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Jüdische Rundschau · 1906-11-23 · Heft 47 (23.11.1906) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 47 (23.11.1906)
Date
1906-11-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Das ist sehr bedauerlich, denn — soweit ich mir persönlich im Lande ei ד Urteil bilden konnte — sind alle beteiligten Paktoren, Vereine wie Personen, redlich betnfiht, die Sache zu fördern und für die ihnen anvertrauten Zöglinge md deren Zukunft nach bestem W issen zu sorgen Wenn ich daher heute zur Sache das Wort ergreife, so geschieht das lediglich, um auf einige systeniatisehc Fehler liir.zuweisen, die nicht auf einem Verschulden Einzelner, sondern auf dem bisherigen Mangel an Erfahrungen beruhen. Von allen möglichen Seiten Werden Reformen verlangt und Neugrundungcn betrieben. Insbesondere wird darauf hingewiesen, dass die höheren Schulen notwendig seien. Einige wollen ein Gymnasium, andere wurden am liebsten gleich eine Universität in Jaffa oder Jerusalem begründen. Und niemand macht sich klar, dass für solche kostspieligen Neuschaffungen gar keine Menschen da sind. Glücklicherweise. Denn der Sohn des Bauern oder Kleingewerbetreibenden soll nicht studieren, er soll Bauer oder Handwerker werden. Jedes Volk verträgt nur einen kleinen Prozentsatz von Gelehrten, die unproduktiv sind und von den Produzenten erhalten werden müssen und wir haben gerade genug von studierten Mittclintelligenzen, kranken geradezu daran. Zu welchen Berufen soll die Universität denn ausbilden? Juristen und Aerztc sind nur in sehr geringer Zahl im Lande zu brauchen, Philosophen und Historiker noch weniger. Die studierenden Bauernsohne müssten also auswandern und nach Europa heimkehren, wo sie das Gelehrtenproletariat vermehren würden- Und Gymnasien dienen ihrer Natur nach als Vorbercitungsstätte für die Universitäten. Sie sind also ebenfalls überflüssig. Dagegen sind gute Mittelschulen, die eine brauch* bare allgemeine Bildung vermitteln, eine Notwendigkeit, und sie sollten von allen Seiten gefördert werden. Auch von denen, die einen gesunden Bauernstand der lndustrialisierung desLandes vorziehen. Der intelligenteste Schüler wird heute der beste Bauer, weil mau heute zur sorgfältigen Landwirtschaft mehr braucht, als die blosse Kunst den Pflug zu führen. Die Mittel des Ackerbaus und Weinbaus sind heute nicht mehr primltiv wie in alten Tagen, die Verwertung der Produkte verlangt technische und kaufmännische Kenntnisse und die Ausnutzung der Arbeitskraft ist abhängig von geistiger Schulung und Dispositionsfähigkeit. Deshalb sendet in Gegenden mit einem hochentwickelten Bauernstände — z. B. am Rhein, in Hessen, in Nassau, dem badischen Unterland, — der Besitzer gerne seine Söhne in eine gute Schule und Hisst ihnen eine bessere Bildung zuteil werden, als sie in der Volksschule e!- halten wurden- Aber mit dem 14. oder 15. Jahr gehört der Junge aufs Land, wenn er wirklich praktische Kenntnisse erwerben soll. Homer und Cicero ka:1u er nicht verwerten und er soll sic nicht einmal studieren, weil er ein in seinem Lebenskreise zufriedener Mensch bleiben soll. Ein Zuviel wäre also für unsere Zwecke geradezu verderblich und die grossen Schuluntcrnchmer des Ostens, Hilfsverein und Alliance, werden sich wohl hüten solchen Wünschen nachzugebcn, solange nicht im Lande ein wirkliches Bedürfnis konstatiert werden kann. Ganz anders liegt die Frage, ob die Schulen der genannten Organisationen den vorhandenen Bedürfnissen genügen. Es ist früher viel darüber geklagt worden, dass die hebräische Sprache vernachlässigt wurde. Auch heute noch wird auf diesem Gebiete viel gesündigt. Mar. macht sich nicht klar, dass wir das hebräische nicht nur aus theoretischen Gründen fordern, nicht etwa nur aus Begeisterung für die Sprache der Väter, sondern w־eil das hebräische die einzige Möglichkeit bietet, die aus allen Weltteilen zusammenströmenden Bevölkerungselemente zu vereinigen, sie aus ihrer Sonderung und selbst zeitweiligen Befehdung loszulösen und zu einer brüderlichen Einheit zu verschmelzen. Die Schule des Hilfsvereins in Jerusalem leistet auf diesem Gebiete noch das meiste und sucht auch sonst den Anforderungen der jüdischen Gemeinde, auf deren Wunsch sie gegründet wurde, nachzukonmicn. Die Allianceschulen aber lassen noch viel zu wünschen übrig. im übrigen haben alle Schulen zwei Fehler gemeinsam. Einmal die Vernachlässigung der Landessprache und dann den europäischen Sprachunterricht. Man denke sich einmal, dass in Deutschland von englischer Seite eine Ackerbaukolonisation versucht würde, dass man — etwa im menschenarmen Ostpreussen — zehntausend Bauern ansiedelte, ohne sie in den Schulen

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