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Jüdische Rundschau · 1906-11-16 · Heft 46 (16.11.1906) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 46 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 683 No. 46 Herzl’s ״Judenstaat“ hat den jetzt erst reifenden Gedanken kühn und klar ausgedriiekt u;1d zugleich am meisten zu seiner Verbreitung beigetragen. für die dritte, politisch vollbewusstc Phase der jüdischen Volksbewegung, . die hauptsächlich auf den Chowewc-Zion-Vcreinen fassend, die Zionistische Organisation schafft, waren folgende einfache Erwägungen inassgebend. Falls die Pflege des jüdischen Bewusstseins eine historische Notwendigkeit und eine moralische Pflicht ist, so wäre cs eine unhalibare Selbst-! täuselmng, zu glauben und 211 verkünden, dass wir j bloss eine Religionsgemeinschaft sind: wir sind auch ein Volk und müssen aus unserem nationalen Bcwusstsein ehrlich und entschlossen alle Konsequenzen ziehen. Wenn die Solidarität mit unsern Brüdern uns das Gebot einer Aktion zur Besserung ihrer Lage diktiert, so begnügen wir uns nicht mit Halbinittehi, sondern versuchen wir, dauernde Abhilfe zu bringen, die J uden f ragc in ihrem Kern zu lösen. Liegt die wahre Quelle aller materiellen und moralischen Judennot darin, dass wir als ein vom eigenen Boden losgelöstes, zerstreutes und in fremde Staatsorgamsnicn eingekeiltes Volk leben, dass wir kerne Schützende und leitende Zcntralgewalt haben, so!missen wir unseren Boden wieder erringen, die bedrückten Judenmassen auf ihm möglichst bald wieder vereinen und dem wiedcriiergesteliten jüdischen Gemein wese־.! eine c i g .c n e Regierung sichern, deren moralischer Schutz sich auch auf die in der Zerstreuung lebenden Juden erstrecken würde. Wenn Assoziation und Organisation das 1ms gebotene Mittel ist, so müssen wir eine weit umspannende, tatsächlich alle Gruppen unseres Volkes umfassende, u.id einheitlich geleitete Organisation bilden, die bis zur Schaffung eines jüdischen Zentrums regiert. Treiben wir endlich jüdische Politik, rufen wir die Presse, die öffentliche Meinung und die Regierungen an, so haben wir dies nicht nur im Interesse lokaler, eine einzige Judengruppe betreffender Massnahmen zu tun, sondern auch zum Zwecke der dauernden Lösung der Jude 11 frage durch Schaffung eines jüdischen Gemeinwesens unter dem Schutze der Mächte. Man sieht: Die dritte Phase der jüdischen Volksbewegung ist nichts als eine logische Entwicklung der ersten. Die Zionistische Organisation ist die zu Ende gedachte Alliance. Die zweite Konferenz der zionistischen Fresse in Russland Wir können unsern Gesinnungsgenossen die erfreuliche Mitteilung lachen, dass nunmehr sämtliche zionistisclien Wochenschriften in Russland wieder erscheinen. Die behordlieh suspendierten Blätter JE\\ REJhKA JA bCHIbN (russisch) und GLOS ZYDOWSKI (polnisch^ P^en ict/t dic Titel: JEWRE.1SKY NTROD und ZVUL ZVDO\\SKIL. Das 111 Odessa hcrausgegcbcnc Blatt KADIMAH erscheint jetzt unter dem Namen: JEWREJSKAJA MYSL und hat gleich ZYCIh ZYDOWSKIE seinen Umfang wesentlich verstärkt. . In dem Erscheinen der jüdischen Wochensclirnut DAS JUDIbLnn VOLK ist bisher keine Störung eingetreten. ..... Wir wünschen unseren Kollegen von der russisch-ziomstisehen Presse herzlich Glück zu der Neuaufnahme ihrer vereinten Tätigkeit. Wie ernst und gewissenhaft sic diese erfüllen, beweist die Tatsache, dass sie eine zweite Zusammenkunft der zionistischen Redakteure veranstaltet haben, über die wir nachstehend berichten. Wir können erwarten, dass unsere vortrefflich geleitete und innerlich geeinte Presse in diesen schweren Zeiten der zionistischen Sache in Russland bedeutende Dienste leisten wird. # Am 17״ IS.. 19. und 20. Oktober fand in Wilna die zweite Konteren der Vertreter der zionistischen Presse, und zwar der Redaktionsmitglieder der vier Parteiorgane: DAS JLDISCHL VOLLK. JEWRESKAJA SHHYZi. JEWRJSKAJA MYSL und GLOS ZYDOWSKI statt. Während die erste Konferenz der Frage der Gegenwartsarbeit und der Ausarbeitung des Programmprojekt der politischen Tätigkeit der Partei in Russland gewidmet war. beschäftigte sich die zweite Konferenz mit der vollkommenen Ausarbeitung und Prüfung derjenigen Gegenstände, welche nach der Frage über die Gegenwartsarbeit zu den wichtigsten der bevorstehenden Konferenz der Russischen Zionistischen Organisation gehören werden. Zu diesen Fragen gehört; 1. Das Verhältnis der Russischen Zionistischen Organisation (R.Z.O.) zu anderen Parteien. 2. Die Arbeit in Palästina. 3. Die innere Organisation der R.Z.O. Über die erste Frage wurde sehr lang debattiert und folgende Resolution angenommen: 1. Die Russische Zionistische Organisation führt eine selbständige riationalpolitische Tätigkeit, welche sie für ein notwendiges Mittel zur Realisierung des zionistischen Ideals betrachtet. 2. Zur Erfüllung der konkreten Gegenwartsaufgaben kann die R.Z.Ö. in Koalition mit anderen Parteien und Vereinen Und ebenso, wie er den Hakim Tujasak von sich erzählt hatte, so erzählte er auch dem Hakim Urmutschi- Oloi alles und fügte nur noch hinzu, dass ihn nicht nur der Reichtum drückte, sondern noch mehr die leidenschaftiichc Begierde r.r.c!« dcc Frauen. Er gestand dem Greise, dass ihn jedes schöne Gesicht reize und dass er seine schönsten Lieder für schwarte bezaubernde Augen gesetzt habe. Sieben schöne Frauen besass er und hatte sie geliebt, als sie iung waren; was gäbe es schöneres als die Blüte jungfräulicher Schönheit und die willige Liebkosung dunkler Augen. Nun sei er zwar alt, aber noch immer entzünde Frauciischönheit in ihm das junge Feuer glühender Begierde. Dieser Durst habe ihn sein ganzes Leben, hindurch gequält und er habe keine Befriedigung gefunden. — ״Worin bestand deine Nahrung. Bai-Sugdi?“ fragte rauh der greise Urirntsohi-Oloi, die Brauen senkend. — — ״Ich ass, was ich haben konnte und wonach es mich gelüstete.“ — — ״Das Feuer verbrecherischer Begierden kommt von der Nahrung! Iss kein Fleisch und trinke keinen Wein und es wird von sclrst erlöschen! Man muss seinen Körper durch Fasten und Arbeit ermüden und sich der Beschaulichkeit hingeben, nur dadurch kannst du dich der Wahrheit nähern! Der .Mensch, der vom Schweine isst, wird selbst zun Schv.cir. und wer Blut gekostet hat, wird blutdürstig. Ein Mann allein kann nicht sieben Frauen zu gleicher Zeit lieben, wenn er so lebt, wie ich sage. Was ist denn das Weib? Es ist ein Trugbild und vergeht mit der ersten Nacht! Schau mal ein altes Weib an, wo ist die Shönlteit geblieben und alles das, was dich zu deinem Lied begeistert hat? Ich aber habe die Vollkommenheit nicht erreicht, Bai-Sugdi. Gehe in das Khannat Kathun, dort am Flusse Tschetsche weilt der grosse Hakim Ergndzl, von ihm erführst du die Wahrheit des Lebens.“ — Bittere Tränen vergoss Bai-Sugdi! Sowohl Tuiusak als auch Urmntsschi-Oloi hatten ihm die Wahrheit gesagt und ki die Tiefen seines Herzens geschaut. O, wie viel Unwahrheit, Böses und wie viel schlimme Begierde״ hatte er sein ganzes Leben hindurch in sich .getragen und durch seine Lieder in andern wachgeruien! Bai-Sugdi warf seinen Rucksack in einen Abgrund, wo nachts Schakale heulten und ging bariuss mit einem Stab in der Hand weiter. (Fortsetzung folgt)

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