uns allen, wenn uns der Durst plagt, so glauben wir, dass eV. ganzes Meer nicht imstande sei, ihn zu löschen.“ — Hakim Ergudzl lacb'.c freundlich auf und wies aui eine wilde Ziege, die am Ufer einen jungen Busch ahnagte: — ״Wie denkst du, Schwan von Handigai, wird dieser Busch wachsen, wenn diese Ziege jeden Tag die jüngste1;! Blättchen abfrisst,“ fragte er. — ״Nein, er wird verdorren.“ •— Hakim Ergudzl lachte wieder und Bai-Sugdi sann nach. Unter solchen Gesprächen verbrachten sie drei Tage. — Hakim Bai-Sugdi hatte sich erholt, erfrischt und sein abgetragenes Gewand gegen ein neues vertauscht. Er sprach nicht von dem Zweck seiner Reise.und wartetc, dass Hakim Ergudzl das erste Wort sprechen würde, aber dieser tat, als ob er Bai-Sugdi schon längst erwartet hätte und nun erfreut wäre, ihn wie einen Bruder bei sich zu sehen. Am vierten Tag richtete er das Wort an Bai Sugd; und sagte: ״Nun kannst du heimkehren, Bai-Sugdi, du hast dich von der beschwerlichen Reise erholt, deinen Leib durch Nahrung gestärkt und deine Glieder mit einem neuen Gewände bekleidet. Ich wollte dich nicht gleich damit kränken, aber du hast viel Zeit unnütz verloren, viele Mühseligkeit und Gefahren unnütz ertragen. Dich hat der Hochmut hergeführt, die Eitelkeit, dich über deine Mitmenschen zu erheben. Gehe heim und singe deine Lieder! Jede Träne, die dein Lied trocknet, Jedes Lächeln der Freude, das es hervorbringt, ist ein Glück,