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Jüdische Rundschau · 1906-11-16 · Heft 46 (16.11.1906) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 46 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 680 No. 46 JÜDISCHE RUNDSCHAU samcn Beistand zu leisten“ — das waren.die Hauptaufgaben der Alliance. Zum ersten Maie wird hier, nicht von einem einzeihen, sondern von einer massgebenden Vertretung der Judenheit die Erkenntnis ausgesprochen, dass die wahre, tiefste Quelle aller Judennot der Mangel eines eigenen Landes und einer eigenen Regierung sei, deren blosse Existenz Schutz gewähre. Zum ersten Male bekennt die modern gebildete Judenheit im Angesichte der ganzen Welt ihr j ü d i ־ sches Bewusstsein, folgert daraus für die Juden aller Länder die Pflicht der Solidarität, aus dieser das Gebot rastloser Wirksamkeit zu gunsten der bedruckten Brüder, und ergreift zur Durchführung ihrer Aufgaben das moderne Mittel der Assoziation und Organisation. Zum ersten Male eröffnen Juden, die als vollberechtigte und patriotisch empfindende Staatsbürger an der Politik ihrer Geburtsländer teilnehmen, zugleich eine ausgesprochene jüdische Politik. Selbstverständlich geht diese nicht darauf aus, die Welt den Juden untertänig zu machen, wie die antisemitischen Märchenerzähler wollen: sic bezweckt bloss, der, furchtbaren Leiden unserer Stammesgenossen unter vollster Berücksichtigung der Interessen anderer Völker ein Ende zu machen, scheut aber vor Interventionen auch bei auswärtigen Mächten nicht zurück* Und es ist sicherlich kein Zufall, dass die Alliance gleich in dem ersten Stadium ihrer Wirksamkeit dem alten Heimatslande Palästina ihre Aufmerksamkeit zuwandte und moderne Anstalten von weitreichender Bedeutung dort zu gründen begann. So wird es klar: In dem Augenblicke, wo die freie Judenheit der unterdrückten die Hand reichte, wo von dem vorgeschobensten Posten der Emanzipation, von Paris aus wieder der Ruf ertönte: ״Juden, aller Länder, vereinigt Euch!“ war die jüdische Gemeinschaft an die Schwelle einer neuen Entwickelung getreten, war d י e jüdische Volksbewegung geboren. In dem Augenblicke, wo Charles Netter, mit einer persönlichen Aufopferung, zu der nur eine grosse Idee fähig macht, die Ackerbauschule in Jaffa gründete, war das erste Band geknüpft zwischen Der Schwan von Handigai I Frei übertragen aus dem Russischen von , M. P f 11 z n e r. Asiatische Legende (Fortsetzung.) II. Das Khannat Handigai war gross, aber Hakim Bai* Sugdi kannte darin niemand, der gelehrter wäre als er selbst Er machte sich reisefertig, belud drei Kamele mit dein allernotwendigsten für eine lange Reise, nahm zehn Diener mit und begab sich in das benachbarte Khannat Thubaraiglr, wo der berühmte Hakim Tujasek lebte. Oanze drei Wochen dauerte die Reise bis zur Grenze. Viele Jahre hatte Handigai mit Thubaraigir Krieg geführt, viele Städte und Ortschaften zerstört, lausende von Menschen getötet und Tausende in Gefangenschaft weggeführt. Das Glück war bald auf der einen Seite, bald auf der andern, und der Krieg endete erst, wenn die Heere geschwächt, der Vorrat erschöpft war und drohende Armut die Parteien zwang, Frieden zu schliessen. Die Khane versichterten sich gegenseitig ihrer Freundschaft und jeder von ihnen bereitete sich dem modernen Judentum und dem einstigen Juden lande, war der Grundstein gelegt zur Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes In Pa 1 ästina. In allen ihreft weiteren Phasen setzt sich unsere Volksbewegung aus denselben Momenten zusammen: Jüdisches Bewusstsein, jüdische Solidarität, Organisation zur Unter- Stützung, zum Schutze und zur Wiedergeburt der Juden in den Ländern der Zerstreuung, jüdische Politik zur Vorbereitung der Lösung der Juden* frage in Palästina unter Anrufung der M ä c h t e. Schrittweise entwickelte sich die jüdische Bewe* gung, indem einmal dieses, einmal jenes ihrer Elemente mehr in den Vordergrund trat. Den treibenden Anlass boten immer wieder Bedrückungen und Angriffe. Das Auftreten des Antisemitismus in Deutschland, Oesterreich und Frankreich brachte cs den Juden zum Bewusstsein, dass auch in den fortgeschrittensten Ländem, trotz der Gleichberechtigung vor dem Gesetze, das Damoklesschwert über ihnen hänge. Es zeigte ihnen die natürliche Grenze, bis zu der die Wirkungen der Assimilation sich erstrecken können und belehrte sie, dass nur eine geringe Zahl von Familien, niemals aber die grossen Massen der Judenheit den Willen und die Möglichkeit finden, in den umgebenden Völkern aufzugehen. Das Rassenbewusstsein machte mächtige Fortschritte; Zusammenschluss und Abwehr wurden die Losung. Unter dem Drucke dieser Ereignisse und Erkenntnisse schritt die Assoziation und die Organisation der Juden immer weiter vor. Es entstanden Vereinigungen, die die Judenheit eines Landes umfassten, andere, die sich über viele Länder erstreckten. Die deutschen Juden schufen den Abwehrverein, den Deutsch-Israeiitischen Gemeindebund, den Zentralerem deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, den Verband deutscher Juden, den Deutschen Hilfsverein. Auf der ganzen Linie das Streben nach festem Zusammenshluss und heimlich zu einem neuer» Kriege vor, um den Feind plötzlich zu überfallen. Als nun Bai-Sugdi’s Karawane sich der Grenze näherte, nahm die Wache die Kamele fort und erklärte den Hakim-Bai-Sugdi als Gefangenen des Khans Maitschak von Thuberaigir und führte ihn gleich zu diesem. Doch kaum hatte Khan Maitschak erfahren, wen er vor sich habe und zu welchem Zwecke Fakim Bai-Sugdi in sein Reich gekommen war, bot er ihm kostbare Geschenke an und entliess ihn. — ״Deine Lieder, Hakim, werden dir überall den Weg ebnen", sagte Khan Maitschak, erfreut den berühmten Sänger von Angesicht zu Angesicht 2u sehen! ״Wenn ich deine Gabe hätte, o Bai-Sugdi, würde ich mein ganzes Khannat von mir werfen! Gottes Segen über dich, Schwan von Handigai, vergiss nicht, mich auf der Rückreise zu besuchen.“ — Und weiter zog Hakim Bai-Sugdi. Er musste durch eine grosse gefährliche Hungerwüste wandern, wo die Karawanen von Wiistenräubern angefallen zu werden pflegten. So geschah cs auch jetzt. Am dritten läge wurde Hakim Bai-Sugdi’s Karawane von Räubern umringt. Sie fesselten die Diener und begannen, die Ballen loszubinden. Hakim Bai-Sugdi setzte ihnen nicht den geringsten Widerstand entgegen und ssh t

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