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Jüdische Rundschau · 1906-11-16 · Heft 46 (16.11.1906) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 46 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 684 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 46 treten, deren politisches Programm •den Aufgaben der Organisation in Russland nicht widerspricht. 3. Die Mitglieder der R.Z.O. dürfen keinen anderen jüdischen politischen Parteien angchärcn. . Anmerkung: In Anerkennung dessen, dass der ״Verein zur Erlangung der jüdischen Gtcichbercclitiguugg“ als einheitliche Organisation, alle Elemente des Judentums zu einem politischen Zwecke vereinigt und keinen politischen Parteicliaraktcr trügt, erachtet die Konferenz cs für möglich, dass, solange der Verein diesen unparteiischen Charakter bewahren wird. Zionisten zu seinen Mitgliedern gehören können. 4. Die R.Z.O. bewillkommt den Versuch der jüdischen Nationalisten, sich in einer politischen Partei zu gruppieren. 5. Im Wahlkampfe werden die Zionisten sich bemühen, jüdische Wahlkomitces aus den Vertretern der Parteien. Gruppen und unparteiischen Masse auf Grund des Minimums der nationalpolitischcn Forderungen zu bilden Wenn ein solches Komitee nicht zustande kommen kann, so werden die Zionisten ganz selbständig handeln und Wahlblocks mit anderen Parteien oder Unparteiischen bilden. .. .. Über den zweiten Punkt der Tagesordnung, die frage der Arbeit in Palästina wurden die folgenden Resolutionen angenommen: J. In Anerkennung dessen, dass die umfassende Entwicklung der Positionen in Palästina, wie auch die systematische ־ Vorbereitung dieses Landes zu einer Heimstätte für das jüdische Volk laut dem ersten Punkt des Baseler Programms das organische Grundclemcnt der politischen Konzeption des Zionismus auslachen: dass das Fehlen der entsprechenden Tätigkeiten von einem schädlichen Einfluss auf die Entwickelung der Bewegung sein könnte; dass die Erreichung von positiven Resultaten der politisch-diplomatischen Bemühungen eine grosse Kraft verleihen könnte: — verlangt die R.Z.O. von den aktiven zionistischen Organen auf Grund der Resolutionen des VII. Kongresses eine energische planmässige Arbeit in Palästina. 2. Angesichts dessen, dass die reale Arbeit in Palästina den Zweck hat. einerseits Bedingungen für die natürliche und allmählich wachsende Immigration der jüdischen Massen zu schaffen, und anderseits das politische, kulturelle und wirtschaftliche Übergewicht des jüdischen Elementes in Palästina zu befestigen, soll die R.Z.O. dem Zionisten- Kongresse Vorschlägen: a) Die gründliche Erforschung des Landes und die Führung der unmittelbaren palästinischen Arbeit soll in den Händen eines speziell zu diesem Zwecke in Palästina gegründeten Instituts unter der Leitung und Kontrolle der Palästinakommission sich befinden. b) Neben der Entwickelung der Informationstätigkeit soll das palästinensische Institut danach streben, die ganze Informationsarbeit in seinen Händen zu konzentrieren und die aktive Leitung derjenigen Personen und Oruppen zu übernehmen, welche In Palästina ihre Arbeitskraft oder Kapitalien anlegen wollen. c) Die vollstreckcnden Organe des Kongresses haben die ' Pflicht in Konstantinopel eine Agentur zu gründen. welche die Aufgabe der Erreichung von Konzessionen für Palästina übernehmen sollte. d) Um den lokalen und immigrierenden jüdischen Elementen zur Selbständigkeit zu verhelfen, sollen Kreditanstalten gegründet werden. e) Allen natürlich entstehenden Erscheinungen des jiidisehen Lebens in Palästina soll eine leitende und systematische Hilfe erwiesen werden. f) Die vollstreckenden Organe des Kongresses sollen sich bemühen das jüdische Schulwesen in Palästina besser und zweckmässiger zu gestalten. g) Die vollstreckenden Organe des Kongresses sollen sich bemühen, ein breites System von Institutionen zu schaffen, welche die Arbeitsbedingungen in Palästina erleichtern könnten: dabei soll zu diesem Zwecke existierenden Organisationen eine Hilfe erwiesen werden. h) Dic^ Palästinische Kommission soll sich über alle In Palästina entstehenden Unternehmungen gut informieien. um denen von Urnen eutgegenwirken zu können, welche keine Garantien der Sicherheit und Zweckmässigkeit gewähren können. . D‘c Beratungen über den 3. Punkt der Tagesordnung hatten einen vorwiegend praktischen Charakter. Die von der Konferenz angenommenen Organisationsprinzipien lassen sich auf folgendes Organisationsschema zurückführen: 1. Als Vertreter der Russisch-Zionistischen Organisation an jedem besonderen Punkt! erscheint das lokale Zionistische Komitee, welches von der allgemeinen Versammlung der örtlichen Zionisten gewählt wird. Anmerkung: Wenn die Wahl des Komitees durch eine allgemeine Versammlung der Zionisten unmöglich ist, so muss sie auf eine andere Weise geschehen und unterliegt in diesem Falle der Bestätigung des Rayonskomitccs. 2. Die Teilung des R.Z.O. nach Rayons wird von der nächsten Konferenz auf zwcckniüssigstc und der Situation entsprechendste Weise durchgeiiihrt. 3. An der Spitze eines jeden Rayons steht das Rayonskomitcc. dass von der Rayonskontcrenz gewühlt wird. Wenn diese Konferenz nicht statuinden kann, so wird cs von den Delegierten des betreffenden Rayons auf der all gemeinen Parteikonferenz gewählt. 4. An der Spitze des R.Z.O. stellt ein Zentralorgan von 5 Mitgliedern, die vom Parteitage gewählt werden. 5. Beim Zentralorgan der Russischen Zionistischen Organisation werden gegründet: a) eine von der Berliner Palästinakommission bestätigte P a l ü s t i n a k o m 111 i s s i 0 11; b) eine die Aufgabe der literarischen Propaganda erfüllende Literaturkommission und c) ein Kollegium von A g i t a t o r c 11. welches periodische Konferenzen veranstaltet und die Agitationsarbeit iiilirt. 6. Die Frage filier die Kompctinzen des R.Z.O., der Rayonskomitccs und des Kollegiums der russischen Mitglieder des A.K. wird von dem Parteitage der R.Z.O. entschieden. DIE WELT. Aufruf Die Wiedererweckung eines Volkes ist von der Wiedererweckung des nationalen Geistes abhängig. Der Geist eines Volkes spiegelt sicli aber vor allem in seiner Sprache wieder. Sie ist die Schönnmg des ganzen Volkes, sic trägt seine Physiognomie mit allen ihren Besonderliciten. Von dieser Erwägng ausgehend, halten wir es für unsere Pflicht, unsere Volkssprache, die hebräische, zu pflegen. Die vielverbreitete Meinung, das? die hebräische Sprache tot sei, ist entschieden falsch: denn von der Zeit an. da unser Volk die alten erhabenen Werke!‘!!dieser Sprache hervorbrachte, bis über das Mittelalter, da ein Jcliuda Halcvy sich ihrer bediente, lebte sie in einer grossen Literatur fort bis auf unsere Tage. Mit Stolz blicken wir auf die hebräischen Schriftsteller der letzten Zeit, wie Gordon, Srnolcnsky, Bialik, Achad Haam g. a. Nur von ihrem täglichen Gebrauch als Umgangssprache ist sie verdrängt worden, und dem müssen wir abhclten. Zur Belebung des Volksgeistcs, zur Befreiung unserer Sprache müssen wir uns vereinigen, zur Schaffung eines Mittelpunktes, der alle Juden in seinen Bannkreis zieht, der alle Glieder unseres Volkes trotz ihrer verschiedenen Richtungen in sich einigt lind ihnen ein gemeinsames Lebcnsidcal gibt. Der geeignetste Mittelpunkt für dieses Streben ist ein Hebräischer Klub! Dieser soll ein geistiges Zentrum werden fiir unsere heute in aller Welt zerstreuten Brüder. Er kann Erhabenes wirken in unserem inneren und äusseren Lebenl• Er soll jene aufrecht halten, die unserer schönen Sprache schon mächtig sind, und diejenigen anciiern, die sie noch nicht kennen. Diese Idee in Tat utnzusetzcii. ist eine der Hauptaufgaben, die sich der ״Zionistische Zentralerem“ in Wien gestellt hat. Der Zentralverein ruft den Klub als Sektion ins Leben und wird ihn in jeder Weise mit allen Kräften unterstützen. Die Zugehörigkeit zum Klub wird durch die Mitgliedschaft des Zentralvereins erworben. Programm des hebräischen Klubs: 1. Täglich im Lescsaal des Vereins, Wien IX.. Türken- Strasse 9: Konversation, Lektüre hebräischer Zeitungen; 2. Einlal wöchentlich literarischer Abend, resp. Konzert; 3. Aufführung hebräischer Schauspiele; 4. Vorträge über Literatur. Kunst. Geschichte und Zionismus: 5. Kurs für Anfänger; 6. Kurs für hebräischen Gesang unter Leitung eines jüdisehen Komponisten: 7. Herausgabe hebräischer Schriften. Anmeldungen nimmt der ״Zionistische Zentralvcrcin*' in Wien, mündlich oder schriitbch in seinem Lokale IX., Türken- Strasse 9, entgegen. Stifter ist. wer einmal 100 Kr., Gründer, wer durch drei Jahre je 20 Kr״ Mitglied, wer Jährlich 4 Kr., zahlt; Förderer (nur für Mitglieder anderer zionistischer Vereine) 2 Kr.

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