Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1906)
- Date
- 1906-11-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I - . * I # f ־ ו 11 « ו f | I I I I I I * ז 1 « Seite 694 ׳״ \ JÜDISCHE RUNDSCHAU " No. 47 deutsch zu lehren? Genau in derselben Lage sind unsere Bauern in Palästina. Sie brauchan arabische Knechte, können aber nicht mit ihnen reden. Sic haudein mit dem arabischen Kaufmann und brauchen einen Dolmetscher. Ich habe selbst erlebt, dass der Scheich eines arabischen Dorfes an ein indisches Dorf ein Schreiben richtete und niemand verstand cs. Das ist unhaltbar und sinnlos. Man muss -die Sprache des Landes verstehen, in dem man lebt, sonst bleibt man zeitlebens ein Fremder und ist in 1000 Fällen auf die Gute Dritter angewiesen. Nicht anders stehts in den Städten. In fast samtliehen christlichen Schulen wird arabisch gelehrt. So kommt cs, dass die in ihnen erzogenen jungen Leute Stellungen als Beamte in der dette publique, in den Post- und Zollämtern, den Konsulaten und Banken bekleiden, ihren Unterhalt verdienen und auch Einfluss auf die Verwaltung gewinnen können. Die jüdischen Schulen haben bisher keine Schüler enilassen, die hierzu fähig gewesen wären und in Jerusalem kann man unter den 25 000 aschkenaslschen Juden w׳ohl keine 100 finden, die der Landessprache mächtig sind. Hier muss Wandel geschaffen werden. Wir haben das dringendste Interesse daran, dass Juden im Lande in Beanitenstellen gelangen, alle weiteren Erörterungen über diesen Punkt erübrigen sich. Was den zweiten Punkt anlangt, so lag cs nahe, dass die einzelnen Organisationen den Unterricht der- Jenigen europäischen Sprache einfuhrten. die am Sitze der Verwaltung gesprochen'wurde- So geben die Engländer englischen, die Alliance französischen, der Hilfsverein deutschen Unterricht. Wir stehen nun keineswegs auf "dem Standpunkt, "dass man in den Schulen überhaupt auf fremde Sprachen verzichten soll. Auf den Dörfern können sie wohl entbehrt werden, aber in den Schulen der Städte muss eine europäische Sprache gelehrt werden. Für "den Handel. Beamtenstellungcn und dergleichen ist im Orient die Kenntnis einer der grossen Kultursprachen unentbehrlich. Aber das heutige System der Sprachen- Zersplitterung ist verfehlt. Den Kindern w ird dadurch das Gemeinsamkeitsgefühl genommen, das sie durch 'den hebräischen Unterricht eben gewinnen. Es kommt nicht darauf an, gute Engländer, Deutsche, Franzosen hcranzubildcn, sondern gute Juden. Das geben heute, wenigstens theoretisch, auch alle Beteiligten zu. Aber niemand kann aus seiner Ham. Niemand will verzichten, und so geht das alte Lied traurig weiter; in der Praxis lehrt jeder seine Sprache und iügt so den 30 oder *10 Nationalitäten, die unter den Juden ohnedies vorhanden sind, immer neue hinzu. Nächstens kommen vielleicht die Italiener und lehren italienisch. So schafft man neue Mauern, statt die alten niederzureissen. Wie kajm dem abgehoben werden? Vielleicht in der Weise, dass man — wie Herr. Levontin einmal vorgeschlagen hat, — einen internationalen Schulrat schafft, der die Frage berät und entscheidet. So könnte wenigstens eine örtliche Abgrenzung der Sprachgebiete geschaffen werden. Die Verhältnisse liegen ja auch nicht überall gleich. In der einen Stadt über wiegt der deutsche, in einer andern der französisclic oder englische Einfluss. Wenigstens wäre so dem grössten Ucbel abgehoben, nämlich, dass die Kinder im seihen Ort, die täglich mit einander in Berührtmg kommen, sich als Fremde betrachten* Die Frage einer solchen Institution sollte wohlwollend erwogen werden und w ir!!offen, dass der Deutsche Hilfsvcrcin, der sich schon manches Verdienst im Lande erworben hat, die Initiative ergreift. Vielleicht wird ihm das durch die Begründung eines dcutsehen Bureaus der Alliance erleichtert. Es würde so ein grosser und wichtiger Schritt für die Förderung der Palästinaarbeit getan werden. Dr. Fricdcmann. יו, 3* *•O Mp׳'•״ 'F\ 4» £ ״ Wi '4 « 1 I'י:; » {v״..וt ו i i 1» f«| 1 bfe « In der letzten Zeit hat sich der FInvandeningsstrom -oseeuropäischer, namentlich russischer Jt1J;n nach Palästina aus begreiflichen Gründen erheblich verbreitert. Obwohl seitens der türkischen Regierung ein Gesetz aufrecht erhalten wird, dass Juden aus Osteuropa nur auf drei Monate in das Land kommen dürfen, steht doch tatsächlich einer dauernden Niederlassung nichts im Wege. So sind denn auch nach zuverlässigster Sntistlk in den sechs Monaten von Januar bis Juli d. J. nicht weniger als 17*?7 Per- Der Schwan von Handigai Frei übertragen aus 'dem Russischen von M, Pfitzner. Asiatische Legende (Schluss.) IV. Zum Hakim Ergudzl gelangte Bai-Sugdi erst nach *drei Jahren mühevoller Wanderung. Wie viele Oefahren hatte er zu bestehen, wie viele Mühseligkeiten zu ertragen! Es ging ■durch felsige Höhen und undurch- 'dringliche Wälder. Sein Gewand war abgetragen und hing In Fetzen an seinem Leibe herunter und zwischen den Fetzen hindurch schimmerte der dürre Leib, die Füsse waren mit Wunden bedeckt. Alles ertrug Bai-Sugdi. וזויו den vollkommensten Menschen zu erreichen und von ihn! das letzte Wort 'der Wahrheit zu vernehmen. Von wilden Fruchten. Wurzeln und Gräsern ernährte er sich wie ein wildes Tier und hatte schon den Geschmack des Fleisches vergessen. Oft hatte er krank Im Walde gelegen und mit Ergebung den Tod erwartet. Aber Gott war cs gefällig, sein Werk mit Erfolg gekrönt zu sehen. Es war Frühling, als er das Ziel seiner Reise erreichte. Alles blühte und freute sich rund umher. Hakim Ergudzl lebte am Ufer eines grossen Flusses, und Hakim Bai-Sugdi vergoss Frcudentrancn. als er die .klaren Gewässer erblickte, die in smaragdenen Ufern ruhig dahinflossen. Es war der schönste Ort, den man sich vorstellen konnte. — ״Gottes Segen über Hakim Ergudzl," sagte Hakin! Bai-Sugdi. sich der Hütte aus Paimzweigen nähernd. Da kam ihm aus der Hübe ein noch frischer Greis mit schönem Antlitz in reinlicher Kleidung und festem Körperbau entgegen. So hatte sich Bai-Sugdi den greisen Hakim nicht vorgesteüt. — ״Du hist gewiss müde? Dich hungert und dürstet? Du brauchst ein neues Gewand?" fragte Hakim Ergudzl freundlich lächelnd. .Da ist der Fluss Tschet* sehe, geh’, lösche deinen Durst und wasche dich." / —־ ״ —Ich bin Hakim Bai-Sugdi aus Handigai.“ sagte Bai-Sugdi verlegen; ״ich werde der Schwan von Handlgaf genannt." — ״Bist du "der Bai-Sugdi. der das schöneJJc’d^ gesetzt hat: * י ״Mit einer roten Rose ist dein Lachen verschlossen, ’das Lied 'der Nachtigall birgt deine junge Brust?" — O, I